Universitätszugang für Spät- und Wiedereinsteigende an der Universität Basel
(24.5141)- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Sie haben den Anzug überwiesen mit 61 Ja-Stimmen gegen 32 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung.
- SpeechSpeechGrosser Rat
JA heisst Überweisung, NEIN heisst Nichtüberweisung.
Ergebnis der Abstimmung
61 Ja, 32 Nein, 1 Enthaltungen. [Abstimmung # 0003659, ]
Der Grosse Rat beschliesst
den Anzug dem Regierungsrat zu überweisen. - SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Wir kommen zur Abstimmung.
- SpeechEdibe Gölgeli(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Edibe Gölgeli (SP): Ich bedanke mich für die lebhaften Voten und auch die Fürsprechung über das lebenslange Lernen. Auch bei der Einreichung meines Anzuges habe ich ein starkes Medien- und gesellschaftliches Interesse wahrgenommen. Offenbar entspricht es dem Zeitgeist, dieses Thema stiess auf breite Zustimmung in der Bevölkerung.
In der Tat zeigt unser duales Bildungssystem seine Stärken, wenn man den herkömmlichen Bildungsweg verfolgt. Doch für jene, die später im Leben ein Studium beginnen wollen, aber aufgrund einer nicht bildungsaffinen Umgebung, Elternschaft oder ausländischer Abschlüsse mit zahlreichen Hürden konfrontiert sind, gestaltet sich der Weg schwierig. Es ist daher angebracht, in Basel ein «sur dossier»-Verfahren einzuführen, um dem Fach- und Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken und qualifizierte Personen auszubilden. Aus meiner Sicht wäre diese Aufweichung der harten Strukturen ein grosser Schritt in Richtung moderner Bildungslandschaft.
Wir haben es von meinen Vorrednerinnen gehört, die Universität Bern führt seit 2013 das sogenannte Aufnahmeverfahren 30+ durch. Dies beinhaltet einen Kompetenztest, der kognitive Fähigkeiten, Textanalysen und Rechtschreibung überprüft, sowie ein fachspezifischer Eignungstest, um sicherzustellen, dass die Studierenden dem Lehrstoff folgen können. Nochmals zurück zu Bern. Meine Recherchen haben ergeben, dass in Bern im Jahre 1999 schon dieses Anliegen mit einem Postulat der FDP gefordert wurde und die Politik sich anschliessend für die Umsetzung aussprach. Auch die Universität Freiburg verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit diesem Prozess und das «sur dossier»-Verfahren hat sich dort fest etabliert.
Wir revolutionieren nicht das Rad, sondern passen uns den Bedürfnissen der Gesellschaft an, indem wir Menschen, die bisher keine Möglichkeiten hatten, lebenslange und flexible Weiterbildungsmöglichkeiten auf Universitätsebene ermöglichen. Für die Spät- und Wiedereinsteiger*innen ist es verfehlt, das formalisierte Maturitätsstudium als zentrales Zulassungsinstrument zu verwenden. Vielmehr sollten für Personen ab dem Alter von etwa 30 Jahren die fachspezifischen Voraussetzungen für einen universitären Ausbildungsgang auch durch eine geeignete Aufnahmeprüfung durch Berufspraxis, Familienverantwortung, Auslandsaufenthalte und ähnlichem nachgewiesen werden können.
Und zum Abschluss, es ist nicht korrekt, von einer Nivellierung zu sprechen, da immer noch eine Aufnahmeprüfung im «sur dossier»-Verfahren stattfindet und nicht nur ein einfacher Zugang gewährt wird. Dementsprechend freue ich mich sehr für die Überweisung meines Anzuges.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Wir kommen damit zur Anzugsstellerin Edibe Gölgeli.
