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Eine stabile finanzielle Basis für das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen in Bern

(2024.RRGR.69)MotionAblehnung als Postulat
Grosser Rat Bern (BE)11.03.2024 – 27.11.2024
Speeches(21)
Sorted by Speech date, Descending
21 Results
  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Sie haben das Postulat abgelehnt.
  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Sie haben das Postulat abgelehnt.
  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Ich sehe keine Wortmeldungen mehr, auch nicht von der Postulantin. Wir warten kurz auf die Stimmenzählerinnen und Stimmenzähler. (Kurze Pause / Courte pause)

    Gut, jetzt sind alle hier. Dann kommen wir zur Abstimmung, wir stimmen über ein Postulat ab: Wer die Motion als Postulat annimmt, stimmt Ja, wer dies ablehnt, stimmt Nein.

  • Speech
    Speech
    Grosser Rat
    Evi Allemann, DIJ-Direktorin. Die Diskussion gestern am Abend respektive Nachmittag und jetzt ganz kurz auch noch heute Morgen hat mich sehr spannend gedünkt und hat aufgezeigt, dass das Haus der Religionen durchaus eine einzigartige Institution ist, eine Institution, zu welcher die Einschätzungen über die Reichweite ihres Wirkens auseinandergehen.

    Ich habe sie als Institution kennengelernt, die nicht nur eine lokale Bedeutung hat, die in den Kanton und über die Kantonsgrenze hinaus in das ganze Land und darüber hinaus sogar ins Ausland strahlt. Es kommen immer wieder Gäste, um zu schauen, wie sich das Haus der Religionen organisiert, welches Geheimnis dahintersteht, dass hier in Bern auf engem Raum das Zusammenleben der Partner funktioniert, und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit besteht mit einem Dialog, der untereinander, aber auch mit der Öffentlichkeit gepflegt wird.

    Es ist eine Institution mit Strahlkraft. Die Aktivitäten des Vereines tragen seit vielen Jahren aus Sicht der Regierung wesentlich zum friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen, mit unterschiedlichen Weltanschauungen und unterschiedlicher Herkunft bei. Das Haus feiert demnächst das zehnjährige Jubiläum. In den letzten 10 Jahren sind über 3000 Gruppen zu Führungen und Workshops im Haus der Religionen empfangen worden. Das Haus zeigt den Schülerinnen und Schülern, aber auch Erwachsenen, was es heisst, einander zuzuhören, einander Fragen stellen zu dürfen, und zwar über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg.

    Der Regierungsrat hat in seinen Regierungsrichtlinien für die aktuelle Legislatur festgehalten, dass er der religiösen Vielfalt der Berner Bevölkerung Rechnung tragen will. Mit gezielten Massnahmen sollen strukturelle Ungleichbehandlungen gegenüber Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen identifiziert, analysiert und schrittweise reduziert werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein Haus der Religionen – Dialog der Kulturen wäre aus Sicht der Regierung darum eine Chance, die Herausforderungen an den Schnittstellen von Religion und Staat noch besser verstehen und bearbeiten zu können. Dies könnte z. B. in Form einer mehrjährigen Leistungsvereinbarung mit dem Verein passieren.

    Aber bevor wir konkrete Arbeiten anpacken, möchten wir in einem nächsten Schritt sorgfältig abklären, ob für einen allfälligen mehrjährigen Leistungsvertrag mit dem Verein bereits eine entsprechende Rechtsgrundlage besteht, oder wenn nein, wie diese ausgestaltet sein müsste und wo dies verankert werden könnte. Darum schlägt der Regierungsrat die Annahme des Vorstosses als Postulat vor. Ich bin froh, dass gewandelt wurde.

  • Speech
    Mathias Müller(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Mathias Müller, Orvin (SVP), Einzelsprecher. Gestern wurde mehrmals gesagt, der Dialog zwischen den Regionen sei enorm wichtig, weil es so viele Kriege gebe wegen Religion. Meine Damen und Herren, es gibt keine Kriege wegen Religion.

    Schauen Sie die Geschichte an: Kriege werden nicht wegen Religion geführt, sondern mit Religion. Religion wird missbraucht, um die Leute zu motivieren, in den Krieg zu ziehen. Religion wird gebraucht, um die Opferbereitschaft der Leute erhöhen zu können. Aber Kriege werden geführt wegen Machtansprüchen, wegen Ressourcen und wegen Ideologien, aber nicht wegen Religionen.

