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Femizide als solche bezeichnen – und in der Kriminalstatistik ausweisen

(2025.GRPARL.490)MotionAnnahme
Grosser Rat Bern (BE)3 sept 2025 – 3 jun 2026
Discursos(21)
Ordenado por Fecha del discurso, Descendente
21 Resultados
  • Discurso
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Sie haben die Motion angenommen.
  • Discurso
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Wünscht der Motionär noch einmal das Wort? – In diesem Fall nicht. Dann kommen wir zur Abstimmung über die Motion unter Traktandum 81:

    Wer dieser Motion zustimmt, stimmt Ja, wer sie ablehnt, stimmt Nein.

  • Discurso
    Discurso
    Grosser Rat
    Philippe Müller, SID-Direktor. Die vorliegende Motion fordert den Regierungsrat auf, in der jährlichen polizeilichen Kriminalstatistik Femizide künftig gesondert auszuweisen und sich gegenüber der Konferenz der Kantons- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) und dem Bundesrat – wahrscheinlich ist die Meinung, einfach dort, wo es nötig ist – für eine einheitliche Definition einzusetzen, die schweizweit Anwendung finden soll.

    Dieses Anliegen stösst beim Regierungsrat auf offene Ohren. Er erachtet eine bessere statistische Sichtbarkeit von Femiziden grundsätzlich als sinnvoll und erstrebenswert. Eine Ausweisung in der polizeilichen Kriminalstatistik des Kantons Bern wird deshalb unterstützt.

    Vielleicht noch eine Bemerkung zu Frau Grossrätin Karin Fisli, die gesagt hat, das sei dann ein erster Schritt: Es ist natürlich nicht ein erster Schritt, es passiert heute schon einiges. Seit drei Jahren haben wir bei der Kantonspolizei beispielsweise das Bekämpfungsziel «Gewalt an Frauen», und die Kantonspolizei hat eine eigene Fachstelle für Opferschutz und Gewaltschutz, die sich insbesondere um Frauen als Opfer kümmert. Der Regierungsrat unterstützt also dieses Anliegen.

    Hier aber allein auf kantonaler Ebene aktiv zu werden, wird vom Regierungsrat als wenig zielführend erachtet. Es ist notwendig, dass Femizide auch auf nationaler Ebene ausgewiesen und eben auch definiert werden. Es gibt da schon noch Definitionsfragen. Dies auch, um unnötige Diskussionen um die Vergleichbarkeit zwischen den Kantonen zu vermeiden.

    Der Regierungsrat verweist dabei auf ein Postulat, das im Nationalrat überwiesen wurde. Der Bundesrat wurde damit verpflichtet, dieses Anliegen vertieft zu prüfen. Entsprechend empfiehlt der Regierungsrat die Annahme der Motion. Ein kantonaler Alleingang soll aber verhindert werden. Deshalb soll die Umsetzung von Ziffer 1 erst nach der Umsetzung von Ziffer 2 stattfinden. Erst nachdem die Femizid-Definition schweizweit festgelegt ist, erscheint eine statistische Erfassung in der polizeilichen Kriminalstatistik des Kantons Bern sinnvoll. Merci für die Aufmerksamkeit.

  • Discurso
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Wir sind am Schluss der Debatte. Dann frage ich Herrn Regierungsrat ... (Die Präsidentin schaut zu Regierungsrat Müller. / La présidente se tourne vers le conseiller d’État Müller.) – Er möchte etwas sagen, gerne gebe ich das Wort Herrn Regierungsrat Philippe Müller.
  • Discurso
    Valentina Achermann(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Valentina Achermann, Bern (SP), Einzelsprecherin. Ja, jetzt verstehe ich es besser. Merci vielmals für die Erklärungen. Ich verstehe besser, was Sie gemeint haben. Aber inhaltlich verstehe ich es immer noch nicht. Denn es hat jetzt geheissen, nicht alle von Ihnen können die Motion annehmen, weil in der Begründung steht, dass der Grund patriarchale Gewalt ist. Okay, das müssen wir vielleicht noch aufklären. Niemand von uns hat das Gefühl, dass patriarchale Gewalt nur in der Schweiz passiert. Es ist ein grosses Problem auf der ganzen Welt. Wir haben nicht nur in der Schweiz Hierarchien zwischen den Geschlechtern, sondern wir haben sie auf der ganzen Welt.

    Wenn wir von Zahlen sprechen – die Zahlen betreffend den Ausländerinnen-/Ausländeranteil kenne ich nicht genau –, dann müssen wir auch bei den Fakten bleiben. Mein Vorredner hat gerade gesagt: Es geht nicht nur um Männer. Doch! 90 Prozent der Täter sind Männer. Also müssen wir doch dort ansetzen, wo das Problem ist. Diesbezüglich sind wir uns ja einig.

    Aber was mir nicht ganz klar ist: Wenn wir ausgewiesen haben, woher die Tatpersonen kommen, was machen wir dann damit? Was sagt uns das über die Tat aus? Was sagt es uns über den Feminizid aus? Was sagt es uns über das Opfer aus, ob sie Schweizerin ist oder keinen Schweizer Pass hat, ob die Tatperson einen Schweizer Pass hat oder nicht? Ist es dann schlimmer? Oder ist es weniger schlimm? Was ist genau die Relevanz?

