Milena Daphinoff · Die Mitte
Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben bezüglich dessen, was die Funktion dieser Hotline ist. Sie ist in erster Linie eine Triage und Erstkontaktstelle. Sie ersetzt weder die Polizei noch spezialisierte Beratungsstellen. Wenn eine akute Gefährdung besteht, braucht es eine sofortige Weiterleitung. Die Forderung, dass eine solche Hotline rund um die Uhr ausschliesslich von spezialisierten Fachpersonen betrieben werden muss, hat bei uns grosse Diskussionen ausgelöst, und ich danke auch Seraina Patzen für den Austausch.
Am Schluss sind wir aber zum Entscheid gekommen, dass wir uns fragen müssen, was wir in diesem Kontext genau unter einer Fachperson verstehen. Muss jede Person am Telefon zwingend eine spezialisierte Opferhilfeberaterin sein? Ist die Qualität der Triage nicht entscheidender als der Fachtitel? Das hat dazu geführt, dass wir einen eigenen Antrag geschrieben haben, der sagt: Die wichtigen Fragen sind: Sind die Mitarbeitenden gut geschult? Kennen sie die Abläufe und die Zuständigkeiten? Können sie rasch und zuverlässig an die richtigen Stellen weitervermitteln?
Wir brauchen geschultes Personal, und wir brauchen ausserdem auch ein systematisches Reporting zur Qualität der Beratungen, denn wir hören jetzt, wie dramatisch es sei. Aber können wir es wirklich einschätzen? Haben wir ein Reporting und einen Ausweis?
Wir haben uns also mit den Opferhilfeberatungsstellen auch in anderen Kantonen ausgetauscht, und wir haben dort nicht nur Schlechtes gehört, sondern im Gegenteil, dass 50 Prozent der Kantone mit der Dargebotenen Hand arbeiten, dass die Personen auch gut geschult werden, dass man sie weiter schulen kann, dass man darauf den Akzent setzen soll und darauf, dass das Reporting ab dem 1. Mai zwingend eine nationale Vorgabe wird, und dass die Opferhilfe beider Basel hier gerade ein Pilotprojekt gemacht hat.
Es gibt also ein Kernstück bei unserem Antrag: Das ist das qualitative Reporting. Wir finden es zwingend, dass man künftig alle Anrufe auswerten kann, dass man nach Alter, Geschlecht, nach Gewaltform schauen kann, was gemacht wurde, wie man stabilisiert hat, weitervermittelt hat, wie wir uns auch künftig weiterentwickeln können müssen. Da landen wir dann beim zweiten Kernaspekt: bei der Schulung. Ich glaube, wenn mit Freiwilligen gearbeitet wird, ist es zentral, dass diese Freiwilligen lange, intensive Schulungen haben, wie sie das z. B. bei der Dargebotenen Hand haben, und man kann sie zusätzlich für eine spezifische Opfer-Hotline schulen.
Insofern wollen wir mit unserem Antrag sicherstellen, dass die Qualität hochgehalten wird; wir wollen dieses Anliegen aufnehmen, aber doch auch dem Regierungsrat einen Handlungsspielraum lassen. Ich bitte Sie, unsere Planungserklärung zu unterstützen. Die Planungserklärung 12 hingegen lehnen wir ab.