- SpeechEric Weber(VA)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Eric Weber (Fraktionslos): Ich wollte einfach sagen, die Menschen sind glücklicher, wenn man einen Beruf hat, wenn man gutes Geld verdient und wenn man gutes Geld nach Hause bringt. Sandra Bothe-Wenk hat gesagt, sie sieht in diesem Anzug keinen Nachteil. Ich muss sagen, ich sehe in diesem Anzug einen grossen Nachteil. Barbara Heer hat gesagt, lebenslanges Lernen, aber ich muss einfach sagen, als Journalist und Grossrat Eric Weber, irgendwann muss das lebenslange Lernen, Barbara Heer, beendet sein und dann geht es in einen Job und dann wird Geld verdient, dass man nicht abhängig vom Sozialamt ist. Ich gebe aber Barbara Heer recht, sie hat richtig gesagt, es spielt eine Rolle, in welcher Familie wir geboren sind, das hat Einfluss auf den Beruf. Da gebe ich Barbara Heer vollkommen recht. In dieser Familie, in der man geboren wird, hat es einen grossen Einfluss, was man als Beruf macht. Mein Vater war auch Grossrat, ich bin auch Grossrat, das ist das beste Beispiel, das wird einfach in der Familie übertragen.
Ich muss einfach sagen, es kann auch nicht sein, dass alle studieren. Ich möchte einfach appellieren, auch was die Basler Zeitung uns diese Woche zu diesem Anzug auf den Weg gegeben hat. Die Basler Zeitung hat zwei Sonderseiten gebracht zu diesem Thema Lehre und Studium. Eine Sonderseite von Minu und eine andere Sonderseite von einem Journalist oder eine Journalistin und dort wurde geschrieben, die Bäckerei, in der man die Whisky-Stängeli kaufen kann, macht zu und dort ist gestanden, genau das Problem, das wir jetzt haben. Dort hat es geheissen, das Problem ist, keiner will mehr eine Lehrstelle machen und es wollen nur alle studieren. Und das hat die Basler Zeitung sehr schön geschrieben und das hat mir gefallen, und das, was die Basler Zeitung gesagt hat diese Woche, darf ich da sagen und ich möchte einfach appellieren, überweisen Sie den Anzug bitte nicht, auch ich habe nicht studiert. Ich bin ein glücklicher Mensch. Ich habe auch eine Lehre abgeschlossen und wenn Sie die Basler Zeitung gelesen haben, hat die Basler Zeitung gesagt, es ist ein Problem, dass keiner mehr eine Lehrstelle machen will und das macht einen traurig. Ich bin der Basler Zeitung dankbar, dass sie das geschrieben hat.
Ich gehe zur letzten Rednerin Heidi Mück. Sie hat gesagt, lebenslanges Lernen. Ich bin dagegen. Sie hat gesagt, vor was hat man Angst, eben die Leute, die dann ewig studieren wollen und ich habe Angst, dass dann die Universität Basel überrannt wird. Darum bin ich glücklich, dass ich das sagen konnte und bedanke mich für das Zuhören.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Eric Weber, das hat nichts mit diesem Vorstoss zu tun.
- SpeechEric Weber(VA)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Eric Weber (Fraktionslos): Ich bin gegen die Überweisung des Anzuges und ich möchte das begründen und ich möchte auch Bezug nehmen auf meine Vorredner. Sie kennen alle den Begriff, er ist weltberühmt, kein Vorredner hat es gesagt, aber Eric Weber sagt es: der ewige Student. Das möchten wir, die Gegner dieses Anzugs, verhindern, dass es Leute gibt, die das Leben lang studieren und das auf Kosten des Steuerzahlers. Sind Sie sich bewusst, ein Student zieht Fördergelder nach sich und ich möchte nur ein Beispiel sagen von meinen zwei Töchtern. Beide haben einen Job, beide haben nicht studiert, beide haben die Realschule gemacht. Eine ist bei der Spedition und die andere ist bei der Bank.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Nächster Einzelsprecher ist Eric Weber.
- SpeechHeidi Mück(BastA!)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Heidi Mück (GAB): Auch das GAB möchte diesen Anzug überweisen. Wir unterstützen die Idee des lebenslangen Lernens. Es wurde heute ein paar Mal schon erwähnt, ich finde den Ausdruck lebensbegleitendes Lernen viel schöner, also wir möchten das lebensbegleitende Lernen haben. Jede Person sollte das Recht haben, sich lebenslang weiterzubilden, mehr Wissen zu erhalten, sich zu qualifizieren und seine Kompetenzen zu erweitern. Es sollen Bedingungen geschaffen werden, die dieses Lernen ermöglichen, sei es durch finanzielle Unterstützung, sei es durch die entsprechende Gestaltung der Erwerbsarbeit oder sei es durch die entsprechende Ausgestaltung der Aufnahmebedingungen von Ausbildungsstätten und um das geht es ja hier.