    Das verstehe ich wirklich nicht ganz, und ich möchte Sie bitten: Bitte machen Sie aus einem solchen Thema, bei dem wir einen so grossen Konsens haben, und zwar, dass man Frauen nicht ermorden soll, weil sie Frauen sind, bitte machen Sie nicht ein Ausländerthema daraus, wenn es einfach nichts zu dieser Lösung beiträgt. Das ist nur schädlich für unsere gemeinsame Sache.

  • Discurso
    Adrian Spahr(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Adrian Spahr, Lengnau (SVP), Einzelsprecher. Ja, es wurde richtig gesagt: Jeder Mordfall ist einer zu viel, insbesondere auch gegen Frauen. Das geht gar nicht. Was man aber ganz klar festhalten muss, ist, dass es eben wirklich nicht nur auf das Männerthema beschränkt werden kann. Es wurde hier gesagt, Taschenmunition, es wurden irgendwelche Sachen miteinander vermischt. Ich möchte noch kurz etwas zu diesen Sachen sagen.

    Migration hat einen wesentlichen Anteil daran, was nicht nur Femizide anbelangt, sondern einfach allgemein, was den Umgang mit Frauen in unserer Gesellschaft anbelangt. Wenn wir Leute hier ins Land holen, die aus kulturfremden Kreisen kommen, wo die Frau von der Hierarchie her ganz anders eingestuft ist, als es in der westlichen Welt ist, und man das negiert, dann ist es einfach falsch, und dann kann man nicht sagen, dass es keinen Einfluss hat. Es ist ein wesentlicher Bestandteil.

    Das Wort häusliche Gewalt ist gefallen. Häusliche Gewalt ist eine präzise Definition. Bei Femizid sind Sie sich ja selbst nicht einig, ich habe es gehört. Von der einen Seite wurde gesagt: Es ist eine Gewalttat, einfach allgemein gegen eine Frau, ein Tötungsdelikt gegen eine Frau. Dann habe ich gehört: Nein, es sei ein Tötungsdelikt gegen eine Frau, wenn es irgendwie in einem Beziehungszusammenhang steht. Bei häuslicher Gewalt wäre es ganz klar geregelt. Dies zu den Begrifflichkeiten.

    Und jetzt zur Taschenmunition. Das hat einfach null Einfluss. Es hat einfach null Einfluss. (Zwischenruf aus dem Saal / Exclamation dans la salle) Ich spreche hier Berndeutsch, also musst du mich nicht korrigieren, wenn es auf Hochdeutsch ist. Taschenmunition: Es ist so, dass du für die Armeewaffe, das weisst du vielleicht nicht, ganz normale 5,56-Millimeter-Munition kaufen kannst. Die kannst du ganz normal mit einem Waffenschein kaufen, und sie lässt sich mit dem Sturmgewehr ganz normal verschiessen. Also, es hat null Einfluss, ob man jetzt die Taschenmunition abgibt ... (Die Präsidentin bittet den Redner, beim Thema zu bleiben. / La présidente demande à l’orateur de ne pas s’écarter du sujet.) ... oder ob man sie nicht abgibt. Also, vermischen Sie diese Sachen bitte nicht miteinander. Merci.

  • Discurso
    Anne-Caroline Graber(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Anne-Caroline Graber, La Neuveville (UDC), intervenante à titre personnel. J’ai entendu que plusieurs personnes n’avaient pas bien compris mon intervention, pourtant mon discours était très clair et très structuré. J’invite mes chers collègues alémaniques à peut-être mettre l’oreillette pour bien comprendre la position de l’UDC et ne pas nous caricaturer. Alors, je résume notre position :

    Pour le groupe UDC, les féminicides sont parmi les crimes les plus graves. Et nous partageons l’objectif de la motion. Nous sommes favorables à des statistiques sur les féminicides. Par contre, le développement de la motion de notre collègue Manuel Widmer – die Begründung – suscite notre désapprobation. Pourquoi ? Parce que Manuel Widmer présente comme cause principale – Hauptgrund, Hauptursache für Femizide – la cause principale pour les féminicides, c’est selon lui la société patriarcale. C’est faux. La preuve : notre société aujourd’hui est beaucoup moins patriarcale que dans les années 1950 et 1970 et pourtant, les féminicides restent constants.

    C’est bien la preuve que la cause n’est pas notre société patriarcale, mais bien les tendances mauvaises, la méchanceté qui réside dans la nature humaine – menschliche Natur – et pas seulement. Certaines cultures, si vous voulez, la nationalité des personnes qui commettent ces actes, jouent aussi un rôle. Et même le Bureau fédéral de l’égalité entre hommes et femmes, qui dépend du Département fédéral de l’intérieur dirigé par Elisabeth Baume-Schneider, reconnaît – et ce sont des faits, pas des opinions, ce sont des faits ! – que les étrangers sont surreprésentés dans les féminicides. Et malheureusement, je le regrette beaucoup.

    Mais à cause de la dimension culturelle dans ces crimes, les féminicides, le groupe UDC est prêt à soutenir la motion, la majorité du groupe est prête à voter pour la motion, mais à condition – unter der Bedingung – que Manuel Widmer fasse une déclaration par laquelle il accepte que la nationalité des auteurs de féminicides soit mentionnée. Une minorité du groupe UDC, dont je fais partie, votera dans tous les cas la motion. Merci de votre attention.

