Peter Jans · SP
Jans-St.Gallen (im Namen der SP-GRÜNE-GLP-Fraktion): Auf die Vorlage ist einzutreten. Ich lege meine Interessen offen: Ich weise darauf hin, dass ich auch als Stadtrat von St.Gallen mit dem Thema der Vorlage verbunden bin, indem der Stadtrat dem St.Galler Stadtparlament ebenfalls eine Mitfinanzierung beantragt hat.
Das textile Handwerk bzw. die Textilindustrie hat für die Ostschweiz über Jahrhunderte eine prägende Rolle gespielt. Zuerst waren es Stoffe aus Leinen, danach die Stickerei. Viele Familien in der Ostschweiz und in der ganzen Region haben einen Bezug zu dieser Branche. Stickerei war lange Zeit der Wirtschaftsmotor für eine ganze Region. Es gab Arbeitsplätze, Einkommen, Wohlstand, aber auch Abhängigkeiten. Der Wohlstand ist noch heute in Gebäuden aus der Jugendstilzeit zu sehen. Aber neben der Architektur haben auch die Universität St.Gallen, das regionale Banken- und Versicherungswesen oder, heute etwas in den Hintergrund gerückt, die Maschinenindustrie einen engen Bezug zur Textilindustrie. Heute ist die Rolle der Textilien relativiert, wenn auch immer noch präsent.
Zu Recht wird deshalb vom grossen textilen Erbe gesprochen. Dieses Erbe und die Erinnerung daran gehören dazu, wenn man die Entwicklung unserer Region verstehen will. Dieses, also unser Erbe, soll gepflegt werden. Das machen der Verein Textilmuseum und die Stiftung dahinter mit grossem Engagement. Wir haben es gehört: Das Textilmuseum birgt eine der bedeutendsten Textilsammlungen der Schweiz. Es ist wichtig für uns als Region und für Gäste, die unsere Region kennenlernen wollen, ob es gewöhnliche Touristinnen und Touristen sind oder speziell Textilaffine.
Vielleicht darf man sagen, dass die Bedeutung des Textilmuseums von einigen unterschätzt wurde. Mit der Anerkennung des Bundes als Museum von nationaler Bedeutung bekam es nun allerdings gewissermassen einen Ritterschlag. Heute liegen die Schätze des Textilmuseums teilweise im Dornröschenschlaf. Sie verdienen und benötigen dringend eine Aufwertung. Die Kommissionsmitglieder konnten bei einer Begehung mit eigenen Augen sehen, wie inadäquat heute die Sammlung gelagert werden muss, dies auf die Platzverhältnisse bezogen, v.a. aber auch bezüglich der klimatischen Bedingungen und ihren Schutz generell. Das Gebäude ist, um es so zu sagen, in die Jahre gekommen. Das sorgfältig erarbeitete Bauprojekt verdient es, umgesetzt zu werden. Dass die private Trägerschaft das Projekt nicht allein stemmen kann, ist verständlich. Die hälftige Finanzierung durch Private und die öffentliche Hand ist der Sache angemessen. Wir unterstützen deshalb den Antrag der Regierung auf Ausrichtung eines Kantonsbeitrags, damit das Textilmuseum nicht nur das Alte angemessen und würdig bewahren sowie dem Publikum zeigen kann, sondern es auch in attraktiver Weise in die heutige Zeit übersetzen sowie mit dem Heute und Morgen verknüpfen kann. Das Haus hat das Potenzial zu einem Leuchtturmprojekt.