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Militärstrafprozess (Zeugenschutz). Revision

(03.008)Geschäft des BundesratesErledigt
Schweiz22.01.2003
Speeches(28)
Sorted by Speech date, Descending
28 Results
  • Redetext
    Fritz Schiesser(FDP.Die Liberalen)
    Schweiz
  • Abstimmung
    Speech
    Schweiz

    Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble

    [NAM]

    Für Annahme des Entwurfes .... 130 Stimmen

    Dagegen .... 21 Stimmen

  • Redetext
    Max Binder(Schweizerische Volkspartei)
    Schweiz
  • Redetext
    Ruedi Aeschbacher(Evangelische Volkspartei)
    Schweiz

    Zum Minderheitsantrag ist von Bundesrat Schmid und von meinem Kollegen französischer Zunge alles gesagt worden. Ich möchte es nicht wiederholen. Hingegen möchte ich zum Antrag Jutzet sprechen, der der Kommission nicht vorgelegen hat und den sie deshalb auch nicht beraten konnte.

    Dieser Antrag ist vielleicht auch nicht das Gelbe vom Ei; Herr Jutzet hat es selber gesagt. Persönlich meine ich, dass es der gut gemeinte Vorschlag ist, die Sache nochmals zu überdenken, und ich kann es niemandem verwehren, wenn er diesem Antrag zustimmen möchte. Ich bin persönlich aber nicht ganz sicher, ob wir in einer zweiten Runde - nochmals [PAGE 1989] zurück in den Ständerat und dann wieder in den Nationalrat - wesentlich gescheiter werden. Der Ständerat hat darüber diskutiert, wir haben in der Kommission Lösungen gesucht, die vielleicht noch besser wären, und wir haben diese Frage in der Zwischenzeit auch mit der Verwaltung nochmals durchgesprochen. Es hat sich nichts Besseres gezeigt.

    Ich komme deshalb zum Schluss, dass Sie doch der Lösung der Kommissionsmehrheit zustimmen sollten.

    Ich möchte abschliessend festhalten, dass keine Rede davon sein kann, dass die Schweiz mit dieser Revision zu einem sicheren Hafen für Kriegsverbrecher wird, wie gesagt worden ist. Ebenso wenig aber möchten wir, dass die Schweiz eine Plattform für Verfahren gegen irgendwelche Kriegsverbrecher dieser Welt wird, die keinerlei Bezug zu unserem Land haben.

    Ich bitte Sie daher, den Antrag Jutzet abzulehnen und mit der Kommissionsmehrheit zu stimmen.

  • Redetext
    Jacques-Simon Eggly(Liberal-Demokratische Partei)
    Schweiz

    Juste un mot sur la proposition de minorité Menétrey-Savary. Je ne sais pas si je peux parler au nom de la commission, mais je ne suis pas forcément d'accord avec ce que vous venez de dire, Madame Menétrey, sous forme de question. Je me demande si finalement, parfois, pour que la paix avance, il ne faut pas, si je puis dire, non pas l'oubli, mais une ambiance de réconciliation, comme d'ailleurs l'Afrique du Sud l'a parfaitement compris, par exemple, avec sa commission "Vérité et réconciliation". Si je poussais un peu, je dirais: "Vous vous rendez compte, Madame Menétrey, si, au moment où saint Paul a commencé à évangéliser, on l'avait bloqué en quelque sorte et on l'avait mis en prison à cause de ce qu'il avait fait avant d'être tombé de cheval sur le chemin de Damas!" Bon, je pousse peut-être un peu la démonstration, mais enfin, j'espère quand même que vous comprenez ce que je veux dire.

    Je crois que les choses ne sont pas si simples que cela, et qu'à un moment donné, quand on a un processus, par exemple de réconciliation, on pourrait très bien imaginer un ancien général israélien et un ancien responsable de l'Autorité palestinienne, qui objectivement pourraient être poursuivis pour crimes de guerre et qui, à un moment donné de leur réflexion et de leur démarche psychologique et morale, en arriveraient à être des coauteurs d'une initiative du genre de l'Initiative de Genève. Tout ça pour dire que les choses ne sont pas si simples et que dans la mesure où la Suisse et Genève veulent servir la paix, il faut peut-être que parfois, elles aient plus l'esprit de finesse que l'esprit de géométrie dans la manière d'aborder ces problèmes.

    Mais de toute façon, on ne peut pas laisser passer ce qui a été dit auparavant, en l'occurrence que si on adoptait la proposition de la majorité, qui suit la décision du Conseil des Etats, ce serait une manière d'admettre qu'un criminel de guerre puisse vivre une retraite paisible sans être inquiété en Suisse. Absolument pas! Il n'y a là aucune différence entre le projet du Conseil fédéral et les propositions qui vous sont soumises.

    Mais c'est vrai, l'histoire de la Belgique a un petit peu - comment dirai-je? - déstabilisé nos esprits. C'est vrai, on n'aimerait pas qu'il y ait, à l'occasion d'un passage, que ce soit officiel ou pas officiel en Suisse, une plainte malencontreuse qui fasse que la place même diplomatique de la Suisse, notamment en faveur de la paix, puisse être mise en cause. Il s'agit de rien de moins, mais de rien de plus. Je crois que nous pouvons discuter sur les nuances, mais rien de plus.

    En ce qui concerne la proposition Jutzet, je dirai tout simplement qu'elle n'a pas été discutée en commission. Je trouve que l'intention de Monsieur Jutzet est bonne, mais il me semble que la précision de la majorité de la commission est plus nette et plus claire.

  • Redetext
    Samuel Schmid(Bürgerlich-Demokratische Partei)
    Schweiz

    Ich bin absolut mit Ihnen einverstanden, und es ist die Meinung sowohl des Bundesrates wie auch der Kommissionsmehrheit, dass Völkerrechtsverletzungen zu ahnden sind. Aber ich mache nochmals darauf aufmerksam, dass wir die jetzige Praxis präzisieren und damit eigentlich zur Rechtssicherheit beitragen und materiell keine Änderung vornehmen. Deshalb wird dieser Fall genau gleich behandelt, ob Sie zustimmen oder nicht. Allerdings hat die Formulierung des Ständerates den Vorteil, dass damit die Praxis festgeschrieben ist.

  • Redetext
    Schweiz

    Monsieur le conseiller fédéral, je voudrais vous poser une question à partir d'un cas très concret. Ici, tout le monde se félicite, par exemple, que la Suisse ait contribué à l'Initiative de Genève, à une tentative de paix entre Israël et la Palestine. Est-ce que vous ne craignez pas que ce plan de paix reste lettre morte si, parallèlement, on classe sans entrer en matière une plainte pour crimes de guerre contre des généraux israéliens, si on n'instruit même pas cette plainte et si on ne condamne pas une fois pour toutes les violations des Conventions de Genève dont l'armée israélienne se rend coupable?