Der vorliegende Anzug bezieht sich stark auf den Fachkräftemangel in der Argumentation und er möchte eine gesetzliche Regelung, damit über 30-Jährige unter bestimmten Voraussetzungen und nach Bestehen einer Aufnahmeprüfung bestimmte Studiengänge der Uni Basel besuchen können. Diese gesetzliche Regelung soll vom Regierungsrat geprüft werden. Es ist ja ein Anzug.
Ich verstehe nicht ganz die Gegenargumente gegen diesen Anzug. Ich frage mich, vor was haben Sie Angst? Offenbar kennen ja verschiedene Schweizer Unis schon solche Regelungen. Mir ist nicht bekannt, dass diese Unis von Studierenden überrannt wurden, die eigentlich in eine Berufslehre gehören, schliesslich würde es ja noch eine Aufnahmeprüfung geben und es ist tatsächlich für Menschen über 30 gedacht. Mir ist auch nicht bekannt, dass das Niveau der Unis darunter gelitten hat, dass eine solche Ausnahmeregelung besteht. Wo bitte also liegt das Problem, dass eine solche Regelung nicht einmal geprüft werden soll. Müssen wirklich alle Menschen die bis jetzt geltenden Bildungswege gehen, um an einer Uni studieren zu dürfen? Warum sollen wir nicht offen sein für neue Möglichkeiten?
Wir finden dieses Anliegen nicht nur im Hinblick auf den Fachkräftemangel, sondern auch unter dem Aspekt des lebensbegleitenden Lernens durchaus prüfenswert und wir möchten den Anzug überweisen.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Ich nehme an, Sie nehmen die Zwischenfrage von Eric Weber nicht an? Sie wird nicht angenommen. Nächste Sprecherin ist Heidi Mück.
- SpeechBarbara Heer(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Barbara Heer (SP): Im Namen der SP-Fraktion bitte ich Sie ebenfalls, diesen Anzug zu überweisen. Es geht nicht nur ums lebenslange Lernen bei der Durchlässigkeit vom Bildungssystem, es geht auch darum, dass wir in der Schweiz ein Bildungssystem haben, bei dem die soziale Herkunft eine ganz wichtige Determinante ist über die Berufs- und die Ausbildungsbiografie. Das ist ein Problem. Also je nachdem, in welche Familie ich geboren werde, hat das einen sehr starken Einfluss auf den Beruf und auf den Bildungsweg, den ich einschlage. Indem wir immer wieder an einem Bildungssystem arbeiten, das durchlässig ist, dass die verschiedensten Biografien und Berufsverläufe ermöglicht, arbeiten wir eben auch daran. Diese Durchlässigkeit, die brauchen wir vom Kindergarten bis zum hohen Alter. Diese Durchlässigkeit, an der müssen wir immer dauernd arbeiten und darum geht es eben auch bei diesem Anzug.
Hier geht es jetzt zum Zugang bei den Hochschulen, weil wir wissen, dass der Spät- oder Wiedereinstieg in ein Studium für verschiedene Gruppen deutlich erschwert ist. Der Weg von einem Berufslehreabschluss zu einer Matur auf dem zweiten Bildungsweg ist sehr weit und sehr viele schaffen diesen Weg nicht, je nach Faktoren oder familiären Bedingungen, die man hat, also zum Beispiel, ob man Mutter ist nach der Phase der Kindererziehung, alleinerziehend oder eben auch je nach Herkunft, also ausländische Vorbildungsausweise werden in der Schweiz nur teilweise von den Universitäten anerkannt. Um hier irgendwie auch noch kurz darauf einzugehen, was Joël Thüring genannt hat, es geht ja auch nicht einfach um Menschen, die vorher nicht gearbeitet haben, sondern die vielleicht schon sehr länger im Berufsleben sind und jetzt aber im Sinne des lebenslangen Lernens auch einen Zugang zur Hochschule haben möchten.
Es wurde bereits erwähnt, Sandra Bothe-Wenk hat ausgeführt, welche anderen Hochschulen das in der Schweiz bereits haben. Es geht hier also auch darum, dass Basel am Puls der Zeit bleibt und hier diese Möglichkeit auch eröffnet und nicht irgendwie hintenan bleibt. Da finde ich die Zahlen auch noch spannend. Die Universität Bern hat das Angebot noch relativ neu und in den vergangenen fünf Jahren sind jährlich fünf Personen so zum Studium zugelassen worden und die Anzahl der Personen, die das Zulassungsverfahren angefangen haben, ist einiges höher als die Personen, die dann zugelassen wurden, was auch wirklich aufzeigt, dass das Aufnahmeverfahren weiterhin eine starke Selektion bedeutet. Es ist aufwändig für die Personen, sie müssen sehr viele Kompetenzen nachweisen können, aber doch deutlich weniger aufwendig als das Nachholen einer Matur.
