Wie steht es um die Spermienqualität im Kanton Bern?
(2025.GRPARL.1523)- SpeechAnne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatPräsidentin. Sie haben das Postulat angenommen.
- SpeechAnne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatPräsidentin. Wir kommen zur Abstimmung über das Traktandum 64. Der Motionär hat in ein Postulat gewandelt. Wer diesen Vorstoss als Postulat annimmt, stimmt Ja, wer ihn ablehnt, stimmt Nein.
- SpeechRomeo Arnold(Grünliberale Partei)Grosser RatRomeo Arnold, Oberhofen (GLP), Motionär. Danke für die angeregte Debatte. Es war sehr interessant für mich zu hören, welche Richtung eingeschlagen werden kann. Ich wandle darum. Ich habe auch Excel. (Grossrat Arnold bezieht sich auf eine Äusserung von Grossrat Peter Gerber vor der Abstimmung zu Traktandum 63. / Le député Arnold fait référence à une déclaration que le député Peter Gerber avait faite avant le vote sur le point 63 de l’ordre du jour. ) Ich habe auch ein bisschen gerechnet, und ich bitte Sie, das Postulat in diesem Sinn zu unterstützen, damit wir dann wirklich auch mithilfe des Regierungsrates auf nationaler Ebene etwas bewirken und diesem Problem auf die Schliche kommen können. Merci für die Unterstützung.
- SpeechSpeechGrosser RatPierre Alain Schnegg, directeur de la DSSI. À l’échelle cantonale, il n’existe pas de relevé systématique des données concernant la qualité du sperme chez les jeunes hommes. Merci également à Mathias Müller pour la démonstration qu’il a faite des limites d’un éventuel relevé cantonal.
À l’échelle nationale, des indicateurs et des valeurs limites font encore défaut dans de nombreux domaines. Une étude exhaustive de cette problématique complexe nécessite un volume important de données pour disposer de résultats statistiquement fiables et cela mobiliserait du temps et des ressources considérables sans nécessairement pouvoir garantir le succès de cette démarche.
C’est pourquoi seul un relevé et une analyse systématique réalisés à l’échelle nationale pourraient être pertinents, avec une coordination à large échelle – administration, canton, groupes de travail nationaux, etc. Au niveau bernois, les offices concernés ont institué une plateforme « One Health » interne au canton pour traiter ensemble des questions transversales. Ce groupe « One Health » pourrait se voir confier la tâche d’interagir avec les autorités fédérales compétentes.
C’est pourquoi le Conseil-exécutif vous propose d’adopter cette motion sous forme de postulat afin de pouvoir défendre au niveau fédéral l’élaboration d’un rapport tel que demandé. Merci de votre attention.
- SpeechMathias Müller(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatMathias Müller, Orvin (SVP), Einzelsprecher. Ich möchte nur ganz kurz noch auf diese Studie eingehen; mein Vorredner hat dazu auch schon etwas gesagt. Diese Studie wurde 2025 in der Zeitschrift Human Reproduction publiziert. Es waren 2500 Teilnehmer – Teilnehmer, nicht Teilnehmende, es waren ja nur Männer. Das wurde damals tatsächlich in den Rekrutierungszentren gemacht. Es gab nur eine Probe pro Mann. Das ist schon relativ schwach, wenn es nur eine Probe gibt. Hotspots und Coldspots sind rund 50 bis 100 Personen. Das ist auch nicht gerade gross aussagekräftig. Vor allem wenn es einen Ausreisser gibt, dann verzerrt es natürlich schon die ganze Studie in einem solchen Hotspot oder Coldspot.
Aufpassen muss man auch, da es Rekruten sind. Das heisst, der Wohnort ist nicht unbedingt der Ort, wo sie aufgewachsen sind. Also, wir reden hier von 19-jährigen, 20-jährigen Männern. Die wohnen zum Teil nicht mehr dort, wo sie aufgewachsen sind, also ist es auch hier wieder schwierig, einen Zusammenhang herzustellen.