  • Redetext
    Samuel Schmid(Bürgerlich-Demokratische Partei)
    Schweiz

    Ich beantrage Ihnen, die Fassung des Ständerates gutzuheissen und den Minderheitsantrag und den Eventualantrag Jutzet abzulehnen.

    Ich weise darauf hin, dass Artikel 9 Absatz 1bis des Militärstrafgesetzes die Zuständigkeit der Schweiz für die Strafverfolgung von ausländischen Kriegsverbrechern nach dem Universalitätsprinzip höchstens präzisiert. Schon seit Inkrafttreten der Genfer Abkommen für die Schweiz ging man davon aus, dass der in den Genfer Abkommen festgehaltene Grundsatz des Rechtsbegriffs "aut dedere aut iudicare" - also "ausliefern oder beurteilen" - voraussetzt, dass sich der mutmassliche Täter in der Schweiz befinden muss, da er ja sonst gar nicht ausgeliefert werden kann und da er auch nicht in der Schweiz beurteilt werden kann.

    Wenn man allein vom jetzigen Wortlaut von Artikel 9 des Militärstrafgesetzes ausgeht und dessen Entstehungsgeschichte nicht berücksichtigt, könnte man allenfalls den falschen Schluss ziehen, dass die Schweiz auch gegen solche Kriegsverbrecher vorgehen muss, die nicht in der Schweiz anwesend sind und für die Behörden nicht greifbar sind. Entsprechend sind in jüngster Zeit verschiedene Klagen gegen ausländische Kriegsverbrecher eingereicht worden, obwohl die betreffenden Personen nicht in der Schweiz anwesend waren.

    Mit der neuen Formulierung soll klargestellt werden, dass die zuständige Strafverfolgungsbehörde wie bis anhin, in langjähriger Praxis und in ständigem Verständnis der völkerrechtlichen Pflichten unseres Landes, nur dann gegen mutmassliche ausländische Kriegsverbrecher vorgeht, wenn sich diese in der Schweiz befinden. Das bedeutet, dass eine Strafuntersuchung eingeleitet wird, sobald sich eine verdächtige Person in unserem Land befindet. Diese ständige Praxis der Schweizer Behörden entspricht im Übrigen der Gesetzgebung und Praxis der meisten Staaten.

    Am 24. September 2003 hat nun der Ständerat Artikel 9 Absatz 1bis noch präzisiert, indem sich ein mutmasslicher Kriegsverbrecher nicht nur in der Schweiz befinden, sondern auch noch in einem Bezug mit der Schweiz stehen muss. Am 13. Oktober 2003 hat Ihre Kommission für Rechtsfragen schliesslich diese Änderung geprüft und sich mehrheitlich damit einverstanden erklärt.

    Mit dieser Formulierung wird dem Versuch unmissverständlich entgegengewirkt, die Schweiz zu einer allfälligen Plattform für Strafanzeigen gegen ausländische Kriegsverbrecher - ohne diesen speziellen Bezug und diese Anknüpfung - werden zu lassen. Dies ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil sich solche Anzeigen immer häufiger auch gegen aktive und ehemalige Staatsoberhäupter und Minister richten, was zu aussenpolitischen Schwierigkeiten führen könnte, insbesondere auch wegen der Rolle Genfs als internationalem Verhandlungsort und wichtiger Uno-Stadt.

    Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang das Beispiel von Belgien. Im Laufe des Frühjahrs 2003 ist Belgien wegen der Formulierung der dort geltenden Völkerstrafrechtsbestimmungen unter massivsten politischen Druck geraten und musste schliesslich sein Gesetz anpassen. Dies bewegt schliesslich auch die Schweiz, nun der Formulierung des Ständerates gegenüber derjenigen des Bundesrates - dem Wortlaut des Allgemeinen Teils des bürgerlichen Strafgesetzbuches - den Vorzug zu geben.

    Bei der Präzisierung der Formulierung durch den Ständerat geht es nicht um eine inhaltliche Änderung des Artikels - ich unterstreiche das -, sondern darum, dass er sprachlich die bisherige Praxis so genau wiedergibt, dass der Schweiz eine politische Drucksituation, wie sie Belgien erlebt hat, erspart bleibt. Die Schweiz soll also keineswegs - diese Unterstellung weise ich zurück - zu einem Hort für Kriegsverbrecher werden. Die vorgeschlagene Bestimmung entspricht genau unserer Praxis. Sämtliche Verfahren, die bisher gegen Personen aus Rwanda, Ex-Jugoslawien und weiteren Staaten geführt wurden und derzeit geführt werden, würden auch mit dem neuen, vom Ständerat vorgeschlagenen Gesetzesartikel unverändert durchgeführt. Die vorgeschlagene, präzisierte Bestimmung bewirkt also weder eine Verschärfung noch eine Erleichterung, sondern sie bewirkt nur eine Verdeutlichung der bisherigen Praxis.

    Die Praxis, wonach eine Strafverfolgung gegen eine verdächtige Person eingeleitet wird, sobald sie sich in der Schweiz befindet, einen engen Bezug zur Schweiz hat und ein genügender Verdacht vorliegt, ist denn auch mit völkerrechtlichen Verpflichtungen unseres Landes, insbesondere mit den Genfer Konventionen und der Genozid-Konvention, vereinbar. Nach dem Grundsatz des Auslieferns oder Beurteilens verlangen diese Verpflichtungen und Konventionen von der Schweiz, dass sie eine Strafverfolgung gegen einen mutmasslichen Täter einleitet, sobald sich dieser in der Schweiz befindet, ein genügender Verdacht gegen ihn besteht und sie seiner habhaft werden kann. Mit der Formulierung, wonach sich diese Personen "in der Schweiz befinden sowie einen engen Bezug zur Schweiz haben" müssen, soll nun im Gesetz verankert werden, was die völkerrechtlichen Verpflichtungen verlangen und die langjährige, international anerkannte und angemessene Praxis darstellt: Zur Einleitung einer Strafuntersuchung muss nämlich die verdächtige Person in der Schweiz anwesend sein, und es müssen vernünftige Aussichten dafür bestehen, dass man diese Person auch verhaften, beurteilen oder eben ausliefern kann.

    Was ich konkretisiere und was bereits in der Kommission speziell diskutiert wurde, sind einige Beispiele, was man darunter versteht: Einen engen Bezug zur Schweiz hat zunächst jede Person, die ihren Wohnsitz oder ihren Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat. Das ist so weit evident. Dazu gehören neben anderen auch Asylsuchende, abgelehnte Asylbewerber und Flüchtlinge. Diese Personen haben sich bewusst in die Schweiz begeben, um hier Zuflucht zu suchen. Sie sollen auch hier ins Recht gefasst werden können.

