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Corina Gredig · glp

deRedetext
Schweiz30.09.2026

Die Immobilienbotschaft zivil ist dieses Jahr aussergewöhnlich umfangreich. Das hat aber einen einfachen Grund: Ein erheblicher Teil des Immobilienbestands des Bundes ist in die Jahre gekommen; und Gebäude nicht zu sanieren, spart deshalb nicht automatisch Geld. Im Gegenteil: Wer notwendige Investitionen einfach verschiebt, der riskiert einen Sanierungsstau und damit am Schluss auch höhere Kosten. Das zeigt sich besonders bei der Schweizerischen Nationalbibliothek. Das Gebäude stammt aus den 1930er-Jahren, weist statische Mängel auf, und muss umfassend saniert werden.

Auch bei anderen Projekten geht es um einen sinnvollen Umgang mit dem Immobilienbestand. Standorte werden zusammengeführt und flächeneffizienter genutzt. Damit werden langfristig auch Kosten gesenkt. Das geht in die richtige Richtung.

Ich möchte kurz auf ein Projekt, das in der Kommission für Diskussionen gesorgt hat, konkreter eingehen. Sie haben es bei meinen Vorrednern schon gehört, es geht um das geplante Besuchs- und Informationszentrum des Parlamentes. Heute besuchen rund 100 000 Menschen jährlich das Parlament. Wer versucht, hier eine Buchung zu machen, der weiss, Monate davor sind die Termine ausgebucht. Viele haben keinen Platz und können deshalb nicht kommen. Sie können somit unser Parlament und damit einen Teil der Demokratie nicht besuchen kommen, sie können die Demokratie quasi nicht live erleben.

Es ist sicher auch interessant, hier dabei zu sein, aber Demokratie ist etwas mehr als einfach zuzuschauen. Gerade in der Schweiz lebt Demokratie davon, dass man mitmacht, dass man diskutiert, abwägt, widerspricht und einen Kompromiss sucht. Sie lebt davon, dass man abstimmt und dass man erlebt, dass die eigene Stimme etwas auslöst. Das Besucherzentrum kann genau diese Brücke zwischen dem Zuschauen hier und dem Erleben von Demokratie schlagen. Heutige Museen sind interaktiv, man kann dort Sachen ausprobieren - und das ist wesentlich, das ist wichtig.

Es ist ein Ort, wo Schulklassen etwas ausprobieren können, wo sie vielleicht selber einmal ein Parlament durchspielen können; ein Ort, an dem man auch Fragen stellen kann, an dem man merkt, was ein Kompromiss ist, an dem besser erklärt wird, was hier in diesem Rat geschieht. Demokratie versteht man eben nicht nur, indem man zuschaut, sondern man versteht sie, indem man sie auch erlebt. Gerade das ist doch für uns als Schweiz zentral. Wo, wenn nicht in einer direkten Demokratie, sollte man erleben und sich auch mit der Demokratie beschäftigen?

Einen Besuch im Bundeshaus würde dieses neue Besucherzentrum deshalb komplementieren und erweitern. Selbstverständlich ersetzt das Besucherzentrum das Bundeshaus nicht, aber es ergänzt es eben um etwas Entscheidendes.

Vielleicht noch ein Schlussgedanke dazu: Die Schweiz hat ein Froschmuseum, die Schweiz hat ein Henkermuseum, und vielleicht waren sie schon einmal im Bierflaschenmuseum. Aber einen nationalen Ort, an dem unsere Demokratie erklärt und vor allem erlebbar gemacht wird, haben wir nicht. Das ist schon bemerkenswert für ein Land, das seine Demokratie zu Recht als einen zentralen Teil seiner politischen Kultur versteht.

Wir bitten Sie deshalb, auf die Botschaft einzutreten und der Mehrheit zu folgen.

Transcript
parlament.ch
Institution
Schweiz

Data: OpenParlData · CC BY 4.0