Ferienbetreuung in den Tagesstrukturen einführen
(23.5347)- SpeechBülent Pekerman(Grünliberale Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Bülent Pekerman, Grossratspräsident: Der Regierungsrat beantragt, die Motion als Motion zu überweisen. Es wurde kein anderer Antrag gestellt.
Der Grosse Rat beschliesst
stillschweigend, die Motion dem Regierungsrat zur Erfüllung zu überweisen.
- SpeechConradin Cramer(Liberal-Demokratische Partei)Mitglied des RegierungsratesGrosser Rat
RR Conradin Cramer, Vorsteher ED: Ich nutze gerne die Steilvorlage dieser Motion, um Ihnen zu danken für den Rückenwind, den Sie der Regierung und dem Erziehungsdepartement geben in einem Anliegen, das mir seit sieben Jahren enorm am Herzen liegt und wo wir auch den Tatbeweis erbracht haben in den letzten sieben Jahren zusammen als Regierungsrat, zusammen mit Ihnen, dass wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich hoch hängen in diesem Kanton, weiterhin Pionierkanton sein wollen und die besten Bedingungen für junge Familien bieten wollen in der ganzen Schweiz.
Das ist uns gelungen mit dem massiven Ausbau der Tagesstrukturen, den Sie hier fast einstimmig beschlossen haben und mit den beiden wichtigen Ausbauschritten in der vorschulischen Tagesbetreuung. Zuerst das neue Tagesbetreuungsgesetz und jetzt gerade kürzlich das umfangreiche Massnahmenpaket des Regierungsrats und der BKK zum weiteren Ausbau und Verbesserung der Kita-Landschaft in unserem Kanton.
Die Ferienbetreuung ist auch ein wesentliches Element, nicht das grösste, aber auch ein wesentliches und es ist wichtig, dass neben den Kitas, die auch Ferienbetreuung traditionell anbieten, mit dem neuen Tagesbetreuungsgesetz auch während mindestens 50 Wochen im Jahr, dass daneben auch die Schulen Ferienangebote haben, dass die Schulen nicht einfach am Bündelitag oder sonst vor den Ferien zu machen, wie das früher der Fall war. Hier sind wir gefragt, attraktive Angebote zu bieten.
Wir haben gesehen, dass die Idee, die ja auch ursprünglich von Ihrer Fraktion sehr stark propagiert wurde, dass man einfach während den Ferien die Tagesstrukturen aufmacht, dass das nicht so verfängt bei den Familien und bei den Kindern, wie man sich das vielleicht gedacht hat in gewissen Kreisen, sondern wir müssen während den Schulferien nicht einfach mehr derselben anbieten, die Kinder wollen da nicht zwingend einfach in die schulische Tagesstruktur, die sie ja sonst kennen aus den 40 Wochen Schule, sondern sie wollen attraktive Tagesferienangebote haben.
Das sind oft Angebote, die eine Woche oder mehrere Wochen dauern. Hier haben wir ja das Angebot auch massiv ausweiten können in den letzten Jahren. Es muss aber auch ein Angebot sein, das den Eltern die Flexibilität gibt, modulweise einzelne Tage buchen zu können. Das kann dann an den Schulen stattfinden, aber auch dort mit attraktiven Ausflügen. Die Kinder haben den ganzen Tag Zeit, es ist etwas anderes als die Tagesstruktur während der Unterrichtswochen.
Und deshalb ist es auch wichtig und deshalb danke ich auch, dass der Motionstext explizit dem Regierungsrat Flexibilität einräumt, um auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, eben nicht am Schreibtisch einfach etwas zu gestalten entlang von Quartiergrenzen oder Schulhauszuteilungsgrenzen, sondern wir müssen dort Angebote schaffen, wo die Nachfrage da ist, und es müssen in der ganzen Stadt attraktive Angebote da sein.
Insofern nehme ich diese, Sie nennen es Präzisierung, es sind Interpretationen des Motionstextes, die Sie uns jetzt geliefert haben, sehr gerne entgegen, möchte Sie aber auch nicht das bindend verstanden wissen, denn es kann nicht sein, dass wir am Schreibtisch etwas skizzieren, das dann nicht gut angenommen wird von den Menschen in diesem Kanton. Wir müssen zusammen mit den Standorten, zusammen mit den Elternvertretungen, zusammen mit den Schulen, mit den Tagesstrukturleitungen, mit den schulexternen Anbietern etwas Tolles kreieren, damit die Ferienbetreuung in unserem Kanton noch besser wird.