    Auch Personen, deren nahe Familienangehörige wie Eltern, Partner und Kinder in der Schweiz leben und die regelmässige Kontakte zu diesen unterhalten, haben einen genügend engen Bezug. Dies gilt z. B. auch für Personen, die sich für eine stationäre ärztliche Behandlung in der Schweiz aufhalten. Einen engen Bezug zur Schweiz haben im Sinne der vorgeschlagenen Bestimmungen aber auch Personen, die z. B. Grundeigentum in der Schweiz haben, auch ohne einen weiteren Bezug zur Schweiz zu haben. Ihnen gehört damit ein Stück Schweiz, und das gibt diesen erforderlichen Bezug.

    Keinen genügenden Bezug haben Personen, die ein Bankkonto bei einer Schweizer Bank haben; denn sie können eine solche Bankbeziehung von überall in der Welt [PAGE 1988] unterhalten. Auch Personen, die sich bloss zur Durchreise oder für kürzere Zeit in unserem Land befinden, mit der Absicht, gleich wieder ab- oder weiterzureisen, haben keinen engen Bezug in diesem Sinne.

    In den letzten Tagen kamen Befürchtungen auf, dass mit der vom Ständerat beschlossenen Änderung von Artikel 9 Absatz 1bis völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz verletzt würden; daher entspreche die ursprüngliche Formulierung des Bundesrates in der Botschaft der bisherigen Praxis besser. Es ist mir deshalb ein Anliegen, hier zu erläutern, weshalb der Bundesrat die Formulierung des Ständerates und der Mehrheit Ihrer Kommission für Rechtsfragen für die bessere hält und gleichzeitig der Ansicht ist, dass damit keine neue Praxis begründet und keine völkerrechtlichen Verpflichtungen punktuell abgelehnt werden.

    Sinn und Zweck dieser Bestimmung ist es und darf es nur sein, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen dem Universalitätsprinzip und seiner praktischen Anwendung herzustellen. Der Bezug zur Schweiz bedeutet eben nicht mehr, als dass für die Militärjustiz ausreichende Verdachtsmomente und Bezugspunkte zur Schweiz bestehen müssen.

    Bei beiden Formulierungen muss klar sein, dass eine Strafuntersuchung immer erst dann eingeleitet wird, wenn sich ein mutmasslicher Kriegsverbrecher nichtschweizerischer Staatsangehörigkeit in der Schweiz befindet.

    Schliesslich ist festzuhalten, dass, unberührt von der neuen Gesetzesbestimmung, jede Person, gegen die ein internationaler Haftbefehl vorliegt, unverzüglich festgenommen wird. Damit dürfte auch das von Herrn Jutzet zitierte Beispiel hier nicht greifen, weil anzunehmen ist, dass in solchen Fällen ein Haftbefehl vorliegt.

    Im Sinne dieser Ausführungen ersuche ich Sie, dem Beschluss des Ständerates zuzustimmen.

    Nun zum Antrag Jutzet: Selbstverständlich - das schicke ich voraus - ist es Ihrem Rat überlassen, ob Sie diese Differenz schaffen und das Ganze nochmals an den Ständerat zurückschicken wollen. Ich habe Ihnen die Gründe dargelegt, weshalb das Ganze nach meinem Dafürhalten liquid zum Entscheid ist. Auch der Antrag Jutzet löst das Problem nicht endgültig. Er hätte nämlich zur Folge, dass jemand, der sich zum Beispiel für eine Friedenskonferenz in der Schweiz aufhält, verfolgt werden müsste. Ausserdem greift der Antrag etwas zu kurz. Denn einer Strafverfolgung von Personen, welche sich zwecks Besuchs von Familienangehörigen in der Schweiz befinden, könnte der Reiseplan entgegengehalten werden, wonach die Flugverbindungen oder irgendwelche Verkehrsmittel einen Zwischenhalt notwendig gemacht hätten - nichts sei bei einem Transitstopp normaler, als bei Verwandten zu übernachten. Damit ist der Text, gemäss dem sich die Personen zu mehr als zu blossen Transitzwecken in der Schweiz befinden müssen und nicht ans Ausland ausgeliefert werden können, wie hier vorgeschlagen, ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Hingegen, das sei erwähnt, würde die Formulierung des Ständerates in einem solchen Beispiel eine Strafverfolgung erlauben. Auch da ist also der Fokus eigentlich nicht auf die Fälle gerichtet, auf die er zu richten wäre.

    Das sind die Gründe für die Ablehnung des Antrages. Ich überlasse es jetzt dem Rat zu entscheiden.

  • Redetext
    Erwin Jutzet(Sozialdemokratische Partei)
    Schweiz

    In der Sache selbst kann man hier sicher in guten Treuen verschiedener Meinung sein. Der Ständerat hat den Entwurf des Bundesrates verschärft, und zwar aus Angst vor - wie es hiess - Strafverfolgungstourismus, vor belgischen Verhältnissen. Ich habe Verständnis für diese Befürchtung, glaube aber, dass die Fassung des Ständerates über das Ziel hinausschiesst und vor allem eine nicht akzeptable Diskrepanz zum bürgerlichen Strafgesetzbuch schafft; und das geht nicht. Das ist ein gesetzgeberisches Unding, eine Fehlleistung, die in jeder juristischen Fakultät als Paradebeispiel für unsere Beliebigkeit und unsere Unseriosität herhalten müsste.

    Tatsächlich hat das Parlament vor einem Jahr, am 13. Dezember 2002, den Allgemeinen Teil des Strafgesetzbuches revidiert und dabei die Strafverfolgung für Leute vorgesehen, die sich in der Schweiz befinden und ein besonders schweres Verbrechen begangen haben, das von der internationalen Rechtsgemeinschaft geächtet wird. Als Beispiel wurde etwa genannt: Ein Verbrecher, welcher in Algerien ganzen Familien mit Kindern die Kehle aufgeschlitzt hat, sitzt beispielsweise vor dem Café Fédéral auf der Terrasse. Das ginge nicht, dass wir da nichts machen könnten. Das könnten wir nicht, das wäre stossend. Das hat das Parlament eingesehen und deshalb im Allgemeinen Teil eine solche Bestimmung geschaffen.

    Das Problem liegt aber jetzt so: Wenn die gleiche Person als Militärperson gehandelt hat, in Uniform, dann könnten wir nichts unternehmen. Wenn sie als Zivilperson gehandelt hat, dann können wir handeln, wenn sie als Militärperson gehandelt hat, können wir nichts unternehmen. Das geht nicht, das sieht doch jeder ein. Wir müssen eine Konkordanz zum Strafgesetzbuch finden.

    Mein Antrag, das ist mir bewusst, ist auch nicht das Gelbe vom Ei und sicher nicht das Ei des Kolumbus. Es ist aber ein Vermittlungsvorschlag zwischen dem bundesrätlichen Vorschlag, der bloss von sich in der Schweiz befindenden Personen spricht, und dem Beschluss des Ständerates, der von einem engen Bezug dieser Personen zur Schweiz spricht. Dieser enge Bezug ist interpretationsbedürftig. Wir haben gehört: Wenn jemand hier eine Wohnung bzw. eine [PAGE 1987] Residenz hat, dann hätte er einen engen Bezug. Dem wurde aber bereits entgegengehalten, wenn er sein Chalet nur zu Kapitalinvestitionszwecken hätte, dann hätte er den engen Bezug nicht. Der Streit ist hier bereits vorprogrammiert.

