Alain Pichard · GLP
Frau Bildungsdirektorin, Herr Ratspräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte einmal mit einer Begebenheit beginnen, die ich mit Ihrem ehemaligen Parteipräsidenten oder Fraktionschef – ich weiss es nicht – Roland Näf hatte. Wir haben zusammen über das Testen diskutiert, und dann hat er mir Folgendes gesagt. Er hat mir gesagt: «Weisst du, Alain, diese Tests dienen dazu, dass wir die Schwachstellen in diesem System herausfinden und dann überprüfen und evidenzbasiert ein Bildungsmonitoring machen, also schauen, wie man das verbessern kann.»
Die Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK) ist 2019 passiert, und die Resultate für das Fach Französisch sind klar: Nur 10 Prozent unserer Schüler erreichen die sogenannten Grundkompetenzen im Reden, nur 50 Prozent erreichen die Grundkompetenzen im Verstehen, und nur 40 Prozent erreichen die Grundkompetenzen im Schreiben. Die Grundkompetenzen sind die Minimalkompetenzen, stellen Sie sich das einmal vor. Das ist ein Desaster. Und jetzt denkt man – frei nach Roland Näf –: «Jetzt überprüfen wir das evidenzbasiert, wir haben ja die Resultate.» Und plötzlich heisst es, die Bildungsdirektion sagt: «Wir sind für evidenzbasierte Überprüfung bei der Bildungspolitik, wollen es aber nicht überprüfen.» Bildung Bern sagt: «Wir sind für evidenzbasierte Bildungspolitik, wir wollen es aber nicht überprüfen.» Und offensichtlich folgt dem jetzt auch Ihre Fraktion, die SP, auch die Grünen, sie gehören auch dazu.
Was heisst denn eine Überprüfung? Eine Überprüfung muss nicht unbedingt heissen: eine Abschaffung. Eine Überprüfung kann auch heissen: Man schaut einmal, ob die Stundendotation richtig ist oder ob die Ausbildung der Lehrkräfte verbessert werden muss oder ob man didaktische Massnahmen machen kann, um z. B. das Sprachbad anders zu formulieren. Das ist alles eine Überprüfung. Und wenn Sie jetzt diese Überprüfung abschreiben wollen, dann zeigen Sie eigentlich nur eines: Sie wollen es nicht wissen, Sie wollen es nicht wissen, es soll so weitergehen, wie es ist. Wir haben ja immerhin 40 Mio. Franken ausgeben für dieses Frühfranzösisch. Voilà.
Noch zur Deputation: Glauben Sie mir, da steht jemand vor Ihnen, der seit Jahren Französisch unterrichtet hat, selbst Waadtländer ist. Ich will alles andere, als das Französische zu schwächen. Diese Motion will – das sehen Sie auch in den Punkten 2 und 3 – das Französische stärken. Danke für die Aufmerksamkeit. – Ah, Entschuldigung: Unsere Fraktion wird selbstverständlich als offene, kritische und nachfragende Fraktion diese Motion unterstützen und die Abschreibung bestreiten.