Fuat Köçer · Sozialdemokratische Partei

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Stadtrat (BE)17.10.2024Fuat Köçer (SP), Einzelvotum

Fuat Köçer (SP), Einzelvotum: Wie bereits im Fraktionsvotum schon deklariert, werde ich in meiner Fraktion auch den Kredit und die Abstimmungsbotschaft unterstützen. Trotzdem möchte ich aus pädagogischer Sicht kritische Punkte aufgreifen. Für mich stellt sich die Frage, ob man wirklich zum Kindeswohl beiträgt, wenn man diesen Kindern bereits ab der dritten Klasse iPad in die Hände drückt. Das wird Zukunft sein, die Kinder müssen IT-Skills beherrschen. Das ist nicht eine pädagogische, sondern kapitalistisch-marktwirtschaftlich orientierte Sicht. Der Einwand, dass man doch dem ökonomisch benachteiligten Kind ein iPad gibt und so Chancengleichheit und im Idealfall sogar Chancengerechtigkeit erlangen könnte, das stimmt leider aus bildungssoziologistischer Sicht auch nicht. Wenn die Bildungsinstitutionen alle gleich viele Ressourcen bekommen, dass es nachher dann gerechter wird, ist eine Illusion. Das kann man anhand von der Bildungsexpansion in den letzten 40-50 Jahren auch genauer analysieren. Zwar haben Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien mit der Bildungsexpansion mehr Tertiär-Abschlüsse erlangt, wie auch Kinder aus privilegierten Familien auch mehr Tertiär-Abschlüsse erreicht haben als wie vor 40 Jahren. Das hat aber aus keiner Sicht zur Chancengerechtigkeit geführt, sondern die Schere noch mehr geöffnet. Wenn alle unabhängig von ihren Ressourcen gleichviel mehr erhalten, wird es nicht gerechter, obwohl es für die Benachteiligten einen positiven Effekt haben kann, bauen die Privilegierten ihre Privilegien aus und es wird noch ungerechter als bisher.

Die Schule kann einfach auch nicht Chancenungerechtigkeit, die daheim entsteht, ganz ausgleichen. Wenn das Kind Tennis spielt, in den Klavierunterricht geht und mit 5 Jahren Mandarin lernt, wird es auch nicht Aufgabe der öffentlichen Schule sein allen Kindern die Angebote anzubieten, mit der Überlegung gleich ist gerecht. Es wird wie in allen gesellschaftlichen Belangen, auch im Bildungswesen, nur gerechter, wenn diejenigen, die weniger haben im Vergleich mehr bekommen. Das Ziel der Schulen kann nicht sein, alle gleich behandeln zu wollen, sondern gerecht zu sein. Das braucht halt auch Mut zur Deprivilegierung. Darum wäre es vielleicht die sinnvollere Idee gewesen, dass die sozioökonomisch benachteiligten Kinder früher mehr Ressourcen bekommen, um grundlegende Informatikskills zu erreichen, anstatt dass alle bereits mit 8 gezwungen werden mit diesen Geräten zu arbeiten. Es ist auch zu erwähnen, dass jedes Kind, das die Volksschule in Bern besuchen wird, in der Laufbahn 2 Geräte zur Verfügung gestellt bekommt, anstatt ein Gerät wie bisher. Was spricht dagegen, dass Kinder wie bisher ab der 5. Klasse ein Gerät bekommen hätten, anstatt iPad, einfach Laptops, die Ende vom 9. Schuljahr ökonomisch abgeschrieben gewesen wären. Ich wäre froh, Franziska, wenn du darauf eingehen kannst. Neben dem wäre ich auch froh, Franziska, auch aus volkswirtschaftlicher Sicht den Mehrwert verstehen zu können oder dass du aufzeigen kannst, wenn alle Lehrpersonen unabhängig von ihren Pensen Laptops bekommen, was man davon hat. Damit ihr euch das etwas vorstellen könnt, 28 Wochenlektionen entsprechen einem Pensum von 100% bei einer Lehrperson. Eine Lehrperson, die 2 Lektionen in einer städtischen Volksschule unterrichtet, hat ein Pensum von rund 7% und einen Laptop zur Verfügung gestellt bekommen. Ist das nötig? Warum wird nicht zum Beispiel ein Laptop ab 40 Stellenprozente zur Verfügung gestellt, wie bisher? Man könnte auch überlegen, dass man bei kleineren Pensen Geräte teilt. Das wäre sicherlich auch aus ökologischer, aber auch aus ökonomischer Sicht gewinnbringender. Danke für die Aufmerksamkeit.

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