    Ich habe gestern nachgeschaut und extra noch einmal gesucht: Welche Kriege, in welchen es nur um die Religion ging? Wir finden nicht viele! 1947 vielleicht, in der Trennung von Indien und Pakistan, Muslime gegen Hindus. Vielleicht die Punjab-Kriege im 16. Jahrhundert, als die Sikhs gegen die Muslime kämpften. Und nachher haben wir vielleicht noch die Albigenserkreuzzüge im 13. Jahrhundert, als die katholische Kirche gegen die Katharer vorging. Aber sonst sind eigentlich alle Kriege immer ideologisch aus Machtansprüchen.

    Schauen wir mal im 20 Jahrhundert: Die grössten Kriegstreiber – Pol Pot, Mao, Stalin, Lenin, Kim Il-sung, Mussolini – sind alle zusammen Etatisten und Atheisten. Schauen wir Hitler an: Man kann nicht gerade sagen, ein Atheist, aber ein absoluter Religionshasser. Er hatte zwar eine gewisse Sympathie für den Islam, aber er hasste Religion. Was sie gemeinsam haben: Sie waren Atheisten, und vor allem waren sie Absolutisten – Personen, die das Gefühl haben, sie hätten eine absolute Meinung, sie hätten das Recht, das überall durchzusetzen. Meine Damen und Herren, das ist kein Argument, dieses Haus zu unterstützen.

    Ich bin auch Ihrer Meinung, dass das Haus der Religionen eine gute Sache ist. Es ist ja scheinbar auch erfolgreich usw., wie erzählt wird. Dann braucht es doch keine staatliche Unterstützung, dann können es ja die Religionen selbst finanzieren, wenn ein Bedürfnis besteht. Aber einen Leistungsvertrag mit dem Kanton braucht es jetzt definitiv nicht. Also, lehnen Sie das Postulat ab.

  • Speech
    Sibyl Eigenmann(Die Mitte)
    Grosser Rat
    Sibyl Eigenmann, Bern (Die Mitte), Fraktionssprecherin. Gestern Abend erhielt die Redewendung «Wie bestellt und nicht abgeholt» eine ganz neue Bedeutung für mich. Ich war bereit, ein ganz kurzes Votum zu halten, damit Sie in Ihren wohlverdienten Feierabend hätten gehen können, aber die Ratspräsidentin hatte andere Pläne. Ich ging gestern Abend nach Haus und feilte noch einmal an meinem Votum, untermalte es mit schöner Bildersprache, damit ich heute die ganzen fünf Minuten ausschöpfen kann. – Nein, das ist im Spass. (Heiterkeit / Hilarité)

    Geschätzte Ratspräsidentin, werte Regierungspräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich kann es kurz machen. Gestern Abend wurden die meisten Argumente schon auf den Tisch gebracht. Wir haben gehört, was das Haus der Religionen alles macht. Das freut uns sehr; es ist immer eine Freude, dieses Haus zu besuchen. Wir haben gehört, warum das Haus der Religionen so erfolgreich ist mit dem, was sie machen. Das finden wir auch gut.

    Wir haben aber auch gehört – und da kann ich mich dem Votum von Jakob Schwarz anschliessen –, warum es nicht unbedingt eine Leistungsvereinbarung braucht. Wir von Die Mitte lehnen deshalb das Postulat ab. Wir sehen nicht, welche kantonalen Aufgaben mit einer Leistungsvereinbarung abgegolten werden sollen.

    Eine Randnotiz zur Leistungsvereinbarung: Es wurde gestern auch gesagt, dass man mit einem kleinen Betrag vielleicht etwas weniges abgelte. Ich möchte daran erinnern, dass eine Leistungsvereinbarung, selbst wenn es nur ein kleiner Betrag ist, doch auch ausgehandelt werden muss. Es müssen gewisse administrative Dinge erledigt werden; es braucht vielleicht eine zusätzliche Stelle. Jede Leistungsvereinbarung kommt mit Rechten und Pflichten und killt jede Niederschwelligkeit.

    Darum, um es zu kurz zu machen: Wir wollen keine Leistungsvereinbarung, wir wollen auch keinen Bericht und lehnen deshalb das Postulat ab. Besten Dank.