Danke für den Rückenwind und uns allen weiterhin einen guten Wahlkampf.
- SpeechBülent Pekerman(Grünliberale Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Bülent Pekerman, Grossratspräsident: Ich habe keine weiteren Wortmeldungen eingetragen. In der zweiten Runde wünscht Regierungsrat Conradin Cramer das Wort.
- SpeechMelanie Nussbaumer(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Melanie Nussbaumer (SP): Ich halte dieses Votum im Namen der Motionärin Barbara Heer, die heute leider krank ist. Liebe Grüsse und gute Besserung.
Es freut die SP-Fraktion sehr, dass die Regierung diese Motion umsetzen möchte und alle Parteien laut «Chrüzlistich» die Zweitüberweisung unterstützen. Wir halten trotzdem dieses Votum, weil wir vermuten, dass wir ein etwas anderes Verständnis von Verbundlösungen im Quartier haben, als der Regierungsrat dies in seiner Stellungnahme antönt. Deshalb nutzen wir diese Chance, dies noch zu präzisieren.
Die Forderung der Motion lautet nämlich: Die Unterzeichnenden fordern den Regierungsrat dazu auf, an allen Tagesstrukturen Ferienbetreuung einzuführen. Verbundlösungen im Quartier sollen möglich sein. Zwei Punkte sind uns diesbezüglich wichtig zu präzisieren und zu betonen. Erstens, mit Verbundlösungen meinen wir, dass innerhalb von einem kleinräumigen geografischen Radius schulinterne und schulexterne Tagesstrukturen zusammen eine Verbundlösung eingehen sollen, so dass in diesem kleinräumigen Radius sicher eine Tagesstruktur ein tageweises buchbares Angebot für alle Schüler*innen zur Verfügung stellt.
Aus unserer Sicht kann dieses Quartiersangebot auch gut von einer externen Tagesstruktur übernommen werden, das müssen nicht immer interne sein. Für manche von diesen mag nämlich die Umstellung sogar einfacher sein, weil viele von ihnen heute schon Tagesferien anbieten und die Mitarbeitenden es gewohnt sind, während den Schulferien zu arbeiten. Bei den schulinternen Tagesstrukturen wird das auf einen Teil der Mitarbeitenden grössere Auswirkungen auf ihren Arbeitsalltag haben, weil viele von ihnen ihr Leben darauf eingerichtet haben, 12 Wochen Ferien zu haben.
Wir appellieren deshalb an die Regierung, die entsprechenden Vertretungen der Mitarbeitenden adäquat einzubeziehen, um sicherzustellen, dass es zu keiner Verschlechterung von Anstellungsbedingungen kommt. Wenn das Ferienangebot an externe Strukturen vergeben wird, braucht es auch unbedingt adäquate Ressourcen seitens des Kantons. Eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden können wir uns beim aktuellen Fachkräftemangel in der Kinderbetreuung nämlich nicht leisten. Hier ist also wirklich grosse Aufmerksamkeit des Erziehungsdepartements bei der Umsetzung gefordert.
Der zweite Punkt, für uns bedeutet Verbundlösungen im Quartier, dass die sich an Wohnviertelgrenzen orientieren. Was wir mit Quartier meinen, sind die 19 statistischen Wohnviertel des Kantons. Wir haben bewusst nicht die Schulstandorte gewählt, weil eben die Regierung durchaus auch eine gewisse Flexibilität haben soll bei der Umsetzung, so dass zwei nahe beieinanderliegende Schulstandorte zusammenarbeiten können.
Die Kriterien aus Sicht der Motion sind aber ganz wichtig hier nochmals klar zu benennen. Erstens, die Kinder müssen grundsätzlich alleine den Weg zur Tagesstruktur bewältigen können oder wenn die Eltern sie begleiten, sollten sie nur einen kurzen Umweg sein im Vergleich zum sonstigen schulischen Alltag. Die Verbundlösungen müssen so kleinräumig bleiben, dass der Weg auch wirklich für die Kinder zumutbar bleibt. Die Kinder, die die Tagesstruktur besuchen, sollen aus demselben Quartier stammen, um eine gewisse Vertrautheit zu ermöglichen. Aus unserer Sicht sollten deswegen maximal zwei Primarschulstandorte gemeinsam einen Verbund bilden und die Verbundlösungen müssen sich eben an den 19 Wohnviertel des Kantons orientieren.
