Jean Henri Dunant · SVP
Das Managed-Care-System - warum eigentlich englische Ausdrücke? - soll durch niedrigere Prämien respektive Beiträge, z. B. mit einem differenzierten Selbstbehalt, Angebot und Nachfrage und die Finanzierung im äusserst komplexen Gesundheitswesen in Schranken halten. Ich sage "in Schranken halten", denn eine Senkung der Kosten ohne schwere Nachteile für die Patienten ist nicht möglich. Die eigentlichen Kosten - ohne Löhne - werden weiterhin im Minimum um 3 Prozent jährlich steigen, also um 30 Prozent in zehn Jahren. Die Jüngeren von Ihnen werden das also noch voll auskosten können.
Abgesehen von Wartelisten für Untersuchungen und Eingriffe muss bei solchen ökonomischen Steuerungsmodellen erwartet werden, dass bei Erreichen des Kostenrahmens wichtige Untersuchungen und Massnahmen in unzulässiger Weise aufgeschoben werden. Managed Care und staatlich verordnete DRG - wieder so ein Ausdruck - ebnen den Weg zur Zweiklassenmedizin. Ich kann mir deshalb nicht erklären, warum die Linke solche Modelle, die eine Ökonomisierung der Medizin und damit sicher Ungerechtigkeiten zur Folge haben, nicht energischer bekämpft.
Ärztenetzwerke auf freiwilliger Basis gibt es vor allem unter Spezialisten, z. B. solchen für Gefäss-, Nieren- oder Nervenkrankheiten, schon seit vierzig Jahren. Diese Zusammenarbeit erspart vielfach unnötige diagnostische und therapeutische Handlungen und damit vermeidbare Kosten. Die Bereitschaft der Leistungserbringer, da mitzumachen, wird sich unter Zwang in engen Grenzen halten. Als Arzt, namentlich als Spezialist, kann ich mich hingegen mit einem Hausarztkonzept abfinden und glaube, dass durch diese Filterfunktion gewisse Einsparungen erzielt werden könnten. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Verbesserung der finanziellen und beruflichen Stellung der Hausärzte. Bislang hat unsere Bevölkerung eine Behinderung des Zugangs zum Spezialisten allerdings abgelehnt.
Unser Gesundheitssystem ist qualitativ sehr gut, aber teuer. Setzen wir dieses gute und vor allem auch gerechte System nicht durch die alleinige Fixierung auf ökonomische Faktoren aufs Spiel. Die Qualität der Medizin, das darf ich Ihnen aufgrund meiner Erfahrungen in den USA, in Frankreich und in Deutschland sagen, ist bei uns einmalig gut und heute noch gerecht. Das Volk sollte anlässlich einer Referendumsabstimmung das letzte Wort zu einem solchen Systemwechsel haben. Wenn es diesen Wechsel nicht will, sollte es sich auch nicht über steigende Prämien beklagen.
Ich bitte Sie, der Mehrheit zuzustimmen.