Und denken Sie einfach daran: Der Kanton hat keinen Einfluss auf die Rekrutierung. Die Rekrutierung ist eine Bundesangelegenheit, und auch wenn wir im Kanton Bern ein Rekrutierungszentrum haben, kann der Kanton Bern nicht befehlen, dass die Berner Stellungspflichtigen Spermien abgeben müssen. Das ist nicht möglich.
Und dann müssen wir einfach noch schauen, von wie vielen Leuten wir sprechen würden. Ungefähr 2 Prozent aller Stellungspflichtigen haben sich freiwillig gemeldet. Wenn wir von den Bernern 2 Prozent Freiwillige in den Rekrutierungszentren hätten, dann wären wir vielleicht noch etwa bei 100, 200 Spermienproben pro Jahr. Und noch einmal: In den Rekrutierungszentren hat der Kanton Bern nichts zu sagen, vergessen Sie das einfach mal. Ich war Kommandant der Rekrutierung, ich weiss, wovon ich spreche. Das ist eine Illusion, da müsste man einen anderen Weg finden. Fertig.
- SpeechJann Fritz Bangerter(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatJann Fritz Bangerter, Wengi b. Büren (SVP), Einzelsprecher. Ich möchte nicht wiederholen, was hier schon zigfach gesagt worden ist. Ich erlaube mir, ganz kurz zusammenzufassen und darauf einzugehen. Die Spermienqualität ist massiv wichtig auf gesellschaftlicher Ebene, aber auch für das einzelne Individuum. Wir anerkennen diese Wichtigkeit absolut. Folgendes: Die Studie spricht aber von sehr schwachen statistischen Erhebungen. Das ist der erste Punkt. Und das Zweite, worauf ich aufmerksam machen möchte, ist, dass wir sehr viele Faktoren haben, bei denen wir schon bewiesenermassen wissen, dass sie die Spermienqualität negativ beeinflussen, namentlich das Rauchen. Sie finden das auf jedem Zigarettenpäckchen. Wir haben hier aber nichts unternommen, damit wir das Rauchen verbieten würden.
Das Zweite: Wenn jetzt in dieser Erhebung auskommen sollte, und ich gehe nicht davon aus, aber nur so als Hypothese, dass 5G schlecht ist – verbieten wir dann die Handys? Also, der Konsequenzen davon müssen wir uns einfach auch bewusst sein. Sind wir dann bereit, diese mitzutragen?
Und der dritte Punkt: Ja, die Ebene ist wahrscheinlich die falsche, wenn das der Kanton angehen soll. Wie soll er das erheben? Das können Sie nicht im Blut feststellen, da brauchen Sie Spermienproben, und das muss dann repräsentativ sein, indem die Freiwilligen nicht nur aus einer bestimmten Gruppe kommen, die sich halt meldet.
In diesem Sinn: Wir haben nicht die Mittel dafür, wir sind nicht bereit, die Konsequenzen zu tragen – lehnen wir diese Motion ab. Und ganz kurz ein Funfact am Rand: Als wir über die Abtreibungen diskutiert haben, hat man hier vorne moniert, dass v. a. Männer dazu gesprochen haben. Heute habe ich v. a. Frauen hier vorne gesehen. Merci.
- SpeechSamuel Kullmann(Eidgenössisch-Demokratische Union)Grosser RatSamuel Kullmann, Thun (EDU), Fraktionssprecher, Mitmotionär. In der Schweiz gibt es einen neuen Negativrekord: Eine durchschnittliche Frau gebärt im Leben nur noch 1,29 Kinder. Das ist der tiefste Wert seit den Aufzeichnungen, und dafür gibt es ganz viele Gründe. Ein paar Gründe sind durchaus bekannt. Andere Gründe sind unbekannt. Ein paar Gründe können vermutet werden.
Aus Sicht der EDU-Fraktion ist das ein Problem. Es macht uns Sorgen. Vor allem macht uns auch der dramatische Geburtenrückgang Sorgen, der seit Januar 2022 eingesetzt hat. Inwiefern eben die fehlende Spermienqualität ein Problem ist, wäre wichtig zu wissen. Wichtig und sinnvoll wäre es, wenn man das auf eidgenössischer Ebene eruieren würde oder gar noch mehr in der internationalen Forschung.