  • Discurso
    Claudine Esseiva(FDP.Die Liberalen)
    Grosser Rat
    Claudine Esseiva, Bern (FDP), Einzelsprecherin. Ich sehe, man muss häusliche Gewalt hier im Rat wohl noch erklären. Es hat nichts mit links/rechts zu tun. Sondern es hat mit Frauen zu tun, die sich überparteilich diesem Thema immer wieder annehmen. Es ist nämlich ein Riesenproblem.

    Im Jahr 2025 hatten wir 27 Femizide. Das heisst, Frauen wurden von ihren Männern ermordet. Dieses Jahr, bis jetzt im Mai, hatten wir 10-mal den Fall. Das sind 10 Fälle zu viel. Das möchte ich einfach unterstreichen.

    Wenn man das noch in Abrede stellt und sagt, Männer werden noch mehr ermordet – es werden Ehepartner durch häusliche Gewalt, Frauen von ihren Ehemännern, von ihren Freunden, von ihren Partnern ermordet. Es ist eine Schande, dass das in der Schweiz passiert.

    Jetzt haben wir hier auch viel gehört, es betrifft vielleicht gar nicht Schweizer. Ich erinnere daran: Vor 20 Jahren haben wir uns sehr stark engagiert, damals noch mit den FDP-Frauen, dass die Taschenmunition nicht mehr zu Hause ist. Weil nämlich die Männer ihre Armeewaffen zu Hause hatten und es zu tragischsten Fällen kam. Jetzt hat die SVP auch wieder versucht, auf die nationale Ebene zu gehen, und ist gescheitert. Es ist nämlich ein Riesenthema. Man hat überparteilich und in sehr vielen militärischen Kreisen – es ist überhaupt nicht ideologisch – gesagt, das wollen wir nicht. Denn jeder Fall ist zu viel.

    Ich danke Ihnen, wenn Sie diese Motion unterstützen.

  • Discurso
    Mathias Müller(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Mathias Müller, Orvin (SVP), Einzelsprecher. Diese Motion tönt auf den ersten Blick ziemlich harmlos. Sie will ja nur eine neue Kategorie in der Kriminalstatistik schaffen. Aber wissen Sie, was? Sie macht etwas anderes. Sie übernimmt bereits die Interpretation der Realität gemäss den Motionären. Weshalb? Es wird nämlich bereits erklärt, weshalb Frauen getötet werden: Femizid ist ein Ausdruck von patriarchalen Machtstrukturen in unserer Gesellschaft.

    Genau hier fängt das Problem an. Statistik soll beschreiben, nicht ideologische Erklärungen abgeben, meine Damen und Herren. Schauen wir uns doch einmal die Fakten an. Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte in der Schweiz hat in den letzten 40 Jahren massiv abgenommen. Und zwar wurden Anfang der 90er-Jahre in der Schweiz manchmal über 100 Menschen ermordet. Heute liegen wir bei etwa 50 bis 60 Personen pro Jahr. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung von 7 auf 9 Millionen an. Ebenso wird vergessen: Über all diese Jahrzehnte hinweg wurden deutlich mehr Männer Opfer von Gewaltverbrechen als Frauen. Es ist auch heute noch so, dass mehr Männer ermordet werden als Frauen.

    Ja, meine Damen und Herren, da bin ich einverstanden, bei Partnerschaftstötungen sind Frauen häufiger Opfer. Rund drei Viertel der Partnerschaftstötungen betreffen Frauen. Aber ein Viertel betreffen Männer. Jedes Jahr werden eben in der Schweiz auch Männer von ihren Partnerinnen oder Ex-Partnern umgebracht.

    Wenn ein Mann seine Partnerin oder eine Frau tötet, soll das künftig eine eigene Kategorie sein. Wenn aber eine Frau ihren Partner tötet, spricht niemand von Androzid. Wieso eigentlich nicht? Das müssen wir ja eigentlich auch erfassen. Was ist, wenn eine Frau ihre Partnerin tötet? Das ist dann komischerweise auch kein Femizid. All diese Beispiele zeigen: Wir haben es nicht mit einem neutralen statistischen Begriff zu tun, sondern mit einem politischen Kampfbegriff.

    Weshalb entsteht überhaupt dieser Eindruck von zunehmender Gewalt an Frauen? Ich habe es am Anfang gesagt: weil die Gewalt generell zurückgegangen ist, Partnerschaftstötungen über die letzten 30 bis 40 Jahre aber ziemlich stabil geblieben sind. Das heisst, prozentual haben sie zugenommen, aber nicht von den festen Zahlen her.

    Also, meine Damen und Herren, mir machen diese Fälle heute – Entschuldigung, ich möchte noch etwas sagen zur Wahrheit oder zu den Fakten: Das dürfen wir einfach nicht aussen vor lassen, und ich weiss, das passt der linken Seite gar nicht, aber bei Partnerschaftstötungen ist die Rate der tatverdächtigen ausländischen Staatsangehörigen doppelt so hoch wie die von Schweizerinnen und Schweizern. Wenn, dann müsste man auch das erfassen.

    Also, die Ursachen für Gewalt sind viel komplexer als nur Männer, und zwar hat es da Alkohol, Herkunft, Persönlichkeit, psychische Probleme – alles Mögliche spielt eine Rolle. Also müsste man auch alles erfassen und es nicht irgendwie nur auf patriarchale Machtstrukturen reduzieren.

