Hannes Zaugg-Graf · GLP
Bitcoin, was Englisch so viel heisst wie eine Münze aus binären Ziffern, ist eine Kryptowährung, also eine geheime Währung gemäss dem griechischen Wort krypto. Die Münze ist allerdings nur ein Marketing-Gag, damit das Ganze etwas seriöser wirkt, denn physisch gibt es dieses Geld ja gar nicht. Es ist eine Placebo-Währung ohne Wert, also der mittelalterlich alchemistische Traum, aus Nichts Gold machen zu können.
Das funktioniert auch. Allerdings nur für diejenigen, die ganz oben in diesem Schneeballsystem stehen, also diejenigen, die entweder ganz früh – also ab 2009 – eingestiegen sind oder so viel Geld wie der neue Top-Berater des ehemaligen und zukünftigen Präsidenten der USA haben, dass sie wirklich gross einsteigen können und dann gerade noch die Spekulation mit dem eigenen Social-Netzwerk antreiben können.
Alle diejenigen, die, wie der Haupttreiber hinter diesen Vorschlägen, von einem teuren Elektroauto träumen, versuchen jetzt natürlich, ein bisschen an diesem Tanz um das goldene Kalb teilzunehmen, und steigern sich in eine religiös anmutende Lobeshymne auf die angeblich messianische Scheinwährung, welche die in ihren Augen satanischen Fiat-Währungen dann einmal ersetzen soll.
Ironischerweise müssen die Geheimwährungsjünger ihr digitales Nichts dann trotzdem in handfestes Geld umtauschen, wenn sie wirklich etwas damit kaufen wollen – gut, ausser vielleicht ihr Traum-Elektroauto. Oder auch der seit Anfang dieses Jahres mögliche Handel mit börsengehandelten Bitcoin-Fonds funktioniert nur dank den Fiat-Geldern, die gemäss den Bitcoinern schuld an fast ziemlich allem Elend dieser Welt sind. Genauso gut könnte man auch fordern, dass Steuern, Löhne, Sitzungsgelder und alles andere, was mit dem hochspekulativen Schabernack im Heilsversprechungsmäntelchen bezahlt werden soll, auch gerade mit Chips des Casinos Bern ausbezahlt werde. Dann würde zumindest ein Teil des Gewinns hierbleiben und nicht in den Säcken von ein paar Wenigen landen, die versuchen, ihre Macht noch mehr auszubauen, obschon sie jetzt schon mehr Macht haben, als jeder James-Bond-Bösewicht jemals hatte.
Auch hier eine gewisse Ironie: Viele dieser Krypto-Jünger konnten während der Pandemie nicht genug darüber schwurbeln, wie da böse Mächte die Weltmacht übernehmen wollten, und helfen jetzt wie Lemminge genau dabei mit. Ich verweise diejenigen, die diese Vorstösse unterstützen und gleichzeitig ihr Leben dem Erlöser widmen – es könnte ja sein, dass es ihn gibt, wie er in der Bibel beschrieben wird, und es könnte ja sein, dass es in diesem Saal solche Leute gibt – auf Matthäus 6.24, ich zitiere: «Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.»
Ich habe es schon oft gesagt: Man sollte Vorstösse nicht nur ablehnen können oder annehmen und abschreiben können, man sollte auch noch die Kategorie «schreddern» einführen. Sie konnten es ja lesen: Bitcoin ist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Sie müssen also zuerst das Gesetz ändern. Falls sich eine Mehrheit findet, diese Vorstösse auch nur als Postulat anzunehmen, dann beantrage ich die Abschreibung, denn jedes Wort, das man mehr schreibt, wäre eine Vergeudung von Steuerfranken, etwas, das offenbar die Anhänger dieser neuen Religion ja angeblich immer verhindern wollen.
In der Fraktion sind wir fast einheitlich und lehnen das Ganze mit einer Ja-Stimme ab – zumindest zu jener Zeit, als wir diese Vorschläge besprochen haben. Aber bekanntlich ist ja das Stimmverhalten der GLP manchmal etwa so volatil wie der Bitcoin-Kurs.