Tobias Sennhauser · Tier im Fokus

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Stadtrat (BE)12.03.2026Mitglied

Tobias Sennhauser (TIF) für die Fraktion: Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, und zwar jene von Wasabi. Wasabi hatte früher kein Problem mit Feuerwerk. Erst im Alter wurde es schlimm. Er hört und sieht heute etwas schlechter und vielleicht ist es deshalb, dass ihn heute diese lauten und grellen Reize umso mehr überfordern. Wasabi ist ein Hund. Er ist elf Jahre alt und kommt ursprünglich aus Rumänien. Für ihn sind laute Feuerwerke eine Tortur. Besonders schlimm war es 2024 an Silvester. Eigentlich hatte Wasabi wie immer ein Beruhigungsmittel erhalten. Und trotzdem zitterte er stundenlang. Um vor dem Feuerwerk zu entkommen, flüchtete er quer durch die Wohnung an die hinterste Wand und drückte seinen Kopf dagegen, um sich möglichst abzulenken. Das ist der Ort, der am weitesten von dort entfernt ist, wo die Raketen explodierten. Seine Halterin war bei ihm. Aber sie konnte nichts tun, ausser die ganze Nacht bei ihm zu sein. Und dieser Silvester 2024 hat bei Wasabi Spuren hinterlassen. Seither erschrickt Wasabi auch bei Gewittern und auch bei Autoscheinwerfern, die durchs Fenster flackern. Im vergangenen Sommer, kurz vor dem 1. August, drohte dann ein neuerliches Drama. Um Wasabi zu schützen, verreiste seine Halterin nach Frankreich. Dort war es zwar ruhiger, aber die Fahrt und auch der fremde Ort waren für Wasabi anstrengend. Und jedes Jahr eine Ferienwohnung zu mieten, ein Auto zu organisieren, Benzin zu zahlen, all das bringt die Halterin finanziell ans Limit.

Und Wasabi ist kein Einzelfall. Ich habe im Vorfeld viele weitere Geschichten gehört, zum Beispiel jene von Bao, den ich kürzlich kennenlernen durfte. Er ist ein Hund, sechs Jahre alt. Und auch bei ihm ist es so: Wenn die Knallerei beginnt, beginnt er, am ganzen Körper zu zittern. Er hechelt, findet keine Ruhe, stundenlang. Vor lauter Angst versucht er zu flüchten und man kann ihn kaum festhalten. Ähnlich ging es auch einem Freund von Bao aus der Nachbarschaft. Nur: Er schaffte es leider zu flüchten. Er rannte panisch davon, bis er schliesslich auf den Gleisen von einem Zug erfasst wurde und tödlich verunfallte.

Und auch Bao ist kein Einzelfall und auch nicht sein Nachbarhund. Da wäre noch Aaron. Dieser Hund wurde damals in einem griechischen Militärbunker gefunden, abgemagert, verängstigt und in einem erbärmlichen Zustand. Heute sind fünf Jahre vergangen, aber sein Trauma bleibt ungeheilt. Schon beim ersten Knall flüchtet Aaron ins Badezimmer und dort in die Dusche. Das ist sein Rückzugsort. Seine Halterin verbringt dort jeden Silvester mit ihm und hüllt ihn in Decken, damit er vielleicht ein bisschen schallgeschützt ist. Für die Halterin ist es am 1. Januar vorbei. Aaron hingegen braucht jeweils Wochen, bis er sich wieder davon erholt hat.

Und auch Aaron ist kein Einzelfall. Ich hatte kürzlich mit der Mitarbeiterin der Tierapotheke in Bern Kontakt. Dort verkaufen sie ein Mittel, das Haustiere beruhigen soll. In einem normalen Monat verkauft die Tierapotheke davon vielleicht 20 Stück. Im Juli, also vor dem 1. August, waren es über 300. Das ist das 15-fache. Die Tierapotheke wurde also regelrecht überrannt von Menschen, die für ihre Haustiere verzweifelt nach Rat suchten. Immer wieder hörten sie dieselbe Geschichte. Wer es sich leisten kann, verreist ins Ausland. Und alle anderen versuchen so gut es geht, ihren Tieren zu Hause beizustehen.

All diese Geschichten zeigen also: Für Tiere bedeutet Feuerwerk nichts als Stress und Panik: Und ich glaube: Niemand von uns will das. Niemand von uns will, dass Hunde stundenlang zittern oder panisch fliehen und dabei vielleicht vom Zug erfasst werden. Wenn wir Feuerwerke abbrennen, dann tun wir das, um uns zu unterhalten und nicht, um Tiere zu quälen. Und genau das will die Motion – dass wir weiterhin feiern können, aber so, dass kein Tier zu Schaden kommt.

Ich habe grundsätzlich Verständnis dafür, dass man Feuerwerk nicht generell verbieten will. Denn tatsächlich ist es schön. Es birgt eine gewisse Ästhetik und vielleicht auch einen Nervenkitzel beim Anzünden. Ich habe das früher auch sehr regelmässig, um nicht zu sagen, intensiv, getan. Ich habe dafür vor allem als Kind auch wirklich viel Geld investiert. Insofern kann ich all das nachvollziehen. Und trotzdem sehe ich heute die Dinge anders, weil ich eben auch die Tiere sehe, die dabei leiden, manchmal tagelang, manchmal wochenlang. Und deshalb ist für mich diese Motion kein Verzicht auf lautes Feuerwerk, sondern eben ein Kompromiss, der beiden Seiten Rechnung trägt, also jenen, die gerne Feuerwerke haben, aber auch den Tieren. Letztendlich geht es ja um die persönliche Freiheit. Ich glaube, unsere Freiheit geht halt nur so weit, bis andere darunter leiden. Und deshalb geht es für mich auch um Verantwortung. Und dazu gehört, Rücksicht zu nehmen auf jene, die mit uns diesen Planeten teilen. Tiere teilen nicht nur den Planeten mit uns, sondern auch diese Stadt. Sie leben mit uns, gehören zu unseren Familien oder leben in unseren Quartieren. Für mich ist es selbstverständlich, dass wir Tieren mit Respekt und Mitgefühl begegnen. Und ich bin sicher, für euch ist es auch so.

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