    Meine Damen und Herren, ein Mord bleibt ein Mord, egal, ob ein Mann oder eine Frau, und die Aufgabe der Statistiken ist, (Die Präsidentin bittet den Redner, zum Schluss zu kommen. / La présidente demande à l’orateur de conclure.) Fakten zu liefern und nicht politische Interpretationen.

    Lehnen Sie diesen Vorstoss ab.

  • Discurso
    Karin Fisli(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Karin Fisli, Meikirch (SP), Mitmotionärin, Einzelsprecherin. In der Schweiz nimmt die Gewalt an Frauen massiv zu. Noch nie wurden so viele Frauen Opfer von häuslicher sexualisierter Gewalt wie aktuell. Im Jahr 2025 wurden mindestens 27 Frauen Opfer von Femiziden. Das ist die Konsequenz davon, dass Grenzüberschreitungen gegenüber Frauen systematisch ignoriert und heruntergespielt werden. Und die Dunkelziffer ist sicher noch massiv höher.

    Die Motive dafür sind Macht, Kontrolle, Besitzansprüche oder einfach ganz generell Frauenhass. Oft ist eine Trennung der ausschlaggebende Grund, Frauen wollen ein selbstbestimmtes Leben führen, und ihre Partner oder Ex-Partner fühlen sich dadurch bedroht.

    Im Internet bewegen sich Millionen von Männern und männlichen Jugendlichen, die Frauenhass normalisieren, Kontrolle über Frauen romantisieren, Gleichstellung als Bedrohung empfinden und sogar offen Femizid-Fantasien teilen.

    In der Schweiz ist Femizid kein eigenständiger Straftatbestand. Meistens wird die Tat als Mord oder Totschlag verurteilt oder mit Familiendrama umschrieben. Das wollen wir ändern. Femizide sollen im Kanton Bern auch als Femizide benannt werden. In der Kriminalstatistik sollen sie zukünftig gesondert ausgewiesen werden.

    Nur die Erfassung der Daten allein reicht noch nicht. Es braucht vor allem eines: Aufklärung und Prävention. Zudem muss der Opferschutz massiv gestärkt werden. Gewalt gegen Frauen und Mädchen darf keine Privatsache mehr sein. Diese Motion ist ein erster Schritt in diese Richtung.

  • Discurso
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Dann kommen wir noch zu den ... (Die Präsidentin wendet sich an Gossrätin Fisli. / La présidente s’adresse à la députée Fisli.) – Du bist Einzelsprecherin? Beides.

    Für die SP-JUSO-Fraktion ... (Grossrätin Fisli wendet sich an die Präsidentin. / La députée Fisli s’adresse à la présidente.) – Nicht für die Fraktion? Als Mitmotionärin. Mitmotionäre sollten zu Beginn sprechen. Also, dann sprichst du jetzt als Mitmotionärin und Einzelsprecherin, Grossrätin Karin Fisli, du hast das Wort.

  • Discurso
    Hans Schär(FDP.Die Liberalen)
    Grosser Rat
    Hans Schär, Schönried (FDP), Fraktionssprecher. Femizide in der Kriminalstatistik ausweisen, dieses Anliegen können wir unterstützen. Jedes Delikt, bei dem eine Frau getötet wird, ist eines zu viel.

    Grundsätzlich werden alle Kriminaldelikte dokumentiert und genauestens untersucht. Braucht es für den Kanton Bern noch eine spezielle Statistik? Auf Bundesebene ist eine Machbarkeitsstudie in Bearbeitung, die untersucht, wie Femizide statistisch erfasst werden können. Aus diesen Ergebnissen kann der Kanton Bern die relevanten Zahlen und Statistiken herauslesen. Deshalb braucht es für den Kanton Bern keine Sonderlösung. Wir unterstützen die Zusammenarbeit auf Bundesebene. Deshalb erachten wir diese Motion eigentlich als erfüllt.

    Wir von der FDP stimmen dieser Motion einstimmig zu. Merci.

  • Discurso
    Dominique Bühler(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Dominique Bühler, Liebefeld (GRÜNE), Fraktionssprecherin. Ich muss sagen, ich habe die Gründe für die Bekämpfung dieser Motion auch nicht hundertprozentig verstanden. Aber ich finde es schön, können wir jetzt darüber sprechen.

    Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie Femizide sind in der Schweiz leider nicht nur tragische Einzelfälle. Gemäss Bericht zur kantonalen Opferhilfestrategie, den wir hier in diesem Saal auch beraten durften, lag im Bereich häusliche Gewalt der Anteil Frauen im Jahr 2023 schweizweit bei 70 Prozent aller polizeilich registrierten geschädigten Personen. Gemäss Bundesamt für Statistik sind die Opfer von Tötungsdelikten im häuslichen Kontext im Jahr 2025 zu 74 Prozent weiblich.

    Wenn wir diese Zahlen also herunterbrechen, sterben in der Schweiz im Durchschnitt etwa alle zwei Wochen eine Frau oder ein Mädchen an den Folgen häuslicher Gewalt oder Gewalt gegen Frauen und Mädchen, und einmal pro Woche kommt es zu einem Mordversuch.

    Femizid, das haben wir auch schon gehört, ist oft Ausdruck von patriarchaler Macht und Gewaltstrukturen. Es betrifft auch nicht nur den häuslichen Bereich, sondern auch Tötungen ausserhalb familiärer Beziehungen, in denen Frauen gezielt aufgrund ihres Geschlechts angegriffen werden.