    Noch etwas zum Sprecher französischer Zunge: Wenn sich ein Regierungsmitglied in der Schweiz aufhält, beispielsweise an einer Konferenz in Genf, dann geniesst es Immunität, dann kann es nicht verfolgt werden.

    Es geht mir darum, dass wir eine Differenz zum Ständerat schaffen. Der Ständerat selber war sich des Problems bewusst; er wollte aber ein Zeichen setzen - im Bewusstsein und in der Hoffnung, dass der Nationalrat diese Frage noch einmal vertieft. Ich beziehe mich auf das Amtliche Bulletin des Ständerates vom 24. September 2003. Ständerat Pfisterer Thomas etwa sagte, wir sollten den Vorteil des Zweikammersystems nutzen und der Nationalrat solle nochmals über die Bücher gehen. Auch Ständerat Germann sprach von der Diskrepanz und war sich bewusst, dass der Ständerat diese an den Zweitrat weitergibt. Auch Sie, Herr Bundesrat Schmid, haben für den Zweitrat eine vertiefte Analyse versprochen. Damit haben Sie zu erkennen gegeben, dass auch der Bundesrat sich des Problems bewusst ist.

    Mein Antrag, den ich als Eventualantrag zum Antrag der Minderheit verstehe, ist ein vermittelnder Antrag. Er schlägt eine Brücke zum Ständerat; er schafft eine Differenz und damit die Möglichkeit zu einem Kompromiss. In der Sache selbst - materiell - wird damit nichts präjudiziert.

    Ich bitte Sie, diesen Antrag zu unterstützen.

  • Redetext
    Max Binder(Schweizerische Volkspartei)
    Schweiz

    Das Wort für seinen Antrag, den er als einen Eventualantrag versteht, hat Herr Jutzet.

  • Redetext
    J. Alexander Baumann(Schweizerische Volkspartei)
    Schweiz

    Die SVP-Fraktion beantragt Ihnen, der Linie des Ständerates zu folgen.

    Mit Artikel 9 Absatz 1bis des Militärstrafgesetzes wird die Zuständigkeit unseres Landes zur Strafverfolgung von ausländischen Kriegsverbrechen nach dem Universalitätsprinzip präzisiert, und zwar in dem Sinne, dass sich der mutmassliche Täter in der Schweiz befinden muss, damit eine Zuständigkeit der Schweiz vorliegt. Denn nur dann kann er entweder ausgeliefert oder in der Schweiz beurteilt werden. Diese Präzisierung, wie sie vom Bundesrat vorgeschlagen ist, wirkt dem aufgetretenen Interpretationsfehler entgegen, nach welchem die Schweiz auch gegen solche Kriegsverbrecher vorgehen müsste, die nicht in der Schweiz anwesend und für die Behörden nicht greifbar sind. Tatsächlich sind in letzter Zeit in der Schweiz verschiedentlich Klagen gegen Angeschuldigte eingereicht worden, obwohl diese nicht in der Schweiz anwesend waren. Mit dieser Präzisierung verankern wir die langjährige Praxis nach ständigem Verständnis der völkerrechtlichen Pflichten unseres Landes, welche auch der Gesetzgebung und Praxis der meisten Staaten entspricht.

    Nun hat der Ständerat diesen Artikel noch zusätzlich präzisiert, indem sich der mutmassliche Kriegsverbrecher nicht nur in der Schweiz befinden, sondern noch einen Bezug zur Schweiz haben muss. Der Departementsvorsteher trägt diese Präzisierung mit. Mit der ständerätlichen Einfügung soll verhindert werden, dass die Schweiz zu einer Plattform für Strafanzeigen gegen ausländische Kriegsverbrecher ohne Bezug zur Schweiz werden kann. Dieser Aspekt ist für unser Land wichtig, da sich derartige Anzeigen zunehmend auch gegen Staatsoberhäupter - aktive oder ehemalige - beziehungsweise gegen Minister oder Militärs richten. Damit besteht die Gefahr aussenpolitischer Schwierigkeiten, insbesondere auch wegen der Uno-Stadt Genf. Es ist auch zu befürchten, dass mächtige Staaten, die mit dem Resultat einer Beurteilung durch ein schweizerisches Gericht nicht einverstanden sein könnten, Repressalien gegen unseren Staat einleiten würden.

    Belgien, man erinnert sich, ist in dieser Beziehung bereits einmal in Schwierigkeiten geraten - Stichwort "Buy American Act".

    Aus diesen Gründen ist es sicher ratsam, bezüglich der Zuständigkeit eher eine kluge Zurückhaltung zu üben und nur dort zu agieren, wo nach anerkannten internationalen Grundsätzen absolute Klarheit über die Zuständigkeit herrscht.

    Die SVP-Fraktion ersucht Sie in dieser Frage, die Mehrheit und den Ständerat zu unterstützen.

  • Redetext
    Schweiz

    La minorité de la commission, que je représente ici, a plusieurs raisons pour s'opposer à la version du Conseil des Etats. Dire que les tribunaux militaires ne peuvent juger des infractions au droit des gens dans un conflit armé que si leurs auteurs ont un lien étroit avec la Suisse restreint considérablement leurs compétences. La commission a d'ailleurs longuement discuté pour savoir selon quels critères on pouvait apprécier ce "lien étroit". On en a déjà parlé tout à l'heure. Est-ce avoir une résidence en Suisse - on a même dit "être propriétaire d'une résidence"? Est-ce avoir de la parenté en Suisse? un compte en banque? Ce concept reste extrêmement flou. Le Conseil des Etats avait d'ailleurs souhaité que cette question soit reprise dans notre conseil sur la base d'éclaircissements apportés par le Conseil fédéral, mais nous avons le sentiment que nous n'avons pas eu ces éclaircissements.

    Ce que la minorité constate, c'est que la disposition de l'article 9 alinéa 1bis du Code pénal militaire devrait être en accord avec celles du Code pénal: article 264 sur le génocide, articles 6bis et 7 sur la torture, les crimes sexuels ou les crimes graves. Toutes ces dispositions reprennent la même formulation, soit que les personnes visées doivent se trouver en Suisse, ni plus ni moins.

    Dans l'appel dont on a déjà parlé, signé par 35 professeurs de droit pénal ou de droit public, l'Association suisse contre l'impunité fait remarquer que la formulation du Conseil des Etats crée ici une dissonance. Cela reviendrait - ça me paraît important - à traiter les crimes poursuivis en raison d'un [PAGE 1986] traité international tels que le trafic de drogue, la fausse monnaie, la prise d'otage, d'une manière plus sévère ou comme des crimes plus graves que les crimes de guerre. De plus, cette limitation pourrait aussi conduire à des situations absurdes. En effet, elle empêcherait de poursuivre des personnes qui sont en Suisse, par exemple des requérants d'asile soupçonnés d'infractions graves contre le droit des gens dans leur pays, mais qui ne sont pas propriétaires de résidences, qui ne sont pas non plus en traitement hospitalier et qui n'ont donc pas de lien étroit avec la Suisse. Ces experts estiment en conclusion que cette limitation est contraire aux Conventions de Genève et incompatible avec le Statut de la Cour pénale internationale.

