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Erhöhung der Studienplätze im Medizinstudium: Massnahmen zur Stärkung der Fachrichtungen mit nachgewiesenem Fachkräftemangel

(2025.GRPARL.299)MotionPunktweise beschlossen
Grosser Rat Bern (BE)02.06.2025 – 10.09.2025
Speeches(28)
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28 Results
  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Vizepräsidentin. Vous avez accepté le point 3 sous forme de motion.

    Je vous remercie et je redonne la parole à la présidente du Grand Conseil.

  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Vizepräsidentin. Vous avez accepté le chiffre 2 sous forme de motion.

    Nous passons au chiffre 3 sous forme de motion : celles et ceux qui acceptent le chiffre 3 sous forme de motion votent oui, celles et ceux qui refusent le chiffre 3 sous forme de motion votent non.

  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Vizepräsidentin. Vous avez accepté le chiffre 1 sous forme de motion.

    Nous passons au vote du chiffre 2 sous forme de motion : celles et ceux qui acceptent le chiffre 2 sous forme de motion votent oui, celles et ceux qui refusent le chiffre 2 sous forme de motion votent non.

  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Vizepräsidentin. Si j’ai bien compris, on va voter point par point, Melanie, c’est juste ? – Donc, nous passons au vote. Non ? (Grossrätin Gasser sagt etwas ohne Mikrofon. / La députée Gasser dit quelque chose hors micro.) C’est point par point.

    On passe au vote du chiffre 1 sous forme de motion : celles et ceux qui acceptent le chiffre 1 sous forme de motion votent oui, celles et ceux qui le refusent votent non.

  • Speech
    Melanie Gasser(Grünliberale Partei)
    Grosser Rat
    Melanie Gasser, Ostermundigen (GLP), Motionärin. Ich danke für die angeregte Debatte und auch für das wichtige Statement unserer Bildungsdirektorin.

    Ich bin froh, und die Beantwortung hat das auch gezeigt hat, dass der Regierungsrat den Handlungsbedarf sieht. Und da bin ich sehr froh darüber. Und ich muss vielleicht auch noch etwas bisschen korrigieren und der Bildungsdirektorin Recht geben: Der Kanton Bern hat einmal geschlafen, es ist einfach schon sehr lange her. Man kann es nicht wagen, zu behaupten, dass der aktuelle Regierungsrat hat geschlafen habe. Nein, er hat in den letzten Jahren sehr viel gemacht. Aber vor 20, vor 30 Jahren, damals hatte man das Momentum eigentlich verpasst, um in die Zukunft zu schauen und zu sehen, dass es Schwierigkeiten auslösen könnte, und dass man schon damals das Medizinstudium hätte stärken müssen.

    Für uns Motionäre ist klar, dass wir an der Motion festhalten wollen. Warum? Wir brauchen keinen weiteren Bericht. Wir wissen, dass der Regierungsrat gut unterwegs ist. Und wenn es uns für Investitionen braucht, dann holen Sie uns ab. Aber wir wollen einfach die Zeit nicht verstreichen lassen und in zwei Jahren einen Bericht vorgelegt bekommen. Wir wollen in zwei Jahren lieber sehen, dass Sie konkrete Schritte unternommen haben. Und wenn Sie in zwei Jahren die Studienplätze vielleicht noch nicht geschafft haben, aber auf gutem Weg sind, es aber vielleicht noch ein bisschen Zeit braucht, dann werde ich sicher nicht mit Ihnen schimpfen. Aber ich will Ihnen diesen Umweg eines Berichts ersparen.

    Deshalb haben wir es bewusst auch so offen formuliert, sodass Sie die nötigen Schlüsse ziehen können: Wie viele Studienplätze braucht es, in welcher Zeit können wir sie realisieren, sodass die Infrastruktur Schritt halten kann, dass die Qualität in der Ausbildung Schritt halten kann. Diesbezüglich legt der Grosse Rat mit der Überweisung dieser Motion das Vertrauen in den Regierungsrat.

    Und wie gesagt, wir haben heute vieles gehört, die Drop-out-Rate, die wir richtigerweise prüfen müssen, die Administration... Und diesbezüglich ist die Bildungsdirektion auch sehr vorbildlich unterwegs. Wir haben vor zwei Jahren einen Vorstoss eingereicht, mit dem wir ein interprofessionelles Institut verlangt haben, das genau an der Medizinischen Fakultät die Grundversorgung enger zusammenbringen will, und mit dem genau solche administrativen Hürden in der Zusammenarbeit künftig vermindert werden sollen, indem die Fachdisziplinen näher zusammenrücken. Also, dafür auch ein Danke an die Bildungsdirektion, dass sie das vorantreibt und uns bei der Realisierung des interprofessionellen Instituts weiterhin unterstützen wird.

    Ich wandle also nicht, ich halte in allen Punkten an der Motion fest und danke Ihnen, wenn Sie mich unterstützen.