  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Wir gehen zurück zu den Traktanden. Wir sind bei Traktandum 20 verblieben, dieses ist Teil der DIJ. Wir begrüssen ganz herzlich die Regierungspräsidentin, Evi Allemann, und ihre Mitarbeiter.

    Traktandum 20 ist eine Motion von Grossrätin Nicola von Greyerz: «Eine stabile finanzielle Basis für das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen in Bern». Der Regierungsrat beantragt die Annahme als Postulat. Wir führen eine freie Debatte.

    Eine Information für die Personen auf der Tribüne: Sobald die Wahlresultate bekannt sind, werde ich diese verkünden.

    Gestern sind wir bei den Fraktionen verblieben. Es gab noch eine Fraktionssprecherin, die sich äussern wollte. – Bitte noch einloggen. Für die Mitte-Fraktion hat Grossrätin Sibylle Eigenmann das Wort.

  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Okay, jetzt haben vorhin gerade alle gestaunt, und ich selber auch, weil ich nämlich die falsche Zeit im Kopf hatte. Wir stimmen heute natürlich nicht mehr ab, es ist halb fünf. Wir machen hier den Schnitt und fahren morgen weiter. Ja, Entschuldigung. – Merci, dass Sie bis um halb fünf geblieben sind. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Wir sehen uns morgen Vormittag. Auf Wiedersehen. (Die Präsidentin läutet die Glocke. / La présidente agite sa cloche.)
  • Speech
    Christoph Grupp(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Christoph Grupp, Biel/Bienne (GRÜNE), Fraktionssprecher. Das erstaunt mich jetzt gerade ein bisschen, aber ich komme gerne noch kurz nach vorne. Ich muss wirklich nicht mehr alles wiederholen, was die Vorrednerinnen und Vorredner hier schon gesagt haben. Wichtig für uns von den Grünen, bei denen es durchaus auch kritische Stimmen gibt zu einem Haus der Religionen an und für sich, ist zu bemerken, dass es eben nicht primär ein Haus der Religionsausübung ist, sondern auch vor allem ein Haus des Religionsfriedens, der dadurch möglich ist.

    Es wurde auch in der Debatte zum Landeskirchengesetz immer wieder gesagt, dass es für viele störend ist in diesem Kanton, dass man nur die Landeskirchen derart substanziell unterstützt, andere Religionsgemeinschaften aber nicht und auch Agnostikerinnen und Agnostiker nicht. All das hat aber Platz in diesem Haus der Religion, eben sogar diejenigen, die sagen: «Eigentlich habe ich mit dem Glauben nichts am Hut, aber ich interessiere mich dafür, wie andere Leute ihren Glauben leben», und dies vielleicht auch als wichtig für die anderen anerkennen. Ich glaube, das kann man niemandem absprechen: Die Ausübung eines Glaubens, einer Religion, ist für viele ein zentraler Lebensbestandteil, und in diesem Haus ist das möglich. Es ist aber insbesondere auch der Dialog zu diesem Austausch möglich.

    Wichtig ist auch zu bemerken, dass ein grosser Teil oder immer wiederkehrende Gelder dieses Vereins von den Landeskirchen selber kommen. Es ist unter Umständen eben ein bisschen störend, dass die Landeskirchen eigentlich den Ort anderer Religionen mitfinanzieren. Das kann auch wie eine Art Bevormundung daherkommen, und darum wäre es eigentlich gut, man würde sich überlegen, wie das Ganze auch ein bisschen neutraler stattfinden könnte.

    Die Landeskirchen selber haben nämlich dort keine direkt religiösen Aktivitäten. Sie nehmen an diesem Dialog, an diesen Austauschgesprächen teil, die schlussendlich eben auch dem Religionsfrieden dienen, aber sie feiern dort selber eigentlich keinen Gottesdienst. Vielleicht ausnahmsweise einmal gibt es gewisse Zeremonie oder so, aber das ist eher die Ausnahme. Von daher ist man dort als starker Geldgeber oder zumindest als Geldgeber beteiligt, aber beeinflusst in diesem Sinn vielleicht sogar auch andere ein bisschen, was vielleicht auch störend wirken könnte.

    Darum glaube ich, die Rolle des Kantons Bern wäre diesbezüglich mindestens prüfenswert. Das wäre die Rolle dieses Postulats. Wenn Sie so dem Bericht, den man dann hätte und sehen würde, ob es möglich ist oder nicht, zustimmen könnten, dann vielen Dank seitens der Grünen.