    En définitive, la minorité a le sentiment que le souci de limiter la compétence des tribunaux trahit avant tout une espèce de panique qui s'est emparée de la justice militaire à la suite de la décision de la Belgique, en août 2003, de renoncer à sa compétence universelle. On craint pour la Suisse un afflux de plaintes auxquelles on ne pourrait pas donner suite, notamment pour des raisons pratiques. Mais pour l'heure, "il n'y a pas foule". Selon Monsieur Schmid, conseiller fédéral, il y aurait moins d'une douzaine de plaintes. Mais on craint surtout des ennuis au niveau diplomatique: Comme il a été dit au Conseil des Etats, poursuivre un général tchétchène ou un général afghan ne pose pas de problème, mais un général israélien ou américain, c'est plus délicat.

    Or justement, un avocat zurichois vient de déposer une plainte contre un ex-ministre de la défense israélien, et un ministre de la défense actuel, pour torture et destruction de maisons civiles. L'auditeur en chef vient de classer la plainte sans entrer en matière.

    Nous estimons que cette double morale, ou cette vertu à géométrie variable, est indigne de la Suisse, dépositaire des Conventions de Genève. Certes, il n'est pas question de s'ériger en justiciers du monde. Il n'est pas question non plus d'instruire des plaintes sans aucune chance de succès, parce qu'elles visent des chefs d'Etat en exercice, protégés par une immunité reconnue par le droit international. Mais fermer les yeux pour permettre à des criminels de guerre de fréquenter les salons genevois des conférences internationales nous paraît lâche et non conforme à nos engagements et à nos obligations en faveur du droit humanitaire. La Suisse ne doit encore une fois pas devenir une terre d'accueil pour des criminels.

    Je conclus en vous rappelant que, lorsque le juge espagnol Baltasar Garzon a engagé une action déterminée contre le général Pinochet, cet acte a eu un retentissement considérable. Certes, il n'a pas abouti à une condamnation, mais il a donné un signe d'une portée symbolique importante dans le monde entier, montrant que les dictateurs et les tortionnaires pourraient un jour ne plus avoir de terre d'accueil où couler leur retraite impunément.

    Pour cette raison, je vous demande de soutenir la minorité, ou éventuellement la proposition Jutzet.

  • Redetext
    Max Binder(Schweizerische Volkspartei)
    Schweiz

    Eintreten ist nicht bestritten. Herr Bundesrat Schmid verzichtet auf das Wort. Auch die Kommission verzichtet auf das Wort.

    [VS]

    Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen

    L'entrée en matière est décidée sans opposition

    [VS]

    Militärstrafprozess

    Procédure pénale militaire

    [VS]

    Detailberatung - Discussion par article

    [VS]

    Titel und Ingress, Ziff. I

    Antrag der Kommission

    Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

    [VS]

    Titre et préambule, ch. I

    Proposition de la commission

    Adhérer à la décision du Conseil des Etats

    [VS]

    Angenommen - Adopté

    [VS]

    Ziff. II

    Antrag der Mehrheit

    Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

    [VS]

    Antrag der Minderheit

    (Menétrey-Savary, Garbani, Gross Jost, Hubmann, Leutenegger Oberholzer, Thanei)

    Art. 9 Abs. 1bis

    Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates

    [VS]

    Antrag Jutzet

    Art. 9 Abs. 1bis

    .... wenn sie sich zu mehr als zu blossen Transitzwecken in der Schweiz befinden und nicht an das Ausland ausgeliefert ....

    [VS]

    Ch. II

    Proposition de la majorité

    Adhérer à la décision du Conseil des Etats

    [VS]

    Proposition de la minorité

    (Menétrey-Savary, Garbani, Gross Jost, Hubmann, Leutenegger Oberholzer, Thanei)

    Art. 9 al. 1bis

    Adhérer au projet du Conseil fédéral

    [VS]

    Proposition Jutzet

    Art. 9 al. 1bis

    .... lorsqu'elles se trouvent en Suisse en dehors d'une simple situation de transit et ne sont ni extradées ....

  • Redetext
    Jost Gross(Sozialdemokratische Partei)
    Schweiz

    Die SP-Fraktion beantragt Ihnen, auf die Gesetzesänderung einzutreten. Ich möchte auch hier nicht alle Überlegungen wiederholen, die zum verfahrensrechtlichen Teil vor allem seitens der Kommmissionssprecher angestellt worden sind. Das ist in unseren Reihen unbestritten.

    Eine Bestimmung aber wird hier grosse Fragen und Kontroversen auslösen - es ist schon gesagt worden -, nämlich Artikel 9 Absatz 1bis des Militärstrafgesetzes, die Strafbarkeit von Ausländern wegen Völkermord, Kriegsverbrechen und ähnlichen Delikten. Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir im Strafgesetzbuch - in den Artikeln 5 bis 7 in den Allgemeinen Bestimmungen des Strafrechtes - die extraterritoriale Zuständigkeit für die Strafverfolgung von Ausländern in der Schweiz ohne diesen jetzt vom Ständerat eingefügten engen Bezug zur Schweiz geregelt haben. Ich möchte daran erinnern, dass auch der Bundesrat in der ursprünglichen Fassung mit dieser von beiden Räten verabschiedeten Fassung konform ging.

    Wir sind jetzt daran, eine widersprechende Norm im Militärstrafprozess zu schaffen; das sollten wir nicht tun. Man sagt uns, das sei eine Reaktion auf Änderungen vor allem der belgischen Rechtslage und -praxis. Aber es ist doch kein Grund, irgendeine Änderung im EU-Raum zum Anlass zu nehmen, um jetzt Widersprüche im Strafrecht - im Verhältnis vom gemeinen zum Militärstrafrecht - zu schaffen. Das geht meines Erachtens nicht, das ist eine sehr kurzfristige Reaktion, und wir sollten hier Recht auf lange Sicht schaffen.

    Was den Inhalt, das Ziel, betrifft, glaube ich, dass wir uns alle hinter die Devise stellen sollten, dass die Schweiz kein sicherer Hafen für Kriegsverbrecher werden dürfe.

    In diesem Sinne bitte ich Sie, beim Hauptstreitpunkt die Minderheit Menétrey-Savary, deren Antrag dem Entwurf des Bundesrates entspricht, und eventualiter den Antrag Jutzet zu unterstützen, der versucht, eine Brücke zur Minderheit zu schlagen.

