Nicola von Greyerz · SP
Wir haben Auskunft zur Versorgungslage von ME/CFS-Betroffenen verlangt, und der Regierungsrat erwähnt, wie es Brigitte Hilty Haller gesagt hat, in seiner Antwort ME/CFS einmal. Das bestätigt in meinen Augen die Haltung, die der Regierungsrat dieser Krankheit gegenüber hat. Er ignoriert sie, und er stigmatisiert sie. Und das ist – sorry für meine vielleicht etwas starken Worte – einfach beschämend, denn die Augen zu verschliessen und zu sagen: «Ich sehe hier niemanden, der ME/CFS hat» – sorry, das funktioniert einfach nicht. Nur weil man die Augen verschliesst, heisst das einfach nicht, dass diese Leute nicht mehr da sind.
Und ja, man sieht sie nicht. Und wissen Sie, warum man sie nicht sieht? Weil sie nicht mehr aus dem Haus kommen, weil sie schlicht am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen können, weil sie im Bett liegen und froh sein können, dass sie einigermassen über die Runden kommen. Ich denke, die eine oder der andere von Ihnen hat diesen Kassensturz gesehen und hat gesehen, wie es dieser Frau geht. Wenn man ein Crowdfunding machen muss, damit man irgendwie die Lebenshaltungskosten finanzieren kann – sorry, dann ist das einfach nur beschämend. Es ist beschämend für uns, aber es ist auch beschämend, dass unser Regierungsrat - excusez – eine solche Antwort auf ein solches Problem gibt.
Dass der Regierungsrat und der Bundesrat hier einfach schön Drehtür spielen, ist auch beschämend. Man geht bei der einen Tür rein, und die anderen jagen einen sogleich wieder raus. Darum bitte ich Sie wirklich inständig: Nehmen Sie alle Punkte dieses Postulats an und schreiben Sie nicht ab. Das ist das Einzige, was wir hier in diesem Saal machen können. Sibyl Eigenmann hat es auch gesagt. Das ist das Einzige, was wir machen können, um diesen Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, zu zeigen: Wir haben Sie nicht vergessen, und wir sehen Sie, auch wenn Sie unsichtbar sind. Merci vielmals.