  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Ich möchte heute Abend noch abstimmen – dies als Information. Für die grüne Fraktion hat Grossrat Christoph Grupp das Wort.
  • Speech
    Hans Schori(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Hans Schori, Wiler bei Seedorf (SVP), Fraktionssprecher. Die SVP steht zur christlichen Wertegemeinschaft unserer abendländischen Herkunft und trägt diese quasi auch in der DNA. Wir haben das alles sauber geregelt im Landeskirchengesetz, das wir ja 2020 revidiert haben, wie sich das für einen säkulären Staat auch gehört.

    Der Verein Haus der Religionen ist ein privater Verein, und wir mögen ihm alle Erfolge gönnen, die er regional hat – obwohl wir auch ein bisschen komisch gefunden haben: «Ausstrahlungskraft mit einer Leuchtturmfunktion für den Kanton». Nichtsdestotrotz lassen wir ihm das alles, und gönnen es ihm auch. Aber hier geht es jetzt darum, einen privaten Verein, der bereits mit der Anschubfinanzierung gewürdigt wurde in der Zielsetzung, weiter zu finanzieren.

    Aber 2015 hat der Grosse Rat hier im Saal auch mit einer Planungserklärung eine weitere Anerkennung von Religionsgemeinschaften klar abgelehnt. In den Regierungsrichtlinien 2023–2026 steht aber auch, dass man den religiösen Anliegen der Minderheiten Rechnung tragen will, und man hat dem auch bereits Rechnung getragen. Man hat den Beauftragten für kirchliche und religiöse Arbeiten geschaffen, der auch ein Budget hat, und man hat auch bereits Massnahmen für andere Konfessionen getroffen, bspw. eben in den Spitälern, in den Gefängnissen, dort, wo der Staat Institutionen betreibt.

    Für mehr Unterstützung braucht es gemäss der Kantonsverfassung klar eine Gesetzesgrundlage. Das ist nicht verhandelbar. Diese ist in dem Sinn nicht vorhanden. Wenn man also hier etwas ändern will, dann kann man direkt das Gesetz öffnen, und es dort drin regeln, und braucht nicht wieder einen Bericht, der das Ganze noch einmal aufrollt. Aus diesem Grund ist die SVP klar gegen einen Bericht und somit gegen das Postulat, und dies einstimmig. Merci.

  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Es ist gerade ein bisschen unruhig hier im Saal – bitte zuhören oder hinausgehen in die Wandelhalle. Nun hat als Sprecher für die SVP-Fraktion Grossrat Hans Schori das Wort.
  • Speech
    Ursula Marti(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Ursula Marti, Bern (SP), Fraktionssprecherin. Eine aktive Religionspolitik ist eine wichtige Aufgabe des Kantons. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen sich der Staat nur mit den Landeskirchen befasst. Die Religionen mit ihrer ganzen Vielfalt gehören zu unserer Kultur und sie erfüllen wichtige gesellschaftliche Funktionen. Sie bieten vielen Menschen eine Heimat, sie vermitteln ethische Werte und sie tragen zum friedlichen Zusammenleben bei.

    Wichtig ist, dass sich der Kanton aktiv mit den Religionsgemeinschaften befasst und sie in ihrer ganzen gesellschaftlichen Funktion unterstützt. Das bedeutet auch, Regeln zu definieren, Kriterien zu formulieren: Wie müssen Religionsgemeinschaften aufgestellt sein, welche Standards müssen sie erfüllen, damit sie unterstützt werden können? Nicht unterstützt werden sollen selbstverständlich extremistische, intransparente oder undemokratische Organisationen.

    Wer eine gute, seriöse, sorgfältige, konstruktive Stossrichtung für die Förderung und das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen verfolgt, ist das Haus der Religionen. Ich erlebe das Haus seit der Gründung. Ich war seinerzeit als Stadtratspräsidentin von Bern dabei, als der Spatenstich für den Bau erfolgte, und ich habe es seither miterlebt, wie sich das Haus der Religionen zu einem Kompetenzzentrum und zu einem Begegnungsort entwickelt hat. Es wurde sogar international zu einem Aushängeschild.

