Tobias Sennhauser · Tier im Fokus

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Stadtrat (BE)26.02.2026Mitglied

Tobias Sennhauser (TIF) für die Fraktion: Ich möchte die Gelegenheit nutzen und dieses Votum Sam Nüesch widmen. Er sass für uns in der Tierparkkommission und hat uns bei Tier im Fokus jahrelang begleitet, als Stratege, als guter Freund auch, und er war massgeblich daran beteiligt, dass wir überhaupt diesen realpolitischen Weg eingeschlagen haben und schliesslich auch für den Stadtrat kandidierten. Nun hat sich herausgestellt, dass er nicht an einer, sondern an zwei seltenen Krankheiten gelitten hat. Diese haben dann in aller Härte zugeschlagen, weshalb er vor ungefähr zwei Wochen verstorben ist. Jetzt ist Sam nicht mehr da und wir merken schon, wie er uns fehlt, nicht nur menschlich, sondern eben auch als Experte oder als Stratege. Es fiel uns also generell schwer, uns für eine Position hier in diesem Rat zu entscheiden. Wir hätten wirklich auch die Expertise von Sam gebrauchen können.

Was uns schwerfiel, ist, dass wir einerseits natürlich verstehen und gutheissen, dass der Tierpark barrierefrei werden soll. Und genauso finden wir auch, dass es dringend ein neues Ökonomiegebäude braucht. Wir haben es auch einmal besuchen können und es leuchtet uns zu 100% ein. Und gleichzeitig sind wir der Meinung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist – vielleicht sogar der letzte – um im Parlament über die Zonenplanänderung und die damit verbundenen Entwicklungen im Perimeter an der Aare zu entscheiden. Und da glauben wir, dass es eben um mehr geht als um etwas Infrastruktur, sondern es geht um das Erscheinungsbild des Tierparks und auch um neue Formen der Tiergefangenschaft. Und genau hier beginnt unser Problem.

Der Stadtrat hat vor zwei Jahren unterdessen diese Gesamtplanung 2023 bis 2033 positiv zur Kenntnis genommen. Darin ist festgehalten, dass der Kinderzoo aufgehoben werden soll. Das war hier im Rat, aber auch ausserhalb ein riesiges Thema, ihr habt es mitbekommen. Ich selber habe diese Argumentation des Tierparks übernommen und mich hier im Rat gegen den Kinderzoo ausgesprochen. Das alles ist kaum ein Jahr her, aber politisch gesehen ist die Welt eine andere. Neuerdings ist die Rede von einem Familienzoo und ich finde es toll, dass mit dem Familienzoo nun doch eine gewisse kontrollierte Interaktion zwischen Menschen und Tier möglich sein soll. Das Problem ist, dass wir mit dem Familienzoo weitere Tierhaltungen begrüssen sollen, hinter denen wir nicht stehen können. Besonders stören wir uns an dem neu angekündigten "Erlebnis-Aquarium", zu dem wir in der Gesamtplanung nichts finden. Das Einzige, was wir dazu wissen, ist, dass es offenbar 18 Meter gross werden soll. Wir wissen nicht, welche Arten dort gehalten werden sollen oder woher die Fische stammen, ob aus einer Zucht oder aus Wildfang. Über all das können wir nur spekulieren.

Bis vor wenigen Jahren meinte man tatsächlich, dass Fische keine Schmerzen empfinden würden und heute zeigen zum Glück Studien, dass Fische empfindungsfähige Lebewesen sind, die nicht nur Schmerzen, sondern auch Angst und Stress empfinden können sowie soziale und kognitive Fähigkeiten besitzen. Aus unserer Sicht haben Fische deshalb in diesen künstlichen Aquarien nichts verloren. Sie dort zur Schau zu stellen, stellt für uns einen massiven Eingriff in ihre Gesundheit und in ihr Wohlbefinden dar. Hinzu kommt, dass die zoologische Forschung systematisch verzerrt ist. Besonders beliebte Tierarten wie beispielsweise Primaten oder Grossraubtiere werden deutlich häufiger untersucht als eben Fische. Und gerade bei Fischen bestehen eben im Vergleich zu vielen Landtieren weiterhin massive Wissenslücken. Diese Schieflage prägt unser Wissen und auch unsere politischen Prioritäten. Vor dem Hintergrund, dass wir über Fische einfach noch zu wenig wissen, lehnen wir das neue Aquarium gemäss dem Grundsatz "in dubio pro animale" ab.

Aber zurück zur Gesamtplanung. Wir fragen uns, welchen Sinn diese 10-Jahres-Strategie hat und warum der Stadtrat überhaupt darüber urteilt, wenn sie kurzerhand wieder geändert werden kann.

Wir sind der Meinung, dass der Stadtrat über den neuen Familienzoo mitbestimmen können sollte. Aus unserer Sicht sollte deshalb auch die Gesamtplanung erneut dem Stadtrat vorgelegt werden. Wir haben dazu einen Vorstoss eingereicht. Im Vortrag zu dieser Zonenplanänderung steht: "Damit der Tierpark den Bedürfnissen der Tiere, der Besucherinnen und Besucher sowie den Mitarbeitenden gerecht wird, soll er sich in den in den kommenden Jahren weiterentwickeln können." Das ist der allererste Satz im Dokument und es freut mich natürlich, wenn man den Bedürfnissen der Tiere nachkommen will. Aber ich finde es hier in diesem Kontext stossend, wenn man von den Bedürfnissen der Tiere spricht und gleichzeitig ein neues Aquarium geplant ist. Für mich geht das nicht zusammen.

Ich habe den Eindruck, dass es bei dieser Zonenplanänderung im Kern um etwas ganz anderes geht. Ich glaube, dass der neue Eingang dazu führen soll, dass der Tierpark attraktiver wird und mehr Menschen den kostenpflichtigen Teil besuchen. Kurz, bei dieser Zonenplanänderung geht es um die Aufwertung des Tierparks als Institution und nicht um die Tiere. Ich beschäftige mich selber seit vielen Jahren mit Zoos und ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen, dass sich Zoos in einem ständigen gegenseitigen Wettbewerb untereinander befinden. Sie müssen sich mit neuen Anlagen, neuen Attraktionen und neuen Erlebnisangeboten überbieten. Es ist ein Wettrüsten, nicht zugunsten der Tiere, sondern der Zoos. Der Tierpark Bern ist aus unserer Sicht in erster Linie den Tieren und dem Artenschutz verpflichtet. Dazu braucht es weder neue Tieranlagen noch einen neuen Eingang. Wir lehnen die Zonenplanänderung deshalb ab und wir tun dies auch in der Hoffnung, dass Sam dies auch so sehen würde. Rest in Peace.

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