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Ruth Mettler

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Discurs(10)
  1. Mitglied GR
    Discurs
    Grosser Rat
    Der Regierungsrat stützt sich bei der Beantwortung der Interpellation auf die Rückmeldungen der Begleitgruppe des Projektes "Englisch Primarschule", welche aus Vertretern der verschiedenen Anspruchsgruppen der "Schule Thurgau" besteht. Die Einführung von Englisch ab der 3. Klasse wird seit 2009 mit grosser Sorgfalt seitens des Regierungsrates und des Amtes für Volksschule umgesetzt. Dies zeigen auch verschiedene Massnahmen, welche die Lehrpersonen in ihrer anspruchsvollen Fremdsprachenaufgabe unterstützen, unter anderem Netzwerke zum Erfahrungsaustausch, Weiterbildungskurse, Berufsbegleitung für Neueinsteiger oder wiederkehrende Informationen des AV im "Thurgauer Schulblatt". Meines Erachtens ist es richtig und wichtig, dass die Interpellanten den Finger auf wunde Punkte legen und die Diskussion anregen. Kantonsrat Hugentobler spricht von einem Affront gegenüber der Knochenarbeit in den Schulstuben. Kantonsrat Hannes Bär sagt, dass die Beantwortungen des Regierungsrates an der Realität in den Klassenzimmern vorbeiziele. Unsere Aufgabe ist es doch auch, hier nicht nur die Sichtweise der Schulstube zu sehen. Meine Haltung kommt nicht aus der Schulstube und ist deshalb aus der Distanz betrachtet. Die FDP-Fraktion ist der Meinung, dass vorerst die Ergebnisse der vom Regierungsrat erwähnten Evaluation 2013 abgewartet werden müssen. Dann soll aufgezeigt werden, was die Schülerinnen und Schüler nach vier Jahren Englischunterricht erreicht haben. Auch die Fragen nach der Bewältigung der Stoffmenge und wie sich das Lehrmittel im Einsatz bewährt hat, sollen dann beantwortet werden. Es macht Sinn, dass dann auch die Überarbeitung des Gesamtsprachenkonzeptes in Abstimmung mit dem Lehrplan 21 an die Hand genommen wird. Die Aus- und Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Thurgau soll gewährleisten, dass die Lehrpersonen den erweiterten Anforderungen gemäss Sprachenkonzept genügen. An die Adresse der Interpellanten: Eine Garantie, wie sie es mehrmals in ihren Fragen formulieren, kann das AV nicht geben. Es liegt an den Lehrpersonen, das Gelernte umzusetzen und die vielen Angebote zum Austausch und zur Weiterbildung zu nutzen. Die Interpellation zielt auf die Ergebnisse des Fremdsprachenerwerbes bei schwächeren Schulkindern ab. Ebenso interessant ist zu erfahren, wie Schulkinder ohne Schwäche den Fremdsprachenerwerb bis Ende der Sekundarstufe bewältigen. Die meines Erachtens spannendste Frage platzieren die Interpellanten in ihrer Begründung. Sie fragen, ob sich der enorme Aufwand zum Sprachenerwerb lohne, wenn Schulabgänger und -abgängerinnen in der Berufsschule keine Fremdsprache mehr benötigen oder diese dort an Randstunden als Freifach belegen müssen. Ich bin davon überzeugt, dass das Heranführen an Fremdsprachen früh beginnen muss. Jedes Kind soll den Zugang zu Fremdsprachen haben, ganz egal, wie viel es davon in die Lehre und das Berufsleben mitnimmt. Keiner weiss im Primar- und Sekundarschulalter, welche Qualifikationen er im Erwachsenenalter schlussendlich braucht, um sein Leben in einer sich ständig verändernden Welt erfolgreich meistern zu können. Nicht selten bringen Menschen erst im Rentenalter, die Motivation durch Reisen, Kinder und Enkel im Ausland, die Welt der Computer, die Zeit, den Ehrgeiz und das Selbstvertrauen auf, um Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben oder zu erweitern. Ich weiss das durch meine tägliche Arbeit bei der "Pro Senectute". Die FDP-Fraktion dankt dem Regierungsrat für die ausführliche Beantwortung der Interpellationsfragen. Mit einem Auszug aus "Die Macht der Wörter" von Peter von Matt beende ich mein Votum und gleichzeitig mein letztes Mal am Rednerpult im Grossen Rat: "Das kleine Kind wird von der Mutter genährt mit der Milch und mit der Sprache. Über das Reden, hörend und antwortend, kommen wir erst wirklich auf die Welt."