  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Vizepräsidentin. Je donne la parole à la motionnaire : Melanie, tu as trois minutes.
  • Speech
    Speech
    Grosser Rat
    Christine Häsler, BKD-Direktorin. Ich glaube, es geht uns allen so: Wir wissen, dass wir diesen Mangel an Ärztinnen und Ärzten haben. Wir wissen, dass wir diesen Mangel in verschiedenen Fachbereichen und in der Grundversorgung haben. Und was wir anders sehen, was ich jetzt gerade ein bisschen anders sehe, als es gesagt wurde: Nein, der Kanton Bern hat nicht geschlafen. Das hat er nicht.

    Wir haben es nicht verschlafen. Es gibt einfach einen riesengrossen Bedarf. Aber der Kanton Bern – und ich hoffe, dass Sie das beim Studium dieses Vorstosses und bei Ihrer Vorbereitung auch zur Kenntnis genommen haben –, der Kanton Bern hat von 2018 bis 2024, also gerade bis letztes Jahr, die Anzahl Studienplätze in der Humanmedizin um insgesamt 600 erhöht, jedes Jahr hundert Studienplätze. Man kann sagen, der Kanton Bern habe geschlafen, weil das so schöne markige Worte sind. Aber das ist nicht so.

    Tatsache ist auch, dass das eine grosse Anstrengung war. Das ist nicht einfach so einmal gerade schnell passiert, die hundert Ausbildungsplätze hinzukriegen, diese hundert Studienplätze mit allem, was es dazu braucht. Das war eine grosse Anstrengung für alle Beteiligten.

    Aber wir sehen es genau gleich: Wir haben den Mangel, und es müssen weitere Schritte passieren, und der Regierungsrat ist absolut bereit, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um dort hinzukommen, wo wir hinmüssen. – Wenn wir das dann überhaupt schaffen können.

    Aber es ist mir schon wichtig, dass Sie sehen, liebe Grossrätinnen und Grossräte: Sie finden keinen anderen Kanton, der in den letzten Jahren so viel geleistet hat wie der Kanton Bern in Bezug auf die Anpassung und Einrichtung von Studienplätzen. Es gibt noch Kantone, die es angekündigt haben, aber gemacht haben sie es noch nicht.

    Wenn wir einen deutlichen, signifikanten Ausbau der Studienplätze anstreben – und ich denke, das wollen wir alle –, dann müssen wir auch damit rechnen, dass das Investitionen braucht. Man kann schon sagen, dass man auch im Kinosaal studieren kann oder im Moment auch im früheren Ziegelspital. Aber wir wissen, dass es sich dabei nicht um Infrastrukturen handelt, die uns für ewig gesichert sind. Wir sind nicht sicher, wie das weitergeht, und darum bin ich froh, wenn Sie allen Punkten die volle Aufmerksamkeit schenken.

    Aber Sie haben die Motion offen formuliert, damit die Regierung arbeiten kann, damit die BKD und die GSI mit der Universität und mit dem Universitätsspital zusammen prüfen können, welche nächsten Schritte man noch nehmen könnte, um zu diesen Zielen zu kommen. Aber versuchen Sie auch, uns diese Offenheit zu geben, indem Sie den Vorstoss in ein Postulat wandeln oder als Postulat überweisen, so wie es die Regierung beantragt.

    Sie können absolut davon ausgehen, dass die Anliegen auch in der Regierung vollumfänglich geteilt werden und dass sie alle Aufmerksamkeit der Regierung haben und das auch wir in diese Richtung gehen wollen. Aber man kann schlecht sagen: «Ja, die Infrastruktur, die ist jetzt nicht so wichtig.» Doch, sie ist auch wichtig. Und Finanzen sind auch wichtig. Wir haben heute nicht die Finanzmechanismen, die es bräuchte, um den Ausbau wirklich stemmen zu können und er dann funktioniert. Da muss dann z. B. der Bund auch noch ein Gleiches tun. Das bedeutet einfach noch viel Arbeit. Da kann man nicht sagen: «Ja, das machen wir jetzt schnell.»

    Aber dass wir als Regierung schnell sein wollen und vorwärtskommen wollen, darauf können Sie sich verlassen. Deshalb beantragen wir Ihnen die Annahme als Postulat. Es ist auch der Regierung ein wichtiges Anliegen, dieses Angebot zu stärken. Auch die Art und Weise, wie man studiert oder wie man die Ausbildung organisieren kann, auch all diese Sachen schauen wir an, das ist gar keine Frage. Aber glauben Sie nicht, dass es ohne zusätzliche Kosten oder ohne zusätzliche Infrastruktur gehen wird. Das wird auf lange Frist nicht möglich sein. Da müssen wir schon dafür sorgen.

    Ich beantrage Ihnen, wie die Regierung es Ihnen in der Antwort dargelegt hat, die Annahme als Postulat. Merci vielmals für die Aufmerksamkeit.

