Importe von Milch und Milchprodukten: Welche Auswirkungen auf den Produzentenpreis für Milch?
(26.4404)- Type
- Interpellation
- State
- Eingereicht
- Parliament
- Schweiz
- Number
- 26.4404
- Start
- 01.10.2026
- Official record
- Official profile
- External ID
- 20264404
- Johanna GapanyFDP.Die Liberalen
- Ständerat
- Eingereicht
- Titel des GeschäftesImporte von Milch und Milchprodukten: Welche Auswirkungen auf den Produzentenpreis für Milch?
- Eingereichter Text
Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
- Wie haben sich die Importe und Exporte von Milch und Milchprodukten, ausgedrückt in Vollmilchäquivalenten, seit 2015 nach Produktkategorie entwickelt (insbesondere Weichkäse, Butter, Milchpulver und andere Milchkonserven)? Wie hat sich der Handelssaldo entwickelt?
- Welche Mengen Frischmilch wurden 2023, 2024 und 2025 innerhalb und ausserhalb des Zollkontingents sowie aus den Freizonen importiert?
- Welche Mengen wurden in diesem Zeitraum im Rahmen des aktiven Veredelungsverkehrs importiert? Wie beurteilt der Bundesrat den Einfluss dieser Mengen auf die Preisverhandlungen zwischen Produzentinnen und Produzenten sowie Verarbeiterinnen und Verarbeitern?
- Inwieweit erklären die Importe nach Ansicht des Bundesrats den Preisdruck auf den Produzentenpreis für Milch im Vergleich zu anderen Faktoren wie Schweizer Milchmenge, Frankenstärke, Kapazitäten von Molkereien und Käsereien oder Marktmacht der grossen Abnehmer?
- Welche Auswirkungen haben die Importe auf die verschiedenen Preissegmente sowie auf die Betriebe im Tal- und Berggebiet?
- Hält der Bundesrat eine Anpassung des Grenzschutzes für notwendig? Falls ja, welche Möglichkeiten zieht er in Betracht, die mit den internationalen Verpflichtungen der Schweiz vereinbar sind, und welche Auswirkungen hätten sie auf die Konsumentinnen und Konsumenten, die Verarbeitungsindustrie und die Exporte?
- Wie haben sich die Importe und Exporte von Milch und Milchprodukten, ausgedrückt in Vollmilchäquivalenten, seit 2015 nach Produktkategorie entwickelt (insbesondere Weichkäse, Butter, Milchpulver und andere Milchkonserven)? Wie hat sich der Handelssaldo entwickelt?
- Begründung
Die Milchwirtschaft macht rund 20 Prozent des Wertes der Schweizer Agrarproduktion aus und ist ein Pfeiler der Agrar- und Ernährungswirtschaft. In den vergangenen zwanzig Jahren gab es mehrere bedeutende Veränderungen: die schrittweise Öffnung des Käsemarktes gegenüber der Europäischen Union ab dem Inkrafttreten der Bilateralen I im Jahr 2002, die am 1. Juni 2007 vollständig vollzogen wurde; die Aufhebung der Milchkontingentierung in der Schweiz am 1. Mai 2009 und anschliessend der Milchquoten in der Europäischen Union am 1. April 2015; schliesslich die Aufhebung des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015, die zu einer starken Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro geführt hat.
Diese Entwicklungen haben den Strukturwandel in der Branche beschleunigt. Innerhalb von zehn Jahren ging die Zahl der Verkehrsmilchproduzentinnen und -produzenten um 26 Prozent zurück – ein doppelt so starker Rückgang wie bei den Landwirtschaftsbetrieben insgesamt (13 Prozent). Im Talgebiet ist der Rückgang stärker, da die Betriebe dort mehr Möglichkeiten haben, ihre Produktion umzustellen als im Berggebiet.
Gleichzeitig haben die Importe stark zugenommen (Milchstatistik 2025):
- Die Käseimporte haben sich seit 2007 nahezu verdreifacht.
- 2024 importierte die Schweiz erstmals mehr Dauermilchwaren, als sie exportierte; der Handelssaldo betrug minus 12,9 Millionen Kilogramm Vollmilchäquivalente.
- Die Produktion von Vollmilchpulver sank zwischen 2022 und 2024 von 28,5 auf 22,5 Kilotonnen.
- Beim Weichkäse exportierte die Schweiz 2025 insgesamt 2,1 Millionen Kilogramm Vollmilchäquivalente und importierte 47,2 Millionen Kilogramm.
Die Importe erfolgen über verschiedene Kanäle: den liberalisierten Käsemarkt, die Freizonen, das Zollkontingent und den aktiven Veredelungsverkehr.
Angesichts der Krise in der Milchwirtschaft gilt es zu klären, welchen Einfluss die einzelnen Faktoren auf den Produzentenpreis für Milch haben. Nur so können das richtige Gleichgewicht hergestellt und die Versorgung unter Einhaltung der internationalen Verpflichtungen der Schweiz sichergestellt werden.
Data: OpenParlData · CC BY 4.0