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Speech

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Grosser Rat (BE)06.06.2024
Christoph Neuhaus, BVD-Direktor. Die Aufhebung des Halts in Ligerz wurde in den vergangenen Wochen intensiv diskutiert und hat auch medial ein verhältnismässig grosses Echo und auch Interesse ausgelöst. Vieles wurde erzählt. Ich möchte nur zwei Sachen stellvertretend richtigstellen. Es stimmte längst nicht alles.

Zum Beispiel wurde gesagt, dass es erst 2029 einen Ersatzbus nach Twann gäbe. Dieser wird schon in sechs Monaten fahren. In sechs Monaten ist hoffentlich noch nicht 2029, sonst wird es etwas eng, auch für meine persönliche Lebensplanung. Das ist das erste.

Hier im Saal wurde auch behauptet, in der Romandie hätten sich die Fahrpläne massiv verbessert. Das kann nur jemand sagen, der nicht Zug fährt. Ich habe schon seit fast vierzig Jahren ein Generalabonnement – und in der Romandie haben sich die Fahrpläne massiv verschlechtert. Wir haben das Problem, dass man ausbauen muss, dass man renovieren muss, und vor diesem Hintergrund möchte man das eine oder andere realisieren. Wir werden aber wegen der Infrastruktur gehindert.

Mir ist, vor allem, weil ich auch ÖV-affin bin, sehr wichtig, hier und heute festzuhalten, dass wir bis zuletzt um eine bessere Lösung gerungen haben. Noch letzte Woche war mein Amtsvorsteher, Christian Aebi, ein weiteres Mal bei den SBB und wurde bei ihnen vorstellig, um mit ihnen zu schauen. Er kann leider heute nicht hier sein. Aber er, der den ÖV kennt und lebt, wie ein wandelndes Kursbuch, ist wirklich ein Spezialist, von denen es in der Schweiz nur wenige gibt, und ich behaupte, wenn es eine bessere Lösung gäbe, hätten wir sie gefunden.

Darum bin ich froh, dass die Ziff. 1 und 2 der Motion zurückgezogen worden sind. Es gibt manchmal Rahmenbedingungen, unter denen man zeitweise nur die Wahl zwischen einer weniger guten und einer noch schlechteren Lösung hat. Ich hätte Ihnen eine ganz einfache Möglichkeit, wie wir Ligerz helfen könnten: Wir könnten das in Ligerz belassen, aber dann müsste ich den Bahnhof in Twann schliessen. Und das kann effektiv nicht sein, wenn Sie die Zahlen anschauen, wer wo hingeht.

In Punkt 3 fordert die Motion einen Ersatzbus von Ligerz nach Twann und nach La Neuveville. Der Regierungsrat weiss, wie dieser ausgelastet sein könnte, und lehnt es vor diesem Hintergrund ab, von früh am Morgen bis nach Mitternacht Busverbindungen in beide Richtungen anzubieten. Wir schätzen, dass man dafür zwischen 600’000 Franken und 1 Mio. Franken ausgeben würde. Das finden wir zu viel. Aber von Ligerz nach Twann ist während des ganzen Tags stündlich und häufig sogar halbstündlich ein Bus vorgesehen, weil wir Ligerz nicht einfach abhängen wollen. In Twann gibt es Anschlüsse auf Züge in beide Richtungen. Biel, La Neuveville und Neuenburg werden somit während der ganzen Betriebsdauer auch gut erreichbar sein.

Ich weiss auch aus persönlichen Rückmeldungen, dass sich die Bevölkerung grosse Sorgen macht, dass die Busverbindung Ligerz-Twann nicht richtig oder überhaupt nicht funktionieren werde. Das kann ich nachvollziehen. Man wird bei den Baustellen zwei Ampeln haben, und das führt meistens zu langen und auch zufälligen Wartezeiten. Für einen zuverlässigen Busbetrieb ist es zwingend, dass die Busse diese Ampeln ansteuern können, sodass sie nicht minutenlang stehen müssen, sondern zirkulieren können. Solche Steuerungen stehen im ganzen Kanton Bern im Einsatz, sie funktionieren zuverlässig. Sie werden auch zwischen Ligerz und Twann funktionieren.

Ich kann Ihnen also versichern, dass es dem Regierungsrat bei der Schliessung von Ligerz wichtig ist, dass sich alle Beteiligten gerade wegen den grossen Befürchtungen besonders stark dafür einsetzen, dass die Bus-Erschliessung zuverlässig funktioniert. Ich habe es Ihnen anhand der Zahlen gezeigt: Der hohe sechsstellige Betrag für einen Vollbetrieb zwischen Ligerz und La Neuveville bringt einen kleinen Nutzen im Verhältnis zu den Kosten. Ich wehre mich immer dagegen, dass man einfach Züge und Busse fahren lässt, damit man auf dem Papier einen ÖV hat, und dieser dann nicht gebraucht wird. Das zeigen Ihnen auch die Zahlen: Über 80 Prozent der Reisenden fahren ab Ligerz nach Biel-Bienne. Wenn Sie die Situation kennen, wissen Sie auch, dass es ganz viele gibt, die nach Twann fahren und dort auf den Halbstundentakt gehen. Wir werden aber einzelne Verbindungen sicher prüfen.

Die Punkte 4 und 5 der Motion beantragt der Regierungsrat zur Annahme.

Wichtig ist nach der gewalteten Diskussion auch, dass ich ein paar Sachen hervorstreiche: Damit die Erschliessung von Ligerz und den verschiedenen Orten auf dem Tessenberg / Plateau de Diesse auch in den nächsten Jahren in guter Qualität möglich sind, werden wir unter Federführung des Kantons mit den betroffenen Transportunternehmen, mit der regionalen Verkehrskonferenz und weiteren Fachstellen nach Lösungen für das Fahrplanangebot ab Dezember 2024 suchen. Wir haben die Gemeinden und die Bevölkerung vor kurzem bereits vor Ort über das neue Angebot informiert. Somit erfolgt die Information vor dem Fahrplanverfahren des Bundes. Das gibt uns die Möglichkeit, Anliegen, die aus der Bevölkerung kommen, noch rechtzeitig zu prüfen. Die Erhaltung des Vinifuni Ligerz-Prêles ist unbestritten. Dieses wird wahrscheinlich ein wenig leiden unter dem Ganzen, aber Sie können darauf verlassen, dass die tieferen Frequenzen des Vinifuni während der Bauphase bei der Beurteilung der Zweckmässigkeit dieses Angebots nicht berücksichtigt werden. Es wäre ungerecht, dies zu tun.

Ich fasse zusammen: die Ziff. 4 und 5 bitte annehmen. Ich bitte Sie aber, die Ziff. 3 abzulehnen. Wir wollen nicht wegen Ligerz alle anderen Gemeinden zwischen Biel und Neuenburg mit einem schlechteren Fahrplan bestrafen. Die Ziff. 4 und 5 können Sie unbesehen annehmen.

Institution
Grosser Rat

Data: OpenParlData · CC BY 4.0