  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Vizepräsidentin. Il n’y a plus de députés qui se sont annoncés, alors je demande à la motionnaire : est-ce que tu veux parler avant ou après la conseillère d’État ? (Grossrätin Gasser antwortet ohne Mikrofon von ihrem Platz aus. / La députée Gasser répond hors micro depuis sa place.) – D’accord, alors, je passe d’abord la parole à la Conseillère d’État, Christine Häsler.
  • Speech
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
  • Speech
    Belinda Nazan Walpoth(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Belinda Nazan Walpoth, Bern (SP), Einzelsprecherin. Ich möchte jetzt aus eigener Erfahrung sprechen. Ich bin selber Ärztin. Ich gehöre nicht mehr zu der jungen Generation, aber wir haben sehr viele Ärztinnen und Ärzte, die wir wegen den langen Arbeitszeiten, wegen der vielen Administration, wegen den familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen verlieren. Und da muss man wirklich ansetzen.

    Es geht heute um die Studienplätze, es geht um die Weiterbildungsplätze: Wir müssen diese Motion unterstützen! Wir haben es gehört, es geht 15 Jahre, bis das fruchtet. Wenn wir heute die Weichen stellen, wird das nicht von einem Tag auf den anderen gehen.

    Die Forschung wurde erwähnt: Es wäre schön, wenn alle nur forschen könnten. Man forscht und macht nebenbei Klinik, so läuft es im Alltag, wenn Sie klinische Forschung machen. Die Grundlagenforscher sind ausgenommen, diese forschen nur. Aber das tangiert nicht die Mängel, über die wir heute reden.

    Ich begrüsse es ausdrücklich, dass die Regierungsrätin eigentlich den Bedarf sieht. Da muss etwas passieren! Bitte akzeptieren Sie geschlossen diese Motion in allen Punkten.

    Wir wissen auch, wo die Mängel sind, auch in den Fachrichtungen: Hausärztinnen, Kinder- und Jugendärztinnen, Psychiaterinnen. Wir haben gehört: Es braucht selbst in der Uni ein Jahr, bis Sie überhaupt einen Termin bekommen. Das kann doch in einem entwickelten Land, wie wir es sind, mit so vielen Möglichkeiten, nicht so sein.

    Sagen Sie einfach in allen Punkten Ja zu dieser Motion. Vielen Dank.

  • Speech
    Jann Fritz Bangerter(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Jann Fritz Bangerter, Bern (SVP), Einzelsprecher. Ich stehe heute vor Ihnen als einer von denjenigen, die angesprochen wurden: Ich habe vor zwei Jahren das Medizinstudium abgeschlossen und zwei Jahre als Assistenzarzt gearbeitet, und ja, jetzt bin ich einer von denen, die unterbrochen haben. Das ist dem Grossen Rat und dem Umbau meines Hauses geschuldet.

    Aber ich möchte doch noch auf die einen oder anderen Punkte, die wir hier schon angesprochen haben, eingehen. Es gibt sicherlich einen positiven Effekt, wenn mehr Studienplätze vorhanden sind. Es gibt mehr Ärzte, die in der Schweiz ausgebildet wurden, und das ist sicherlich für alle Patienten ein Qualitätsgewinn. Denn kulturelle Unterschiede wirken sich gerade in der Psychiatrie massiv auf das Verständnis der Patienten und Ärzte aus. Diesbezüglich denke ich, dass die Erhöhung der Studienplätze ein guter Ansatz ist.

    Ich möchte auch auf die Punkte eingehen, die angesprochen wurden: Ja, der administrative Aufwand ist sicherlich einer der grössten Treiber, weshalb Assistenzärzte ihren Beruf aufgeben. Einfach, um Ihnen das einmal etwas vorzustellen: Ein Standardtag hat etwa 11 Arbeitsstunden, und von denen habe ich gut und gerne vielleicht zwei mit Patienten verbracht. Die restlichen neun Stunden beinhalten administrative Arbeiten: Man organisiert Folgelösungen, Rehabilitationen, Altersheime, man meldet Untersuchungen an ... Es ist also sehr, sehr viel administrativer Aufwand.

    Und in den meisten Fällen hatte man das Studium einmal angefangen, weil man idealistisch veranlagt war, weil man Leuten helfen will, mit Leuten zusammenarbeiten möchte. Und deshalb möchte ich für die Zukunft vor allem, dass man den administrativen Aufwand abbaut und, wie die Melanie Gasser gesagt, hat an allen Stellschrauben dreht, die möglich sind. Und die Erhöhung der Studienplätze ist sicher eine der guten Stellschrauben. Merci.

  • Speech
    Manuela Kocher Hirt(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Manuela Kocher Hirt, Worben (SP), Einzelsprecherin, Mitmotionärin. Ich bin Mitmotionärin und dachte, dass eigentlich schon sehr viel von dieser Motion aufzeigt und erklärt worden ist. Aber ich merke, dass es doch noch ein paar Sachen gibt, über die wir aufklären müssen.

