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Bruno Vanoni · GRÜNE

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Grosser Rat (BE)11.03.2025
Bruno Vanoni, Zollikofen (GRÜNE), für die Postulantin, Fraktionssprecher. Ich habe die Ehre, wie gesagt, hier einen Vorstoss von Nora Soder zu vertreten, die wir ja in der vorletzten Session verabschieden mussten, weil ihre Aufgaben als schulische Heilpädagogin, als engagierte Lehrperson und junge Mutter zeitlich nicht mehr mit den Präsenzverpflichtungen eines Grossratsmandats zusammengepasst haben.

Nora Soder ist es aber gelungen, aus fast allen Fraktionen Miturheberinnen und Miturheber zu gewinnen, auch aus der FDP. Leider kann Miturheber Peter Bohnenblust aus gesundheitlichen Gründen an dieser Session nicht bei uns sein. Ich wünsche ihm, sicher im Namen von uns allen, eine gute Genesung und rasche Erholung.

An die Adresse der beiden Fraktionen, die im Kreis der Urheberinnen und Urheber nicht vertreten sind, und besonders an die bäuerlichen Vertreter in deren Reihen möchte ich kurz auf die Entstehung dieses Vorstosses hinweisen. Er ist aus verschiedenen Arbeitsgruppen der Grünen Seeland hervorgekommen. Diese haben sich vertieft mit den Themen Bildung und Biodiversität befasst und dabei festgestellt, dass Lehrpersonen wie auch Schülerinnen und Schülern das Wissen fehlt, wie Lebensmittel produziert werden, wie Gemüse angepflanzt wird und wie viel Arbeit es bis zu einer Ernte braucht. Wenn das Wissen, wo unsere Ernährung herkommt, schon im Seeland fehlt, in der Gemüsekammer der Schweiz, dann fehlt es vermutlich auch an anderen Orten, insbesondere in städtischen Gebieten, noch vielmehr.

Eine Möglichkeit, um das Wissen zum Anbau unserer Ernährung in den Schulen zu vermitteln, sind eben Schulgärten. Dort können Schülerinnen und Schüler ganz praktisch und durch eigene Tätigkeit erfahren, was es braucht, um gesunde Lebensmittel auf den Teller zu bekommen. Und vermutlich bleibt die Erfahrung länger hängen, als wenn das Wissen nur theoretisch mit Arbeitsblättern und zunehmend auch am Computer im Schulzimmer vermittelt wird.

In der Begründung des Postulats wird am Beispiel des Kantons Luzern ausführlich dargelegt, wie ein Kanton den Lernort Schulgarten fördern kann und wie eine verstärkte Förderung im Kanton Bern bestens zum Lehrplan und zu den Strategien zur nachhaltigen Entwicklung und zur Gesundheitsförderung passt. Das steht auch schon in der Begründung. Das wird vom Regierungsrat auch anerkannt. In seiner Antwort schreibt er, Schulgärten seien wertvoll und gesundheitsfördernd und er begrüsse, wenn sich die Schulen diesbezüglich engagierten.

Für diese Anerkennung und Würdigung möchte ich mich beim Regierungsrat bedanken. Bedanken möchte ich mich auch für die eindrückliche Aufzählung der ausserschulischen Lernorte in der Antwort zu Ziffer 7 des Postulats und für die finanzielle Unterstützung, welche die Bildungs- und Kulturdirektion für die Lernorte ausserhalb von Schularealen leistet.

Mit den Antworten zum Lernort innerhalb der Schulareale, die in den Ziffern 1 bis 6 angesprochen werden, sind wir weniger zufrieden. Zur Förderung von Schulgärten, dem zentralen Anliegen dieses Postulats, nimmt der Regierungsrat nur ganz kurz und knapp Stellung. Bei Ziffer 6 verweist er nur darauf, dass für die Schulinfrastruktur der Regelschulen die Gemeinden zuständig sind, und ergänzend schreibt er in den Schlussbemerkungen, jede Gemeinde müsse massgeschneidert selber entscheiden, ob sie einen Schulgarten schaffen wolle.

Beides wird durch das Postulat nicht infrage gestellt. Es geht mit dem Postulat nicht um ein Schulgartenobligatorium, weder für alle Gemeinden noch für einzelne Schulen oder gar Lehrpersonen. Die Zuständigkeit der Gemeinden für die Infrastruktur und die Autonomie der Schulen, die in Ziffer 5 angesprochen werden; beides schliesst nicht aus, dass der Kanton Rahmenbedingungen setzt, Empfehlungen formuliert, beratende Unterstützung leistet. Dies tut er bspw. mit seinen Vorgaben für genügend grosse und ausreichend ausgestattete Schulräume oder mit seinen Empfehlungen für Gemeinden und Schulleitungen für die Informatikinfrastruktur.

