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Standortstrategie Liechtensteins

(KA 29698)Kleine Anfragen
Liechtenstein03.12.2025
Profile
Type
Kleine Anfragen
Parliament
Liechtenstein
Number
KA 29698
Start
03.12.2025
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External ID
29698
Contributions(2)
Timeline(2)
  • Beantwortet
  • Eingereicht
Texts(2)
  • Antwort vom 05. Dezember 2025HTML
    5. Dezember 2025

    zu Frage 1:

    Die zuständigen Stellen analysieren in einem laufenden Prozess gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden die Auswirkungen der geopolitischen und weltwirtschaftlichen Veränderungen auf den Standort Liechtenstein und seine Wettbewerbsfähigkeit. Die Regierung ist zudem in einem engen Austausch mit der LIHK, welche ein Positionspapier mit Massnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts vorgelegt hat. Die Prüfung und Umsetzung der darin enthaltenen Vorschläge sind im Gang. Der Fokus liegt dabei auf Massnahmen zur Bewahrung und Verbesserung der guten Rahmenbedingungen sowie auf regulatorischen und administrativen Entlastungen.

    In Zusammenhang mit den US-Zöllen hat die Regierung bereits im April eine Task Force eingesetzt, in welcher auch die LIHK und die Wirtschaftskammer vertreten sind. Als Sofortmassnahme wurden die Regelungen für Kurzarbeitsentschädigung dahingehend angepasst, dass die direkte oder indirekte Betroffenheit von US-Zöllen als Grund für den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung anerkannt wird. Im Weiteren werden kurz-, mittel- und langfristige Erleichterungen und Vereinfachungen bei der Beantragung und Abrechnung von Kurzarbeit geprüft. Erste kurzfristige Verbesserungen im Verfahren können bereits Anfang 2026 umgesetzt werden.

    Kurzfristig setzt die Regierung zudem auf zielgerichtete Entlastungen für exportorientierte Firmen; das heisst konkret: Intensivierung der Zusammenarbeit mit Switzerland Global Enterprise zur Beratung und Unterstützung von Exporttätigkeiten und Beteiligung von liechtensteinischen Firmen an ausländischen Messen und Märkten; Weiterführung und weitere Bekanntmachung der Exportschecks für KMU; Implementierung weiterer bilateraler Freihandelsabkommen und Ausbau des DBA-Netzwerks als Anreize für Internationalisierung und Reduktion von tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnissen.

    Mittelfristig werden Massnahmen zur Förderung der lokalen Stärken wie Marktdiversifikation, Innovationswettbewerb, Investitionen in Aus- und Weiterbildung, Förderung von innovativen Startups und Betriebsansiedelungen umgesetzt, um die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken und nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.

    zu Frage 2:

    Die Regierung setzt im Energiebereich weiterhin auf Anreize und ein attraktives Fördersystem, das auf die Steigerung der Energieeffizienz und gezielte Investitionsförderungen für erneuerbare Energien ausgerichtet ist. Insgesamt sind die Energiepreise seit 2022 gesunken und liegen im europäischen Mittelfeld; Preiseingriffe sind aus Sicht der Regierung nicht angezeigt.

    Die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse ermöglicht bereits in vielen Bereichen eine effiziente und rasche Abwicklung von Behördenwegen. Die Digitalisierung der Verwaltung wird im Rahmen der budgetierten Projekte konsequent umgesetzt. 2025 wurde bspw. das eGewerbe zur spürbaren Entlastung der Verwaltungsprozesse für KMU erfolgreich eingeführt. Weitere, für die Wirtschaft vorteilhafte Projekte sind in Vorbereitung oder Umsetzung.

    Die Verwaltungsprozesse in Liechtenstein sind im internationalen Vergleich sehr speditiv und liberal ausgestaltet. Nichtsdestotrotz gibt es weiteres Optimierungspotential, vor allem bei der wirtschaftsgerechten Umsetzung von neuen Richtlinien und Vorgaben. Das Amt für Volkswirtschaft ist bezüglich der Reduktion des Bürokratieaufwandes insbesondere mit der Wirtschaftskammer im Dialog.

    zu Frage 3:

    Unsicherheiten und geopolitische Spannungen betreffen nicht Liechtenstein allein, sondern sind ein weltweites Phänomen, von dem die meisten Länder gleichermassen betroffen sind. Ziel muss es daher sein, eine bestmögliche Rechtssicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Diese Elemente gehören mit weiteren Faktoren zu den wichtigen Standortvorteilen des Wirtschaftsstandorts Liechtenstein. Diese gilt es zu bewahren und gezielt weiterzuentwickeln.

    Herausforderungen für den Standort sind sicherlich der starke Schweizer Franken, der Fachkräftemangel sowie Entwicklungen der grossen Handelspartner wie USA und Deutschland. Vor allem die Industrie ist mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Dennoch haben die grossen Industriebetriebe in den letzten Jahren sehr substantiell am Standort investiert und sich insofern zum Erhalt und Ausbau der Aktivitäten in Liechtenstein bekannt. Nichtsdestotrotz ist sich die Regierung gewisser Abwanderungsrisiken aufgrund geringer Wachstumsperspektiven am Standort Liechtenstein bewusst und setzt deshalb nicht nur auf kurzfristige Hilfen, sondern es soll langfristig eine Infrastruktur und ein Umfeld gewährleistet sein, das Firmen zum Wachsen und Bleiben motiviert.