Deshalb sind wir von der EDU-Fraktion mehrheitlich dafür, das als Postulat anzunehmen. Der Regierungsrat kann einen Bericht machen mit bestehenden Ressourcen, die in der Verwaltung da sind. Eine riesige eigene Studie aufzubauen, also dass der Kanton da den Lead übernimmt, sehen wir als weniger sinnvoll an. Nein, es braucht eine Zusammenarbeit mit anderen Kantonen, es braucht eine Zusammenarbeit gerade auch mit dem Bund, und der Regierungsrat soll sich dafür einsetzen. Die EDU-Fraktion unterstützt den Vorstoss deshalb als Postulat.
- SpeechMeret Schindler(Sozialdemokratische Partei)Grosser RatMeret Schindler, Bern (SP), Fraktionssprecherin. Ich gehe davon aus, dass praktisch alle von uns hier in diesem Saal Leute kennen, Paare kennen, die Kinder bekommen wollten und bei denen es nicht geklappt hat. Schon als ich vor 20 Jahren die Ausbildung machte, wusste man in der Wissenschaft, dass es etwa bei einem Drittel der Fälle von Unfruchtbarkeit oder Schwierigkeiten an den Männern liegt, bei einem Drittel liegt es an den Frauen, und bei einem Drittel liegt es sogar an beiden.
Für uns ist das natürlich ein stossendes Zeichen. Es haben schon viele Vorrednerinnen Ähnliches gesagt. Wir haben wirklich im Kanton Bern ein Problem, und wir möchten dem gerne nachgehen. Wir werden als SP-JUSO der Motion und dem Postulat zustimmen, insbesondere, weil es hier eben nicht nur um die Männer gehen soll, bei denen man praktischerweise bei der Aushebung auswerten kann, wie ihre Spermienqualität ist, sondern weil man auch nach geeigneten Möglichkeiten suchen soll, wie man die Fortpflanzungsfähigkeit der Frauen erforschen kann. Deshalb bitte ich Sie auch, diesem Vorstoss zuzustimmen, egal ob in Form einer Motion oder eines Postulats.
- SpeechMilena Daphinoff(Die Mitte)Grosser RatMilena Daphinoff, Bern (Die Mitte), Fraktionssprecherin. Die Mitte anerkennt die Bedeutung des Themas ausdrücklich. Die vorliegenden Studien weisen auf eine besorgniserregende Entwicklung der Spermienqualität hin. Gerade dieser Coldspot im Kanton Bern wirft Fragen auf. Diese Fragen verdienen unsere Aufmerksamkeit, und es ist richtig, wenn man mögliche Ursachen weiter untersucht. Trotzdem lehnt Die Mitte den Vorstoss als Motion ab. Nicht weil wir das Anliegen für unwichtig halten, sondern weil wir Zweifel haben, ob der Kanton Bern die richtige Ebene für einen solchen Forschungsauftrag ist.
Die Ursachen möglicher Veränderungen der Spermienqualität sind komplex. Um belastbare Aussagen zu erhalten, braucht es grosse Datenmengen, wissenschaftliche Expertise und – wir haben es auch gehört – schweizweit vergleichbare Erhebungen. Genau deshalb kommt auch der Regierungsrat zum Schluss, dass eine systematische Untersuchung nur auf nationaler Ebene sinnvoll ist. Wir teilen diese Einschätzung. Wir sollten auch aufpassen, dass wir den Kanton nicht bei offenen wissenschaftlichen Fragestellungen mit eigenen Untersuchungsaufträgen versehen; wir dürfen nicht Gefahr laufen, Aufgaben zu übernehmen, die eigentlich beim Bund angesiedelt sind oder gar bei Forschungsinstitutionen.