  • Redetext
    Jean-Paul Glasson(FDP.Die Liberalen)
    Schweiz

    Il est un fait acquis sans problème, c'est la révision de la procédure pénale militaire concernant la protection des témoins, permettant notamment de garantir leur anonymat ou de prendre des mesures de protection policière le cas échéant.

    Mais les débats se sont focalisés au sein de la commission sur l'introduction d'un alinéa 1bis à l'article 9 du Code pénal [PAGE 1985] militaire cette fois. La question est la suivante, en gros: vers quelle universalité doit-on tendre en matière d'application du droit pénal militaire suisse pour des infractions contre le droit des gens, commises par des civils étrangers dans le cadre d'un conflit armé à l'étranger?

    On voit clairement et d'emblée que le rapport avec la Suisse est assez ténu. Veut-on vraiment être le juge de tous les crimes commis dans le monde, même s'ils sont graves? A titre personnel, je serais prêt à répondre oui sans hésitation, notamment lorsqu'il s'agit de crimes contre l'humanité, d'actes desquels la connotation politique est absente.

    Mais dans les cas qui nous préoccupent et nous occupent maintenant, il apparaît nécessaire de faire une entorse à l'universalité de la poursuite s'il n'y a pas de "lien étroit" - ce lien étroit dont on a parlé et qui a été introduit par le Conseil des Etats - de la personne visée avec notre pays. Cela permettrait d'éviter le dépôt, comme on l'a vu, de plaintes et l'ouverture d'actions contre des personnes se trouvant très brièvement en Suisse et attaquées souvent pour des motifs plus politiques - il faut le dire - qu'humanitaires ou juridiques.

    La proposition Jutzet semble donner une réponse satisfaisante à cette question en trouvant une sorte de moyen terme; mais pour notre part, soit pour le groupe radical-libéral, nous nous en tenons à la majorité et au Conseil des Etats, ainsi qu'au Conseil fédéral.

    Nous vous demandons d'entrer en matière sur ce projet de loi et de suivre la majorité pour ce qui concerne la révision du Code pénal militaire; nous ne reviendrons pas à la tribune pour le répéter.

  • Redetext
    Schweiz

    Je parle maintenant pour le groupe des Verts, uniquement sur l'entrée en matière, et je reviendrai plus tard pour présenter la proposition de minorité à l'article 9 alinéa 1bis du Code pénal militaire.

    Le Code pénal militaire et la procédure qui va avec ne sont pas les textes favoris des Verts. Lors de la révision du Code, nous avions proposé sa suppression pure et simple et l'intégration des mesures encore nécessaires dans le Code pénal ordinaire. Nous reconnaissons cependant que ce Code présentait jusqu'ici un intérêt particulier par le fait qu'il offrait la possibilité de juger des crimes de guerre commis à l'étranger par des étrangers. Cette compétence ne connaissait aucune limitation explicite. Elle répondait ainsi aux exigences des Conventions de Genève et à leur principe absolu, "juger ou extrader".

    Depuis lors, la Suisse a ratifié le Statut de Rome de la Cour pénale internationale ainsi que d'autres traités internationaux, dont celui concernant la torture. Nous avons également révisé la partie générale du Code pénal, et nous y avons introduit la compétence des tribunaux suisses de juger des crimes commis à l'étranger, notamment des crimes d'ordre sexuel contre des enfants ou des crimes particulièrement graves proscrits par la communauté internationale. Avec tout cet arsenal, on pourrait somme toute se passer d'une juridiction militaire.

    Cependant, pour l'heure, le groupe des Verts n'entend pas revenir sur ce débat de fond. Il accueille favorablement la possibilité introduite dans la procédure pénale militaire de protéger les témoins lors d'instructions ou de procès pour crime de guerre. Nous reconnaissons que dans de tels jugements prononcés contre des auteurs étrangers de crimes commis à l'étranger, les témoignages sont décisifs, mais ils sont difficiles à obtenir car les dangers de représailles sont grands.

    Nous approuvons donc les mesures proposées, mais en même temps nous souhaitons qu'elles soient également apportées rapidement dans le code de procédure pénale fédérale, parce qu'il est en effet indispensable qu'il y ait une protection des témoins dans les procédures instruites dans les affaires de traite des femmes notamment et de prostitution.

    Juste un mot sur l'article 9 alinéa 1bis du Code pénal militaire. Le groupe des Verts aurait admis la modification proposée par le Conseil fédéral, qui précise que la poursuite de crimes de guerre ne peut avoir lieu que si l'auteur se trouve en Suisse. Cette précision est en effet en accord avec le Code pénal ordinaire. En revanche, la version adoptée par le Conseil des Etats nous paraît inacceptable, incohérente par rapport à ce même Code pénal et contraire au droit international et aux Conventions de Genève. Le groupe des Verts estime que la Suisse, dépositaire des Conventions de Genève, ne doit jamais devenir un lieu où des criminels peuvent vivre une retraite paisible sans être inquiétés.

    Il vous propose donc d'entrer en matière sur ce projet, puis de voter la proposition de minorité à l'article 9 alinéa 1bis du Code pénal militaire, une proposition que je vous présenterai tout à l'heure.

  • Redetext
    Jacques-Simon Eggly(Liberal-Demokratische Partei)
    Schweiz

    Je ne vais pas répéter en détail tout l'exposé du rapporteur de langue allemande et je vais essayer de me concentrer sur les points qui doivent retenir notre attention.

    En ce qui concerne la révision de la procédure pénale militaire qui vous est proposée, la commission vous propose, à l'unanimité, de suivre le Conseil des Etats, tant il est vrai qu'il n'y a guère d'opposition imaginable sur ce point.

    Il s'agit, vous l'avez compris, dans des procès comme celui qui avait eu lieu à propos d'un complice du génocide rwandais, de pouvoir protéger les témoins appelés à ce genre de procès. Comme la question s'était posée et avait soulevé quelques inquiétudes, le Conseil fédéral et à sa suite le Conseil des Etats ont considéré qu'il fallait ancrer cela dans la procédure pénale fédérale. Il s'agit particulièrement des articles suivants: 98a, qui ancre le principe; 98b, qui ancre la garantie de l'anonymat et les conditions; et 98c, qui parle de la procédure. Sur ce point, il ne devrait pas y avoir de discussion.

    Là où la discussion commence, c'est à propos de l'autre révision, qui est connexe et qui vous est proposée en même temps, du Code pénal militaire. De quoi s'agit-il? Vous avez tous, je crois, reçu une lettre de l'Association suisse contre l'impunité, qui considère que la version du Conseil des Etats - que la majorité de la commission vous propose de suivre - serait contraire aux conventions de la Croix-Rouge (Conventions de Genève) et ferait "de la Suisse un havre de paix pour les criminels de guerre". Je veux en quelques mots vous montrer qu'il y a là une manière de peindre le diable sur la muraille, ou plutôt qu'il y a là un malentendu et que ça n'est pas du tout sur cela que la majorité de la commission ouvre une porte.

