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Andrea Gschwend-Pieren · SVP

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Grosser Rat (BE)08.12.2022
Andrea Gschwend-Pieren, Kaltacker (SVP), Einzelsprecherin. Eltern werden zu dürfen, ist ein grosses Glück, und meiner Meinung nach sollte es sich allemal lohnen, dafür Ferien zu beziehen. Denjenigen, die jetzt sagen: «Ja, so Kinder zu haben, Ferien zu nehmen – das sind gar nicht Ferien, Kinder erziehen ist anstrengend, und Ferien sind eigentlich da, um sich erholen», muss ich sagen: Eltern sind Sie ein ganzes Leben lang und nicht nur während der ersten paar Monate nach der Geburt oder bis zu einer willkürlichen Grenze von z. B. sechsjährig. Eltern sind Sie ein Leben lang, und es ist schön, wenn man ein Leben lang für die Kinder da ist und mit den Kindern Ferien nimmt. Und Sie können nicht einfach sagen: «Ja, das ist jetzt anstrengend, das sind keine Ferien» und beim Staat die hohle Hand hinhalten und um eine Entschädigung bitten. Es kommt mir hier in diesem Saal einfach immer ein bisschen vor wie Salami-Taktik.

Wir haben auf Bundesebene einen Mutterschaftsurlaub. Gut, vielleicht muss sich die Mutter einmal erholen von der Schwangerschaft, von der Geburt. Wir haben jetzt neu auch noch einen Vaterschaftsurlaub. Vielleicht muss sich der Vater auch noch etwas von der Geburt erholen. Aber jetzt gehen die Begehrlichkeiten weiter. Nun fordert man noch Mutterschaftsurlaub, der bereits vor der Geburt beginnt, man fordert kostenlose Kita-Plätze für alle, man fordert Elternzeit. Das ist vielleicht alles zusammen gut gemeint, aber es ist nicht zu Ende gedacht. Es sind hier wieder 200 Mio. Franken, dort wieder 300 Mio. Franken – und die Allgemeinheit soll dies einfach bezahlen. Für mich ist das eine Verstaatlichung der Familie. Familie ist Privatsache und nicht immer wie mehr Staatsaufgabe.

Und jetzt möchte ich noch ein Wort zur Gleichstellung sagen: Es wird hier in diesem Saal immer wieder gesagt, Frauen und Männer seien nicht gleichgestellt. Man fürchtet, dass die Frauen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sein könnten, weil sie in den Mutterschaftsurlaub gehen. Da stellen wir die Frage: Wie ist es denn mit den Männern? Männer gehen in den Militärdienst. Ist die nächste Initiative von Ihrer Seite, die wir hier in diesem Saal erwarten dürfen, Militärpflicht für Frauen? Ich weiss, es ist das Militär; Armee ist ein nationales Thema – genauso, wie auch Elternzeit ein nationales Thema ist. Spielen wir doch jetzt hier in diesem Saal nicht Bonsai-Nationalräte, lassen wir nationale Themen nationale Themen sein.

Ich lehne diese teure und unsinnige Initiative ganz klar ab, weil ich der Meinung bin, dass nicht immer die Allgemeinheit alles bezahlen soll. Die Initiative wäre zudem auch nicht tragbar für unsere KMU. Deshalb: ablehnen. Merci.

Institution
Grosser Rat

Data: OpenParlData · CC BY 4.0