Ähnliche Empfehlungen oder auch Hilfestellungen könnte der Kanton bzw. das zuständige Amt für Volksschulen, auch für Schulgärten herausgeben und damit das Anliegen von Schulgärten fördern. Und dort, wo die benötigte Grünfläche für Schulgärten nicht zur Verfügung steht, liessen sich, wie Beispiele zeigen, auch analoge Lernorte z. B. mittels Hochbeete schaffen. Aber wie gesagt, mit diesem Postulat geht es nicht darum, Schulgärten allen Gemeinden oder allen Schulen vorzuschreiben, sondern sie dort, wo es sie gibt, und wo es sie künftig vermehrt geben soll, als wertvollen Lernort im alltäglichen Schulunterricht zu verankern und unterstützend zu fördern, gerade auch als sinnvolle Ergänzung zum zunehmenden Gewicht der vorhin erwähnten Informatik in den Schulzimmern. Der handlungs- und erfahrungsorientierte Unterricht draussen in einem Schulgarten ist eine wertvolle und nötige Ergänzung des zunehmenden Schulunterrichts drinnen am Bildschirm.

Es ist erfreulich, dass der Regierungsrat gemäss Antwort zu Ziffer 5 prüfen will, ob er den Schulen zusätzliche Mittel für den Pool für Spezialaufgaben zur Verfügung stellen will. Das würde den Schulleitungen zusätzliche Möglichkeiten zur Entlohnung von Lehrpersonen geben, die sich um Schulgärten kümmern. Aber diese Prüfung ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen, ein Grund mehr, weshalb wir dieses Postulat noch nicht abschreiben möchten. Unserem Antrag auf Nicht-Abschreiben schliesst sich übrigens auch eine – allerdings knappe – Mehrheit der grünen Fraktion an.

Der Hauptgrund für den Antrag auf Nicht-Abschreiben ist jedoch die sehr knappe und aus unserer Sicht unvollständige Information in den Antworten zu den Ziffern 1 bis 4. Das erwähnte Angebot der PH Bern, der Bildungsgarten, ist nämlich nur ein befristetes Projekt, vorläufig nur für zwei Jahre beschlossen und gerade mal mit einer 20-Prozent-Stelle dotiert. Das Projekt wäre nicht möglich, wenn sich der zuständige Dozent nicht über seine Anstellung hinaus sehr stark engagieren würde, und wenn es dafür nicht auch externe Unterstützung gäbe, namentlich von der OGG Bern, der Ökonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft. Diese setzt sich seit mehr als 260 Jahren für die Landwirtschaft ein und in letzter Zeit vor allem auch für innovative Projekte für ein nachhaltiges Ernährungssystem.

Damit bin ich wieder bei dem Thema, welches ich am Anfang an die Adresse insbesondere auch der Bäuerinnen und Bauern in diesem Saal angesprochen habe. Was im Kanton Bern und im Bildungsgarten der PH Bern zur Förderung von Schulgärten läuft, ist nur befristet, auf Dauer nicht gesichert und zu schwach dotiert, um eine volle Wirkung entfalten zu können, nicht nur in der Weiterbildung, sondern auch in der Grundausbildung der Lehrpersonen. Gemäss der Antwort des Regierungsrates ist das Angebot der PH Bern das einzige Angebot, welches gemäss den Ziffern 1 bis 4 zur Förderung von Schulgärten, zur Information darüber, zur Beratung der Schulen und zur Vernetzung besteht. Solange das Angebot nicht gesichert und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet ist, sollten wir dieses Postulat noch nicht abschreiben.

Und noch an die Adresse all jener, die eine zusätzliche Belastung der schon belasteten Lehrpersonen befürchten: Es geht nicht um eine zusätzliche Belastung, sondern es geht um eine Entlastung derjenigen Lehrpersonen, die sich für den Unterricht in den Schulgärten engagieren wollen, um eine Unterstützung beim Aufbau von neuen Schulgärten und vor allem um die Anerkennung der wertvollen Arbeit für den und mit dem Lernort Schulgarten. Ich danke allen, die der Abschreibung nicht zustimmen wollen.

Institution
Grosser Rat

Data: OpenParlData · CC BY 4.0