Aus diesem Grund lehnt auch die Mehrheit der Fraktion das Postulat ab. Eine Minderheit der Fraktion möchte aber, dass der Regierungsrat prüft, wie dieses Anliegen auf nationaler Ebene eingebracht und weiterverfolgt werden kann. Die Minderheit würde also auch das Postulat unterstützen. Besten Dank.
- SpeechMartin Lerch(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatMartin Lerch, Langenthal (SVP), Fraktionssprecher. Auch die SVP-Fraktion hat sich sehr intensiv mit dieser Thematik befasst. Auch der SVP geht es um Gesundheit, gesunde Lebensgrundlagen, um die Gesundheit der Bevölkerung, das ist keine Frage. Und trotzdem hat sie diverse Fragezeichen zu diesem Vorstoss. Ja, ich nehme es vorweg: Sie kann ihm nicht viel Positives abgewinnen, und die kritischen Punkte sind die folgenden: Wie zuverlässig sind diese Studien? Gibt es wirklich verlässliche Vergleichszahlen zu früher? Wie ist die statistische Signifikanz für diesen Coldspot und für diese Hotspots, die beschrieben werden? Statistisch signifikant muss etwas sein, das eben auf eine gewisse Zahl abgestützt ist. Das fehlt hier von uns aus gesehen.
Weiter fragen wir uns, ob es Sinn ergibt, dass der Kanton Bern als Agrarkanton, als grösster Agrarkanton in diesem Land, allein vorausgeht, einen Sonderzug fährt. Ist das nicht mit unverhältnismässigen Kosten verbunden? Haben wir das nötige Erhebungsmaterial? Sie wissen, dass man auf Stufe Bund mit den Rekruten arbeiten und Erhebungen durchführen kann. Kann das der Kanton Bern? Da haben wir Zweifel.
Ich komme zum Schluss, und das Fazit ist in unserer Fraktion klar: einstimmige Ablehnung der Motion und grossmehrheitliche Ablehnung auch als Postulat. Merci.
- SpeechMelanie Beutler-Hohenberger(Evangelische Volkspartei)Grosser RatMelanie Beutler-Hohenberger, Gwatt (EVP), Mitmotionärin, Fraktionssprecherin. Spermienqualität – ja, wir haben es vorhin gehört: Auf den ersten Blick mag das vielleicht hier als Thema ein bisschen ungewöhnlich erscheinen, tatsächlich aber geht es hier um eine zentrale Frage der öffentlichen Gesundheit. Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen seit Jahren einen Rückgang der Spermienqualität in vielen westlichen Ländern. Besondere Aufmerksamkeit verlangt dabei das kürzlich veröffentlichte Studienergebnis, das eben die Region zwischen Bern und Thun, zu der ich mich auch dazuzähle, als einen sogenannten Coldspot mit vergleichsweise tiefer Spermienqualität identifiziert.
Für die EVP ist klar: Gesundheitspolitik als solche darf nicht nur reagieren, sondern sie muss auch präventiv agieren. Vorsorge bedeutet in diesem Zusammenhang, solche Entwicklungen ernst zu nehmen, wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzutragen, sorgfältig zu prüfen und dann dort zu handeln, wo Risiken für Mensch und Umwelt bestehen. Die Motion stellt deshalb berechtigte Fragen und Forderungen. Wenn Umweltfaktoren, Schadstoffe oder bestimmte Lebensbedingungen die reproduktive Gesundheit beeinträchtigen können, dann besteht eben ein öffentliches Interesse daran, diese Zusammenhänge besser zu verstehen.
Das betrifft nicht nur die Familienplanung einzelner Menschen, es betrifft die Gesundheit von Kindern, die Lebensqualität von Betroffenen und letztlich auch die Verantwortung gegenüber unseren kommenden Generationen. Die EVP setzt sich seit jeher für den Schutz des menschlichen Lebens und für gesunde Lebensgrundlagen ein. Dazu gehört auch, mögliche Belastungen unserer Umwelt ernst zu nehmen. Wenn Hinweise auf negative Auswirkungen von Pestiziden, z. B. von PFAS und anderen Schadstoffen, bestehen, dann dürfen wir diese Fragen nicht einfach auf die Seite schieben, sondern wir müssen hinschauen.