    Wir haben keine Zeit mehr, um zu warten. Wir haben keine Zeit, zu warten, wir müssen jetzt aktiv werden. Wenn Sie alle in 15 Jahren noch Zugang zu einer medizinischen Fachperson haben wollen, sei es zu einem Hausarzt, zu einem Kinderarzt, dann müssen Sie jetzt einfach aktiv werden. Dann müssen wir jetzt die Weichen stellen.

    Und es braucht die GSI, es braucht die BKD, die Regionalspitäler, das Inselspital – es braucht alle. Wir brauchen Ausbildungsplätze, wir brauchen aber auch genügend Praktikumsplätze vor Ort. Und hier müssen wir jetzt einfach die Weichen in die richtige Richtung stellen. Das, was wir bis jetzt schon gemacht haben, reicht nicht, das sehen wir. Wir sind uns hier im Saal alle einig, dass wir eine Versorgungskrise haben und dass in vielen spezialisierten Fachrichtungen die Personen fehlen.

    Ich habe Eltern, die mich anrufen: «Ich finde keinen Platz, mein Kind hat einen Suizidversuch gemacht. Ich finde einfach keinen Platz.» Bei den Psychologen werden nicht einmal mehr Wartelisten geführt, weil sie dermassen überlastet sind.

    Wachen Sie auf und überweisen Sie diese Motion! Wie sie dann ausgestaltet werden kann, das haben wir extra recht offen formuliert, sodass man eben auch Handlungsspielraum hat, damit man alle Player miteinbeziehen kann.

    Und vielleicht noch ein Wort zur Forschung: Wir sind enorm darauf angewiesen, dass wir Forschung haben. Und die Forschung, die im Kanton Bern stattfindet – das kann ich Ihnen also sagen –, ist sehr auf den Patienten und auf den Nutzen seitens des Patienten ausgerichtet. Und es wäre dann ganz fatal, es wäre falsch, dort zu sparen.

    Investieren wir! Wir alle wollen auch in Zukunft eine gute Versorgung haben. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, diese Motion in allen Punkten zu unterstützen.

  • Speech
    Casimir von Arx(Grünliberale Partei)
    Grosser Rat
    Casimir von Arx, Spiegel b. Bern (GLP), Einzelsprecher. Zuerst einmal danke ich den Motionärinnen und den Motionären sehr für den Vorstoss. Ich glaube, dass das ein sehr wichtiger Vorstoss ist, auch wenn ich mir persönlich vorstellen könnte, den Punkt 2 auch als Postulat zu akzeptieren. Für rein theoretische Vorlesungen finde ich es auch nicht so schlimm, wenn die in einem Kinosaal stattfinden.

    Aber eigentlich bin ich vor allem wegen etwas anderem nach vorn gekommen und kann mich da gerade meinem Vorredner anschliessen: Die Motion nimmt in den Punkten 1 und 3 ja folgende Fragen auf: Erstens, wie viele Leute machen einen Medizinabschluss oder studieren Medizin? Zweitens, in welchen Fachrichtungen spezialisieren sie sich? Das sind zwei wichtige Fragen. Aber die dritte ist eben: Womit beschäftigen sich die Leute später in ihrem Leben, die jetzt studieren, die den Abschluss machen und noch den richtigen Abschluss machen?

    Das eine Problem hat Grossrat Kohler gerade erwähnt: Das sind die Leute, die aus dem Beruf aussteigen. Das ist sicher ein Problem. Ein weiteres Problem ist aber auch, dass medizinische Fachpersonen sich mit administrativem Kram beschäftigen müssen und nicht am Patienten oder an der Patientin arbeiten können.

    Und eine weitere Anmerkung – und das ist jetzt vielleicht ein bisschen ketzerisch, vielleicht ist es auch ein bisschen ein Tabuthema: Auch Leute, die Forschung betreiben, arbeiten nicht am Patienten oder an der Patientin. Selbstverständlich brauchen wir Forschung, das ist zentral, damit wir weiterkommen. Aber nicht jede Forschung oder jede Tätigkeit im Forschungsbereich ist jetzt für die Gesellschaft wirklich nützlicher als die Arbeit am Patienten. Das einfach einmal so als Gedankenanstoss. Ich werde den Vorstoss unterstützen.

  • Speech
    Hans-Peter Kohler(FDP.Die Liberalen)
    Grosser Rat
    Hans-Peter Kohler, Spiegel b. Bern (FDP), Fraktionssprecher. Das Thema ist extrem wichtig, da sind wir uns einig. Man muss etwas machen, und deshalb ist das Grundanliegen dieser Motion mehr als berechtigt. Es war auch sehr breit abgestützt, sprich: Bei der Vorbereitung wurden, glaube ich, alle möglichen Leute beigezogen. Das merkt man vielleicht auch ein bisschen am Inhalt, die ganze Motion ist sehr gut befrachtet.

    Das Anliegen ist für die FDP-Fraktion absolut gut und richtig, man muss es anpacken. Womit wir uns ein bisschen schwertun, wir haben es vorhin vom Vorredner auch gerade gehört: Motion oder Postulat? Jetzt kann man sagen: «Ja, was soll jetzt da die akademische Diskussion zu Motion oder Postulat?» Die Regierung hat sich natürlich auch etwas überlegt.

