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Valentina Achermann · SP

de
Grosser Rat (BE)03.06.2026
Valentina Achermann, Bern (SP), Fraktionssprecherin. Ich möchte mit etwas Positivem starten. Und zwar habe ich mich sehr gefreut über die Empfehlung des Regierungsrates. Das ist nicht allzu oft so in dieser Direktion. Aber dieses Mal habe ich mich ganz besonders gefreut und habe, ehrlich gesagt, auch gehofft, dass wir gar nicht sprechen müssen. Aber gut, es ist bestritten, und selbstverständlich werden wir hier darüber diskutieren.

Ich finde, dass meine Vorrednerinnen und eigentlich ganz besonders auch die Vorrednerin der SVP schon sehr, sehr wichtige Punkte genannt haben, weshalb wir diese Motion unbedingt annehmen müssen.

Femizid, ja, das wird noch genauer definiert. Es handelt sich um eine Ermordung von Frauen, weil sie Frauen sind, und in den meisten Fällen von Ex-Partnern, Partnern, Ehemännern, ehemaligen Ehemännern, Brüdern, Söhnen oder Vätern. Das ist selbstverständlich eine Form von geschlechtsspezifischer Gewalt.

Weshalb ist es so wichtig, dass wir das so konkret benennen? Wir lesen leider immer wieder in den Zeitungen, dass es einerseits passiert, was per se wirklich schlimm ist und zu oft passiert. Aber wir lesen auch sehr oft, dass es benannt wird als irgendein Familiendrama, als Partnerschaftsdrama, als Tragödie oder irgendeinen Einzelfall. Mit dieser Art von Kommunikation verschleiern wir, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, das immer und immer wieder passiert.

Femizid passiert in den allermeisten Fällen nicht einfach aus dem Nichts, sondern in den meisten Fällen gibt es vorher Drohungen, es gibt Stalking und andere Formen von Gewalt. Und ja, das hier ist ein sehr wichtiger Schritt: dass man sich einerseits einsetzt, dass es eine schweizweite Definition gibt, damit es auch benannt werden kann, erfasst werden kann und damit auch strukturell bekämpft werden kann, und dass es in den Kriminalstatistiken abgebildet wird.

Wo wir nicht einverstanden sind mit dem Regierungsrat, ist, dass er sich zuerst schweizweit einsetzen und erst dann im Kanton Bern aktiv werden will. Das macht aus unserer Sicht überhaupt keinen Sinn, weil wir ja anerkennen, dass es ein Problem ist und man es systematisch erfassen muss. Dann gibt es keinen Grund, damit zu warten. Deshalb wollen wir wirklich noch einmal anmerken, damit sofort zu starten.

Die SP-JUSO-Fraktion wird diese Motion selbstverständlich annehmen, und trotzdem möchte ich noch einmal betonen: Zahlen allein lösen noch kein Problem. Wir müssen unbedingt vorher anfangen. Wir müssen anfangen in der Prävention, in der Frühintervention, in der Täter-, Täterinnenarbeit, in den Schutzhäusern, in der nachhaltigen Finanzierung von Präventionsprogrammen.

Ich hoffe, dass Sie hier alle zusammen auch beim nächsten Mal wieder mithelfen. Merci vielmals.

Institution
Grosser Rat

Data: OpenParlData · CC BY 4.0