Wir befürchten, dass die Regierung dies so noch nicht so verstanden hat, denn sie formuliert, Zitat: «dass mehrere Primarschulstandorte gemeinsam eine Ferienbetreuung an Schulen pro Stadtteil anbieten sollen». Wir wissen nicht ganz genau, was mit diesem Wort Stadtteil gemeint ist. Mit dem Begriff werden häufig mehrere Quartiere zusammen gemeint, so zum Beispiel das Gundeli, Bruderholz und Dreispitz. Das wäre aber klar nicht im Sinne der Motion, denn die Motion fordert Verbundlösungen im Quartier, was eine am Alltag der Familien und Kinder orientierte Kleinräumigkeit meint. Wir bitten deshalb die Regierung, diese Präzisierung bei der Umsetzung einzubeziehen. Nochmals, es geht um kleinräumige, an Wohnviertelgrenzen orientierte Verbundlösungen zwischen schulinternen und externen Tagesstrukturen.
Aber grundsätzlich will ich doch vielleicht noch sagen, dass es uns natürlich sehr freut, dass jetzt alle Parteien anerkennen, dass der Bedarf für die Ausweitung der Ferienbetreuung in den Tagestrukturen klar gegeben ist. Wie wir bereits bei der Debatte zur Erstüberweisung erläutert haben, ist die Thematik der Ferienbetreuung das Thema, das Eltern im Kanton am meisten beschäftigt neben den Betreuungskosten, die jetzt aber dank der zurückgezogenen Kita-Initiative der SP deutlich gesenkt werden.
Dass die fehlende Ferienbetreuung in den Tagesstrukturen jetzt angegangen wird, wird positive Effekte auf die Erwerbsbeteiligung von Eltern haben, was mit Blick auf den Fachkräftemangel wichtig ist. Das wissen auch Arbeitgeber*innen im Kanton, weswegen selbst sogar der Arbeitgeberverband diese Motion unterstützt. Es ist wirklich eine wichtige gleichstellungspolitische Motion, die jetzt umgesetzt werden soll.
Die Regierung zeigt auch auf, dass von 2022 bis 2023 die durchschnittliche Belegung der Plätze von 57 Kinder pro Tag auf 79 Kinder pro Tag deutlich gestiegen ist, das sind sage und schreibe 38 Prozent mehr. Das zeigt, dass der Bedarf bei den Familien sehr gross ist und sehr wahrscheinlich weiterhin wachsen wird und deshalb ist es umso wichtiger, dass es eine familiengerechte Umsetzung gibt.
- SpeechBülent Pekerman(Grünliberale Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Bülent Pekerman, Grossratspräsident: Der Regierungsrat stellt fest, dass die Motion rechtlich zulässig ist und beantragt, ihm diese als Motion zu überweisen.
Für den Regierungsrat hätte das Wort Conradin Cramer. Er verzichtet auf ein Votum. Wir kommen zu den Fraktionssprechenden. Eingetragen hat sich Melanie Nussbaumer für die Fraktion der SP.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP): Sie haben die Motion überwiesen mit 62 Ja-Stimmen bei 33 Nein-Stimmen und einer Enthaltung.
- SpeechSpeechGrosser Rat
JA heisst Überweisung, NEIN heisst Nichtüberweisung
Ergebnis der Abstimmung
62 Ja, 33 Nein, 1 Enthaltungen. [Abstimmung # 0001336, 20.09.23 16:06:08]
Der Grosse Rat beschliesstDie Motion dem Regierungsrat zur Stellungnahme innert drei Monaten zu überweisen.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP): Der Regierungsrat ist bereit, die Motion zur Stellungnahme entgegenzunehmen. Dies wird bestritten von Catherine Alioth und weiteren. Wir kommen zur Abstimmung.
- SpeechBarbara Heer(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Barbara Heer (SP): Eigentlich hätte es das Schlusswort gar nicht gebraucht, denn das Votum von Andrea Strahm war ein wunderbarer Abschluss für diese Diskussion. Ich bedanke mich für die guten Voten. Trotz allem Dissens, möchte ich kurz zusammenfassen, wo wir doch einen Konsens erzielen können. Erstens ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig und das ist bei den Ferien noch nicht optimal gelöst, und zweitens ist das tageweise Buchen etwas ganz Wichtiges.
