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Tabea Bossard-Jenni · EVP

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Grosser Rat (BE)27.11.2024
Tabea Bossard-Jenni, Oberburg (EVP), Mitmotionärin, Fraktionssprecherin. An der Grossratspräsidentinnen-Feier waren wir dieses Jahr im Schloss Köniz. Wer darauf geachtet hat, konnte die Bilder anschauen, welche die Schülerinnen und Schüler gezeichnet haben und dazu geschrieben haben, was für Wünsche und Erwartungen sie an die Politik haben. Neben diversen weiteren Themen wurde auch der Gratis-ÖV für Kinder und Jugendliche illustriert und erklärt. Wie Sie wissen, bin ich Mami von zwei Kindern, und mir ist sehr wohl bewusst, dass man den Kindern nicht immer alles geben kann und auch nicht alles geben muss, was sie fordern.

Die Forderung nach Gratis-ÖV oder der Wunsch nach kostenlosem oder steuerfinanziertem ÖV für Kinder und Jugendliche ist aber eine sehr, sehr gute Forderung. Das ist nämlich nicht nur in erster Linie für die Kinder und die Jugendlichen eine gute Sache. Sondern es ist auch verkehrspolitisch von grossem Interesse. Wir Menschen, wir sind Gewohnheitswesen, und wer sich schon in jungen Jahren daran gewöhnt, den öffentlichen Verkehr zu benützen, wird diese Fortbewegungsart schätzen lernen und wird später weniger als Einzelperson in einem Auto sitzen und zur Arbeit pendeln.

Umgekehrt habe ich jemanden in meinem Bekanntenkreis, der unmittelbar nach Erreichen der Volljährigkeit die Führerscheinprüfung gemacht und sich ein Auto gekauft hat. Heute fährt er fünfmal pro Woche zur Arbeit. Nächstens kommt er in die RS oder hat vielleicht gerade angefangen. Und obwohl er dort ein Gratis-ÖV-Ticket erhält, hat er mir erzählt: »Natürlich fahre ich mit dem Auto in die RS.» Dann habe ich ihn gefragt: «Warum nimmst du denn nicht den ÖV?». – «Ich komme immer mit dem Auto.» Als ich ihm gesagt habe, aus finanziellem Grund solle er doch den ÖV nehmen, hat er zu rechnen begonnen, und wir sind so verblieben, dass er versucht, in den ersten paar Wochen mit dem ÖV zu gehen und mal zu schauen, wie es tut. Ich bin gespannt auf seinen Erfahrungsbericht.

Alle Jugendlichen, die sich früh an die Nutzung des ÖVs gewöhnen, werden später nicht mit ihren PWs unterwegs sein und Strassen blockieren für diejenigen Personen, die wirklich auf das Auto angewiesen sind. Deshalb ist dieser Vorstoss für Gratis-ÖV für Kinder und Jugendliche aus verkehrspolitischer Sicht sehr wichtig.

Die Grundidee dieses Vorstosses gefällt auch meiner Fraktion. Sie bringt unseren Kanton verkehrspolitisch weiter. Natürlich haben auch wir uns ein paar Gedanken dazu gemacht, wie es konkret umgesetzt werden könnte. Man könnte zum Beispiel ein solches Gratis-ÖV-Abo auch einfach auf Antrag ausstellen. Vielleicht könnte man es geografisch begrenzen, wenn die Kosten ein Argument sind, zum Beispiel auf das Libero-Gebiet, oder dass man nur einzelne Zonen innerhalb des Tarifverbunds wählen könnte.

Meine Fraktion empfiehlt dem Motionär deshalb, zu überlegen, ob man nicht ein Postulat nehmen möchte. Der Motion selbst würden wir mehrheitlich zustimmen. Dem Postulat würden wir einstimmig zustimmen. Diese Motion braucht es, damit wir eine richtige Verkehrswende, eine richtige Mobilitätswende erreichen können. Dafür ist der Gratis-ÖV oder eben, wenn Sie lieber wollen, der steuerfinanzierte ÖV, für Kinder und Jugendliche ein Teil des Puzzles. Merci, wenn Sie zustimmen können, und merci fürs Zuhören.

Institution
Grosser Rat

Data: OpenParlData · CC BY 4.0