    Das Haus der Religion und der Kanton mit seiner Religionspolitik verfolgen in meinen Augen weitgehend gleiche Ziele. Das Haus der Religionen ist deshalb ein logischer Partner für den Kanton. Der Kanton hat zu wenig Ressourcen, um in der Religionspolitik Basisarbeit zu machen. Er kann aber Organisationen gezielt unterstützen, die das in seinem Sinn machen. Das heisst, im Sinn einer demokratischen, friedensfördernden, auf Ausgleich und nicht auf die Polarisierung ausgerichteten Religionspolitik.

    Die SP-JUSO-Fraktion unterstützt deshalb das vorliegende Postulat. Das Haus der Religionen kann seine Aufgaben, die ganz im Sinn des Kantons sind, nur mit einer funktionierenden Finanzierung erfüllen, und der Kanton kann dort mit einem moderaten Beitrag viel ausrichten.

  • Speech
    Claudine Esseiva(FDP.Die Liberalen)
    Grosser Rat
    Claudine Esseiva, Bern (FDP), Fraktionssprecherin. Eigentlich wollte ich mein Votum ganz kurz halten, weil ganz vieles schon gesagt worden ist, aber Jakob Schwarz kann ich jetzt gerade ein paar Antworten geben. Ich lade ihn ein. Ich fände es sehr schön, wir würden einmal zusammen dorthin gehen, denn es ist eben wirklich ein sehr guter Ort mit nationaler Strahlkraft, nicht nur interkantonaler Strahlkraft, sondern mit nationaler Strahlkraft und ist in der heutigen Zeit, in welcher der interreligiöse Dialog wirklich so wichtig ist, absolut zentral.

    Für uns ist aber auch klar – die GLP-Vorrednerin hat es auch schon gesagt –, dass es sicher keine Motion sein darf. Es kann nicht einfach sein, dass man dies à fonds perdu finanziert. Man hat gesagt, es soll eine Anschubfinanzierung sein. Diesbezüglich war die FDP ganz klar. Aber dass man das anschaut, gerade jetzt mit dieser ganzen Diskussion, die wir geführt haben zum Gesetz über die Landeskirchen, an dem wir ja auch dran sind und uns Überlegungen dazu machen ... – Man soll das jetzt richtig prüfen.

    Denn in den heutigen Zeiten ... – Ich muss einfach wirklich sagen, ich mag selber kaum noch in den Nachrichten schauen, geschweige denn meinen Kindern erklären, was momentan passiert. Der interreligiöse Dialog ist so essentiell wichtig, auch gerade in den Schulen. Wir erleben wirklich, und da gebe ich dir völlig recht, Antisemitismus. Wir erleben aber auch sonst Diskriminierungen, also auch von all diesen Religionen. Es ist ein Riesenthema, und ich glaube, wir als Gesellschaft sind enorm gefordert und wir hier im Grossen Rat sind gefordert. Wie gehen wir damit um? Was ist das Bestmögliche, was wir auch gerade den Institutionen anbieten können?

    Die FDP wird also diesem Postulat mehrheitlich zustimmen. Man soll das einmal genau anschauen. Eine Finanzierung à fonds perdu lehnen wir sicher ab.

  • Speech
    Jakob Schwarz(Eidgenössisch-Demokratische Union)
    Grosser Rat
    Jakob Schwarz, Adelboden (EDU), Fraktionssprecher. Unsere Fraktion ist doch ziemlich erstaunt gewesen über die Antwort des Regierungsrates zu diesem Vorstoss, der einen Leistungsvertrag mit dem Verein Haus der Religionen fordert. Dass die Motionärinnen und die Motionäre die Institution wichtig und gut finden, ist nachvollziehbar, und dass da auch durchaus Gutes geleistet wird, möchten wir keineswegs in Abrede stellen.

    Dass aber der Regierungsrat schreibt, ich zitiere, «das Haus der Religionen als einzigartige Berner Institution wesentlich zum sozialen Frieden» beiträgt, und «wesentlich zum friedlichen Zusammenleben von Menschen, unterschiedlicher Religionen, Weltanschauungen und Herkunft» beiträgt, ist für uns schlicht übertrieben und nicht nachvollziehbar. Notabene in einer Zeit, in der Antisemitismus und Intoleranz auch in unserem Kanton, in unserem Land, Hochkonjunktur haben. Von dieser Seite her betrachtet ist der Leistungsausweis dieses Hauses doch recht bescheiden. Und die einzige Schlagzeile, die bei uns in Erinnerung geblieben ist, ist diejenige, dass in diesem Haus Zwangsheiraten stattgefunden haben, und es somit der Ort des Zwangs statt der Toleranz gewesen ist, wie SRF vermeldet hat.