Wir diskutieren im nächsten Monat die Kitakosten, jetzt sind wir bei den Ferien. Aus meiner Sicht sind das die zwei Kernpunkte, welche die Familie im Kanton am meisten belasten. Eine Strategie von vielen Eltern ist, dass sie niedrigere Stellenprozente arbeiten und während der Schulzeit Überstunden machen, die sie dann während den Schulferien wieder abbauen. Das heisst, über das Jahr gesehen könnten sie höhere Stellenprozente arbeiten, tun dies aber nicht, weil sie die Ferien irgendwie lösen müssen. Wenn wir hier endlich eine gute Lösung haben, hat das direkt Einfluss auf die Erwerbstätigkeit auch von Müttern in diesem Kanton. Das ist angesichts des Fachkräftemangels wichtig. Wir sprechen hier immer schön von Eltern, in der Realität sind es bei einem grossen Teil der Familien immer noch die Mütter, die diese Thematik ausbaden. So ehrlich müssen wir sein.
Es hat auch viele seltsame Auswirkungen. Es wurde gesagt, dass man das Kind in der Kita lassen könne, wenn man die Ferien nicht organisieren könne. Das machen auch tatsächlich Eltern. Aber wenn Eltern eine Kita auswählen, suchen sie diese nicht unbedingt dort, wo sie wohnen, sondern eher in der Nähe des Arbeitsplatzes. Das heisst, dass die Kinder in einen Kindergarten in der Nähe der Kita gehen müssen, was wiederum bedeutet, dass diese Kinder nicht alleine in den Kindergarten gehen können, sondern die Eltern diese Kinder begleiten müssen. Die Kinder haben die Selbständigkeit des Schulwegs erst in der Primarschule, und ihre Beziehungen können sie nicht in die Primarschule mitnehmen.
Das Votum von Andrea Strahm hat es schön gezeigt. Wer kompensiert die Lücke? Das sind einerseits die Mütter, resp. die Grossmütter. Das ist schon ein Thema. Viele Grossmütter sind oft über 70 oder 75 Jahre alt. Ist man dann noch fit genug, während einer Woche auf diese quirligen Kinder aufzupassen? Es kann nicht sein, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie von diesem privaten Betreuungsnetz abhängt.
Ich sehe hier wirklich einen Gap zwischen der Sicht der Regierung und den tatsächlichen Bedürfnissen der Familie. Aus meiner Sicht ist die aktuelle Ferienbetreuung an den Schulen nicht bedürfnisgerecht ausgestaltet. Deshalb steigen auch diese Zahlen ganz langsam. Es braucht nicht nur einen quantitativen Ausbau, sondern das Konzept muss weiterentwickelt werden. Es braucht einen Namen, der verständlich ist, es muss attraktiv gestaltet sein, und diesen Auftrag möchten wir der Regierung mit dieser Motion geben, auch mit der Möglichkeit, zu schauen, dass es Verbundslösungen gibt.
Ich danke für die Debatte und freue mich, wenn Sie diese Motion jetzt überweisen.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP): Es gibt keine weiteren Einzelsprechende. Barbra Heer hat das Wort als Motionärin.
- SpeechAndrea Strahm(Die Mitte)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Andrea Strahm (Mitte-EVP): Ich bin die älteste Frau hier im Rat und ich kann es nicht nachvollziehen, dass nach 25 Jahren, als ich genau in der Situation war, voll berufstätig mit zwei Kindern, das immer noch Thema ist, dass man immer noch diese 14 Wochen irgendwie hinschummeln muss, die Kinder von der Grossmutter zur Nachbarin, zur Kollegin oder sonst irgendwohin schieben muss. Jenny Schweizer, da kommt kein Feriengefühl auf, weder bei den Eltern noch bei den Kindern. Feriengefühl ist da, wenn sie andere Kinder sehen, wenn sie in die Tagesstrukturen gehen können.