Dann zum Argument, dass es die Berufsbildung schwächt. Man will hier ein bisschen ein Angstszenario kreieren, man will vor allem auch die verschiedenen Ausbildungswege ein Stück weit gegeneinander ausspielen. Darum geht es hier wirklich nicht und von einer Schwächung der Berufsbildung zu sprechen, wenn es hier schlussendlich um eine Handvoll Personen geht, die nachher den Zugang zu den Universitäten haben, ja, das finde ich wirklich eigentlich unproportional. Was nicht heisst, dass der Anzug und das Anliegen ganz wichtig ist, weil diese Personen, die dann den Zugang erhalten, für die ist das sehr entscheidend für ihre Berufs- und Bildungsbiografie.
Auch wenn wir diesen Vorstoss überweisen, müssen wir weiterhin an den genannten Themen arbeiten. Wir brauchen ja die Abschlussquoten bei der Sekundarstufe 2, das ist wichtig, wir brauchen in diesem Land auch Menschen, die eine Berufslehre machen, genauso wie wir Menschen brauchen, die einen Uniabschluss machen. Der Vorstoss kann diese Probleme nicht lösen und wir kommen weiter, wenn wir diese Berufsbildungswege nicht einfach immer gegeneinander ausspielen. Besten Dank für die Überweisung.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Sandra Bothe-Wenk, nehmen Sie die Zwischenfrage von Eric Weber an? Sie wird nicht angenommen. Nächste Sprecherin ist Barbara Heer.
- SpeechSandra Bothe-Wenk(Grünliberale Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Sandra Bothe-Wenk (GLP): Wir investieren bedeutende Ressourcen in die Studierenden einer Universität, weshalb der Zugang zu diesen Institutionen selektiv sein muss, da gebe ich Joël Thüring recht. Gleichzeitig hat eine Universität den Anspruch, ihre begrenzten Lehr- und Forschungsmittel nur den fähigsten Studierenden zur Verfügung zu stellen. Gemäss Universitätsgesetz erfolgt diese Selektion über die erfolgreich bestandene Maturitätsprüfung. Auch da gebe ich Joël Thüring recht. Bildungs- und Ausbildungsgänge sowie berufliche Karrieren haben sich jedoch in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Sie sind dynamischer und durchlässiger geworden. Lebenslanges Lernen ist sowohl für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung als auch für die wirtschaftliche Anpassungsfähigkeit einer Gesellschaft zentral.
Ältere Studierende mit beruflicher Erfahrung bringen wertvolles Praxiswissen und eine hohe Motivation mit. Solche Studierende sind oft zielstrebiger und können das theoretische Wissen unmittelbar in praxisnahe Kontexte umsetzen. Die Uni Basel kann solche talentierten Studierenden, die wissen, was sie wollen, sehr gut gebrauchen. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, motivierte und berufserfahrene Personen vom Studium auszuschliessen. Flexible Zugangsbedingungen würden zudem die Vielfalt und Qualität der Studierendenschaft erhöhen und der Durchlässigkeit des dualen Bildungswegs gerechter werden. Ich sehe denn auch den Vorstoss eher als Stärkung der Berufsbildung, weil alle Wege auch zu einem späteren Zeitpunkt der Laufbahnplanung offen sind. Andere Schweizer Universitäten kennen diese Handhabung bereits.
Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Basel informiert in ihrem Dokument vom Februar 2023, Wege an die Uni ohne gymnasiale Maturität, dass es an den Universitäten Bern, Genf, Freiburg, Neuchâtel, Lausanne und Luzern sowie an der Uni Lugano die Möglichkeit gibt, ohne Matura in bestimmten Fächern zum Bachelorstudium zugelassen zu werden. Dies erfolgt durch spezifische Aufnahmeprüfung und spezielle Aufnahmeverfahren, die an der jeweiligen Fakultät gebunden sind. Auch die ETH und die Universität Zürich bietet für Studiengänge mit Ausnahme von Medizin eigene Aufnahmeprüfungen für Personen ohne Matura an.
