Welche Folgen hätte ein Verzicht auf moderne Pflanzenschutzmittel für die Ernährungssicherheit?
(26.3872)- Tipo
- Interpellation
- Estado
- Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Parlamento
- Schweiz
- Número
- 26.3872
- Início
- 19/06/2026
- Registo oficial
- Perfil oficial
- ID externo
- 20263872
- Martin HübscherSchweizerische Volkspartei
- Therese SchläpferSchweizerische Volkspartei
- Martin HaabSchweizerische Volkspartei
- Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
- Daniel RuchFDP.Die Liberalen
- Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Eingereicht
- Titel des GeschäftesWelche Folgen hätte ein Verzicht auf moderne Pflanzenschutzmittel für die Ernährungssicherheit?
- Antwort BR / Büro
- Die Zahl der in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe hat sich zwischen 2005 und 2025 von 431 auf 230 verringert. Produktionserschwerend ist der Rückzug jener Wirkstoffe, für die es keine gleichwertigen Schutzmöglichkeiten gibt. Das Bundesamt für Landwirtschaft erhebt jährlich die Lückenindikationen. Für 2025 bestanden 172 Lückenindikationen: Gemüsebau (87), Obstbau (44), Zuckerrüben (8), Getreide (6), Kartoffeln (3), weitere Ackerkulturen (8), Beerenbau (11) und Weinbau (5).
- Die aktuelle Datenlage zum Ertragspotenzial der erwähnten alternativen Anbausysteme im Vergleich zu klassischen Anbausystemen in der Schweiz ist begrenzt. Grundsätzlich ist auch bei alternativen Anbausystemen das Ertragspotenzial von den angebauten Kulturen, den auftretenden Schadorganismen und den verfügbaren Schutzmöglichkeiten abhängig.
- Da für bestimmte Indikationen alternative Schutzmöglichkeiten fehlen oder diese die Produktion verteuern, würde sich ein vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel negativ auf die Schweizer Pflanzenproduktion und die Versorgungssicherheit auswirken. Ein höherer Selbstversorgungsgrad bei gleichzeitig starker Einschränkung des Pflanzenschutzes ist nicht realistisch. Ein vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ist jedoch im Initiativtext explizit nicht vorgesehen.
- Für Kulturen, für die gleichwertige alternative Schutzmöglichkeiten fehlen oder die nur mit höherem Ressourceneinsatz (z.B. Maschinen, Arbeit) geschützt werden können, dürfte die Ressourceneffizienz sinken.
- Grundsätzlich wären grössere, vom Schaderregerdruck abhängige Schwankungen bei der Verfügbarkeit von inländischem Obst und Gemüse zu erwarten. Zudem wäre mit einem Preisanstieg und Qualitätseinbussen bei Schweizer Lebensmitteln zu rechnen.
- Eingereichter Text
Die Schweiz stimmt am 27. September 2026 über die Ernährungsinitiative ab. Die Initiative verfolgt neben der Umstellung der Ernährung auf rein pflanzliche Kost einen Netto Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent und einen weitgehenden Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.
Im Rahmen einer sachlichen Einordnung ist es wichtig zu verstehen, ob und wie sich diese beiden Ziele miteinander vereinbaren lassen. Pflanzenschutzmittel schützen Ernten vor Pilzen, Schädlingen und Unkraut. Fallen sie weg, ohne dass gleichwertige Alternativen verfügbar sind, drohen tiefere Erträge, eine grössere Abhängigkeit von Importen und steigende Lebensmittelpreise. Gleichzeitig besteht das berechtige Anliegen die Artenvielfalt, die Biodiversität und die Trinkwasserqualität hochzuhalten und die natürlichen Lebensgrundlagen so schonend wie möglich zu nutzen. Es gilt einen vernünftigen Ausgleich zwischen Ertrag und Schutz zu finden.
Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:
- Wie haben sich die in der Schweiz verfügbaren Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe in den letzten 25 Jahren entwickelt, und wie viele Indikationslücken bestehen heute in wichtigen Kulturen (z.B. Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide)?
- Wie hoch schätzt der Bundesrat das Ertragspotential von Anbausystemen wie Mischkulturen, agroforstwirtschaftliche Anbauformen oder regenerative Landwirtschaftspraxen im Vergleich zum heute praktizierten Anbausystem mit integriertem Pflanzenschutz und mineralischem Dünger?
- Wie wirkt sich ein vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nach Einschätzung des Bundesrats auf den Selbstversorgungsgrad und die Importabhängigkeit der Schweiz aus? Ist es realistisch, gleichzeitig den Pflanzenschutz stark einzuschränken und den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen? Wenn ja, mit welchen Kosten für den Staat?
- Welche Folgen erwartet der Bundesrat für die Landwirtschaft in Bezug auf die Ressourceneffizienz (= Ertrag eines bestimmten Produkts im Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen Kapital, Arbeit, Rohstoffe, Landflächen)?
- Welche Folgen erwartet der Bundesrat für die Konsumentinnen und Konsumenten, insbesondere bezüglich Lebensmittelpreise, beim Angebot an inländischem Obst und Gemüse und bei der Qualität, Haltbarkeit und Lebensmittelsicherheit (z.B. Mykotoxine)?
Dados: OpenParlData · CC BY 4.0