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Jürg Grossen · glp

deRedetext
Schweiz30.09.2026

Der Sommer 2026 hat uns etwas sehr deutlich vor Augen geführt. Die Schweiz muss sich auf ein Klima einstellen, das extremer wird. Ich komme aus dem Berner Oberland, genau gleich wie Kollege Knutti, der vorhin eine Frage gestellt hat, und ja, natürlich wie auch der Herr Bundesrat - selbstverständlich, Herr Bundesrat, wir kommen sogar aus demselben Tal, das ist super!

Wir sind es gewohnt, dass Wasser im Überfluss vorhanden ist. Wir haben Schnee, Gletscher, Bäche, Seen. Gerade in diesem Sommer wurde aber wirklich besonders eindrücklich sichtbar, dass selbst im Wasserschloss Schweiz ausgerechnet die Ressource Wasser knapp werden kann. In vielen Flüssen wurden rekordtiefe Wasserstände gemessen, Alpbetriebe mussten ihre Tiere früher ins Tal bringen, weil Wasser und Futter fehlten, und gleichzeitig verlieren wir mit den Gletschern und der abnehmenden Schneedecke genau jene natürlichen Speicher, die uns bisher geholfen haben, durch diese trockenen Sommer zu kommen.

Darauf müssen wir reagieren, und zwar nicht später, sondern jetzt. Und wir sollten das nicht mit immer nur neuem Krisenmanagement machen, sondern mit wohlüberlegten Massnahmen. Wir müssen Wasser dann speichern, wenn wir zu viel davon haben, damit wir es dann zur Verfügung haben, wenn es fehlt. Das ist für mich eine der zentralen Lehren aus diesem Sommer. Wir brauchen deshalb eine gesamtschweizische Wasserspeicherstrategie. Wir müssen prüfen, wo in bisherigen Gletschergebieten neue Speicherseen entstehen könnten. Wir müssen bestehende Stauseen auch besser auf die Wasserversorgung ausrichten und sie so nutzen und sinnvoll erweitern. Und wir brauchen zusätzlich kleine Wasserspeicher auf den Alpen für Tiere und Landwirtschaft, aber auch für Feuchtgebiete und Löschwasser oder den Rückhalt bei Starkregen.

Denn die Herausforderung ist eigentlich paradox. Wir müssen uns gleichzeitig auf mehr Trockenheit einerseits und andererseits auf mehr Starkregen vorbereiten. Genau das zeigen auch die Klimaszenarien. Das Wasser möglichst lange in unserem Land und in unserer Landschaft zu halten ist deshalb eine zentrale Investition in Versorgungssicherheit, Landwirtschaft, Natur- und Hochwasserschutz.

Ein zweiter Punkt ist die Hitze. Wir werden unsere Gebäude, Schulen, Alters- und Pflegeheime und Arbeitsplätze hitzetauglicher machen müssen. Dabei sollten wir nicht in alten Denkmustern verharren. Wenn an einem heissen Sommertag die Sonne auf die Dächer brennt, produzieren wir nämlich genau dann besonders viel Solarstrom. Diesen Strom können wir direkt nutzen, um Gebäude effizient zu kühlen. Solarstrom und Kühlung passen in dem Sinne hervorragend zusammen. Die Produktion fällt genau zeitgleich an - wenn auch der Kühlbedarf hoch ist. Eine moderne Klimapolitik muss aus unserer Sicht nicht primär heissen, Verzicht zu organisieren, sondern mit Technologien und Vernunft zu Probleme lösen.

Damit komme ich zum dritten Punkt. Wir können Milliarden von Franken in die Anpassung an den Klimawandel investieren. Wir können Wasser speichern, Städte begrünen, Gebäude kühlen und unsere Infrastruktur widerstandsfähiger machen. All das müssen wir natürlich auch tun. Aber es wäre absurd, gleichzeitig bei der Ursachenbekämpfung des Klimawandels nicht vorwärtszumachen. Noch immer geben wir jedes Jahr Milliarden von Franken für fossile Energien aus, die aus dem Ausland kommen. Damit machen wir uns abhängig von geopolitischen Krisen - wir erleben das jetzt gerade - und auch von den Launen von unberechenbaren Machthabern. Wir bezahlen also gleich doppelt: zum einen mit Milliarden von Franken für Öl, Gas, Benzin und Diesel, und zum anderen mit den zunehmenden Folgen des Klimawandels. Das ist unsinnig und langfristig keine Lösung. Dabei haben wir längst die Alternativen: Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen, Elektroautos statt Autos mit Benzin und Diesel, Solar-, Wasser- und Windkraft statt fossiler Energien. Das ist nicht nur Klimapolitik, das ist auch Wirtschafts-, Energie- und Sicherheitspolitik.

Noch etwas ist wichtig: Klimaanpassung und Klimaschutz sind ein Gesamtpaket und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Genau diese beiden Aufgaben gehören also zusammen. Wir müssen die Schweiz widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen machen. Und gleichzeitig müssen wir unsere Abhängigkeit von fossilen Energien konsequent reduzieren. Der Sommer 2026 war ein Warnsignal. Entscheidend ist, was wir daraus machen: Wasser speichern, Menschen vor Hitze schützen, erneuerbare Energien ausbauen und fossile Abhängigkeiten reduzieren. Die Lösungen sind vorhanden. Nutzen wir sie - nicht später, jetzt!

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