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Mathias Zopfi · GRÜNE

deRedetext
Schweiz15-09-2026

Ich beantrage Ihnen, die Initiative Volk und Ständen zur Annahme zu empfehlen. Seit vielen Jahren ist das Stopfen von Enten und Gänsen in der Schweiz verboten. Das ist nicht zufällig und nicht aufgrund einer Modeerscheinung so, sondern aus guten Gründen. Denn die Zwangsfütterung fügt den Tieren erhebliches Leid zu und gilt daher als Tierquälerei.

Wenn wir heute über diese Initiative das letzte Mal vor der Abstimmung diskutieren, sollten wir uns in Erinnerung rufen, worum es konkret geht. Stopfleber entsteht nicht in einer gewöhnlichen Tierhaltung. Den Tieren wird während der Mastperiode mehrmals täglich ein Rohr in die Speiseröhre eingeführt. Sie finden Videos im Internet, die zeigen, wie das geht. Durch dieses Rohr werden grosse Mengen an energiereichem Futter in kurzer Zeit verabreicht. Das geschieht nicht deshalb, weil die Tiere Hunger hätten, sondern weil ihre Leber gezielt vergrössert und verfettet werden soll.

Wir sprechen hier also nicht von einem natürlich gewachsenen Lebensmittel. Wir sprechen von einem Produkt, das nur entsteht, indem man Tiere gezielt in einen krankhaften körperlichen Zustand versetzt. Oder um es anders zu sagen: Tiere quält. Das Resultat ist eine krankhafte Lebervergrösserung. Die Leber erreicht ein Mehrfaches ihres natürlichen Gewichts. Was später als Delikatesse verkauft wird, ist medizinisch betrachtet eine Fettleber, ein krankhaft verändertes Organ.

Diese Veränderung bleibt für die Tiere nicht folgenlos. Die stark vergrösserte Leber beeinträchtigt die normale Funktion des Organismus. Durch das zusätzliche Gewicht im Bauchraum werden Bewegungen erschwert. Die Tiere sind körperlich belastet und zeigen Atembeschwerden. Kurz, der Organismus wird in einen Zustand gebracht, den wir bei keinem anderen Nutztier als erstrebenswert bezeichnen würden. Nochmals, die Verfettung der Leber ist kein unerwünschter Nebeneffekt. Sie ist das Produktionsziel. Auch das Leid der Tiere ist nicht einfach ein bedauerlicher Kollateralschaden. Die Zwangsfütterung, die Belastung des Organismus und die krankhafte Veränderung der Leber sind die Voraussetzung dafür, dass es überhaupt Stopfleber gibt. Ohne die Zwangsfütterung gibt es keine Stopfleber. Ohne die Schädigung des Tieres gibt es keine Stopfleber. Ohne dieses Leid gibt es diese Delikatesse nicht. Oder, wie es Kollege Brüngger gesagt hat: Stopfen bleibt Stopfen. Deshalb überzeugt mich auch das Argument nicht, man könne das Problem mit irgendwelchen Labels lösen. Die Zwangsfütterung ist kein optionales Element der Produktion; sie ist das Wesensmerkmal. Das Problem liegt also nicht am Rand der Produktion. Das Problem liegt im Kern der Produktion selbst.

Der Berichterstatter hat es gesagt: Der Stopfvorgang ist tierquälerisch. Der Gegenentwurf würde bedeuten: Einfach ein bisschen weniger quälen, ein bisschen weniger Quantität, und dann soll es in Ordnung sein, dass man Tiere so behandelt. Ich meine nein. Wenn ich in einem konkreten Fall zwischen dem entstehenden Tierleid und wenigen Minuten kulinarischem Genuss abwägen muss, ist der Fall für mich klar.

Ich stimme der Initiative zu und danke Ihnen, wenn Sie das auch tun.

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Datas: OpenParlData · CC BY 4.0