Ich kann das nicht nachvollziehen, dass die Situation für junge Eltern noch immer nicht besser ist, wirklich nicht. Jetzt werde ich vielleicht Grossmutter. Muss ich dann wieder von vorne anfangen? Ich kann das wirklich nichtverstehen. Man kann sich fragen, ob es wirklich notwendig ist, an jedem Schulstandort Betreuungen anzubieten, denn wenn nur zwei Kinder sich angemeldet haben, dann macht das natürlich keinen Sinn. Das kann man sich fragen. Aber ich finde auch nicht in Ordnung, dass man ganze Wochen buchen muss. Wenn man dann schon einen Nachmittag oder einen Tag freinehmen kann als Eltern, dann ist es doch gut, wenn man dann das Kind auch selber betreuen kann, etwas unternehmen kann. Es kann doch nicht sein, dass ich dann mein Kind abgeben muss. Also ich kann das wirklich nicht verstehen. Überweisen wir jetzt diese Motion, es kann so nicht weitergehen. Ich möchte nicht die nächste Generation noch einmal vor den gleichen Problemen sehen, wenn ich dann Grossmutter bin.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP): Nächste Einzelsprecherin ist Andrea Strahm.
- SpeechSandra Bothe-Wenk(Grünliberale Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Sandra Bothe-Wenk (GLP): In der Medienmitteilung des Kantons Basel-Stadt vom 12. September bezüglich der Schaffung einer besseren Grundlage für Tagestrukturen und Ferienangebote betont der Kanton die zentrale Rolle der Aufgabe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich freue mich ehrlich, dass der Zugang zur Ferienbetreuung im Kanton Basel-Stadt zukünftig für alle Kinder, unabhängig von ihrem Schulort, ob privat oder öffentlich, gleichermassen gewährleistet sein soll. Dies unterstreicht die Offenheit unserer Gesellschaft und stärkt unsere Standortattraktivität. Allerdings sind gesetzliche Anpassungen allein nicht ausreichend, um das strukturelle Problem im Basler Ferienbetreuungssystem zu lösen.
Und hier komme ich doch noch zu ein paar Zahlen: Laut dem Zahlenspiegel Bildung 2022-23 besuchen 13’000 Schülerinnen und Schüler den Kindergarten und die Primarschule im Kanton Basel-Stadt. Von diesen Nutzen 4’840 Kinder die kantonalen Tagesstrukturen. Viele der Kinder benötigen während den Schulferien Betreuung, auch jene, die das Tagesstrukturangebot während der Schulzeit nicht besuchen. Im 2022 wurden ca. 3’900 Kinder in den Ferien betreut. Tendenz ist steigend. Aktuell stehen rund 22 private Angebote mit Plätzen für bis zu 24 Kindern zur Verfügung, sowie Plätze an drei Schulstandorten. Dabei gilt es zu beachten, dass nicht alle Anbieter in allen Ferienwochen Angebote bereitstellen können, was zu Angebotslücken und schnell ausgebuchten Programmen führt.
In der Konsequenz fehlen private Tagesferienangebote in Quartiernähe, was Eltern zu weiten Wegen zwingt und dazu führt, dass ihre Kinder an Orten betreut werden, ohne Garantie, dass sie mit ihren Freunden oder Geschwistern im selben Ferienangebot einen Platz bestätigt bekommen. Die Umstände haben erhebliche organisatorische Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für Familien mit mehreren Kindern und ohne privates Betreuungsnetz. Der Ausbau der Tagesstrukturen an Kindergärten verschärft die Situation für Familien weiter. Private Tagesferienanbieter bieten professionell organisierte Ferneangebote, kämpfen aber mit begrenztem Raumangebot. Die Lösung für das Raumproblem könnte durch die Nutzung der 22 aktuell geschlossenen Schulstandorte gefunden werden.
Die Interpellationsbeantwortung zur Anfrage von Melanie Nussbauer bezüglich der Ferienbetreuung an Schulen wurde erwähnt. Das Erziehungsdepartement schreibt in der Beantwortung, dass die Ferienbetreuung an Schulen aus Sicht der Kinder nicht attraktiv genug sei. Aus Sicht der Grünliberalen sollte dieser Punkt zu einer Weiterentwicklung des Angebots mit entsprechender Bewerbungsstrategie und zur besseren Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder führen und nicht dazu, grundsätzlich den Bedarf in Frage zu stellen.
