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Mathias Zopfi · GRÜNE

deRedetext
Schweiz16-09-2026

Ich durfte am Vormittag schon einige Male reden; es war aber bei der Materie Nachrichtendienst immer ein wenig technisch. Jetzt kann ich, wenn nicht gerade emotional, so vielleicht doch ein bisschen deutlicher meine Meinung zu dem kundtun, was die Mehrheit der Kommission hier tun will. Ich finde es nicht klug.

Es gibt ja leider nach wie vor Menschen, die den Klimawandel bestreiten, und es gibt Menschen, die die Rolle des Menschen beziehungsweise seinen Anteil daran bestreiten. Ich hoffe aber, dass hier im Saal nur wenige oder niemand zu diesen Menschen gehört.

Deshalb hoffe ich, dass Sie mit der Minderheit der Ansicht sind, dass das Signal, das wir hier senden, wenn wir diese Gesetzesänderung machen und das Kabotageverbot lockern, falsch ist. Wir würden das tun, um Inlandflüge in der Schweiz zu begünstigen; wir würden sie also uterstützen, indem wir eine gesetzliche Bestimmung lockern. Ich hoffe, dass Sie dies ebenfalls nicht klug finden.

Schauen wir es uns technisch an. Für die Verbindung Lugano-Genf wird es eine Nachfrage geben, das bestreite ich nicht. Die Strecke ist mit dem Zug in knapp unter fünf Stunden zu machen. Ich gebe zu, das dauert, das ist nicht wenig. Ich habe von zu Hause nach Bern drei Stunden, das ist, das gebe ich zu, etwas weniger. Aber es ist ja nicht so, dass die Strecke mit dem Flieger null Stunden dauern würde. Wenn Sie alles rechnen, haben Sie einen Zeitgewinn von vielleicht der Hälfte der Zeit, ich weiss es nicht genau. Das ist der Nutzen, und das wird so sein. Vermutlich sind die Geschäftsleute, die diese Verbindung nutzen wollen, schneller von Lugano in Genf und von Genf in Lugano.

Aber was sind die Kosten auf der anderen Seite? Es ist nicht ganz einfach, die Klimawirkung eines solchen Fluges zu beurteilen. Ich habe es versucht mit der Berechnung der CO2-Äquivalente. Das ist nicht ganz einfach. Ich bin vorsichtig davon ausgegangen, dass wir es bei einem Retourflug mit ungefähr 200 Kilogramm CO2-Äquivalenten zu tun haben. Nehmen wir wieder den Geschäftsmann oder die Geschäftsfrau, der oder die diese Verbindung von Lugano nach Genf und zurück macht, und nehmen wir an, dass diese Person das vielleicht alle zwei Wochen tun muss. Mit dem CO2-Ausstoss, den Sie mit einem einzigen Flug verursachen, könnten Sie diese Strecke anderthalb Jahre lang mit dem Zug machen. Wenn Sie jetzt davon ausgehen, dass Sie das alle zwei Wochen mit dem Flugzeug machen, dann können Sie selber ausrechnen, wie lange Sie Zug fahren können, bis Sie das kompensiert haben. Das ist die technische Seite. Schon diese ist in unserer Zeit eigentlich schon relativ unsinnig.

Aber nehmen wir noch die politische Seite. Wir machen hier eine Gesetzesrevision, die - auch wenn das Eintreten vielleicht ein bisschen darüber hinwegtäuscht - nicht ganz unbestritten ist. In diese sowieso umstrittene Gesetzesrevision integrieren wir etwas, als hätte es die Wahrnehmung des vergangenen Sommers nicht gegeben, als wäre das Thema "Klima" nicht - zum Glück auch! - wieder etwas deutlicher auf dem Sorgen-Radar der Bevölkerung erschienen, und machen eine ganz spezifische Inlandflugverbindung. Wenn das nicht angreifbar ist, dann frage ich mich, was es dann sein sollte.

Die Luftfahrt ist insgesamt ein Riesen-CO2-Emittent, und es sind leider auch recht wenige, die diese Emissionen verursachen. Bei dieser Verbindung werden es ganz wenige sein, denn es wird wohl kaum eine grosse Nachfrage nach dieser Verbindung geben. Aber der Schaden, der damit angerichtet wird, ist deshalb nicht kleiner, sondern umso grösser. Also urteilen Sie selbst, ob es politisch klug ist, diese Vorlage mit einer Inlandflugstrategie anzureichern; ob es politisch klug ist für die Vorlage und für die aktuelle politische Diskussion. Ich bin der Meinung: Nein, ist es nicht. Es ist nicht mehr Fliegen notwendig, sondern es ist weniger Fliegen notwendig.

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