Gleichzeitig teilen und anerkennen wir die Einschätzung des Regierungsrates, dass belastbare Erkenntnisse nur im Rahmen eines koordinierten Vorgehens und eben auch eines nationalen Vorgehens gewonnen werden können. Die Ursachen sind komplex, die Datenanlage ist anspruchsvoll, und kantonale Alleingänge stossen hier an ihre Grenzen. Wir schliessen daraus aber nicht das Gleiche wie der Regierungsrat, dass man diese Motion oder dieses Anliegen nur in Form eines Postulats umsetzen kann. Vielmehr soll der Kanton Bern gerade aufgrund seiner Grösse und der bisherigen Studienergebnisse, die eben zeigen, dass wir am stärksten betroffen sind, seine Verantwortung hier wahrnehmen, sich also proaktiv in die nationale Diskussion und Forschung einbringen und auch koordinativ vorgehen.
In diesem Zusammenhang begrüssen wir z. B. gerade den One-Health-Ansatz, den der Regierungsrat in seiner Antwort erwähnt. Für die EVP geht es also nicht um Alarmismus, sondern um Verantwortung, und verantwortungsvolle Politik schaut hin, wenn Hinweise auf ein mögliches Gesundheitsproblem vorliegen. Wir fordern also mit dieser Motion, diesen Hinweisen auf den Grund zu gehen, um nachher faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Aus diesen Gründen unterstützt die EVP-Fraktion diese Überweisung einheitlich als Motion. Wir werden selbstverständlich auch das Postulat unterstützen, falls gewandelt wird.
- SpeechDominique Bühler(Die Grünen)Grosser RatDominique Bühler, Liebefeld (GRÜNE), Fraktionssprecherin. Wir haben es gehört: Die Spermienqualität ist nicht irgendwo, sondern auch hier im Kanton Bern am Sinken. Wir haben sogenannte Coldspots, wo die Spermienqualität besonders schlecht ist. Ein Coldspot ist leider kein Gütesiegel, mit dem wir uns brüsten können, sondern er ist ein Warnsignal, was unsere Gesundheit anbelangt.
Die Gründe für die Verschlechterung der Spermienqualität sind komplex, der Motionär hat es bereits gesagt. Logisch ist: Alles, was in unsere Umwelt abgegeben wird, landet schliesslich direkt oder auf Umwegen auch in unserem Körper, und auch unser Lebensstil hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Damit wir die Ursache eruieren können und das Problem angehen können, müssen wir das Ausmass des Problems auch zuerst verstehen. Aber klar, wir sind mit dem Regierungsrat einig: Eine rein kantonale Datenerhebung hat ihre Grenzen. Das Problem ist national, ja sogar global. In der ganzen Welt sehen wir, dass sich die Spermienqualität verschlechtert.
Wir möchten auch würdigen, dass der Regierungsrat grundsätzlich aktiv werden will. Es zeigt, dass er das Problem im Kanton Bern erkennt. Aber ein Postulat, wie der Regierungsrat es möchte, reicht nicht. Denn was passiert im Moment auf Bundesebene? Leider viel zu wenig. Die Human-Biomonitoring-Studie wurde leider sistiert, die uns viele Grundlagen hätte liefern können. Wenn wir den Vorstoss jetzt also als Postulat überweisen, wie der Regierungsrat das möchte, dann wären wir trotz seiner Bemühungen weiterhin am Warten. Warten mit einem mulmigen Gefühl, das ist uns definitiv zu wenig. Die Fraktion GRÜNE/AL stimmt deshalb der Motion zu. Merci vielmals.