    Die Motion, die jetzt vorliegt, tönt vielleicht ein bisschen wie ein Papiertiger, beziehungsweise die Forderung, dass Femizid explizit in der Statistik benannt werden soll, ist es aber nicht. Solange die Tötungen an Mädchen und Frauen statistisch in allgemeinen Kategorien verschwinden, bleibt der geschlechtsspezifische Charakter dieser Zahlen unsichtbar.

    Dass Femizid jetzt genannt und ausgewiesen wird, hat direkte Folgen für die Prävention, die Ressourcenplanung und auch für die öffentliche Debatte. Es wird, so hoffe ich, auch der Polizei helfen, der Polizei, die ich persönlich auch sehr schätze.

    Denn erst, wenn etwas sichtbar gemacht wird, können wir das reale Problem auch wirksam angehen, und ich bin überzeugt, dass das Problem im öffentlichen Bewusstsein noch nicht angekommen ist. Gestern haben wir von einem Coldspot gesprochen, als es um die Spermienqualität ging. Ich habe gestern auch einen Redner zur Kenntnis genommen, der gesagt hat: Lieber das Problem nicht aufdecken, sonst müssen wir noch etwas tun.

    Beim Femizid würde ich jetzt eher von einem blinden Fleck sprechen: Femizid ist ein blinder Fleck, nicht nur in der Kriminalstatistik, sondern eben auch in der Gesellschaft. Diese Zahlen müssen endlich sauber auf den Tisch kommen. Denn wir von der Fraktion GRÜNE/AL möchten wissen, woran wir sind, denn wir wollen auch etwas dagegen unternehmen.

    Die Fraktion GRÜNE/AL stimmt dieser Motion selbstverständlich zu.

  • Discurso
    Bruno Martin(Eidgenössisch-Demokratische Union)
    Grosser Rat
    Bruno Martin, Gerolfingen-Täuffelen (EDU), Fraktionssprecher. Ich fühle mich fast ein bisschen geehrt als Sprecher in einer so langen Frauenliste. Ich bin nicht ganz allein – ja, ich bin nicht ganz allein – , aber es hat mich jetzt doch ein wenig bewegt.

    Ja, Respekt und Anstand für diesen Vorstoss. Aber auch ein gesunder Respekt und Anstand gegenüber Frauen und genug Herz. Da ist es eigentlich logisch, dass auch unsere Fraktion diesem Vorstoss einstimmig zustimmen kann.

    Statistik ist eine Grundlage, eine Grundlage, damit man auch Prävention optimieren kann. Die Dunkelziffer macht uns auch Sorgen und nicht nur, dass es Femizide gibt. Es ist eine Tatsache, dass es eine grosse Dunkelziffer gibt. In jeder Gesellschaft, in jeder Form unserer Gesellschaft oder der Gesellschaft, wie sie sich eben entwickelt, gibt es leider organisierte, ja sogar rituelle Gewalt an Frauen. Es sind nicht nur einfach klassisch Frauen, Jugendliche und Kleinkinder.

    Das bewegt uns recht stark. Denken Sie aber bei dieser ganzen Debatte daran, dass es nicht zu stark frauenlastig wird, denn es kann auch Männer und Knaben treffen.

    Wir stimmen einstimmig Ja.

  • Discurso
    Milena Daphinoff(Die Mitte)
    Grosser Rat
    Milena Daphinoff, Bern (Die Mitte), Fraktionssprecherin. Die Mitte unterstützt selbstverständlich diese Motion ebenfalls. Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um Sichtbarkeit und Vergleichbarkeit. Denn was nicht erfasst wird, bleibt oft politisch und auch gesellschaftlich weniger sichtbar.

    Wie wichtig es ist, dass wir darauf aufmerksam machen, haben diejenigen, die heute nebenbei vielleicht noch die Medien gelesen haben, auch heute Nachmittag wieder gemerkt. Während wir hier diskutiert haben, ist nämlich heute Nachmittag in einer Wohnsiedlung in Birr im Kanton Aargau mutmasslich wieder ein Femizid passiert. Eine Frau wurde getötet, der Notruf kam von einem Kind, der Ehemann wurde verhaftet. Mehr weiss man noch nicht, die Untersuchungen laufen. Aber es zeigt einfach einmal mehr, dass es ein Thema ist, das uns beschäftigt und bei dem wir eine Verantwortung als Gesellschaft haben, hier auch eine Datengrundlage zu schaffen.

    Insofern begrüssen wir von Die Mitte ganz ausdrücklich diese Motion. Herzlichen Dank.

  • Discurso
    Valentina Achermann(Sozialdemokratische Partei)
    Grosser Rat
    Valentina Achermann, Bern (SP), Fraktionssprecherin. Ich möchte mit etwas Positivem starten. Und zwar habe ich mich sehr gefreut über die Empfehlung des Regierungsrates. Das ist nicht allzu oft so in dieser Direktion. Aber dieses Mal habe ich mich ganz besonders gefreut und habe, ehrlich gesagt, auch gehofft, dass wir gar nicht sprechen müssen. Aber gut, es ist bestritten, und selbstverständlich werden wir hier darüber diskutieren.

    Ich finde, dass meine Vorrednerinnen und eigentlich ganz besonders auch die Vorrednerin der SVP schon sehr, sehr wichtige Punkte genannt haben, weshalb wir diese Motion unbedingt annehmen müssen.