    Wir möchten zudem daraufhin hinweisen, dass es in unserem Kanton sehr viele religiöse und nicht-religiöse Vereine und Organisationen gibt, die mindestens so viel zum friedlichen Zusammenleben beitragen wie der Verein Haus der Religionen, aber vom Kanton keine Unterstützung erhalten. Die Bevorzugung einer einzelnen Institution ist ungerecht, und im Hinblick auf die Budgetdebatte von nächster Woche sollten wir nicht noch zusätzliche wiederkehrende Ausgaben beschliessen, die nice to have sind.

    Zum Schluss: Wir bestreiten die kantonale Bedeutung dieser Institution. Wenn sie aber eine regionale oder kommunale Bedeutung hat, ist sie durch die entsprechenden Kanäle zu finanzieren. Die EDU-Fraktion lehnt diesen Vorstoss auch in Form eines Postulats einstimmig ab.

  • Speech
    Monika Stampfli(Grünliberale Partei)
    Grosser Rat
    Monika Stampfli, Nidau (GLP), Fraktionssprecherin. Wie die Grünliberalen zur Finanzierung der Landeskirchen stehen, das ist bekannt und trotzdem wurde der Antrag, in Zukunft das Haus der Religion in Bern finanziell zu unterstützen, länger diskutiert. In der aktuellen geopolitischen Lage mit diesen unzähligen Kriegsherden haben einige von uns das Bedürfnis, den Dialog der Kulturen auch in Sachen Frieden in unserem Kanton aktiv zu fördern.

    Frieden und Religion; Gehören diese beiden Worte überhaupt zusammen? In den Nachrichten hört man häufiger von Krieg und Religion, und doch hat jede Weltreligion auch eine Friedensbotschaft.

    Im Buddhismus oder auch im Hinduismus soll kein Lebewesen mit Absicht verletzt oder getötet werden. Auch im Judentum soll das Volk in Frieden mit sich selbst, untereinander, mit den Nachbarvölkern und mit Gott leben. Die Christen bzw. Jesus geht sogar so weit zu sagen: «Wenn dich einer schlägt, halt ihm auch noch die andere Wange hin.» Und vom Propheten Mohammed wird überliefert: «Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Zunge und Hand die Menschen sicher sind.»

    Das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Über 33’000 Besucher und Besucherinnen aus allen Teilen der Schweiz und auch aus dem Ausland gehen hier jährlich ein und aus. 147 öffentliche Veranstaltungen haben 2023 stattgefunden. Dass wir im Kanton Bern ein Haus haben, in dem diverse Religionen friedvoll zusammenleben, macht Hoffnung.

    Die Fraktion der Grünliberalen bleibt nach der Diskussion gespalten. Die Motion hatte ganz klar keine Chance. Das Postulat wird von etwas weniger als der Hälfte unterstützt, und ganz wichtig: Die finanzielle Unterstützung sehen wir von den Grünliberalen einzig für den Dialog und nicht für die Ausübung der Religion per se.

  • Speech
    Irene Hügli(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Irene Hügli, Münchenbuchsee (SP), Mitmotionärin. Wenn man in die Welt hinausschaut, sieht man aktuell wieder sehr viele Kriege – auch aus religiösen Gründen und leider ist das ja schon seit Jahrhunderten, fast Jahrtausend so gewesen. Gerade wenn man das alles anschaut, ist ein Haus der Religionen – Dialog der Kulturen umso wichtiger.

    Ich wurde als Mitmotionärin gefragt, ob es auch einen Raum habe für Atheisten im Haus der Religionen. Ja, den gibt es. Der ist nämlich mittendrin. Rundherum haben die Religionen ihre Räume und mittendrin ist der Dialog der Kulturen, das ist ein Begegnungsort. Es gibt einen Vortragsraum, ich habe schon spannende Sachen gehört, Horizonterweiterungen. Das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen ist für alle offen.

    Für mich selbst gilt halt: Wenn man das Fremde kennenlernt, ist es einem nicht mehr so fremd, und genau das lebt man im Haus der Religionen. Lernen wir einander kennen! Sie sind hier, all diese Religionen, darum braucht es so ein Haus. Dann ist es einem nicht mehr so fremd und macht einem auch weniger Angst.