    Wenn man z. B. bei Punkt 1, mehr Studienplätze, fünf zusätzliche Studienplätze schafft, und ich übertreibe jetzt ein bisschen, ist die Motion dann erfüllt? Es ist wirklich ein Prüfungsauftrag.

    Der zweite Punkt wurde bereits erwähnt: Diese Priorisierungen, durch die man etwas bevorzugt, das kann man machen. Mich stört es natürlich auch immer, dass gerade die Insel immer zuerst kommt. Wir haben einfach auch noch regionale Spitalzentren, die Lehre anbieten, die Weiterbildung machen, diese brauchen auch Räume. Es gilt, die anderen Partner dann nicht zu vergessen. Man beginnt halt immer gleich zuerst bei der Insel. Das ist einfach eine kritische Bemerkung.

    Und vielleicht noch etwas zur Schwäche des Inhalts, ich habe es gestern an bei der Mittagsveranstaltung gesagt: Das Schlimmste ist – und du weisst jetzt wahrscheinlich, was ich sage, eine Grossrätin lacht mich gerade nett an: So viele verlassen den Beruf, das ist eigentlich das Hauptproblem. All diese Fachleute, die wir für viel Geld ausbilden, steigen manchmal nach einem Jahr oder zwei Jahren aus. Wir verlieren so viele junge Ärztinnen und Ärzte. Und das ist einfach auch ein Punkt, den ich gestern gehört habe. Professor Sven Streit sagte ja, dass das aufseiten der Universität auch noch geprüft wird.

    Also, inhaltlich wären wir froh, wenn es ein Prüfungsauftrag wäre. Die vorhandenen Mehrheiten sind aber gut. Ich sage jetzt nicht, dass die FDP-Fraktion gerade alles als Motion ablehnt, aber eigentlich wäre es korrekt, wenn man es als Postulat überweisen würde, weil die Regierung es anpacken wird. Die BKD wird es anpacken, die GSI wird es anpacken.

    Wir haben etwas Mühe damit, die Forderungen im Rahmen einer Motion zu stellen, aber die Sache ist wichtig, richtig, wir müssen etwas machen. Es kommt sonst wirklich nicht gut. Ich habe 32 Jahre meines Lebens mit Lehre und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten verbracht, und das Schlimmste ist für mich immer noch, wie viele abbrechen. Das tut mir immer weh, sie brechen manchmal nach sechs Monaten ab, denn am Anfang muss man in die Spitäler – Nachtdienste, Spätdienste, die Spitäler haben zu wenig Geld, die Tarife stimmen nicht... – Bitte vergessen Sie diesen Punkt nicht. Merci.

  • Speech
    Reto Jakob(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Reto Jakob, Steffisburg (SVP), Fraktionssprecher. Die SVP-Fraktion ist sich selbstverständlich auch bewusst, dass wir zu wenige Ärzte haben, und zwar auf verschiedensten Gebieten. Wir haben auch von der GSI gehört, dass Abteilungen, Spitäler geschlossen werden, weil wir zu wenig ausgebildete Ärzte haben, und dass das eigentlich der Hintergrund ist. Und ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir hier ansetzen.

    Wir unterstützen grossmehrheitlich den Punkt 1. Wir wissen, dass die Studienplätze teuer sind. Wir wissen, dass die Infrastruktur nicht da ist, aber uns überzeugt die Motion, weil sie nicht genau vorgibt, dass es 50 Plätze oder 100 Plätze sein müssen, sondern ein Freiraum da ist, in dem der Regierungsrat prüfen kann, was sinnvoll ist. Also, Punkt 1 unterstützen wir grossmehrheitlich.

    Bei Punkt 2 sieht es anders aus, wir unterstützen eine Motion nicht. Ich finde es ein bisschen schwierig: Auf der einen Seite sagen wir dem Regierungsrat, dass er die Infrastrukturprojekte priorisieren soll und sagen soll, was wichtiger und weniger wichtig ist. Und gleichzeitig sagen wir aber in einem Geschäft: «Ja, aber das hier ist dann noch wichtiger als die anderen.» Und was passiert denn, wenn wir bei jedem zweiten Geschäft sagen, dass es noch wichtiger sei und man es priorisieren müsse? Schlussendlich geht das einfach nicht auf. Es ist klar, dass man vorwärtsmachen muss, und wir unterstützen hier auch ein Postulat, aber eine Motion unterstützen wir nicht. Der Regierungsrat soll diese Priorisierung machen.

    Den dritten Punkt unterstützen wir. Es ist wichtig, dass man versucht, Wege zu finden, wie man fördern kann, dass die richtigen Studienrichtungen gewählt werden, dass Personal dort hinkommt, wo der Fachkräftemangel am grössten ist.