    En fait, avec la version du Conseil des Etats, il s'agit de mettre les choses au point et au clair. La version du Conseil fédéral propose ceci à l'article 9 alinéa 1bis CPM: le for suisse [PAGE 1984] "est applicable aux personnes visées .... qui sont étrangères et qui commettent à l'étranger, à l'occasion d'un conflit armé, des infractions au droit des gens .... lorsqu'elles se trouvent en Suisse et ne sont ni extradées ni livrées à un tribunal pénal international". Le Conseil des Etats modifie cette version de la façon suivante: "lorsqu'elles se trouvent en Suisse et ont un lien étroit avec la Suisse". Qu'est-ce que ça veut dire? Qu'est-ce qu'on entend par "lien étroit"? Est-ce que tout d'un coup des criminels de guerre échapperaient à toute poursuite à cause de cette version? Pas du tout! On entend par là que si un criminel - ou quelqu'un qui est prévenu de crime, qui pourrait faire l'objet d'une poursuite - a une résidence en Suisse, ou bien s'il a simplement un immeuble de rapport en Suisse - même sans l'habiter -, ou bien si simplement il a des relations familiales en Suisse, ou bien s'il fait des séjours prolongés - même des séjours médicaux -, il va sans dire que la Suisse pourra l'arrêter et entamer une instruction contre lui. En revanche, si une personnalité qui ne fait pas l'objet d'un mandat international est de passage par exemple à Genève pour une réunion diplomatique, à ce moment-là on considère que la Suisse n'est pas une sorte de for universel et qu'elle ne doit pas attraper absolument n'importe quelle personnalité suspecte qui passerait à Genève.

    Vous savez bien que ce qui a motivé sans doute la précision du Conseil des Etats, c'est le cas belge. Vous vous souvenez peut-être qu'un juge d'instruction avait décidé que le premier ministre israélien Ariel Sharon pourrait être inculpé en Belgique s'il y mettait les pieds. La Belgique s'est rendue compte assez rapidement que cela causerait un tort assez considérable à ses relations internationales et qu'on ne pouvait pas imaginer comme ça, simplement de la part d'un pays, que, parce que Monsieur Ariel Sharon viendrait par exemple rencontrer le président de la Commission de Bruxelles, la justice belge pourrait l'arrêter d'un coup, d'un seul. Cela n'allait pas, la Belgique a d'ailleurs reculé, et le Conseil des Etats, probablement inspiré ou plutôt "remué" par ce cas qui pouvait provoquer un problème dans les relations diplomatiques et politiques internationales, a voulu préciser les choses.

    Mais entendons-nous bien! Si par exemple une telle personne venait à l'OMC à Genève, il ne faudrait pas pouvoir l'arrêter. Permettez-moi, notamment à l'adresse des gens de gauche ou d'extrême gauche, de dire que si Monsieur Fidel Castro - comme c'est arrivé - venait à une réunion de l'OMC, à moins qu'il n'y ait un mandat d'arrêt international, la Suisse ne pourrait pas l'arrêter et entamer une instruction contre lui, quand bien même tout le monde sait qu'il viole les droits de l'homme d'une façon invétérée.

    L'idée de base est donc de lancer une action suisse, et seulement suisse, si l'accusé est en Suisse et s'il a un lien avec la Suisse. Il ne s'agit pas d'agir par défaut; la Suisse ne serait pas un for universel. Si la Suisse se saisit, ou bien elle juge, ou bien elle extrade à un autre Etat concerné, ou à un tribunal international permanent - ce même tribunal international permanent que d'ailleurs les Etats-Unis ne reconnaissent pas.

    Mais attention! si une personne fait l'objet d'un mandat international, elle sera arrêtée dès lors qu'elle mettra un pied en Suisse. Je répète: si une personne fait l'objet d'un mandat international, elle sera arrêtée. Par conséquent, vous le voyez, il y a un malentendu avec la lettre que nous avons reçue. Après discussion avec certains des signataires de cette lettre, je crois que l'auditeur en chef, en tout cas il me l'a assuré, leur a fait regretter de n'avoir pas vu les choses de plus près. En regardant les choses de plus près, on voit qu'il n'y a pas de propositions qui seraient contraires aux conventions de la Croix-Rouge. Au fond, la version de la majorité n'ouvre pas la porte à ce que la Suisse devienne un havre de paix; elle cherche simplement à préciser un équilibre entre les nécessités de la vie internationale et l'exigence de la défense du droit international et des droits de l'homme.

    Je crois qu'il y a encore une proposition individuelle qui tendrait à vouloir créer une divergence avec le Conseil des Etats pour qu'on poursuive encore la discussion. Elle n'a pas du tout été discutée en commission et on verra tout à l'heure ce que Monsieur Jutzet dira.

    Mais en tout cas, c'est dans cet esprit que la majorité de la commission vous propose de suivre la version du Conseil des Etats, loin de tout parfum de scandale qui sera peut-être évoqué tout à l'heure, certainement indûment.

  • Redetext
    Ruedi Aeschbacher(Evangelische Volkspartei)
    Schweiz

    Gestützt auf die Genfer Konventionen ist die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, unter gewissen Voraussetzungen mutmassliche Kriegsverbrecher zu verfolgen und vor schweizerische Gerichte zu stellen. Der Sicherung der Beweismittel kommt in solchen Prozessen grosse Bedeutung zu. Dabei zeigt es sich, dass sehr oft nur wenige Dokumente beigebracht werden können - man stelle sich vor, dass diese Tatbestände ja in der Regel in Kriegswirren vorkommen - und dass die Beweise hauptsächlich mit den Aussagen von Tatzeugen und Tatzeuginnen geführt werden müssen.

    Solche Zeugen, auf die sich die Anklage stark abstützen muss, werden indessen oft massiv an Leib und Leben bedroht. Schon mehrfach sind in entsprechenden Prozessen Zeugen der Anklage nicht nur massiv unter Druck gesetzt und bedroht worden, sondern sogar ermordet worden. Das führt dazu, dass viele Zeuginnen und Zeugen heute nicht mehr bereit sind, in der Untersuchung oder vor Gericht in solchen Prozessen auszusagen, wenn sie nicht durch besondere Massnahmen geschützt werden.

    Diese Umstände haben zur vorliegenden Botschaft geführt. Diese Botschaft will das Militärstrafprozessrecht mit Massnahmen zum Schutze gefährdeter Zeugen ergänzen. Konkret sieht der Entwurf des Bundesrates vor, dass der Untersuchungsrichter oder der Gerichtspräsident geeignete Schutzmassnahmen zu treffen hat, wenn befürchtet werden muss, dass ein Verfahrensbeteiligter, namentlich ein Zeuge oder eine Auskunftsperson oder deren Angehörige, durch die Mitwirkung im Strafverfahren gefährdet werden könnte. Artikel 98a enthält diesen Grundsatz.