  2. Mitglied GR
    Discurs
    Grosser Rat
    Die Interpellanten nehmen ein Thema auf, welches den engagierten und verantwortungsbewussten Lehrpersonen unter den Nägeln brennt. Wir sind uns alle einig, dass die Eltern einen grossen Einfluss auf den schulischen Erfolg ihrer Kinder haben können. Ein grosses Mass der Thurgauer Eltern nimmt diese Verantwortung auch heute noch wahr und unterstützt die Kinder bei deren Ausbildung. Von diesen Eltern wird kaum gesprochen. Selbstverständlich, denn gerade jene Gruppe der Eltern, welche mit der Erziehung und der Ausbildung überfordert ist oder aufgrund ihres Migrationshintergrundes keinen Zugang zur Elternmitwirkung hat, erfordert so viel Energie und Zeit, dass man die andere Gruppe leider so oft vergisst. Elternbildung, das heisst, Eltern für Erziehungs- und Schulfragen zu interessieren und darüber hinausgehend auch noch zu bilden, kann nach Meinung der FDP-Fraktion nicht alleine die Hauptaufgabe der Lehrpersonen sein. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Arbeitsbelastung, welche immer wieder von den Lehrpersonen thematisiert und anerkannt wird, wäre das Übertragen der Elternbildung an sie der falsche Weg. Auch unseres Erachtens erreicht man Eltern am besten über die Schule ihrer Kinder. Deshalb sind alle an der Schule Tätigen wie Schulleitung, Schulbehörde, Schulsozialarbeit und Lehrpersonen aufgefordert, gemeinsam die Zusammenarbeit von Schule und Eltern zu institutionalisieren, das heisst, Eltern zu einer regelmässigen Zusammenarbeit zu interessieren und auch zu verpflichten. Eltern von noch nicht schulpflichtigen Kindern gehören unbedingt auch zu diesen Zielgruppen. Die Antwort des Regierungsrates fasst zumindest zusammen, dass vor allem die gesetzlichen Grundlagen für den Einbezug der Eltern in der Schule vorhanden seien, die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen und den Erziehungsberechtigten im Berufsauftrag geregelt sei, die PH Thurgau die zukünftigen Lehrpersonen in ihrer Ausbildung auf die Zusammenarbeit mit den Eltern vorbereite und die Fachstelle für Kinder, Jugend und Familienfragen sowie die Thurgauische Arbeitsgemeinschaft für Elternorganisationen (TAGEO) sich dem Thema annehme. Es sieht so aus, als wäre alles für das Eintreten einer besseren Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule vorbereitet. Wir stellen fest, dass auf dem Papier alles stimmt, nicht aber in der Praxis. Die Grundlagen sind gelegt und Konzepte wie jenes der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen erarbeitet. Mir fehlen aber Umsetzungsbeispiele. Irgendwo steckt das Ganze fest. Ich verstehe deshalb, dass die Lehrpersonen das Problem in den Grossen Rat tragen.
