Ruth Mettler · FDP
Grosser Rat (TG)03-10-2011
Der Regierungsrat argumentiert richtigerweise damit, dass die hohe Qualität des gymnasialen Unterrichtes wichtige Grundlagen für den nachfolgenden Studienerfolg legen. Er meint aber, dass einheitliche Maturitätsprüfungen nicht zielführend seien, da in bestimmten Fächern ganz oder teilweise standardisierte Prüfungen zu schaffen, zwangsläufig zur Definition des kleinsten gemeinsamen Nenners in den standardisierten Bereichen führen würde und in diesen Prüfungsteilen eine Nivellierung gegen unten zu befürchten sei. Hat die Einführung der einheitlichen Eintrittsprüfung auch zur Nivellierung gegen unten geführt? Der Regierungsrat erwähnt in seiner Antwort, dass die Bilanz der Erfahrungen mit der einheitlichen Prüfung im Kanton Aargau zwiespältig sei. Einerseits kritisiert der Regierungsrat die Tatsache, dass anstelle einer Reifeprüfung diese zu einer Einheitsmesslatte umfunktioniert worden sei, sich jedoch die innerfachliche Kommunikation der Lehrpersonen über die Prüfungsinhalte und die Anforderungsniveaus verbessert hätten. Ich werte gerade die Verbesserung der innerfachlichen Kommunikation als sehr positiven Aspekt und gleichzeitig auch als Basis für ein forscheres Vorwärtsgehen an den Kantonsschulen im Thurgau. In diesem Zusammenhang hätte ich gerne Auskunft darüber, bis wann die Fachschaften der einzelnen Kantonsschulen, welche gegenwärtig an der systematischen Bestandesaufnahme zu den Möglichkeiten und Grenzen vereinheitlichter Prüfungen und Tests arbeiten, ihre Arbeit abgeschlossen haben und wie das weitere Vorgehen in dieser Sache geplant ist. Prüfungen, welche innerhalb der Fachschaft einer Schule erarbeitet werden, verstärken die Auseinandersetzung mit den Inhalten und fördern die Ausbildung eines gemeinsamen Kriterien- und Beurteilungsrasters. Der Regierungsrat schreibt, dass eine Ausdehnung der Einheitlichkeit über die einzelnen Schulen hinaus der Qualität eher ab- als zuträglich zu sein scheine. 2009 schrieb der "Tagesanzeiger", dass die Erfolgschancen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) abhängig von der Schule sei, an welcher die Studenten ihre Matura gemacht haben. Die ETH hatte damals eine Rangliste präsentiert, welche Gymnasien am besten auf das ETH-Studium vorbereiten. Unter den Thurgauer Kantonsschulen schnitt Frauenfeld am besten ab und 10 Ränge vor der nächsten Thurgauer Kantonsschule. Meines Erachtens ist es an der Zeit, mindestens in den einzelnen Schulen eine Vereinheitlichung anzustreben. Der Regierungsrat bezieht sich auch auf die Evaluation der Maturitätsreform Phase II, wonach die Studenten bei Studienbeginn unter anderem Lücken und Defizite bei der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit, beim kritischen Denken sowie beim selbständigen Arbeiten und Lernen aufweisen. Er folgert daraus, dass die Vereinheitlichung der Maturitätsprüfungen die Defizite eher verstärken statt beseitigen würden. Gegen diese Lücken müssen Massnahmen ergriffen werden. Auch bei einheitlichen Prüfungen braucht es gute Schreibfähigkeiten, um eine Fachfrage pointiert zu beantworten. Diese Lücken sind in der Interpellationsantwort nicht vollständig erwähnt, von Lücken im mathematischen Verständnis steht nichts geschrieben. Eine ETH-Studie zeigte vor zwei Jahren auf, dass 25 % der Maturanden ungenügende Kenntnisse in der Mathematik hatten. Ein Teil der Hochschulprofessoren beklagte denn auch, dass die Matura schon lange keine ausreichende Qualifikation mehr für das Studium sei. Obwohl solche Aussagen mit Vorsicht zu geniessen sind, zeigen sie trotzdem auf, dass Handlungsbedarf bestehen muss. Die EDK, respektive die Schweizerische Mittelschulämterkonferenz, strebt eine Harmonisierung zwischen den Kantonen an. Wir wissen alle, dass diese Bestrebungen nicht überall gut ankommen und die Fragen nach dem jeweiligen Aufwand und dem Nutzenverhältnis gerechtfertigt sind. Meines Erachtens ist es eine Mindestforderung, dass die Maturitätsprüfungen schulhausintern nach kantonal einheitlichen Rahmenvorgaben und Qualitätsanforderungen konzipiert werden. Ich bin mir nach all meiner Recherchen sicher, dass die Vereinheitlichung der Maturitätsprüfungen im Thurgau nur noch eine Frage der Zeit ist.