Nachhaltige Erwerbstätigkeit im Asylbereich fördern dank Branchenzertifikat
(26.3582)- Antwort BR / Büro
1, 4 und 5. Zu den Lohn- oder Beschäftigungseffekten von Branchenzertifikaten in der Schweiz liegt bislang nur begrenzte robuste empirische Evidenz vor. Im Rahmen des Pilotprogramms «Finanzielle Zuschüsse für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene» hat das Staatssekretariat für Migration SEM neben dem Einsatz von Lohnzuschüssen an Arbeitgebende auch die Entwicklung und Pilotierung von berufsspezifischen Fach- und Sprachkursen in Branchen mit Arbeits- und Fachkräftemangel gefördert. Die Evaluation des Pilotprogramms (sem.admin.ch > Integration & Einbürgerung > Innovation im Integrationsbereich > Finanzielle Zuschüsse 2021 - 2024) zeigt, dass rund 90% der Teilnehmenden eine dauerhafte Anstellung finden. Praxisbezogene Fachkurse oder Branchenzertifikate stärken somit eine nachhaltige Positionierung im Arbeitsmarkt und tragen zur Vermeidung von Prekarität bei. Zudem erleichtern Branchenzertifikate den Zugang zu einem Berufsabschluss für Erwachsene, was die Chancen auf eine nachhaltige berufliche Integration erhöht. Das SEM hat insbesondere die (Weiter-)Entwicklung von Branchenzertifikaten in Berufsfeldern gefördert, in denen Arbeits- und Fachkräftemangel herrscht. Die Vermittlungszahlen sind entsprechend hoch. Dies gilt beispielsweise für den Fachkurs Gebäudehülle (Trägerschaft Polybau) und den Zertifikatslehrgang Lastwagenfahrende (Trägerschaft ASTAG).
Um die Bedürfnisse der Wirtschaft bei der beruflichen Integration von Geflüchteten noch stärker zu berücksichtigen, hat der Bundesrat von Mai 2024 bis Juni 2026 einen Beauftragten für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten eingesetzt. Seine Erfahrungen zeigen, dass finanzielle Anreize für Arbeitgebende wie auch Branchenzertifikate, wie sie das Pilotprogramm «Finanzielle Zuschüsse» vorsehen, diesbezüglich einen wichtigen Beitrag leisten. An einem Treffen auf Einladung des EJPD am 22. Mai 2026, betonten die anwesenden Wirtschaftsvertretenden, dass Branchenzertifikate, welche von Organisationen der Arbeitswelt (OdA) getragen werden, ein wirksames Instrument sind, um das inländische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen und die Abhängigkeit von Arbeitskräften aus dem Ausland zu reduzieren (siehe die Medienmitteilung des EJPD vom 22. Mai 2026 «Wirtschaft und Behörden treiben Berufsintegration gemeinsam voran»). Wichtig seien weiter eine unbürokratische Beratung durch den Staat und der direkte Zugriff auf Stellenprofile bei der Vermittlung.
2. Zu den grössten Hürden zählen unabhängig vom Geschlecht unzureichende Grundkompetenzen. Die Lancierung der Integrationsagenda Schweiz hat zu einer deutlichen Verbesserung der Sprachkompetenzen von Geflüchteten geführt. Eine genderspezifische Hürde stellen der fehlende Zugang zu Betreuungsangeboten sowie das unzureichende Angebot an Qualifizierungsmassnahmen dar, welche in Teilzeit besucht werden können. Im Rahmen der Asylstrategie 2027 sowie in der vierten Phase der kantonalen Integrationsprogrammen KIP 4 (2028-2032) wird ein Schwerpunkt auf die Integration von Frauen mit den entsprechenden Massnahmen gesetzt. Ferner wirken Bund und Kantone auf eine qualitative Weiterentwicklung des Jobcoachings hin, welche stärker auf die Bedürfnisse von Personen mit Betreuungsaufgaben ausgerichtet werden soll.
3. Ausreichende Sprachkompetenzen sind eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration. Zur Teilnahme an Fachkursen und Zertifikatslehrgängen zum Erwerb von Branchenzertifikaten sind in der Regel Sprachkompetenzen auf mindestens Niveau A2 des Gemeinsamen Referenzrahmens für Sprachen (GER) nötig. Sprachförderangebote, welche branchenspezifisch ausgerichtet und in Branchenzertifikate integriert sind, tragen zur nachhaltigen beruflichen Integration bei. Bei vorbereitenden Sprachkursen setzt das SEM auf das Konzept fide, das didaktisch alltags- und bedürfnisorientiert ausgerichtet ist.
- Eingereichter Text
Gemäss der Asylstrategie 2027 erfolgt die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen oft nicht dauerhaft und weist eine unterdurchschnittliche Entlöhnung auf, was zu ergänzender Sozialhilfeabhängigkeit führen kann. Handlungsbedarf besteht insbesondere bei Frauen: gemäss dem Monitoring zur Integrationsförderung ist deren Erwerbstätigenquote sieben Jahre nach Einreise nur halb so hoch wie jene der Männer.1
Voraussetzung für eine nachhaltige Erwerbstätigkeit ist auf dem Schweizer Arbeitsmarkt oft eine minimale berufliche Ausbildung. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen leistet die Integrationsvorlehre (INVOL) einen wichtigen Beitrag. Für Erwachsene, bei denen die direkte Arbeitsmarktfähigkeit im Vordergrund steht, sind schweizweit anerkannte Branchenzertifikate wie das SRK-Pflegehelferzertifikat oder die Programme Riesco und Progresso in der Gastronomie von hohem Wert. Sie vermitteln innert weniger Monate praxisrelevante Kompetenzen, die unmittelbar am Arbeitsmarkt verwertbar sind. Mit Programmen wie SESAM fördert der Bundesrat die Verbreitung des SRK-Pflegehelferzertifikats bereits seit einigen Jahren.
Mit Blick auf das Ziel der Asylstrategie 2027 die Arbeitsmarktintegration weiter zu stärken, wird der Bundesrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
- Welche Auswirkungen auf die Erwerbsquote, auf die Sozialhilfeabhängigkeit und Arbeitslosenrate hat ein Abschluss eines Branchenzertifikats im Vergleich zu Personen, welche direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen und wie beurteilt der Bundesrat das Potenzial durch eine stärkere Förderung von Branchenzertifikaten die Erwerbstätigkeit von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen nachhaltig zu stärken?
- Welches sind die grössten Hürden für die Teilnahme an den Programmen zu Branchenzertifikaten, insbesondere für Frauen und wie baut der Bundesrat diese ab?
- Welche Rolle spielen mangelnde Sprachkenntnisse und wie beurteilt der Bundesrat das Potenzial von vorgelagerten berufsspezifischen Sprachkursen, wie fide für Gastronomie/Hotellerie?
- Hat der Bundesrat evaluiert, in welchen weiteren Branchen, insbesondere solche mit hohem Fachkräftebedarf, Potenzial besteht, um Branchenzertifikate gemeinsam mit Branchen- und Berufsverbänden zu etablieren und zu fördern?
- Welche Möglichkeiten sieht der Bundesrat über die Qualifikation hinaus, um die Anreize für Unternehmen zu stärken anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen einzustellen?
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