  3. Mitglied GR
    Discurs
    Grosser Rat
    Der Regierungsrat argumentiert richtigerweise damit, dass die hohe Qualität des gymnasialen Unterrichtes wichtige Grundlagen für den nachfolgenden Studienerfolg legen. Er meint aber, dass einheitliche Maturitätsprüfungen nicht zielführend seien, da in bestimmten Fächern ganz oder teilweise standardisierte Prüfungen zu schaffen, zwangsläufig zur Definition des kleinsten gemeinsamen Nenners in den standardisierten Bereichen führen würde und in diesen Prüfungsteilen eine Nivellierung gegen unten zu befürchten sei. Hat die Einführung der einheitlichen Eintrittsprüfung auch zur Nivellierung gegen unten geführt? Der Regierungsrat erwähnt in seiner Antwort, dass die Bilanz der Erfahrungen mit der einheitlichen Prüfung im Kanton Aargau zwiespältig sei. Einerseits kritisiert der Regierungsrat die Tatsache, dass anstelle einer Reifeprüfung diese zu einer Einheitsmesslatte umfunktioniert worden sei, sich jedoch die innerfachliche Kommunikation der Lehrpersonen über die Prüfungsinhalte und die Anforderungsniveaus verbessert hätten. Ich werte gerade die Verbesserung der innerfachlichen Kommunikation als sehr positiven Aspekt und gleichzeitig auch als Basis für ein forscheres Vorwärtsgehen an den Kantonsschulen im Thurgau. In diesem Zusammenhang hätte ich gerne Auskunft darüber, bis wann die Fachschaften der einzelnen Kantonsschulen, welche gegenwärtig an der systematischen Bestandesaufnahme zu den Möglichkeiten und Grenzen vereinheitlichter Prüfungen und Tests arbeiten, ihre Arbeit abgeschlossen haben und wie das weitere Vorgehen in dieser Sache geplant ist. Prüfungen, welche innerhalb der Fachschaft einer Schule erarbeitet werden, verstärken die Auseinandersetzung mit den Inhalten und fördern die Ausbildung eines gemeinsamen Kriterien- und Beurteilungsrasters. Der Regierungsrat schreibt, dass eine Ausdehnung der Einheitlichkeit über die einzelnen Schulen hinaus der Qualität eher ab- als zuträglich zu sein scheine. 2009 schrieb der "Tagesanzeiger", dass die Erfolgschancen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) abhängig von der Schule sei, an welcher die Studenten ihre Matura gemacht haben. Die ETH hatte damals eine Rangliste präsentiert, welche Gymnasien am besten auf das ETH-Studium vorbereiten. Unter den Thurgauer Kantonsschulen schnitt Frauenfeld am besten ab und 10 Ränge vor der nächsten Thurgauer Kantonsschule. Meines Erachtens ist es an der Zeit, mindestens in den einzelnen Schulen eine Vereinheitlichung anzustreben. Der Regierungsrat bezieht sich auch auf die Evaluation der Maturitätsreform Phase II, wonach die Studenten bei Studienbeginn unter anderem Lücken und Defizite bei der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit, beim kritischen Denken sowie beim selbständigen Arbeiten und Lernen aufweisen. Er folgert daraus, dass die Vereinheitlichung der Maturitätsprüfungen die Defizite eher verstärken statt beseitigen würden. Gegen diese Lücken müssen Massnahmen ergriffen werden. Auch bei einheitlichen Prüfungen braucht es gute Schreibfähigkeiten, um eine Fachfrage pointiert zu beantworten. Diese Lücken sind in der Interpellationsantwort nicht vollständig erwähnt, von Lücken im mathematischen Verständnis steht nichts geschrieben. Eine ETH-Studie zeigte vor zwei Jahren auf, dass 25 % der Maturanden ungenügende Kenntnisse in der Mathematik hatten. Ein Teil der Hochschulprofessoren beklagte denn auch, dass die Matura schon lange keine ausreichende Qualifikation mehr für das Studium sei. Obwohl solche Aussagen mit Vorsicht zu geniessen sind, zeigen sie trotzdem auf, dass Handlungsbedarf bestehen muss. Die EDK, respektive die Schweizerische Mittelschulämterkonferenz, strebt eine Harmonisierung zwischen den Kantonen an. Wir wissen alle, dass diese Bestrebungen nicht überall gut ankommen und die Fragen nach dem jeweiligen Aufwand und dem Nutzenverhältnis gerechtfertigt sind. Meines Erachtens ist es eine Mindestforderung, dass die Maturitätsprüfungen schulhausintern nach kantonal einheitlichen Rahmenvorgaben und Qualitätsanforderungen konzipiert werden. Ich bin mir nach all meiner Recherchen sicher, dass die Vereinheitlichung der Maturitätsprüfungen im Thurgau nur noch eine Frage der Zeit ist.