    Massnahmen entfalten ihre Wirksamkeit oft erst langfristig und bauen auf den bisherigen Stärken des liberalen und breit diversifizierten Standorts auf. Alle Massnahmen zielen auf eine Steigerung der unternehmerischen Aktivität am Standort, der Förderung von Innovation und von Investitionen am Standort Liechtenstein in Aus- und Weiterbildung, Infrastruktur und neue Geschäftsmodelle. Diese Massnahmen unterstützen Unternehmen gezielt in ihrem Lebenslauf von der Gründung über das Wachstum bis zu Nachfolgelösungen. Zu den kurzfristigen Massnahmen für 2026 zählen:

    • Förderung der Digitalisierung und Innovation von KMU über die bewährten Förderinstrumente Digitalscheck und Innovationsscheck.

    • Implementieren des geplanten KMU-Mentoring zur Unterstützung bei der Erstellung und Einreichung von kollaborativen Forschungsförderprojekten bei Innosuisse.

    • Stärken des High-Tech Campus Buchs als Innovationshub für die Region.

    • Evaluieren und Ausarbeiten von Optionen wie Mehreinkommen aus der OECD-Mindestbesteuerung für die Förderung von Innovation in Liechtenstein genutzt werden kann.

    • Intensivierung der bestehenden Zusammenarbeit zur Ansiedelung von High-Tech Startups in Liechtenstein und Evaluierung von Massnahmen zur Finanzierung ihrer Skalierung (in enger Kooperation mit bestehenden Stakeholdern).

    • Lancierung eines Potenzialschecks für KMU zur Unterstützung von Personalentwicklungs- und Weiterbildungsmassnahmen.

    zu Frage 4:

    Liechtenstein bietet für alle Unternehmen Massnahmen zur Überwindung von kurzfristigen Krisen. Hier sei zum Beispiel das Instrument der Kurzarbeit erwähnt. Sämtliche ökonomischen Studien weisen darauf hin, dass Kleinstaaten mit hoher Marktdiversifikation krisenresistenter und wettbewerbsintensiver mit positiven Auswirkungen auf die langfristige Produktivität und unternehmerisches Wachstum sind. Deshalb soll grundsätzlich von einer generellen branchenspezifischen Förderung abgesehen werden. Die Vergangenheit mit der Corona- und Energiekrise hat aber gezeigt, dass für spezielle Härtefälle in Krisen sehr rasch effiziente und zielgerichtete Massnahmen innert kürzester Frist aufgesetzt werden können. Der grundsätzliche Fokus der Regierung liegt jedoch auf horizontalen Ansätzen zur Stärkung der Innovations- und Wettbewerbskraft über alle Branchen hinweg.

    zu Frage 5:

    Aufbauend auf den bestehenden wirkungsvollen Massnahmen und Konzepten sollen die Analysen und Arbeiten für standortstrategische Festlegungen im kommenden Jahr mit den Stakeholdern aktualisiert, evaluiert und fertiggestellt werden.

  • Frage vom 03. Dezember 2025HTML
    3. Dezember 2025

    Die Standortattraktivität Liechtensteins war lange geprägt durch eine liberale Wirtschaftsordnung, offene Märkte, kurze Entscheidungswege, ein wettbewerbsfähiges Steuersystem und ein starkes Bildungsangebot. Diese Faktoren, die noch in der Standortstrategie 2016 als Erfolgsformel galten, sind heute zunehmend unter Druck.

    Weltweit verstärken sich protektionistische Tendenzen, was für Kleinstaaten wie Liechtenstein eine besondere Herausforderung darstellt. Neue Zölle und Handelshemmnisse treffen die exportorientierte Wirtschaft direkt. Besonders einschneidend wirken die von den USA erhobenen 15-Prozent-Zölle auf liechtensteinische Produkte, welche Margen reduzieren, Investitionen bremsen und das Risiko am Standort erhöhen. Hinzu kommen starke Wechselkursbewegungen: Die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und US-Dollar belastet Exporteure erheblich, führt zu Umsatzeinbussen und verschlechtert die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Steigende Rohstoff- und Energiepreise verschärfen die Situation zusätzlich.

    Vor diesem Hintergrund ist die gesamte Wirtschaft betroffen und es stellt sich die Frage, wie die Regierung gedenkt, kurzfristig Stabilität zu sichern und langfristig eine tragfähige Standortstrategie zu entwickeln. Hierzu meine Fragen:

    1. Welche konkreten kurzfristigen Massnahmen plant die Regierung, um die Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter Unternehmen angesichts von 15-Prozent-US-Zöllen und starkem Franken zu stabilisieren?

    2. Welche Entlastungen (zum Beispiel Energiepreise, Abgaben, Administrationsaufwand) prüft das Ressort Wirtschaft aktuell und bis wann sind Entscheidungen zu erwarten?

    3. Wie bewertet die Regierung das Risiko, dass Investitionen aufgrund internationaler Unsicherheiten verstärkt in andere Standorte abwandern?

    4. Plant die Regierung gezielte Unterstützungen für besonders betroffene Branchen und falls nein, warum nicht?

    5. Wann ist mit einer aktualisierten, langfristigen Standortstrategie zu rechnen und wie sollen Wirtschaft, Sozialpartner und Gemeinden in deren Erarbeitung eingebunden werden?

Data: OpenParlData · CC BY 4.0