- SpeechManuela Kocher Hirt(Sozialdemokratische Partei)Grosser RatManuela Kocher Hirt, Worben (SP), Mitmotionärin. Der Regierungsrat anerkennt in seiner Antwort etwas Wesentliches, dass eben die Spermienqualität seit Jahrzehnten sinkt. Die Schweiz gehört im europäischen Vergleich zu den Ländern mit den tiefsten Werten, und eben, die jüngste Studie zeigt, dass wir ausgerechnet im Raum zwischen Bern und Thun diesen schweizweiten Coldspot mit besonders tiefer Spermienqualität haben. Wir reden hier also nicht über eine theoretische Fragestellung, wir reden über ein konkretes Gesundheitsproblem, das unseren Kanton direkt betrifft.
Der Regierungsrat argumentiert jetzt, dass weiterführende Forschung nur auf nationaler Ebene Sinn mache. Grundsätzlich kann ich diesem Argument durchaus auch etwas abgewinnen. Natürlich wäre ein schweizweit koordiniertes Vorgehen sinnvoll, natürlich braucht es eine nationale Strategie und eine gemeinsame Datengrundlage. Aber genau hier liegt das Problem. Wir wissen seit Jahren, dass die Spermienqualität abnimmt. Seit Jahren weisen Forschende auf die offenen Fragen hin, und seit Jahren wird auch auf weiteren Forschungsbedarf hingewiesen, und trotzdem passiert zu wenig. Wenn wir heute einfach sagen, der Bund solle sich irgendwann darum kümmern, dann verschieben wir einfach das Problem erneut.
Die Betroffenen haben aber nichts davon, wenn wir weitere Jahre auf die nationalen Prozesse warten. Gerade weil der Kanton Bern besonders betroffen ist, haben wir eine Verantwortung, für unsere Bevölkerung aktiv zu werden. Wir verfügen bereits über wertvolle Strukturen und Fachkompetenz. Der Regierungsrat selbst verweist auf die kantonale One-Health-Plattform, auf der die verschiedenen Fachstellen zusammenarbeiten und auf der bestehende Grundlagen zusammentragen werden, auch im Zusammenhang mit der Rekrutierung.
Es geht also nicht darum, bei null anzufangen, und die Motion verlangt auch keinen Alleingang von der bernischen Kantonsregierung. Im Gegenteil, wir fordern ausdrücklich die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen, eine Koordination mit nationalen Stellen. Sie schaffen genau die Grundlage, um später eine schweizweite Lösung aufzubauen. Wir haben die Möglichkeit, ein klares Signal zu senden. Nehmen wir die Sorgen der Bevölkerung ernst, und berücksichtigen wir auch die wissenschaftlichen Hinweise. Es ist wichtig, dass wir nicht einfach abwarten, sondern dass wir jetzt handeln, und diese Motion wäre ein erster Schritt dazu. Denn die Betroffenheit bei den Personen ist hoch, und wir haben im Kanton Bern auch einen Geburtenrückgang. Wir schrumpfen als Kanton Bern, und ich denke, hier wäre ein wesentlicher Hebel, mit dem wir uns profilieren könnten.
- SpeechAnne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatPräsidentin. Die Rednerliste ist offen für die Fraktionen. Als Mitmotionärin und für die Fraktion, Manuela? – Ja, gut. Dann gebe ich gerne Grossrätin Manuela Kocher Hirt das Wort als Mitmotionärin.
- SpeechRomeo Arnold(Grünliberale Partei)Grosser RatRomeo Arnold, Oberhofen (GLP), Motionär. Ja, jetzt geht es um unsere kleinen Schwimmerchen, die Spermien, und denen geht es bekanntlich leider nicht so gut. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Spermienqualität in Nordamerika, in Australien, aber eben auch in Europa drastisch abnimmt. Die Rede ist dabei von einer Qualitätsreduktion von bis zu 50 Prozent.
Auch in der Schweiz gab es Untersuchungen, und diese zeigen sogar ein noch schlimmeres Bild. Man hat nämlich festgestellt, dass die Spermienkonzentration in der Schweiz europaweit zu den tiefsten Werten gehört. Sprich, bei jedem sechsten jungen Mann ist die Spermienqualität so tief, dass eine natürliche Empfängnis erschwert ist. So schreibt es auch der Regierungsrat in seiner Antwort. Und es geht noch weiter, denn gerade in unserem Kanton, zwischen Thun und Bern, gibt es zudem einen sogenannten Coldspot, wo die Spermienqualität besonders schlecht ist. Sprich, wir haben ein ernsthaftes Problem hier vor unserer eigenen Haustür.