  4. Mitglied GR
    Discurs
    Grosser Rat
    Ich danke dem Regierungsrat für die Beantwortung meiner Interpellationsfragen. In seiner Antwort misst er der hohen Abschlussqualität an den Mittelschulen grosse Bedeutung zu. Er unterstützt die laufenden Bestrebungen auf Stufe Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), Prüfungen zu entwickeln, welche das Ausbildungsniveau der Maturanden im Hinblick auf das Hochschulstudium verbessern. Auch begrüsst er die entsprechenden Optimierungsarbeiten an den Thurgauer Mittelschulen und dass sich deren Rektorenkonferenz mit der Frage der einheitlichen Maturitätsprüfung beschäftigt. Die vereinheitlichte Maturitätsprüfung auf Ebene der Thurgauer Einzelschulen gibt es nicht oder nur ansatzweise. Im Thurgau stecken wir meines Erachtens leider erst in der Phase der systematischen Bestandesaufnahme zu den Möglichkeiten und Grenzen vereinheitlichter Prüfungen und Tests, welche die Fachschaften der einzelnen Schulen gegenwärtig erarbeiten. Der Regierungsrat befindet sich in einem Spannungsfeld. Einerseits steht er, so interpretiere ich seine Interpellationsantwort, den Bestrebungen einer Vereinheitlichung positiv gegenüber, andererseits weiss er auch, dass die Lehrerschaft und die Rektoren einer Vereinheitlichung sehr skeptisch, gar ablehnend gegenüberstehen. Die Haltung der heutigen Kantonsschüler und der Studenten hat der Regierungsrat in seiner Antwort ganz ausser Acht gelassen. Es wäre interessant zu erfahren, was sie zu diesem Thema zu sagen hätten. Ich habe einzelne Gespräche geführt. Das Gehörte hat mich unter anderem dazu veranlasst, die Interpellation einzureichen. Es wird noch einige Zeit vergehen, bis im Thurgau vereinheitlichte Prüfungen wie die einheitlichen Eintrittsprüfungen zur Tagesordnung gehören. Da die Interpellation zu weiteren Fragen führt und Diskussionsstoff bietet, unter anderem, ob eine Vereinheitlichung der Maturitätsprüfung wirklich zu einer Nivellierung nach unten führt, beantrage ich Diskussion. Zudem interessiert mich die Meinung der anderen Fraktionen.
  5. Mitglied GR
    Discurs
    Grosser Rat
    Wenn auf nationaler Ebene zwei Vorstösse abgelehnt werden, heisst das noch lange nicht, dass die EDK und die Kantone geschlafen haben. Sie haben im Stillen zusammengearbeitet. Seit dem Scheitern der Interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisierung der Ausbildungsbeiträge in den neunziger Jahren wurden die Bildungsangebote und die Durchlässigkeit zwischen den Stufen erweitert. Nun hat sich der Bund, bedingt durch die NFA, aus der Mitfinanzierung zurückgezogen. Das veranlasste die Kantone richtigerweise zur Vereinheitlichung des Stipendienwesens, zur Festlegung von Mindeststandards und zum vorliegenden Konkordat. Kantonsrätin Verena Herzog reduziert die Frage nach dem Ja oder Nein zur Vereinbarung auf die Stipendien- oder Darlehensvergabe. Unsere Fraktion unterstützt das Konkordat einstimmig. Sie erachtet es als sinnvoll, dass der Kanton Thurgau auch weiterhin in der EDK ernst genommen wird. Oder glauben Sie wirklich, dass wir in der EDK in Zukunft noch wahrgenommen werden, wenn wir heute nein sagen?
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