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Ruth Mettler · FDP

deMitglied GR
Grosser Rat (TG)09-05-2012
Der Regierungsrat stützt sich bei der Beantwortung der Interpellation auf die Rückmeldungen der Begleitgruppe des Projektes "Englisch Primarschule", welche aus Vertretern der verschiedenen Anspruchsgruppen der "Schule Thurgau" besteht. Die Einführung von Englisch ab der 3. Klasse wird seit 2009 mit grosser Sorgfalt seitens des Regierungsrates und des Amtes für Volksschule umgesetzt. Dies zeigen auch verschiedene Massnahmen, welche die Lehrpersonen in ihrer anspruchsvollen Fremdsprachenaufgabe unterstützen, unter anderem Netzwerke zum Erfahrungsaustausch, Weiterbildungskurse, Berufsbegleitung für Neueinsteiger oder wiederkehrende Informationen des AV im "Thurgauer Schulblatt". Meines Erachtens ist es richtig und wichtig, dass die Interpellanten den Finger auf wunde Punkte legen und die Diskussion anregen. Kantonsrat Hugentobler spricht von einem Affront gegenüber der Knochenarbeit in den Schulstuben. Kantonsrat Hannes Bär sagt, dass die Beantwortungen des Regierungsrates an der Realität in den Klassenzimmern vorbeiziele. Unsere Aufgabe ist es doch auch, hier nicht nur die Sichtweise der Schulstube zu sehen. Meine Haltung kommt nicht aus der Schulstube und ist deshalb aus der Distanz betrachtet. Die FDP-Fraktion ist der Meinung, dass vorerst die Ergebnisse der vom Regierungsrat erwähnten Evaluation 2013 abgewartet werden müssen. Dann soll aufgezeigt werden, was die Schülerinnen und Schüler nach vier Jahren Englischunterricht erreicht haben. Auch die Fragen nach der Bewältigung der Stoffmenge und wie sich das Lehrmittel im Einsatz bewährt hat, sollen dann beantwortet werden. Es macht Sinn, dass dann auch die Überarbeitung des Gesamtsprachenkonzeptes in Abstimmung mit dem Lehrplan 21 an die Hand genommen wird. Die Aus- und Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Thurgau soll gewährleisten, dass die Lehrpersonen den erweiterten Anforderungen gemäss Sprachenkonzept genügen. An die Adresse der Interpellanten: Eine Garantie, wie sie es mehrmals in ihren Fragen formulieren, kann das AV nicht geben. Es liegt an den Lehrpersonen, das Gelernte umzusetzen und die vielen Angebote zum Austausch und zur Weiterbildung zu nutzen. Die Interpellation zielt auf die Ergebnisse des Fremdsprachenerwerbes bei schwächeren Schulkindern ab. Ebenso interessant ist zu erfahren, wie Schulkinder ohne Schwäche den Fremdsprachenerwerb bis Ende der Sekundarstufe bewältigen. Die meines Erachtens spannendste Frage platzieren die Interpellanten in ihrer Begründung. Sie fragen, ob sich der enorme Aufwand zum Sprachenerwerb lohne, wenn Schulabgänger und -abgängerinnen in der Berufsschule keine Fremdsprache mehr benötigen oder diese dort an Randstunden als Freifach belegen müssen. Ich bin davon überzeugt, dass das Heranführen an Fremdsprachen früh beginnen muss. Jedes Kind soll den Zugang zu Fremdsprachen haben, ganz egal, wie viel es davon in die Lehre und das Berufsleben mitnimmt. Keiner weiss im Primar- und Sekundarschulalter, welche Qualifikationen er im Erwachsenenalter schlussendlich braucht, um sein Leben in einer sich ständig verändernden Welt erfolgreich meistern zu können. Nicht selten bringen Menschen erst im Rentenalter, die Motivation durch Reisen, Kinder und Enkel im Ausland, die Welt der Computer, die Zeit, den Ehrgeiz und das Selbstvertrauen auf, um Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben oder zu erweitern. Ich weiss das durch meine tägliche Arbeit bei der "Pro Senectute". Die FDP-Fraktion dankt dem Regierungsrat für die ausführliche Beantwortung der Interpellationsfragen. Mit einem Auszug aus "Die Macht der Wörter" von Peter von Matt beende ich mein Votum und gleichzeitig mein letztes Mal am Rednerpult im Grossen Rat: "Das kleine Kind wird von der Mutter genährt mit der Milch und mit der Sprache. Über das Reden, hörend und antwortend, kommen wir erst wirklich auf die Welt."
Instituziun
Grosser Rat

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