Maya Graf · GRÜNE
Die Medienmitteilung vom 16. Juni 2026, in der das WBF ankündigte, dass Agroscope aufgrund von Sparmassnahmen von Bundesrat und Parlament 58 Vollzeitstellen abbauen würde und verschiedene Forschungsthemen reduziert oder aufgegeben werden müssten, hat eingeschlagen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür, denn die Kürzungen werfen grundsätzliche Fragen zur Kohärenz der Bundespolitik auf. Mit der vor der Tür stehenden Agrarpolitik 2030 plus und dem Zukunftsbild 2050 verfolgt der Bundesrat ausdrücklich den Anspruch, die Politik von einer reinen Landwirtschaftspolitik zu einer umfassenden Politik für ein gesamthaftes Ernährungssystem weiterzuentwickeln. Sogar Agroscope selbst veröffentlichte kürzlich die Studie "Zukunftsbild eines nachhaltigen Schweizer Ernährungssystems: Wirkungsanalyse von Zielvorgaben". Zu diesen Zielvorgaben gehören beispielsweise die stärkere Nutzung von Ackerflächen für die direkte menschliche Ernährung und eine nachhaltige Transformation des Ernährungssystems. Es ist ein Widerspruch, wenn ausgerechnet in jenen Bereichen, also in den Bereichen gesunde Ernährung, neue Lebensmittelprodukte und alternative Nischenkulturen, gekürzt wird.
In Ihren Antworten, geschätzter Herr Bundespräsident, bestätigen Sie leider diese Befürchtungen. Sie sagen nämlich in den - was ich bedauere - sehr kurz ausgefallenen Antworten, dass die Forschung in den Bereichen gesunde Ernährung, neue Lebensmittelprodukte, alternative Mischkulturen, Gewürze und Medizinalpflanzen nicht mehr finanziert wird. So muss zum Beispiel die Forschung an Aroma- und Heilpflanzen am Standort Wallis aufgegeben werden, und dies in einer Situation, in der wir uns nach diesem extremen Hitzesommer mit extremer Trockenheit für die Klimaanpassung bereitmachen müssen, und Klimaanpassung bedeutet auch eine Anpassung unseres ganzen Landwirtschafts- und Ernährungssystems.
Es ist klar, im Bundeshaushalt gibt es eine Sparvorgabe. Doch die jüngste Ankündigung, gerade in diesem Bereich zu reduzieren, löst bei mir viele weitere Fragen aus. Der finanzielle Druck ist nachvollziehbar. Doch eine Fokussierung, wie Sie sie auch in Ihren Antworten beschreiben, auf Primärproduktion, auf Umweltauswirkungen und Politberatung geht wirklich zulasten von wichtigen Zukunftsthemen, die wir nur an einem öffentlich-rechtlichen Forschungsinstitut überhaupt erforschen können. Das nimmt Ihnen keine Industrie und keine private Forschungsunternehmung ab.
Wir brauchen also für die gesunde Ernährung, für innovative Lebensmittel, für Nischenkultur, vor allem für resiliente, trockenresiliente Nutzpflanzen und für neue Ansätze in der Landwirtschaft, beispielsweise für Mischkulturen und Nischenprodukte, nach diesem Jahr dringend, dringend Forschung. Dies ist dann verbunden mit Resilienz, Nachhaltigkeit und auch Gesundheit. Es sind genau diese Punkte, die wir brauchen, um erstens eine Klimaanpassung zu erreichen und zweitens auch die steigenden ernährungsbedingten Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen. Ausserdem haben wir in der Landwirtschaft Biodiversitätsverlust und einen starken strukturellen Wandel. Es ist also meiner Meinung nach der absolut falsche Zeitpunkt, gerade in diesem Bereich eine Sparmassnahme vorzunehmen.
Gerne möchte ich Ihnen noch ein paar Fragen stellen: Wie können wir überhaupt die Produktion von diesen Ernährungs- und Gesundheitsauswirkungen trennen? Warum tun Sie das, obwohl das immer auch eine klare Aufgabe war? Können Sie sagen, welches die Auswirkungen sind im Bereich von Universitäten und Fachhochschulen auf die Kooperation und Ausbildung in Bezug auf Gesundheit und Ernährung? Es gibt hier Lücken, auch hinsichtlich des Verständnisses von Nachhaltigkeit und Ernährung. Wir werden im Bereich der Schweizer Lebensmittel auch weniger Innovation haben.
Ich gebe Ihnen zum Schluss noch ein Beispiel: Ein Schwerpunkt von Agroscope liegt auf fermentierten Lebensmitteln wie Käse und Joghurt sowie auf Mikroorganismen, die Qualität, Sicherheit und gesundheitlichen Nutzen beeinflussen. Diese Forschung unterstützt die Entwicklung neuer Kulturen, Verarbeitungsverfahren und Qualitätskonzepte. Der Wegfall der Innovationskraft schwächt diesen Bereich, und er schwächt eigentlich auch die Innovationsfähigkeit qualitativ hochstehender Schweizer Lebensmittelerzeugnisse.
Sie sehen also: Wir alle - nicht nur ich, auch viele andere, die betroffenen Forschungseinheiten natürlich auch - müssen uns Gedanken machen; wir sind besorgt. Ich möchte Ihnen gerne mitteilen, dass diese Sparmassnahmen hier wirklich am falschen Ort sind.