Urs Forster · FDP
Grosser Rat (TG)28/08/2024
Herzlichen Dank für die Diskussion. Die Berufswahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben. Es gibt viele Faktoren, die mehr oder weniger entscheidend auf die Berufswahl einwirken. Es sind dies: die Familie, Freunde, Bekannte, Lehrerinnen und Lehrer, die Berufsberatung, aber auch Vorbilder der Jugendlichen und das ganze mediale Umfeld mit den vielen verschiedenen Berufsinformationen. Die Berufswahl kann auch das soziale Leben verändern, wenn die Berufslehre nicht von zu Hause aus gemacht werden kann. Einige wissen schon kurz nach der Geburt, wie ihre berufliche Tätigkeit einmal aussieht. Sie wurde ihnen, wie man so schön sagt, in die Wiege gelegt. Andere suchen ein halbes Leben lang, bis sie ihre berufliche Erfüllung gefunden haben. Ich gehe mit der Regierung einig: Grundsätzlich ist die Berufswahl ein persönlicher Entscheid. In der Antwort der Regierung ist zu lesen, dass im Kanton Thurgau bis zum 25. Altersjahr 72 % eine berufliche Grundausbildung abgeschlossen haben. Das ist erfreulich, sind das doch 10 % mehr als im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Trotzdem muss daran gearbeitet werden, dass handwerkliche Berufe weiterhin attraktiv bleiben und Jugendliche bereit sind, diese zu erlernen. Der Regierungsrat erachtet in seiner Antwort das bestehende Angebot für die Berufswahl als ausreichend. Gleichzeitig erwähnt er, dass der Zukunftstag bei den Kindern gut ankomme. Also warum nicht einen zweiten Zukunftstag pro Jahr an den Schulen einführen, um so den Jugendlichen die Berufswelt noch besser bekannt zu machen? Auch Schnupperlehren sollten so einfach wie möglich über die Bühne gehen und den Schnupperlehrling nicht durch komplizierte Bewerbungskriterien davon abhalten, sich zu bewerben. Die Betreuung der Schnupperlehrlinge soll aber auch von den Lehrbetrieben ernst genommen werden, denn es könnte aus der Schnupperlehre ein Lehrverhältnis entstehen – ein angesichts der vielen offenen Lehrstellen nicht zu unterschätzender Punkt. Handwerk heisst, wie es das Wort sagt, werken mit den Händen, mit den eigenen Händen etwas schaffen. Dabei können die Hände auch schmutzig werden. Schmutzige Hände sind in der heute auf Hygiene ausgerichteten Welt wohl nicht mehr das Höchste der Gefühle. Ob und wie entscheidend dieser Aspekt die Berufswahl beeinflusst, lasse ich einmal unbeantwortet im Raum stehen. In der Antwort zu den Fragen 3 bis 5 hat die Regierung richtigerweise erkannt, dass es das Ziel sein muss, dass die richtigen Personen am richtigen Arbeitsplatz eingesetzt werden. Dem spricht nichts entgegen. Ich möchte aber das Wichtigste noch ergänzen: Die Arbeit soll auch Freude machen. Ich schliesse mein Votum mit dem letzten Satz der Interpellation, denn dieser gilt nach wie vor: "Lehrlinge von heute sind die Berufsfachleute von morgen."