    Deshalb empfehlen wir, die Punkte 1 und 3 als Motion anzunehmen. Den Punkt 2 nehmen wir als Motion nicht an, würden aber ein Postulat unterstützen.

  • Speech
    Sarah Gabi Schönenberger(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Sarah Gabi Schönenberger, Schwarzenburg (SP), Fraktionssprecherin. Ich hoffe, dass ich reden kann, ich hatte gerade einen Zahnarzttermin, und die Spritze wirkt noch.

    Wie stellen wir sicher, dass auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten genügend Ärztinnen und Ärzte in jedem Fachbereich tätig sind, in dem die Bevölkerung sie am dringendsten braucht? Wir steuern nicht in eine Versorgungskrise hinein, wie hier schon gesagt wurde, nein, wir haben heute bereits eine Versorgungskrise, und zwar in der Kinder- und Jugendmedizin – diese ist jetzt sogar noch stärker betroffen als die Hausarztmedizin, wie wir gehört haben –, weiterhin in der Hausarztmedizin, und wie gesagt in Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie auch in der Psychiatrie und Psychotherapie, und auch die Dermatologie ist besonders betroffen.

    Schon heute kann die Nachfrage im Kanton Bern nicht mehr vollumfänglich gedeckt werden. Das führt zu langen Wartezeiten, Belastungen für Patientinnen und Patienten, für Angehörige und für die involvierten Fachpersonen. Es entstehen hohe Folgekosten, die mit einer funktionierenden Grundversorgung vermeidbar wären.

    Wir brauchen mehr Studienplätze und wir müssen sie gezielt für unterversorgte medizinische Fachgebiete nutzen. Die Universität Bern hat die Zahl der Studienplätze zwar in den letzten Jahren erhöht, doch wir sind schon wieder am Limit. Noch immer finden Teile des Unterrichts in Provisorien statt, während dringend benötigte Neubauten erst in Planung sind.

    Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb unter den Studierenden hoch. Viele erfüllen Zulassungsbedingungen, bekommen aber keinen Studienplatz. Wir verschenken hier Potenzial, Potenzial, das gerade in der Grundversorgung dringend benötigt wird. Ein zentraler Punkt ist auch, dass wir die Weichen schon im Studium stellen müssen. Wenn die meisten Studierenden später lieber Radiologie oder Orthopädie wählen, Bereiche, die überversorgt sind, dann liegt dies nicht nur an persönlichen Interessen, sondern eben auch an systemischen Anreizen, wie beispielsweise höheres Einkommen, geregeltere Arbeitszeiten, mehr Prestige.

    Und deshalb braucht es gezielte Massnahmen, die die Attraktivität der Grundversorgung der Hausarztmedizin, aber auch der Pädiatrie und der Psychiatrie steigern, z. B. durch obligatorische Praktika in Hausarztpraxen, Mentoring, Coaching und Praxisassistenzprogramme. Die Erfahrung zeigt: Wer früh in der Ausbildung mit diesen Fachrichtungen in Kontakt kommt, entscheidet sich für diesen Weg und bleibt auch länger dabei.

    Wir müssen also mehr Anreize schaffen, um eine gezieltere Lenkung zu erreichen. Und noch zu erwähnen ist, dass Ärztinnen und Ärzte mit Fachrichtung Hausarztmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie von der Zulassungsbeschränkung ausgenommen sind.

    Ein ganz wichtiger weiterer zentraler Punkt: Wir müssen die Ärztinnen und Ärzte in den unterversorgten Medizinbereichen im Beruf und im Gesundheitssystem halten können, und das auf eine gesunde Art und Weise. Beispielsweise eben mithilfe von Mentoringprogrammen, die sie auf dem Weg in die Praxis begleiten und auch später noch. Wer sich noch daran erinnern kann: Ein überwiesener überparteilicher Vorstoss von mir aus dem Jahr 2019 sah genau solche Begleitungen – sprich Mentoring – vor, inklusive einer Kohortenstudie.

    Die Stärkung des Instituts für Hausarztmedizin (BIHAM) an der Uni Bern ist ebenfalls zentral, denn das BIHAM ist prozentual, betreffend Vorlesungsschlüssel, und ressourcentechnisch immer noch unterdurchschnittlich aufgestellt. Das ist leider einfach leider ein Fakt. Und das BIHAM setzt sich eben genau und ganz konkret und praktisch für die Ausbildung und Förderung der nächsten Generation an Hausärzten, Hausärztinnen, für die Forschung und für Lehrpersonen in der Grundversorgung ein. Das ist ein wesentlicher Bereich in der Gesundheitsversorgung im Kanton Bern. Diesen jetzt am BIHAM mit medizinischen Fachbereichen zu ergänzen, die ausserordentlich von der Unterversorgung betroffen sind – beispielsweise eben der Bereich Pädiatrie –, wäre stringent, das haben wir anhand der BEKAG-Versorgungsumfrage 2025 gesehen, die das aufgezeigt hat, und das wurde uns auch mitgegeben.