    Ich stimme dem Regierungsrat zu. Auch ich bin davon überzeugt, dass das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen eine einzigartige Institution ist, welche wesentlich zum sozialen und religiösen Frieden beiträgt. Eine enge Zusammenarbeit, bspw. eben in Form eines mehrjährigen Leistungsvertrags, würde dem Kanton Bern sehr gut anstehen.

  • Speech
    Katja Streiff(Evangelische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Katja Streiff, Oberwangen (EVP), Mitmotionärin, Fraktionssprecherin. Mit dem Haus der Religionen – Dialog der Kulturen haben wir in Bern eine Institution, die in ihrer Art einzigartig ist. Wir haben es soeben von der Vorrednerin gehört. Seit bald einem Jahrzehnt fördert es das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen.

    Das Haus der Religionen ist ein Ort, welcher nicht nur religiöse Einrichtungen wie Kirchen, Moscheen und Tempel unter einem Dach vereint, sondern – und das ist ganz wichtig – auch eine Plattform für Austausch und Lernen bietet. Mit Bildungsangeboten, interkulturellen Workshops und Programmen zur Konfliktbewältigung trägt es aktiv dazu bei, gegenseitiges Verständnis zu schaffen und ein respektvolles Miteinander zu fördern.

    Jährlich besuchen rund 30’000 Menschen diesen Dialograum, ein Zeichen dafür, dass das Interesse und der Bedarf an den solchen Begegnungsstätten gross sind und dass die Arbeit des Hauses der Religionen über die Stadt Bern hinaus eine Bedeutung hat. Mit seinem Engagement leistet der Verein Haus der Religionen einen unverzichtbaren Beitrag zur Religionspolitik unseres Kantons Bern und zu unserem friedlichen Zusammenleben.

    Angebote und Orte, die den Dialog fördern, friedlich und offen, sind aus Sicht der EVP zu stärken und vor allem auch zu unterstützen. Unsere Welt braucht solche Orte und das auch im Kanton Bern. Die Förderung des Dialogs zwischen den Religionen, wie ihn dieses Haus macht und ermöglicht, hilft, Konflikte zu vermeiden und gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Es ist bereits international bekannt und wird auch von der Stadt Bern und durch Spenden unterstützt.

    Um diese wichtige Arbeit aber langfristig zu sichern, braucht es auch die Unterstützung des Kantons. Für die EVP-Fraktion ist deshalb klar, dass es eine solide Finanzierung braucht, um diese wertvolle Arbeit auch langfristig sichern zu können. Es freut uns, dass auch der Regierungsrat überzeugt ist, dass das Haus der Religionen einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden leistet und der Unterstützung positiv gegenübersteht. Dass er schreibt, dass man die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine solche Unterstützung sorgfältig abklären und gegebenenfalls sogar schaffen muss, das ist für die EVP-Fraktion nachvollziehbar und auch ein guter Weg. Damit geben wir der Institution die Chance, ihre wichtige Arbeit für den interreligiösen und interkulturellen Dialog zu sichern.

    Die EVP-Fraktion folgt deshalb dem Antrag des Regierungsrates und unterstützt diese Motion als Postulat einstimmig. Merci.

  • Speech
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Auf der Zuschauertribüne begrüsse ich ganz herzlich einen weiteren Alt-Grossratspräsidenten: Bernhard Antener. Herzlich willkommen! (Applaus / Applaudissements)

    Als Mitvorstösserin und Fraktionssprecherin hat Katja Streiff das Wort.

  • Speech
    Nicola von Greyerz(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Nicola von Greyerz, Bern (SP), Motionärin. Als vor zehn Jahren das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen eröffnet wurde, pilgerten Tausende an den Europaplatz. Ich kann mich selber auch noch sehr gut daran erinnern, wie ich dort mitten in diesem Pulk von Leuten stand. Es fielen Sätze wie «das neue Wunder von Bern», «Pionierarbeit», «Einzigartigkeit». Roger de Weck sagte bei der Eröffnungsfeier: «Dieses Haus ist ein Glücksfall, aber kein Zufall, sondern ein Willensakt.»