Was die Ursachen dieses Problems sind, ist bis jetzt noch recht unklar. Es gibt verschiedenste Vermutungen: falsche Ernährung, Lebensstilfaktoren, hormonaktive oder industrielle Stoffe, Pestizide, per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), Mikroplastik und so weiter. Aber bis jetzt kann man noch nicht ganz klar sagen, ob es quasi nur eine Ursache gibt oder ob halt der gesamte Cocktail das Problem verursacht.
Um diesem offensichtlichen Gesundheitsproblem auf den Grund zu gehen, braucht es also weitere Untersuchungen, damit man nachher auch entsprechende geeignete und effektive Massnahmen treffen kann. Für diese Untersuchungen muss man auch nichts Neues erfinden, sondern man kann bestehende Erhebungsmethoden nutzen und ausweiten. Im Vorstoss wird auch verlangt, dass man die jungen Frauen nach Möglichkeit in eine Datenerhebung zu ihrer reproduktiven Gesundheit aufnimmt, denn die Spermien machen ja selbsterklärend nur die Hälfte der ganzen Fortpflanzung aus. Deshalb ist es sicher angezeigt, auch in diese Richtung Bestrebungen zu unternehmen, damit wir auch hier eine bessere Datengrundlage haben.
Es ist völlig klar, dass wir dieses Problem mit der sinkenden Spermienqualität gesamtschweizerisch angehen müssten, und nicht nur im Kanton Bern. Völlig klar. Das Problem ist aber, dass der Bund solche entscheidenden Studien aus finanziellen Gründen gestrichen hat. Die Konsequenz daraus ist, dass wir jetzt bei vielen Gesundheitsproblemen einfach im Blindflug unterwegs sind und keine Ahnung haben, wenn es dann wirklich knallt.
Deshalb liegt es jetzt halt an uns, aktiv zu werden, gerade weil wir hier in Bern, wie eingangs gesagt, von diesem Problem besonders betroffen sind. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) möchte selbst ja auch weitere Untersuchungen machen, auch diverse Forschungsinstitutionen. Und ja, sogar der Schweizer Bauernverband hat das auch schriftlich mitgeteilt. Diese alle sagen ganz klar, dass es weitere Untersuchungen braucht und dass eine Ursachenforschung Sinn ergibt.
Ich danke dem Regierungsrat, dass auch er die Problematik und den Handlungsbedarf anerkennt. Er will sich auf Bundesebene für diese Thematik einsetzen, und das ist richtig so. Ich habe einfach ein bisschen Respekt davor, wie das genau aussieht, denn ohne etwas unterstellen zu wollen: Einmal anzuklopfen und zu sagen «mach es bitte gleich», wird, glaube ich, leider nicht reichen. Deshalb möchte ich eigentlich an der Motion festhalten, damit auch wirklich der Handlungsbedarf für den Regierungsrat da ist.
Ich konnte im Vorfeld mit Verschiedenen ein Gespräch führen, und ich glaube, wir sind uns hier im Rat einig, dass wir dieser Problematik auf den Grund gehen möchten, und deshalb bin ich dankbar für Ihre Unterstützung. Ich höre jetzt den Voten gerne zu und mache mir dabei Gedanken, ob ich dann allenfalls doch noch in ein Postulat wandeln müsste. Ich komme dann gerne nach dem Regierungsrat noch einmal ans Rednerpult.
- SpeechAnne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)Grosser RatPräsidentin. Wir gehen weiter mit Traktandum 64. Das ist eine Motion von Grossrat Arnold: «Wie steht es um die Spermienqualität im Kanton Bern?» Der Regierungsrat sagt: Annahme als Postulat. Es ist eine freie Debatte. Ich gebe dem Motionär das Wort: Romeo Arnold.
Data: OpenParlData · CC BY 4.0