Chantal Perriard · FDP.Die Liberalen
Chantal Perriard (FDP), Einzelvotum: Feuerwerk gehört für viele Menschen zum 1. August oder zu Silvester. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Traditionen haben ihren Wert und sollen nicht leichtfertig in Frage gestellt werden. Die Frage ist aber vielmehr, warum es unbedingt die lautesten und belastendsten Formen von Feuerwerk sein müssen. Jedes Jahr verletzen sich Menschen schwer an Feuerwerk und beklagen Verbrennungen, Augenverletzungen oder bleibende Hörschäden. Gerade Böller erzeugen vor allem Lärm, aber kaum einen visuellen Effekt. Ein Böller kann ein Ohr um Jahrzehnte altern lassen. Knallendes Feuerwerk kann Tiere in Panik versetzen und belastet auch die Umwelt unnötig.
Rund 3% des gesamten Feinstaubs stammen nur aus Feuerwerk. Das ist eine grosse Menge für eine kurze Unterhaltung. Zudem bleibt der Abfall danach häufig im öffentlichen Raum liegen. Es ist doch unser Ziel, die Emissionen zu senken. Weshalb sollten wir hier die Realität ignorieren? Dass dieses Anliegen viele Menschen teilen, zeigt auch die bereits repräsentative Studie des Forschungsinstituts GFS Bern. Rund 68% der Bevölkerung unterstützen Einschränkungen beim lauten Feuerwerk. Auch der Bundesrat hält in seiner Botschaft fest, dass Feuerwerk Lärm, Feinstaub, Belastungen für Tiere sowie Unfall- und Brandrisiken verursacht. Wenn diese Probleme unbestritten sind und Gemeinden Handlungsspielraum haben, warum sollte Bern nicht einen Schritt weitergehen?
Ich komme jetzt noch auf diesen Satz zurück, der anscheinend an der FDP klebt, wie wir es gehört haben. Ich finde ihn aber wichtig. Deshalb erlaube ich mir, diesen Satz doch wieder zu bringen: Freiheit bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist. Gerade in dicht besiedelten Städten braucht es Regeln, damit die Freiheit des einen nicht zur Belastung für andere wird.
Rund 90% des Feuerwerks in der Schweiz werden importiert, der grösste Teil davon aus China. In der Schweiz wird nur ein kleiner Teil produziert, meist für professionelle Shows. Vorliegend geht es jedoch nicht darum, wo das Feuerwerk produziert wird. Entscheidend sind die Folgen für Menschen, Tiere und Umwelt. Und ehrlich gesagt. Was gefällt uns am Feuerwerk wirklich? Die ohrenbetäubenden Explosionen oder doch die Farben und das Funkeln am Himmel? Genau das Schöne können wir beibehalten. Es geht nicht darum, Feuerwerk oder Traditionen abzuschaffen. Neue Formen wie stille Pyrotechnik, Drohnenshows, Lichtinszenierungen zeigen seit Jahren, dass beeindruckende Effekte auch ohne starken Knall möglich sind. Viele Menschen wünschen sich solche Alternativen. Entscheidend ist deshalb, die lautesten und belastendsten Formen einzuschränken, und dort Regeln zu setzen, wo die Belastung für Menschen, Tiere und Umwelt am grössten ist. Ich hatte das Glück, mit Tieren aufwachsen zu dürfen, und habe auch heute noch einen Hund und eine Katze. Jedes Jahr sehe ich, was diese Nächte für sie bedeuten, immer wieder derselbe Stress. Heute kann ich mich für sie einsetzen. Darum gebe ich heute auch den Tieren eine Stimme.