    Ein paar Jahre später erhielt das Haus den ersten internationalen Preis, und einer der wichtigen Mitbegründer des Hauses hat ein paar Jahre später einen Ehrendoktortitel der Uni Bern erhalten.

    Die Freude und die Euphorie über dieses Haus waren vor zehn Jahren zu Recht gross. Ein Haus wie das Haus der Religionen gibt es sonst nirgends. Das gibt es im Kanton Bern nicht. Das gibt es in der Schweiz nicht. Das gibt es in Europa nicht und das gibt es weltweit nicht. Das ist das absolut einzige Haus, in dem acht Religionen unter einem Dach vereint sind. Fünf haben dort einen Kultusraum, die anderen drei sind beim Verein mit dabei.

    Es mag ja sein, dass es in den letzten Jahren ein bisschen ruhiger geworden ist um dieses Haus, aber das heisst nicht, dass dort nichts passiert wäre. Es heisst nur, dass hart gearbeitet worden ist. Es ist hart gearbeitet worden an dieser Utopie, welche das Haus trägt, nämlich ein friedliches Nebeneinander zu leben und den Dialog über die Grenzen der Religionen, der Sprachen und der Kulturen hinweg zu leben.

    In den Regierungsrichtlinien des Regierungsrates ist ein Entwicklungsschwerpunkt, dass sich der Kanton für die religiöse Vielfalt der Bevölkerung und den wachsenden Anteil von Konfessionslosen einsetzt und dem auch Rechnung tragen will. Wenn man diesen Punkt unterstützen will, dann macht man sich am gescheitesten auf die Suche nach Institutionen, welche einen dort unterstützen können und das Haus der Religionen – Dialog der Kulturen ist genauso eine Institution, die das macht.

    Das Haus ist ein Ort der Bildung. Gegen 400 Führungen finden jedes Jahr statt. Das ist mehr als eine pro Tag, wenn das Haus offen ist. Es sind ganz viele Schulklassen, die in das Haus gehen und ganz viele Schülerinnen und Schüler, die das erste Mal mit anderen Religionen, mit anderen Kulturen in Kontakt kommen. Das Haus ist aber auch ein Haus der Bildung für ganz viele wichtige Berufsorganisationen. Verschiedene Polizeikorps gehen z.B. ins Haus der Religionen, um ihre Leute dort in interkulturellen Kompetenzen zu schulen und ihnen dort spezifisches Wissen zu vermitteln im Umgang, damit sie ihren Auftrag gut und richtig erfüllen können.

    Das Haus übernimmt aber auch wichtige Integrationsaufgaben, und das kann auch total fein riechen. Ich kann Ihnen allen nur empfehlen: Gehen Sie mal dort hin, gehen Sie dort einmal mittagessen, dann merken Sie, dass Integration auch durch den Magen geht. Das lohnt sich wirklich, das ist wahnsinnig fein, das ist die beste ayurvedische vegane Küche, die Sie weitherum bekommen können. Das sage nicht nur ich, sondern es wird von ganz vielen Gastronomen wirklich auch so bezeugt.

    Ich habe von verschiedensten Leuten gehört: «Wir wollen nicht die Religionen unterstützen». Mit diesem Vorstoss geht es eben genau darum, nicht die Religionen zu unterstützen, sondern den zweiten Teil dieser Institution, nämlich den Dialog der Kulturen. Es geht hier darum, die Arbeit des Hauses der Religionen zu unterstützen, die Dialogformate weiterentwickeln zu können und eben den Dialog der Kulturen und der Religionen dort weiterzubringen. Ich denke – das unterstützen wahrscheinlich viele –, dass dies in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.

    Es tut sich viel in der religionspolitischen Lage und Situation heute. Der Vorstoss von Carlos Reinhard ist nur einer davon, und deshalb bitte ich Sie, dieses Postulat zu unterstützen. Es geht nämlich einfach nur darum, abzuklären, wie man das Haus unterstützen könnte. Mir ist klar, die rechtlichen Grundlagen sind nicht da, dass man das Haus einfach so unterstützen kann, aber helfen Sie doch mit, einmal abzuklären, wie man diesen wichtigen Leuchtturm für den Kanton Bern – und es ist wirklich ein wichtiger Leuchtturm für den Kanton Bern – unterstützen könnte, damit er auch in Zukunft finanziell gut dasteht und seine Aufgaben übernehmen kann. Merci vielmals.

Data: OpenParlData · CC BY 4.0