Wie ich das Dokument verstanden habe, kann man nach bestandenen Aufnahmeverfahren der Universität Zürich übrigens auch in Basel studieren. Was ich jedoch nicht verstehe, ist weshalb wir in Basel nicht dem Beispiel der anderen Universitäten folgen und ebenfalls Aufnahmeprüfungen für die Zulassung ohne Maturität anbieten und damit die Attraktivität des Studienstandorts Basel zusätzlich steigern.
Die GLP unterstützt daher den Vorstoss zur Prüfung der Aufnahmebedingungen für Studierende. Wir erkennen keinen Nachteil darin, weshalb unter bestimmten Voraussetzungen Studieninteressierte mit alternativen Leistungsnachweisen und reif vom Alter nach Bestehen einer fachspezifischen Aufnahmeprüfung keinen Zugang zu einer universitären Ausbildung erhalten sollen.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Nächste Sprecherin ist Sandra Bothe-Wenk.
- SpeechJoël Thüring(Schweizerische Volkspartei)Grosser Rat
Joël Thüring (SVP): Ich bestreite diese Überweisung des Anzuges auch im Namen meiner Fraktion, aber auch im Namen der Fraktion der Liberaldemokraten und der FDP. Der Vorstoss ist zwar ganz grundsätzlich gut gemeint, wir sind aber dennoch nicht der Ansicht, dass dies auch ein richtiges Signal wäre für die Situation, die wir im Kanton Basel-Stadt gerade auch im Zusammenhang mit der Berufsbildung haben. Letztlich ist dieser Vorstoss, auch wenn er nicht so gemeint ist, eine weitere Schwächung der Berufsbildung, denn wir sind schon der Ansicht, dass es vor allem darum geht, darauf hinzuwirken, dass möglichst viele Menschen auch über den Berufsbildungsweg sich entsprechend für das weitere berufliche Leben vorbereiten können. Auch ein späterer Zugang zur Universität hat ja letztlich nur das Ziel, sich beruflich weiterzuentwickeln.
Das nun von Edibe Gölgeli und den Mitunterzeichnenden adressierte Anliegen würde deshalb dazu führen, dass die Berufsbildung insgesamt weiter auch an Stärkung verliert und das ist gerade auch im Kanton Basel-Stadt, wo wir auch immer wieder von Firmen hören, die Schwierigkeiten haben, noch Lernende zu finden, ein doch sehr fatales Signal. Zudem möchten wir auch darauf hinweisen, dass die Abschlussquote für die Sek-Stufe 2 in Basel-Stadt ja im Vergleich zu den anderen Kantonen unterdurchschnittlich ist. Wir sind hier in einem sehr schlechten Bereich mit einer Quote von etwa knapp 85 Prozent, währenddem das Ziel eigentlich sein müsste, schweizweit diese 95 Prozent zu erreichen. Deshalb glauben wir auch nicht, dass ein Wiedereinstieg etwa zu einem späteren Zeitpunkt, was das Alter anbelangt, hier eine wesentliche Verbesserung der Situation herbeiführen würde, im Gegenteil. Wie bereits erwähnt, würde das dazu führen, dass die Berufsbildung geschwächt wird und dass natürlich auch weiterhin dazu gewisse Personen ermutigt oder animiert werden, möglichst lange eben nicht im Berufsleben zu stehen.
Wir glauben deshalb nicht, dass das gut wäre, wenn wir diese Tür für die älteren Personen, für Wiedereinsteiger öffnen würden und bitten Sie, den Anzug nicht an den Regierungsrat zu überweisen. Selbstverständlich sind wir auch immer bereit, über Ideen zu diskutieren, die dann allenfalls in spezifischen Einzelfällen gewissen Personen begründet zugutekommen würden oder helfen würden, aber eine generelle Öffnung in diesem Bereich für den Universitätszugang lehnen wir ab und wir bitten Sie deshalb im Namen der SVP, FDP und auch LDP diesen Vorstoss nicht zu überweisen.
- SpeechClaudio Miozzari(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Claudio Miozzari, Grossratspräsident: Der Regierungsrat ist bereit, den Anzug entgegenzunehmen.
Dies wird bestritten von Joël Thüring.
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