    Femizid, ja, das wird noch genauer definiert. Es handelt sich um eine Ermordung von Frauen, weil sie Frauen sind, und in den meisten Fällen von Ex-Partnern, Partnern, Ehemännern, ehemaligen Ehemännern, Brüdern, Söhnen oder Vätern. Das ist selbstverständlich eine Form von geschlechtsspezifischer Gewalt.

    Weshalb ist es so wichtig, dass wir das so konkret benennen? Wir lesen leider immer wieder in den Zeitungen, dass es einerseits passiert, was per se wirklich schlimm ist und zu oft passiert. Aber wir lesen auch sehr oft, dass es benannt wird als irgendein Familiendrama, als Partnerschaftsdrama, als Tragödie oder irgendeinen Einzelfall. Mit dieser Art von Kommunikation verschleiern wir, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, das immer und immer wieder passiert.

    Femizid passiert in den allermeisten Fällen nicht einfach aus dem Nichts, sondern in den meisten Fällen gibt es vorher Drohungen, es gibt Stalking und andere Formen von Gewalt. Und ja, das hier ist ein sehr wichtiger Schritt: dass man sich einerseits einsetzt, dass es eine schweizweite Definition gibt, damit es auch benannt werden kann, erfasst werden kann und damit auch strukturell bekämpft werden kann, und dass es in den Kriminalstatistiken abgebildet wird.

    Wo wir nicht einverstanden sind mit dem Regierungsrat, ist, dass er sich zuerst schweizweit einsetzen und erst dann im Kanton Bern aktiv werden will. Das macht aus unserer Sicht überhaupt keinen Sinn, weil wir ja anerkennen, dass es ein Problem ist und man es systematisch erfassen muss. Dann gibt es keinen Grund, damit zu warten. Deshalb wollen wir wirklich noch einmal anmerken, damit sofort zu starten.

    Die SP-JUSO-Fraktion wird diese Motion selbstverständlich annehmen, und trotzdem möchte ich noch einmal betonen: Zahlen allein lösen noch kein Problem. Wir müssen unbedingt vorher anfangen. Wir müssen anfangen in der Prävention, in der Frühintervention, in der Täter-, Täterinnenarbeit, in den Schutzhäusern, in der nachhaltigen Finanzierung von Präventionsprogrammen.

    Ich hoffe, dass Sie hier alle zusammen auch beim nächsten Mal wieder mithelfen. Merci vielmals.

  • Discurso
    Melanie Beutler-Hohenberger(Evangelische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Melanie Beutler-Hohenberger, Gwatt (EVP), Mitmotionärin, Fraktionssprecherin. Danke für das Wort. Sehr geehrte Frau Grossratspräsidentin, sehr geehrter Herr Regierungsrat, liebe Kolleginnen und Kollegen. Vorneweg möchte ich sagen: Ich habe nicht ganz verstanden, weshalb diese Motion bestritten ist. Weder die Nationalität der betroffenen Opfer noch die Gründe, weshalb Femizide begangen werden, bieten eigentlich einen Grund, weshalb man es bestreiten sollte.

    Jetzt: Femizid – die vorsätzliche Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts beziehungsweise aufgrund von Verstössen gegen die traditionellen sozialen und patriarchalen Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden, ist nicht nur die extremste Form geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen, sie ist auch ein extremer Ausdruck ihrer Diskriminierung und der Ungleichheit der Geschlechter. – Das ist ein Zitat aus dem EU-Projekt «FEM-UnitED».

    Betroffen von Femizid sind Frauen und Mädchen, ihr Leben und ihre Sicherheit, die den Strukturen von patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind. Als EVP stehen wir für die Würde jedes Menschen ein und lehnen jede Form von Gewalt ab. Das haben wir in den letzten Vorstössen x-mal betont. In diesem Zusammenhang begrüssen und unterstützen wir den vorliegenden Vorstoss, Femizide als eigenständige Deliktgruppen anzuerkennen und in der Kriminalstatistik auszuweisen, sowohl auf kantonaler Ebene wie auch in der nationalen Statistik, natürlich inklusive einheitlicher Definitionen.

    Jetzt konkret zu den Ziffern 1 und 2: Eine klare statistische Sichtbarkeit von Femiziden ist kein Luxus, sondern eine notwendige Grundlage für die Politik sowie für die Prävention und den Schutz von betroffenen Frauen und Mädchen. Als EVP-Fraktion verstehen wir Gewalt gegen Frauen nicht als ein privates Problem, sondern als eine gesellschaftliche Herausforderung, die strukturell verankerte Machtverhältnisse widerspiegelt. Die Forderung, Femizide künftig gesondert in der Kriminalstatistik auszuweisen, entspricht unserem Grundsatz der Transparenz und einer evidenzbasierten Politik.

    Wir unterstützen den Ansatz, sich auf nationaler Ebene auf einheitliche Definitionen zu einigen, idealerweise natürlich auch nach international anerkannten Standards wie zum Beispiel eben United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC), sodass auf nationaler und kantonaler Ebene eben auf der gleichen Basis Bericht erstattet werden kann. So lassen sich Dunkelziffern besser erfassen, Vergleichbarkeit gewährleisten und wirksame Präventions- und Schutzmassnahmen ableiten.

