Corina Gredig · glp
Wenn wir zurückschauen auf das Sommerhalbjahr, dann sehen wir, dass wir die trockenste Periode seit Messbeginn im Jahr 1864 erlebt haben. Wir sehen: Die Rheinschifffahrt ist beeinträchtigt, Bäche führen wenig Wasser, Millionen von Fischen verenden, Böden und Wälder sind ausgetrocknet und das Matterhorn steht ohne Schnee da - wir bekommen deswegen die Aufmerksamkeit der internationalen Presse. Ja, plötzlich merken wir, dass das Wasserschloss Schweiz ein Wasserproblem hat. Darauf müssen wir natürlich reagieren, mit mehr Wasserspeicherung in der Landschaft, mit gesunden Böden, Wäldern, Mooren und Gewässern, die Wasser zurückhalten, mit einer Landwirtschaft, die auch längere Trockenperioden verkraftet. Selbstverständlich müssen wir das machen, aber eines ist genauso klar - hoffentlich ist es genauso klar: Wir können uns nicht einfach aus dem Klimawandel herausorganisieren. Wir können nicht jeden trockenen Sommer mit Notmassnahmen beantworten und gleichzeitig so tun, als hätte das alles keine Ursache. Wir müssen die Ursachen bekämpfen; die Lösungen, die sind doch längstens bereit, die sind da. Wir wissen, dass wir die Lösungen haben, mehr erneuerbare Energien, Gebäude, die weniger Energie verschwenden, Wärmepumpen statt Öl und Gas, Elektroautos statt importiertes Benzin und Diesel und vor allem: Jede Kilowattstunde, die wir nicht verschwenden, müssen wir weder produzieren noch importieren. Das ist nicht Verzicht, das ist Fortschritt, es ist schlussendlich auch Unabhängigkeit, und es ist eine Frage der Generationengerechtigkeit.
Wir reden hier zurecht sehr viel darüber, dass wir unseren Kindern und Enkeln keine Schulden hinterlassen wollen. Aber Generationengerechtigkeit endet doch nicht einfach bei der Schuldenbremse. Wir können doch nicht sagen: Bei den Bundesfinanzen denken wir an unsere Enkelinnen und Enkel, und beim Klima schicken wir ihnen dann die Rechnung. Wer heute nicht handelt, der spart nicht, er verschiebt einfach die Kosten auf die nächste Generation. Natürlich verändert ein einzelner Beschluss hier in diesem Saal das Weltklima nicht um mehrere Grade, selbstverständlich nicht, aber wenn jedes Land so argumentieren würde, würde sich gar nichts verändern. Klimaschutz funktioniert nur, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. Wenn 190 Staaten sagen, auf uns kommt es nicht an, dann kommt es am Ende auf niemanden an, erst recht nicht, wenn eines der reichsten und innovativsten Länder dieser Welt nicht vorangehen möchte.
Ja, Herr Bundesrat, wir sind nicht zufrieden mit dem Tempo, das unsere Landesregierung bei diesem wichtigen Thema vorgibt; wir sind nicht einverstanden mit dem Tempo, das der Bundesrat bei einem Thema, das die nächsten Generationen - leider - wohl am meisten bewegen wird, hier vorgibt. Wir sollten nicht später, wir sollten jetzt endlich handeln.