Simon Buri · GLP
Für mich spiegelt die Diskussion in diesem Ratssaal heute und gestern ein bisschen ein Muster wider, das es immer wieder zu beobachten gibt. Letzten Herbst haben wir erfahren, dass es über 1000 Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gibt, und dies ist erst die Spitze des Eisbergs. Es gab eine riesige Empörung. Es gab damals ganz klare Worte, wie heute im Ratssaal. Die katholische Kirche sagte: «Doch, wir machen jetzt alles dafür, damit dies nicht mehr passiert, und wir leiten die Massnahmen ein, die es braucht.» Das sagt sie jedes Mal – jedes Mal! –, wenn solche Vorfälle in den Medien kommen. Wir als Politiker sagen darauf: «Ja, wir lassen es jetzt mal laufen, wir handeln noch nicht.» Wir sagen klare Worte, aber wir handeln nicht. Das sagen wir auch seit Jahren.
Ich muss Ihnen sagen, es ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass – wenn die Kirche dies jetzt ernst nimmt – sie ein griffiges Konzept macht, bei dem sie wirklich schaut, dass sie Prävention machen kann, damit es nie mehr vorkommt, nicht mehr vorkommt, und dass sie endlich aufarbeitet, warum es immer wieder zu solchen Missbrauchsfällen gekommen ist, und dass sie den Opfern Gerechtigkeit zukommen lassen kann.
Wie lange braucht es für ein solches Konzept: ein paar Wochen, ein paar Monate, vielleicht ein halbes Jahr? Ein halbes Jahr ist perfekt: In einem halben Jahr diskutieren wir in der Herbstsession über die Beiträge an unsere Kirche. Die Zeit reicht; wenn es der katholischen Kirche ernst ist, dann kann sie das machen. Ich muss Ihnen einfach auch noch sagen: Wenn wir sagen, es trifft jetzt die Falschen ... – es würde nur die Falschen treffen, wenn sie es nicht hinbringt, ein solches Konzept zu erarbeiten. Wenn sie das nicht hinbringt, dann frage ich mich schon: Ja, was ist denn los?
Die Falschen trifft es heute, und zwar unsere Kinder und Jugendlichen, die nicht die Sicherheit haben können, dass es genau im Umfeld der katholischen Kirche nicht zu sexuellem Missbrauch kommt. Ich glaube, wir können dies nicht so weitergeschehen lassen und unsere Verantwortung nicht wahrnehmen. Es ist ein unschöner Hebel, das gebe ich auch zu, aber es ist der einzige, den wir haben. Ich bin wirklich der Meinung, wir sollten diesen nutzen.
Vielleicht noch an die Kolleginnen und Kollegen der SP und der Grünen: Wirklich, ich glaube, ich habe das Gefühl, wir können doch nicht die Opferhilfestrategie verbessern und schauen, dass man den Opfern mehr hilft, und dabei diesen Opfern hier nicht beistehen, von denen wir wissen, dass es sie im Rahmen der katholischen Kirche einfach immer wieder gibt. Wir können doch nicht im Rahmen von «Zeder – Zeichen der Erinnerung», der Kampagne des Kantons Bern, sagen: «Wir setzen eine Arbeitsgruppe ein, das ist super», aber bei all den Opfern, von denen wir wissen, dass es sie in den letzten Jahrzehnten in der katholischen Kirche gegeben hat, die Hände in den Schoss legen und nichts machen. Wir können doch nicht auf nationaler Ebene beim Sexualstrafrecht für ein «Ja ist Ja» kämpfen und hier einfach hinnehmen, dass es in der katholischen Kirche ... (Der Präsident bittet den Redner, zum Schluss zu kommen. / Le président demande à l’orateur de conclure.) ... einen Rahmen gibt, der nicht sicherstellt, dass dies künftig verhindert wird.
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, es ist ein Postulat: Wir prüfen, ob wir handeln wollen. Wir prüfen noch, wir handeln noch nicht. (Der Präsident bittet den Redner erneut, zum Schluss zu kommen. / Le président demande encore une fois à l’orateur de conclure.) Bitte enthalten Sie sich zumindest oder stimmen Sie zu. Merci vielmals.