    Wir sind einverstanden mit der vom Regierungsrat vorgeschlagenen Reihenfolge, also der Umkehrung der Ziffern. So sichern wir nämlich Kohärenz, Verlässlichkeit und eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und auch der Polizei. Aus Sicht der EVP ist damit ein wichtiger Schritt getan, die Lebensrechte von Frauen zu stärken, Gewalt gegen Frauen zu enttabuisieren und die Politik in die Lage zu versetzen, gezielt Ressourcen in die Prävention, die Unterstützung von Betroffenen und Schutzmassnahmen zu lenken.

    Wir appellieren an alle politischen Kräfte in diesem Rat, diese Motion zu unterstützen und gemeinsam an einer sichereren Gesellschaft zu arbeiten.

    Abschliessend möchte ich im Namen der EVP-Fraktion betonen, dass der Lebenswert jeder Frau unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Beziehungsstatus gilt. Die vorgeschlagenen Massnahmen sind ein konkreter Beitrag zur Umsetzung unserer Werte Würde, Gleichberechtigung und Schutz des Lebens. Und vielleicht noch etwas: Femizide sind nicht einfach jedes Verbrechen gegen eine Frau. Raubmord oder eine Vergewaltigung, die ungezielt sind, sind kein Femizid, aber das sind auch sehr schlimme Verbrechen. Femizide sind immer relational bedingt, das hat immer auch einen partnerschaftlichen Hintergrund. Das ist ein sehr wichtiger Faktor, den man einbeziehen muss, wenn man die Opfer zukünftiger solcher Straftaten schützen will. Merci.

  • Discurso
    Anne-Caroline Graber(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Anne-Caroline Graber, La Neuveville (UDC), porte-parole de groupe. Les féminicides figurent parmi les crimes les plus graves qu’un être humain puisse commettre. Sauf dans des situations exceptionnelles – telles que la légitime défense ou une guerre juste, selon les critères pertinents de Saint-Augustin – ôter une vie humaine est intolérable. C’est particulièrement vrai pour les féminicides. Souvent commis dans le cadre familial ou dans celui de relations étroites, ils peuvent briser à tout jamais la vie des enfants et des proches de la femme assassinée.

    Notre collègue Manuel Widmer relève à juste titre que dans notre pays, une femme meurt environ toutes les deux semaines sous les coups mortifères d’un homme. Ce dernier est souvent son mari ou son partenaire actuel ou ancien, agissant par jalousie, par dépit paroxystique ou par un pervers désir de possession entravé. Comble de l’horreur, les féminicides peuvent aller jusqu’à la forme de suicides forcés !

    La revue européenne « Question de société, Droits des femmes » nous apprend qu’en 2023, l’Europe a enregistré une moyenne de 4,1 féminicides pour un million d’habitants. En comparaison intra-européenne, cela représenterait 37 féminicides commis en Suisse durant la même année. En outre, le taux de féminicides en Europe est plus bas qu’ailleurs.

    Les féminicides sont fréquemment précédés de violences conjugales, un phénomène bien trop répandu même dans notre pays. Selon les « Gender-based violence statistics » d’Eurostat, publiés en 2021, en Europe 35 pour cent des femmes âgées de 18 à 44 ans ont subi des violences sexuelles directes ou indirectes. Ce taux atteint encore 24 pour cent chez les femmes âgées de plus de 65 ans, un des seuls effets positifs du vieillissement.

    Si la majorité des membres du groupe UDC soutient le principe fondamental de cette motion, à savoir l’établissement de statistiques spécifiques relatives aux féminicides, l’argumentaire du motionnaire suscite notre désapprobation. Contrairement à ce que pense notre collègue Manuel Widmer, les féminicides ne résultent pas prioritairement de la structure patriarcale de la société suisse ou des sociétés occidentales en général. Ils procèdent bien plutôt des inclinations les plus méchantes de la nature humaine. La preuve de cette irréfutable réalité réside dans le fait que le taux des féminicides est relativement constant en Europe depuis quelques décennies, alors que, en reprenant les termes utilisés par Manuel Widmer, la société suisse et les sociétés européennes, dans leur globalité, sont à l’évidence moins patriarcales aujourd’hui qu’il y a 50 ou 70 ans.

    Si les féminicides dérivent malheureusement du déploiement des pires inclinations de la nature humaine, ils trouvent aussi leur origine dans des cultures spécifiques, dont certaines sont manifestement plus « féminicidogènes » que d’autres.

    Une étude publiée en janvier 2026 par le Bureau fédéral de l’égalité entre femmes et hommes (BFEG), rattaché au Département fédéral de l’intérieur, nous apprend ceci, je cite : « La violence domestique a des causes multiples. Elle se manifeste dans toutes les couches de la société et au sein de toutes les populations. On constate cependant une surreprésentation des cas en lien avec des personnes issues de la migration. » Plus avant, je cite toujours : « Dans tous les groupes d’âge, les femmes étrangères sont davantage victimes de la violence domestique que les Suissesses. En ce qui concerne la violence dans une relation de couple en cours, le taux d’exposition est quatre fois plus élevé chez les étrangères que chez les Suissesses, lorsqu’il s’agit de violence exercée par l’ex-partenaire, il est 2,3 fois plus élevée. »

    Il est vrai que pour les auteurs de féminicides, la surreprésentation de la population étrangère est un peu moins marquée. Ainsi, 39 pour cent des auteurs de féminicides commis en Suisse sont étrangers, alors que la population étrangère représente 26 pour cent de la population totale. Ces chiffres ne tiennent bien sûr pas compte des naturalisations.

