Alexander Feuz · Schweizerische Volkspartei
Alexander Feuz (SVP) für die Fraktion: Die SVP hofft, dass YB heute den Kübel nach Hause bringt. Zu der dringlichen Motion haben wir auf ebenfalls Stimmfreigabe beschlossen. Ich lege klar offen, dass die grosse Mehrheit dagegen stimmen wird.
Die Einreichenden haben taktisch ein bisschen falsch gehandelt. Sie hätten besser keinen Ordnungsantrag gestellt für eine Verschiebung, weil die Leute, die wirklich Fans sind, heute im Stadion sind und nicht hier im Ratssaal.
Wie gesagt, ich habe sogar einem Mitglied von uns, der hat durchaus das Recht gehabt hier – ihr kennt die SVP, sie ist hier sehr liberal – hier einen anderen Standpunkt zu vertreten. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Kollektivstrafen, muss ich euch ganz klar sagen, aber wenn wir die Situation sehen – ihr habt gehört, was ich gesagt habe zur Reithalle – ich habe auch immer gesagt, man müsse alles mit gleichen Ellen messen. Ich wurde einmal kritisiert, dass ich Fussball-Gewalt zulassen würde. Das wäre ein absoluter Fehler. Ich bin ganz klar dagegen. Ich finde auch die Aussage sehr heikel, dass man im Neufeld-Stadion Nazis vertrieben hat. Das ist jetzt genau das – ich will diese Ideologie nicht schützen – aber das ist ja genau das: Wenn man mit Gewalt jemanden vertreibt, der einem nicht passt, ist es nicht zulässig. Wenn mir die Sion-Fans nicht passen oder wenn mir jetzt Vegetarier nicht passen oder wenn mir irgendwie die LGBT-Leute nicht passen oder umgekehrt, dann darf ich doch nicht Gewalt einsetzen und nachher sagen, wir haben jetzt im Wankdorf die Nazis vertrieben. Das ist eben Selbstjustiz. Ihr werft das den Rechten immer vor, wenn sie nach einer Bürgerwehr schreien und genau das macht ihr. Das darf eben nicht der Fall sein. Ich lehne die Gewalt immer ab. Ob ich von einem Rechten den Schädel eingeschlagen bekomme oder von einem Linken oder von einem, der politisch völlig neutral ist, also nur schlichtweg kriminell ist – es ist immer ein Verbrechen. Man muss immer den Täter bestrafen. Das sind meine Vorbemerkungen ebenfalls hier. Sie kennen mich. Ich bin weiss Gott nicht der Verteidiger der Interessen des Gemeinderates oder seiner Anliegen. Ich stütze mich auch hier auf die Ausführungen des Gemeinderates. Ich kann die nachvollziehen. Für mich ist es immer eine Ultima Ratio und für mich ist es juristisch etwas. Wir können in der Stadt Bern noch lange das und das beschliessen. Wir haben teilweise gar keine Kompetenzen. Und ich bin der Meinung, man müsse das gesamtschweizerisch lösen. Es kann ja dann nicht sein, dass schlussendlich alle gewalttätigen Fussballspiele nachher in Bern ausgetragen werden. Denkt daran: Es könnte auch mal mit dem Abkommen mit der Kantonspolizei Konsequenzen geben. Und ich muss sagen: Fangewalt ist verabscheuungswürdig. Dass jetzt GC-Fans die FCZ-Fans oder so massakrieren und Unschuldige angreifen, bloss weil einer den falschen Kittel trägt – da muss ich meiner Tochter sagen: Am Himmelsgottes Willen, werde nicht Fan eines Sportclubs, sonst riskierst du, von irgendeiner anderen Gruppierung angegriffen zu werden." Ich war selber auch mal – ihr kennt mich, ich bin nicht unbedingt der Sportaffiniste – unterwegs an einem Sonntag mit weissen Hosen und blauem Zeug und es war ein YB-Match, also irgendwie Sion gegen YB oder ein FCZ- oder GC-Match gewesen. Zum Glück hat mir niemand etwas angetan, aber ich habe mich auch ein bisschen unwohl gefühlt. Es darf einfach nicht sein, dass nachher jemand wegen eines falschen Halstuchs oder was immer angegriffen wird. Wir haben auch Bewohner, es gibt auch Leute, die sich nicht für Fussball interessieren. Diese muss man ebenfalls schützen. Und darum bin ich der Meinung, als Ultima Ratio muss man hier die Sachen lassen. Und denkt daran, was der Auslöser war. Es geht für mich hier um den Schutz von Personen, von Fans anderer Sportveranstaltungen, der Polizei, Passanten. Und darum wird die grosse Mehrheit von uns die Sache ablehnen. Es ist unschön, aber ich mache euch ein Beispiel: Wenn ihr eine Pizzeria habt, die gute Pizza macht und im Hinterhaus zocken sie und betreiben Geldspiele, dann wird die Pizzeria wahrscheinlich geschlossen, wenn der Betreiber auch noch Chef des Zockerringes ist, auch wenn die Leute, der Pizzaiolo ein Lieber ist und gute Pizzen macht. Sie müssen es strategisch so anschauen. In diesem Sinne bitte ich euch, für die jungen Fans, für die unschuldigen Leute, diese Motion abzulehnen.