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Rahel Ruch · GRÜNE

de
Grosser Rat (BE)14.03.2023
Rahel Ruch, Bern (Grüne), Fraktionssprecherin. Ja, wir haben es jetzt schon ein paarmal gehört, heute oder auch bei anderen Gelegenheiten: Es ist 5 nach 12, hat Anita vorhin gesagt – der Pflegenotstand, diese 300 Pflegefachpersonen, die pro Monat den Beruf verlassen. Es ist eine grosse Krise. Es ist ein grosses Problem, und ich glaube, wir haben alle auch in unserem persönlichen Umfeld Leute, die uns darüber berichten, wie das ist, dass ein sehr schöner Beruf eben nicht mehr so ausgeübt werden kann, wie er eigentlich ausgeübt werden können sollte.

Und wer dann die Antworten des Regierungsrates auf die verschiedenen Vorstösse liest: Es war jetzt interessant für uns als Nicht-Mitmotionärinnen zu hören, wie das gelaufen ist, wie diese Antwort gekommen ist und wie das mit diesem Runden Tisch und dieser Arbeitsgruppe steht. Es sind offenbar nicht alle gleich aufdatiert, was dort passiert.

Also es scheint, da könnte man denken, das Problem werde nicht ganz ernst genommen, oder es werde vielleicht nicht ganz gesehen. Ich finde, es ist an sich nicht verwunderlich, dass der Regierungsrat vielleicht nicht gleich alarmiert ist wie wir oder wie die Berufsverbände, denn die heutige Situation ist ja – das muss man auch einmal sagen – auch das Resultat seiner Politik der letzten Jahre. Es ist eben nicht nur Corona. Es ist auch privatisieren, Kosten in den Institutionen drücken, Mittel für die Prävention streichen und so weiter. Das ist ja das Programm der bürgerlichen Mehrheit im Kanton, aber auch auf nationaler Ebene. Das ist nicht einfach Zufall.

Für die Grünen ist deshalb klar: Es braucht eine Richtungsänderung, und es braucht vor allem – es ist schon gesagt worden – auch neue Strategien. Und da braucht es nicht nur einen Runden Tisch, sondern da braucht es einen klaren Auftrag, um was für Themen es gehen muss. Wir haben schon über Ausbildung gesprochen. Hier geht es aber um etwas anderes. Hier geht es um die Arbeitsbedingungen. Es ist bekannt: Die Leute verlassen den Beruf oft wieder. Und in diesem Vorstoss für diese Taskforce gibt es einen klar umrissenen Auftrag, wo man hinschauen muss, und wir denken daher, dass es diesen Anstoss als Auftrag jetzt unbedingt braucht.

Und was uns auch noch wichtig ist: Es geht für uns zwar in erster Linie jetzt um diese akute Situation, aber für uns hat diese Taskforce dann auch den Auftrag, etwas weiter vorauszuschauen. Wir haben ja am Anfang der Session diesen Demografiebericht besprochen und können darin lesen, dass, wie wir wissen, die Bevölkerung im Kanton Bern immer älter wird. Die Anzahl der älteren Leute wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln, die Zahl der über 80-Jährigen verdreifachen. Also dort brauchen wir auch eine Strategie, dort brauchen wir Lösungen, und in diese Richtung muss man schon schauen können. Und deshalb unterstützen wir diese Motion und bitten Sie auch, die Abschreibung abzulehnen.

Institution
Grosser Rat

Data: OpenParlData · CC BY 4.0