Johannes Wartenweiler · Sozialdemokratische Partei
Johannes Wartenweiler (SP) für die Fraktion: Die SP-JUSO-Fraktion wird das Geschäft annehmen. Es gibt keinen Grund, einer Modernisierung des Friedhofswesens im Wege zu stehen. Man kann sagen, den Betroffenen könnte es eigentlich egal sein. Aber es geht ja auch um die Angehörigen und es geht um die Gesellschaft insgesamt. Ein schicklicher Umgang mit dem Tod ist seit Jahrtausenden ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen und auch eine zivilisatorische Leistung. Man kann Friedhöfe durchaus als Ort des letzten Service public bezeichnen, denn gemäss Bundesverfassung Artikel 7 ist die Würde des Menschen zu achten und zu schützen, womit ihm gemäss Vortrag des Gemeinderats ein schickliches Begräbnis und eine Beisetzung auf einem öffentlichen Friedhof zusteht. Das revidierte Friedhofreglement geht darauf ein und schafft vielfältige Möglichkeiten für Trauer und Erinnerung. Wir unterstützen das sehr, insbesondere auch, dass sehr unterschiedliche religiöse Gemeinschaften ihre speziellen Bestattungsformen hier umsetzen können. Das gilt in der Schweiz als einmalig oder zumindest pionierhaft und das können wir nur gutheissen.
Es gab in der Beratung zwei Anträge. Einerseits geht es um die gleichzeitige oder gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier. Wir haben bekanntlich vor einigen Jahren einen entsprechenden Vorstoss überwiesen. Und wir finden das auch im Grundsatz sicher richtig, um quasi hier einen Ort der postmortalen Symbiose von Mensch und Tier zu ermöglichen. In der Form, wie jetzt der Antrag formuliert ist, können wir dem allerdings nicht folgen, weil wir glauben, der Aufwand, um festzustellen, ob ein Tier ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Tod seines oder ihres Halters getötet wird, würde vermutlich die Fähigkeiten der Verwaltung überfordern. Deswegen finden wir, man müsse andere Wege finden, um zu verhindern, dass solche unfeinen Gebräuche Eingang finden.
Zum zweiten Antrag: Dabei geht es darum, wer die Zuständigkeit zur Auflösung von Friedhöfen hat. Diese Diskussion haben wir vor ein paar Jahren im Zusammenhang mit dem Bümpliz-Friedhof geführt. Der Gemeinderat wollte ihn damals im Rahmen von Sparmassnahmen aufheben. Das gab einen grossen Aufschrei. Wäre er beim Stadtrat vorbeigekommen, hätte er vermutlich ein ähnliches Resultat erhalten, wie direkt vom Volk. Ich glaube, es ist wichtig genug, dass wir im Stadtrat zu solch grundlegenden Umnutzungen von öffentlichen Flächen, besonders im Bereich der Friedhöfe, mindestens das vorletzte Wort haben. Das letzte Wort könnte auch noch vom Volk kommen. Insgesamt unterstützen wir deshalb den Antrag der PVS.
Kurz und gut: Der Tod ist ein grosser Gleichmacher. Auf den Friedhöfen der Stadt Bern lässt er aber trotzdem eine grosse Vielfalt für Trauer und Erinnerung zu. Und deswegen stimmen wir dem Geschäft zu.