Regina Fuhrer-Wyss · SP

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Grosser Rat (BE)01.12.2022
Regina Fuhrer-Wyss, Burgistein (SP), Fraktionssprecherin. Die vorliegende Standesinitiative umfasst zwei Punkte. Es sind völlig unterschiedliche Forderungen. Ich komme zuerst zum zweiten Punkt, zur Forderung nach Forschungsprojekten, welche die ökologische und soziale Ausrichtung des Zuckerrübenanbaus fördern sollen. Dieser Punkt war in unserer Fraktion unumstritten. Es ist klar, dass gerade bezüglich Ökologie im Zuckeranbau grosser Handlungsbedarf besteht und dazu geforscht werden muss. Wenn ich zwar nun gehört und auch gelesen habe, wie ökologisch, wie äusserst ökologisch und sozial der Schweizer Zucker ist, kann man sich fragen, ob es überhaupt noch einen Forschungsbedarf gibt.

Bei der ersten Forderung, den Selbstversorgungsgrad des Schweizer Zuckers zu erhalten, gehen bei uns die Meinungen aber auseinander. Für die Einen – die Mehrheit der Fraktion – ist der Erhalt von Arbeitsplätzen, namentlich in der Zuckerfabrik Aarberg, ausschlaggebend für die Unterstützung des Vorstosses. Vielen ist aber auch wichtig, dass es weiterhin Schweizer Zucker und damit auch verarbeitete Produkte gibt, die mit der Schweizer Herkunft ausgezeichnet werden können.

Für die anderen in der Fraktion überwiegen die Vorbehalte, dass im Landwirtschaftsgesetz eine gezielte Festlegung eines Selbstversorgungsgrads einer einzelnen Kultur, also des Zuckers, festgelegt werden soll. Es könnte ja zum Beispiel auch ein minimaler Selbstversorgungsgrad unserer Tiere mit Schweizer Futtermitteln im Landwirtschaftsgesetz festgelegt werden. Da hätten wir doch noch ziemlich grossen Nachholbedarf.

Der Schweizer Zucker wird als sehr nachhaltig und sozial gerühmt, besser als alle Importprodukte. Das mag vielleicht im Vergleich mit der EU stimmen. Kontrollierte Zuckerrohrproduktion aus Übersee, importiert mit dem Schiff, kann diesem Vergleich aber standhalten. Tatsache ist: Die Zuckerrübenproduktion ist eine intensive Kultur, sie benötigt viel Dünger und Pestizide und grosse Maschinen. Man muss sich auch bewusst sein, das wesentlich mehr als die Hälfte des Schweizer Zuckers für die Produktion nicht gerade gesundheitsfördernder Produkte – Red Bull – verwendet wird. Diese Millionen von Red-Bull-Dosen werden danach grösstenteils exportiert. Soll unser Landwirtschaftsgesetz indirekt einen Grosskonzern unterstützen?

Wir haben in der Schweiz mit dem Direktzahlungssystem ein gutes agrarpolitisches Instrument, einen Gesellschaftsvertrag. Die Anforderungen und die Leistungen der Landwirtschaft, von Versorgungssicherheit über Umweltleistungen bis hin zum Tierwohl, werden darin definiert und abgegolten. Die Frage ist nun aber, ob dazu auch die Förderung von Zucker gehört, ob die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler durch Direktzahlungsbeiträge eine Einzelkultur, nämlich Zucker, bezahlen sollen. Wie erwähnt: Die SP-Fraktion stimmt unterschiedlich, eine Mehrheit stimmt der Initiative zu.

Institution
Grosser Rat

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