Das Kinderbetreuungssystem in Basel steht vor Herausforderungen, insbesondere auch während der 14 Wochen Schulferien. Die Schülerzahlen steigen und die Kinder haben einen Anspruch auf Betreuung, während ihre Eltern arbeiten. Familien benötigen organisatorisch vertretbare Unterstützung, wenn sie keine privaten Betreuungsoptionen haben, um ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Tatsache, dass Tagesferienangebote regelmässig ausgebucht sind, verdeutlicht den Bedarf und die Beliebtheit dieser Programme. Es ist sinnvoll, die Erfolgsfaktoren der Tagesferienangebote zu analysieren und sie als Inspiration für die Weiterentwicklung des Ferienangebots an Schulen zu nutzen. In diesem Kontext kann das Fernangebot an Schulen beispielsweise auch in Kooperation mit bestehenden und potenziell neuen privaten Anbietern überdacht und zielgerichtet ausgebaut werden. Um den steigenden Betreuungsbedarf aufgrund der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachhaltig und bedarfsgerecht zu decken sowie strukturelle und organisatorische Betreuungsprobleme zu lösen, setzen sich die Grünliberalen für die Überweisung der Motion ein.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP):
- Speech
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP): Nächste Einzelsprecherin ist Sandra Bothe-Wenk.
- SpeechHeidi Mück(BastA!)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Heidi Mück (GAB): Die Betreuung von Kindern ist für berufstätige Eltern eine Grundlage, dass sie ihre Berufstätigkeit überhaupt ausüben können. Deshalb baut der Kanton ja diese Angebote auch stetig aus und es werden auch immer wieder Verbesserungen des Systems in Angriff genommen, mehr oder weniger gelungen, aber sie werden in Angriff genommen. Das Ganze ist also in Bewegung, und das ist gut so.
Nun haben wir ein spezifisches Problem in den Schulferien. Für Eltern von einem oder insbesondere auch von mehreren Kindern gibt es da einfach noch nicht genügend befriedigende Lösungen. Die Lösungen müssen funktionieren, sie müssen irgendwie machbar sein. Und wenn ich betroffenen Familien zuhöre, dann merke ich, dass es aktuell für einige Eltern und Kinder einfach nicht machbar ist und nicht funktioniert, unter anderem, weil viele attraktive Angebote so rasch ausgebucht sind. Und bei den Ferienangeboten in den Tagesstrukturen ist es lange nicht klar, ob sie überhaupt stattfinden, ob es genug Anmeldungen hat und so weiter. Wenn jetzt also die Zahlen angeführt werden, dann gilt das für mich nicht als Grund, denn diese Zahlen können nicht als Gradmesser hinzugezogen werden. Es war nur unterschwellig, aber es wurde schon ein bisschen so argumentiert, dass Kinder haben auch ein Stück Eigenverantwortung ist. Natürlich ist es das. Eltern von Kindern übernehmen sehr viel Eigenverantwortung in ganz vielen Bereichen, aber die Ermöglichung der Berufstätigkeit, die ist ja vom Staat gewollt. Wir haben einen Fachkräftemangel, wir haben einen Gleichstellungsauftrag. Wir sind also in der Pflicht, gute Bedingungen, attraktive Bedingungen für die Tagesbetreuung von Kindern zu leisten. Und diese Motion fordert eine kleine Erleichterung, nämlich die Einführung von Ferienlösungen in allen Tagesstrukturen, explizit mit der Möglichkeit, auch Verbundslösungen in den Quartieren zu ermöglichen.
Ich denke, lassen wir die Zahlen mal auf der Seite, lassen wir es doch zu. Wenn wir nach zwei bis drei Jahren sehen, dass das Angebot wirklich nicht genutzt wird, was ich überhaupt nicht glaube, dann können wir wirklich noch einmal über die Bücher gehen. Weil das Ganze ist, wie gesagt, in Bewegung und das finde ich auch gut so. Ich bitte Sie deshalb, diese Motion zu überweisen.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP): Nächste Einzelsprecherin ist Heidi-Mück.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari (SP):
- SpeechOliver Thommen(Die Grünen)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Oliver Thommen (GAB): Wenn ein Kind in der Schule im Schulgebäude trommelt oder pfeift, ist das für das Kind auch Schulzeit oder sieht es das als Freizeit?
Jenny Schweizer (SVP): Sicherlich sieht es dies als Freizeit. Erstens geht das Pfeifen und Trommeln nicht wochenlang und wahrscheinlich wird es auch nicht am gleichen Standort sein.
Data: OpenParlData · CC BY 4.0