Sarah Rubin · Grünes Bündnis
Sarah Rubin (GB) für die Fraktion: Ich werde einiges erwähnen, das Babs schon angetönt hat, aber so ist es halt jetzt. Ganztagesschulen sind ein kleiner, aber wichtiger und vor allem zukunftsweisender Baustein in der Stadtberner Bildungs- und Betreuungslandschaft. Bildung und Betreuung sollen als Gesamtheit zu verstehen sein. Die Ganztagesschule bildet im Kleinen ab, wie wir uns diese Zukunftsvision für alle vorstellen. Wie ihr euch vielleicht erinnern mögt, wurde vor nicht allzu langer Zeit die Tagesbetreuung der Stadt Bern neu strukturiert. Die sogenannten Tagis, die vorher im Gegensatz zur Tagesschule gezielter und gesamthafter sozialpädagogisch arbeiteten und so einen wesentlichen Beitrag zur Integration und Förderung aller Kinder beitrugen, wurden gemeinsam mit der Tagesschule in die aktuelle Tagesbetreuung überführt. Die Tagesschule hat nun dank besserem Betreuungsschlüssel – heute zum Glück wieder einmal mehr bestätigt – mehr Möglichkeiten, mit den anwesenden Kindern gezielter pädagogisch zu arbeiten. Das jedoch in jeden Tag wechselnden Gruppen, weil es den vielen verschiedenen Betreuungsbedürfnissen besser gerecht werden kann. Andererseits führt das, wie erwähnt, eben dazu, dass die Gruppe jeden Tag anders zusammengesetzt ist. Auch wechseln öfter die Betreuungspersonen. Das ist in einer Ganztagesschule anders. Hier gibt es ein Mindestmass an Betreuungseinheiten, die gebucht werden müssen. Das führt zu einer konstanteren Gruppenzusammensetzung, was pädagogisch ein grosser Vorteil ist. Für einige Kinder zum Beispiel aus einem belasteten Umfeld sogar elementar, um sich sozial sicherer zu fühlen und sich gut entwickeln zu können. Zudem können die Hand in Hand arbeitenden Fachpersonen aus Betreuung und Schule gezielter und flexibler auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Betreuung und Bildung sind so stärker verzahnt, was aus pädagogischer Sicht sinnvoll ist. Ganztagesschulen sind daher, wie erwähnt, ein wichtiges Nischensystem im Betreuungs- und Bildungssystem der Stadt Bern. Zudem ist die Ganztagesschule gefragt. Gerade in der Ganztagesschule Bümpliz-Höhe, da war ich mal im Rahmen meiner Schulkommissionstätigkeit in der Spurgruppe dabei, dort gibt es regelmässig Wartelisten und Schüler*innen müssen auch leider mal abgewiesen werden. Dazu kommt das Problem, das euch allen bekannt ist: Genügend und passender Schulraum ist rar und da auch die Personalsituation mit hohen Präsenzzeiten eine Herausforderung sein kann, ist es wichtig, dass vor Ort Lehr- und Betreuungspersonen sowie Schulleitungen vorhanden sind, die motiviert sind, eine solche Schule aufzubauen. Das entspricht dem Bottom-up-Ansatz, der auch vom Gemeinderat angesprochen wird. Dieser Ansatz ist wichtig im Schulsystem, wird den Lehr- und Betreuungspersonen nämlich ein System übergestülpt, hinter dem sie nicht stehen, werden sie es nicht richtig mittragen und eher früher als später weiterziehen. Es ist jedoch sehr wichtig, dass, wenn ein Anlauf aus einem Kollegium kommt, die Stadt dann wirklich auch richtig unterstützt. Mehr noch, es ist nötig, dass die Stadt potenzielle Erweiterungen und Neugründungen von Ganztagesschulen regelmässig thematisiert und Vorteile und auch Schulraummöglichkeiten, in denen ihr zur Verfügung stehenden Gremien hervorhebt. Weil es manchmal etwas Anstoss braucht, damit sich eine solche Bottom-up-Initiative erst entwickeln kann. Man könnte sich zudem Gedanken machen, wie man dafür sorgen kann, dass diejenigen Kinder und Jugendlichen, die wirklich einen grossen Bedarf auf einen Platz haben, diesen auch erhalten. Denn nach wie vor ist es so, dass bei Infoveranstaltungen zu Ganztagesschulen meistens primär sozioökonomisch bevorteilte Eltern auftauchen. Wir begrüssen es zudem sehr, dass derzeit Abklärungen zum Bedarf im Zyklus 3 laufen. Wir sehen hier eine Möglichkeit, gegen Timeouts, gegen Schulabsentismus oder Schulausschlüsse präventiv vorzugehen, denn gerade im Zyklus 3 gibt es einen grossen Bedarf an sinnvollen Möglichkeiten, dieser Problematik entgegenzutreten. Jugendliche sind, wie wir alle wissen, in einer vulnerablen Lebensphase und brauchen genauso sichere und unterstützende Räume und Beziehungen, wie es auch jüngere Kinder brauchen. Aus den beschriebenen Gründen sind wir nicht einig mit der Ansicht des Gemeinderats, dass es derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf gebe. Wir überweisen diese Motion sehr gerne. Mit dem Begründungsbericht sind wir wie die SP auch nicht ganz zufrieden. Danke.