    Diese Schutzmassnahmen können insbesondere in der Wahrung der Anonymität des Zeugen oder der Auskunftsperson gemäss Artikel 98b bestehen. In Artikel 98c wird schliesslich auch das Verfahren genau geregelt, welches zur Anonymitätswahrung Platz greift. Artikel 98d schliesslich listet die Massnahmen auf, mit welchen die Wahrung der Identität erreicht werden kann.

    Es fällt auf, dass diese Regelungen sehr detailliert erfolgen. Der Grund dafür liegt darin, dass hier zwei Rechtsinteressen aufeinander stossen: Zum einen ist es der erwähnte Schutz allenfalls gefährdeter Zeugen oder Auskunftspersonen, zum anderen aber auch das berechtigte Interesse des Angeklagten oder Beschuldigten auf einen fairen Prozess bzw. eben das Interesse, die Verteidigungsrechte umfassend wahren zu können. Dazu gehört auch, dass der Beschuldigte insbesondere wissen muss, wer als Zeuge was aussagt, und dass dem aussagenden Zeugen auch Fragen gestellt werden können. Der Ausgleich dieser beiden gegenläufigen Interessen ist im Entwurf des Bundesrates gut gelungen. Die Kommission hat sich denn auch sehr rasch vollständig hinter diese Regelung gestellt, die insbesondere vorsieht, dass die Zeugenschutzmassnahmen in jedem einzelnen Fall individuell geprüft werden müssen.

    Somit beantragt Ihnen die Kommission, auf die Revision einzutreten und in Übereinstimmung mit dem Ständerat bezüglich der Zeugenschutzmassnahmen dem Entwurf des Bundesrates zu folgen.

    Dann aber hat in der Kommission noch ein Minderheitsantrag in einem andern Punkt zur Diskussion Anlass gegeben. Der Bundesrat schlägt nämlich auch noch eine Änderung des Militärstrafgesetzes vor, und zwar in dessen Artikel 9: Mit einem neuen Absatz 1bis soll präzisiert werden, wann eine Zuständigkeit der schweizerischen Strafbehörden bei Verletzung des Völkerrechtes im Falle bewaffneter Konflikte gegeben ist, wenn der Beschuldigte eben nicht Schweizer ist und die Taten im Ausland begangen worden sind.

    Der Bundesrat sah eine Zuständigkeit der Schweiz dann vor, wenn der Täter sich in der Schweiz befindet und nicht an das Ausland ausgeliefert oder an ein internationales Strafgericht überstellt werden kann. Demgegenüber will der Ständerat diese weit gefasste Zuständigkeit etwas einschränken. Er stellt noch ein weiteres Erfordernis auf, nämlich dass die betreffende Person sich nicht nur in der Schweiz befinden, sondern auch noch einen engen Bezug zu unserem Land haben muss. Damit soll verhindert werden, dass unser Land - ähnlich wie Belgien - zu einem Gerichtsstandort für die ganze Welt bezüglich möglicher Kriegsverbrechen wird, also selbst dann, wenn die Täter keine Beziehung oder keinen relevanten Bezug zu unserem Land haben.

    Die Mehrheit der Kommission, aber auch der Departementschef und die Verwaltung können dieser Präzisierung des Ständerates folgen, die übrigens nicht stärker einschränkend wirken wird, als es schon die bisherige Praxis der Schweiz tat. Eine Minderheit der Kommission möchte hingegen das Erfordernis des engen Bezuges zur Schweiz gestrichen haben.

    Mit 13 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen hat sich die Kommission schliesslich für die Annahme des Entwurfes ausgesprochen.

    Entsprechend bitte ich Sie, der Revision zuzustimmen und im einzigen soeben erwähnten Punkt, wo eine Minderheit besteht, der Kommissionsmehrheit und dem Ständerat zu folgen.

  • Redetext
    Gian-Reto Plattner(Sozialdemokratische Partei)
    Schweiz
  • Redetext
    Samuel Schmid(Bürgerlich-Demokratische Partei)
    Schweiz

    Ich verstehe Frau Brunner, die hier den Minderheitsantrag vertritt, wenn sie darüber erstaunt ist, dass ich die Position des Bundesrates verlassen habe. Allerdings schicke ich gleich vorweg: Es ist nicht eine Praxisänderung, es geht um eine Präzisierung. Das, was hier die Kommissionsmehrheit formuliert hat - vielleicht ist das noch etwas zu verfeinern; einverstanden, Herr Pfisterer, daran sind wir auch interessiert -, entspricht den Bedürfnissen, wie sie sich insbesondere in den letzten Wochen ergeben haben. Da teile ich die Auffassung von Herrn Schmid. Wir halten uns so oder so - das ist immerhin entscheidend und fundamental - in jeder Beziehung an den Rahmen des Völkerrechtes, und wir sind auch mit der Politik eigentlich praktisch aller Länder kongruent.

    Allerdings ist jetzt darauf hinzuweisen, dass sich seit Verabschiedung der Botschaft durch den Bundesrat halt doch einiges verändert hat. Belgien hat das Forum für Klagen gegen nicht anwesende mutmassliche Kriegsverbrecher stark eingeschränkt; damit ist der Handlungsbedarf in der Schweiz gestiegen. Anfang September hat - und das ist öffentlich, sogar über eine Pressekonferenz des betreffenden Anwaltes - ein Zürcher Anwalt bei der Militärjustiz eine Strafanzeige gegen den israelischen Verteidigungsminister und weitere hohe israelische Funktionäre eingereicht. Wir nehmen nicht Stellung zur Berechtigung oder Nichtberechtigung dieser Anzeige. Aber die Frage ist nun wirklich, ob wir hier, praktisch abstrakt als Land, diese behaupteten Sachverhalte [PAGE 941] beurteilen müssen. Ein Rekurs gegen die Nichteintretensverfügung des Oberauditors in einer anderen Klage - weil es nicht der Praxis der Militärjustiz entspräche, wenn hier ein Verfahren eröffnet würde - ist im Moment bei mir zum Entscheid hängig.

    In Genf sind nach unserem Wissen weitere Strafanzeigen geplant. Deshalb wollen wir darum ersuchen, jetzt unsere langjährige, völkerrechtskonforme Praxis auch im Gesetz klar und unmissverständlich festzuschreiben. Sie wissen es selber: Über derartige Probleme wissen Juristen jahrelang trefflich zu streiten. Hier ist Klärungsbedarf vorhanden.

    Ich bitte Sie deshalb, der Fassung der Kommissionsmehrheit zu folgen. Wir selber werden, nachdem sich der Zweitrat mit Sicherheit auch noch damit befassen wird, in Zusammenarbeit mit Spezialisten analysieren, inwieweit hier allenfalls noch eine Präzisierung angebracht ist oder nicht. Aber das, was hier vorgeschlagen wird, entspricht dem Völkerrecht und, wie ich meine, auch dem politischen Willen des Bundesrates.

    Ich bitte Sie, dem Antrag der Mehrheit zu folgen.

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