    Viertens: Die Investitionen sind notwendig, aber sie sind eben auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Mehr Studienplätze, bessere Infrastruktur und innovative Ausbildungsformate kosten Geld, aber jede/jeder fehlende Haus- oder Kinderarzt oder Haus- und Kinderärztin, jede nicht verfügbare psychiatrische Versorgung führt zu deutlich höheren Folgekosten für unser ganzes Gesundheitssystem.

    Die Prävention und die Grundversorgung, das sind die kosteneffizientesten Pfeiler unseres Gesundheitswesens. Wer hier investiert, spart langfristig nicht nur Geld, sondern auch menschliches Leid. Der Kanton Bern trägt hier auch Verantwortung, diesen Pfeiler zu erhöhen. Aus diesen Gründen wird die SP-JUSO-Fraktion dem Vorstoss in allen Punkten klar zustimmen. Merci.

  • Speech
    Milena Daphinoff(Die Mitte)
    Grosser Rat
    Milena Daphinoff, Bern (Die Mitte), Fraktionssprecherin. Nous avons un problème aigu d’approvisionnement : trop peu de médecins de famille, trop peu de pédiatres : la pénurie de personnel qualifié frappe d’abord et le plus durement la médecine de base.

    La motion donne une orientation claire : plus de places d’études en médecine, les infrastructures nécessaires et une formation continue ciblée et pratique, en particulier pour la médecine de famille et la pédiatrie ainsi que pour la psychiatrie et la pédopsychiatrie.

    Maintenant, l’important : plus de places d’études seules ne résolvent pas le problème. Donc, pour moi en allemand, je dirais : Wer A sagt, muss auch B sagen. Je ne sais pas si ça fonctionne en français, mais je dirais : qui dit A doit aussi dire B et C, donc : A comme augmenter la formation, B comme bâtiments à disposition et C comme carrière garantie. C’est un devoir de diligence. Nous prenons en considération la chaîne de formation jusqu’à la pratique, sinon, tout cela reste du bricolage. Donc, il faut effectivement prendre ça comme un paquet et c’est pourquoi nous approuvons tous les points de la motion et la soutenons. Merci.

  • Speech
    Tobias Vögeli(Grünliberale Partei)
    Grosser Rat
    Tobias Vögeli, Bern (GLP), Fraktionssprecher. Madame la Conseillère d’État, Madame la Vice-présidente du Grand Conseil, chères et chers collègues. Es ist von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern häufig gesagt worden, aber ich sage es trotzdem noch einmal: Wir steuern auf eine ernsthafte Versorgungskrise hin. In Fachrichtungen wie der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendmedizin oder der Hausarztmedizin ist die Lage bereits heute prekär. Das spüren wir heute primär auf dem Land. Mit den Babyboomern, die in der Rente gehen, wird sich die Situation aber massiv verschlechtern.

    Und es ist auch klar, dass unsere Motion keine Wunder bewirken wird, und sie wird auch nicht unmittelbar Wirkung entfalten können. Bis nämlich ein Studierender Ärztin oder Arzt ist, redet man von 12 bis 15 Jahren. In der gleichen Zeitspanne, also in den nächsten 15 Jahren, gehen allerdings 60 Prozent von allen Ärztinnen und Ärzten – 60 Prozent! – in Rente.

    Genau darum müssen wir aber jetzt das Ruder herumreissen, wenn wir etwas verändern wollen. Sonst stehen wir in 15 bis 20 Jahren vor einem Scherbenhaufen. Das tönt jetzt vielleicht ein wenig alarmistisch, aber wenn wir schauen, wie hoch die Emotionen gehen und wie viele Vorstösse eingereicht werden, wenn eine Spitalabteilung wegen Fachkräftemängel schliessen muss, kann man sich wohl ausmalen, was passiert, wenn plötzlich die Grundversorgung herunterfahren muss, schlicht, weil uns die Leute fehlen.

    Wir haben hier eine umfassende Motion: Es braucht mehr Studienplätze, das ist Punkt 1. Aber es braucht eben nicht nur mehr Studienplätze generell, sondern es braucht a) Studienplätze am richtigen Ort, sprich, wir müssen Fachkräfte dort ausbilden, wo wir eine Unterversorgung haben oder wo eine droht, und b) müssen wir dafür sorgen, dass die Ärztinnen und Ärzte im Beruf bleiben. Das heisst auch, dass wir Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten entsprechend ausgestalten müssen, und das fordert Punkt 3.

    Der Regierungsrat hat bei der Umsetzung dieser Motion relativ viel Flexibilität. Wir schreiben beispielsweise nicht vor, wie viele Studienplätze geschaffen werden müssen. Deshalb finden wir auch, dass eine Motion zum einen umsetzbar und zum anderen dringend nötig ist.

    Wir haben in diesem Bereich etwas verschlafen. Und wenn man verschlafen hat, sollte man sich sputen, sobald man merkt, dass man zu spät dran ist. Deshalb wäre aus Sicht der Grünliberalen eine Überweisung nur als Postulat falsch. Wir werden die Motion entsprechend einstimmig und in allen Punkten annehmen.

