Samuel Kullmann · EDU
Ich beschäftige mich seit langer Zeit mit dem Schicksal von Menschen, die gerade auch sexuellen Missbrauch erlitten haben. Ich denke, es ist eines der schrecklichsten Verbrechen, die einem Menschen oder besonders einem Kind angetan werden können. Was ist aber noch schrecklicher als ein sexueller Missbrauch an einem Kind? Noch schrecklicher ist es, wenn dies im Rahmen einer Kirche passiert, von einem Priester, von einem «Mann Gottes», der eigentlich die Aufgabe hätte, die heilige Pflicht, die Liebe Gottes zu vermitteln.
Was ist aber noch schrecklicher, als wenn sexueller Missbrauch an einem Kind in einer Kirche stattfindet? Noch schrecklicher ist es, wenn es jahrzehntelang von den Verantwortungsträgern bis auf die höchste Ebene vertuscht wird, bagatellisiert wird, kleingeredet wird. Wir haben gehört, dass Priester versorgt wurden, sie wurden versetzt, aber die einzig angemessene Versorgung oder Versetzung wäre in ein Gefängnis, und zwar für lange Zeit. Aber das ist weltweit kaum passiert, obwohl man weiss, dass es Zehntausende solch strafbarer Priester gäbe, wenn nicht noch mehr.
Vor ein paar Jahren kam der Film «Spotlight» heraus, der den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Boston aufgriff. In diesem Zusammenhang wurde eine Studie zitiert, wonach 6 Prozent der Priester in Boston solche Verbrechen begangen haben. In den USA scheint diese Zahl gesamtstaatlich bei 4 Prozent zu sein – das ist einfach inakzeptabel hoch. Aber auch dort: In die Kiste ging meines Wissens niemand. Man hat sich nachher irgendwie mit den Opfern «geeinigt» – in Anführungszeichen – und hat ein bisschen Geld bezahlt. Aber das ist nicht die Aufarbeitung, die ich eigentlich erwarten würde.
Ein weiteres Problem ... (Der Präsident bittet den Redner, zum Schluss zu kommen, da für Einzelsprecher nur 3 Minuten reserviert seien. / Le président prie l’orateur de conclure en lui rappelant que le temps de parole est limité à 3 minutes.) Ja, das stimmt, merci für 20 Sekunden. Das Zwangszölibat wurde im 12. Jahrhundert eingeführt – das ist ein massives Problem. Ehen wurden geschieden, zwangsgeschieden, und dies ... (Der Präsident bittet den Redner erneut, zum Schluss zu kommen. / Le président demande encore une fois à l’orateur de conclure.) ... müsste die katholische Kirche endlich aufarbeiten. Ich stimme deshalb im Sinne einer roten Karte diesem und dem nächsten Vorstoss zu.