    En raison de cette triste dimension culturelle à l’origine des féminicides, la majorité des membres du groupe UDC soutiendra la motion pour autant que, par une déclaration formelle, son auteur requière que la nationalité des auteurs de féminicides soit mentionnée dans les statistiques. Merci de votre attention.

  • Discurso
    Anne Speiser-Niess(Schweizerische Volkspartei)
    Grosser Rat
    Präsidentin. Gut, dann gehen wir jetzt zu den Fraktionen, damit die Mitmotionärin erfährt, weshalb es bestritten ist. Das wäre ja ein bisschen das Ziel.

    Wir kommen zur Sprecherin der SVP-Fraktion, Grossrätin Anne-Caroline Graber.

  • Discurso
    Manuel C. Widmer(Die Grünen)
    Grosser Rat
    Manuel C. Widmer, Bern (GRÜNE), Motionär. Zuerst möchte ich dem Regierungsrat ausdrücklich danken. Danken dafür, dass er die grundsätzliche Stossrichtung dieser Motion unterstützt, dafür, dass er anerkennt, dass Femizide sichtbar gemacht werden müssen, und dafür, dass er dieses Thema mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen ist.

    Das ist wichtig. Denn hinter diesem Vorstoss stehen nicht abstrakte Zahlen. Hinter jedem einzelnen Femizid steht ein Mensch, eine Frau, eine Tochter, eine Schwester, eine Freundin, ein Leben, das gewaltsam beendet, das gewaltsam genommen wurde.

    Wir sprechen hier nicht von Einzelfällen. Die Entwicklung in der Schweiz ist alarmierend. Das Rechercheprojekt «Stopp Femizid» hat für das Jahr 2025 mindestens 27 Femizide dokumentiert, so viel wie noch nie zuvor in der Schweiz. Und auch das laufende Jahr 2026 zeigt, dass diese Gewalt nicht abnimmt: Bis Ende April wurden erneut mindestens 9 Femizide dokumentiert, es wurden 9 Frauen und Mädchen getötet. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein zerstörtes Leben. Darüber darf man nicht schweigen.

    Wenn Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind, wenn Gewalt aus Kontrollwahn, aus Besitzdenken und Machtansprüchen entsteht, dann ist es nicht einfach ein privates Drama, dann ist es ein gesellschaftliches Problem. Genau deshalb ist Sichtbarkeit so wichtig und entscheidend.

    Selbstverständlich verhindert ein zusätzlicher Eintrag in einer Kriminalstatistik keinen einzigen Mord. Das behauptet auch niemand. Aber gesellschaftliche Wahrnehmung beginnt häufig dort, wo Dinge beim Namen genannt werden. Was keinen Namen hat, bleibt unscharf. Was statistisch nicht sichtbar ist, verschwindet schnell aus dem öffentlichen Bewusstsein, und was verdrängt wird, wird politisch häufig zu spät ernst genommen.

    Die klare Erfassung von Femiziden schafft deshalb nicht einfach Zahlen. Sie schafft Aufmerksamkeit, sie schafft Datengrundlagen, sie ermöglicht Vergleichbarkeit, und sie sensibilisiert Behörden, Politik, Medien und die Gesellschaft für ein Problem, das viel zu lange individualisiert und bagatellisiert wurde.

    Ich verstehe den Hinweis des Regierungsrates, dass eine schweizweit einheitliche Definition sinnvoll ist. Ich möchte hier ausdrücklich festhalten: Auch mir ist an einer gesamtschweizerischen Lösung gelegen. Einheitliche Standards helfen der Qualität von statistischen Erhebungen und verhindern unterschiedliche Auslegungen zwischen den Kantonen.

    Ich kann deshalb auch damit leben, wenn die eigentliche Umsetzung erst erfolgt, wenn der Bund und die Kantone eine gemeinsame Grundlage geschaffen haben. Aber das darf nicht bedeuten, dass wir bis dahin einfach nichts tun. Der Kanton soll die nötigen Vorbereitungsarbeiten leisten, damit sofort gearbeitet werden kann, sobald die nationale Basis steht, und die Prozesse vorbereitet, die Zuständigkeiten geklärt und die Grundlagen erarbeitet werden können.

    Man soll nicht einfach erst dann beginnen zu handeln, wenn alles beschlossen ist. Denn während über Definitionen diskutiert wird, sterben Frauen. Deshalb ist das Signal dieses Rates heute wichtig. Der Kanton Bern kann und soll festhalten: Wir schauen hin, wir benennen das Problem, und wir nehmen geschlechtsspezifische Gewalt ernst.

    Die Motion verlangt nichts Radikales, sie verlangt keine Symbolpolitik. Sie verlangt etwas sehr Grundsätzliches: dass wir Gewalt sichtbar machen, damit sie gesellschaftlich und politisch nicht länger übersehen werden kann. Deshalb bin ich auch überzeugt: Eine Ablehnung dieser Motion heute wäre ein ganz falsches Zeichen. Nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit, sondern vor allem auch gegenüber den Betroffenen, den Angehörigen und all den Menschen, die sich seit Jahren gegen geschlechtsspezifische Gewalt engagieren.

    Ich bitte Sie deshalb, diese Motion deutlich anzunehmen und zu überweisen. Merci vielmals.

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