  • Speech
    Katja Streiff(Evangelische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Katja Streiff, Oberwangen (EVP), Fraktionssprecherin. Wir alle kennen die Realität, wir haben es gehört: Der Ärztemangel ist keine abstrakte Prognose mehr. Er ist bereits heute in vielen Regionen und Fachbereichen unglaublich spürbar. Die Hausarztpraxen bleiben unbesetzt, immer längere Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten, die Folgen tragen aber nicht nur sie, sondern auch die Angehörigen und das gesamte Gesundheitssystem mit steigender Belastung und Kosten. Darum braucht es jetzt entschlossenes Handeln.

    Zu Ziff. 1 der Motion: Die Universität Bern hat ihre Kapazitäten in den letzten Jahren bereits erweitert, das ist anerkennenswert. Aber wir sehen, dass der Bedarf hoch bleibt und die bestehenden Kapazitätsgrenzen erreicht sind. Es ist entscheidend, dass zusätzliche Studienplätze geschaffen und gleichzeitig praxisnahe Ausbildungsformate wie die Hausarztpraktika und das Mentoring gesichert werden. Gerade diese Praxiserfahrungen sind der Schlüssel, um junge Menschen für die Grundversorgung und auch für diese Mangelbereiche zu gewinnen.

    Natürlich braucht es dafür Mittel und Infrastruktur, aber es ist eine Investition in die Versorgungssicherheit, und letztlich auch in die Kostenreduktion durch Prävention, und in weniger Versorgungslücken.

    Zu Ziff. 2: Der Regierungsrat betont, dass die Projekte auf dem Insel-Campus hohe Priorität haben. Das freut uns natürlich. Wir sehen aber auch, dass provisorische Lösungen in der Lehre keine Dauerlösung sind. Wenn wir die Qualität der Ausbildung halten wollen, müssen wir die Infrastrukturprojekte entschlossen vorantreiben. Eine Priorisierung ist darum sinnvoll, auch wenn das bedeutet, dass wir hier im Grossen Rat entsprechende Entscheidungen treffen müssen.

    Noch zu Ziff. 3: Hier hat der Kanton bereits wichtige Schritte unternommen. Hausarztpraktika ab dem ersten Studienjahr, Blockpraktika, finanzielle Abgeltungen für Weiterbildungen in Mangelbereichen, das ist gut, und wir unterstützen diesen Weg. Aber wir müssen noch konsequenter vorgehen. Gerade die Förderung innovativer Ansätze, etwa in der Psychiatrie oder in interprofessioneller Zusammenarbeit ist entscheidend, um langfristig Nachwuchs für diesen wichtigen Bereich zu gewinnen.

    Ja, der Ärztemangel kann nicht mit einem einzigen Instrument gelöst werden, aber mehr Studienplätze, bessere Infrastruktur und innovative Ausbildungsformate sind zentrale Bausteine Sie sind nicht die ganze Lösung, aber ein wichtiger und notwendigen Schritt.

    Deshalb unterstützt die EVP-Fraktion die vorliegende Motion einstimmig in allen drei Ziffern, und ich bitte Sie, das auch zu tun. Merci.

  • Speech
    Dominik Blatti(Eidgenössisch-Demokratische Union)
    Grosser Rat
    Dominik Blatti, Oberwil i. S. (EDU), Fraktionssprecher. Ich halte das Votum für meine Fraktionskollegin Katharina Baumann, die als Vizepräsidentin auf dem zweiten Sessel sitzt. Der Kanton Bern steuert ungebremst auf eine medizinische Versorgungskrise hin. Hausarztpraxen schliessen ohne Nachfolge, Kinder- und Jugendpsychiatrien sind überlastet, Familien finden für ihre Kinder keine ärztliche Betreuung mehr. Schon heute fragen die Eltern bei Dutzenden von Praxen an, aber ohne Erfolg. Die Schweiz deckt ihren Bedarf weiterhin massiv durch das Rekrutieren von Ärzten und Ärztinnen aus dem Ausland. Das ist ethisch fragwürdig, dieses Modell muss man hinterfragen, und es gefährdet auch die Abhängigkeit.

    Gleichzeitig ist die heutige Ausbildung stark spitallastig, ressourcenfinanziert und geht an den realen Bedürfnissen vorbei. Mehr vom selben ist keine gute Lösung. Wenn wir nicht rasch Gegensteuer geben mit zusätzlichen Studienplätzen, gezielter Weiterbildung und Infrastruktur, droht der Kollaps der Grundversorgung.

    Die Motion adressiert genau diesen Punkt und ist deshalb ein unverzichtbarer Schritt, um die medizinische Versorgung im Kanton Bern nachhaltig zu sichern. Die EDU-Fraktion ist für eine stabile medizinische Versorgung, deshalb unterstützen wir den Vorstoss einstimmig. Helfen Sie bitte bei dieser Motion auch mit. Danke.

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