Mehr Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ausbilden
(26.3797)- Tipo
- Motion
- Estado
- Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Parlamento
- Schweiz
- Número
- 26.3797
- Início
- 18/06/2026
- Registo oficial
- Perfil oficial
- ID externo
- 20263797
- Corina GredigGrünliberale Partei
- Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
- Grünliberale Fraktion
- Nationalrat
- Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Antrag: AblehnungBundesrat
- Eingereicht
- Titel des GeschäftesMehr Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz ausbilden
- Antwort BR / Büro
Der Bundesrat teilt das Anliegen der Motion, genügend Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz auszubilden. Die Anstrengungen der Kantone, die primär für die universitäre Ausbildung zuständig sind, sowie die Unterstützung des Bundes zeigen Wirkung. Das Sonderprogramm Humanmedizin 2017–2020 hat das Ziel von jährlich 1300 Masterabschlüssen ab 2025 bereits 2024 mit 1381 Abschlüssen übertroffen. Auch die Stärkung der Hausarztmedizin, der Interprofessionalität, der Praxisnähe und zentraler Kompetenzen wie Zusammenarbeit wurde erreicht.
Der Bundesrat ist sich indes bewusst, dass die Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung und die Verringerung der Abhängigkeit von Ärztinnen und Ärzten mit ausländischem Diplom weiterhin eine Herausforderung darstellen. Im Rahmen der Umsetzung der beiden Motionen Roduit 23.3293 und Hurni 23.3854 wurden umfassende Arbeiten zu den Themen «Zulassung», «Ausbildung», «Weiterbildung» sowie «Interprofessionalität und Arbeitsbedingungen» eingeleitet. Sie betreffen primär kantonale Kompetenzen (Ausbildungsplätze und Arbeitsbedingungen), während der Bund vor allem Ausbildungsziele und Berufszulassung regelt und die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK) die gesamtschweizerische Hochschulkoordination, insbesondere Zulassungsbeschränkungen und gemeinsame Projekte, verantwortet. Die Arbeiten zu den vier Themen werden von einer Projektgruppe begleitet, in der Bund, Kantone und Hochschulen vertreten sind.
In den Themen «Zulassung» und «Ausbildung» hat der Hochschulrat der SHK swissuniversities mandatiert, Grundlagen zu erarbeiten. Der Bericht «Zulassung zum Medizinstudium und Organisation des humanmedizinischen Studiums» (www.swissuniversities.ch > aktuell > alle Mitteilungen > Medizinstudium: Grundlagenbericht zu Ausbildungskapazitäten und Zulassungsverfahren) wurde Ende Juni 2026 publiziert. Er bündelt Analysen und Empfehlungen, unter anderem zu einer möglichen Reform der Studienzulassung, einer Erhöhung der Anzahl Studienplätze und einer Weiterentwicklung der humanmedizinischen Curricula. Der Hochschulrat hat die Ergebnisse im Mai 2026 zur Kenntnis genommen und swissuniversities mit weiteren Vertiefungen beauftragt. Deren Ergebnisse werden im Laufe des Jahres 2027 erwartet. Anschliessend wird der Hochschulrat über das weitere Vorgehen sowie über konkrete Massnahmen und deren Finanzierung entscheiden.
Attraktive ärztliche Weiterbildungs- und Assistenzstellen sind zentral, um mehr Fachärztinnen und Fachärzte, besonders in der Grundversorgung, auszubilden. Im Rahmen der Agenda Grundversorgung hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) deshalb diverse Massnahmen zur Förderung der Weiterbildung entwickelt. Sie werden nun in einem Grundlagenbericht priorisiert und konkretisiert. Die Förderung von ambulanten Weiterbildungsstellen wird dabei ein zentrales Thema sein. Erste Ergebnisse werden im Oktober 2026 dem Dialog Nationale Gesundheitspolitik unterbreitet. Die Gesamtergebnisse zur Umsetzung der beiden genannten Motionen werden voraussichtlich bis Mitte 2027 vorliegen.
Erst auf Basis der Ergebnisse der Grundlagenarbeiten können Bund und Kantone beurteilen, welche Massnahmen im Ausbildungs- und im Weiterbildungsbereich geeignet sind und welcher finanzielle Bedarf in den beiden Bereichen unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Finanzierungslogiken entsteht.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion. - Eingereichter Text
Der Bundesrat wird beauftragt, im Rahmen einer Neuauflage des «Sonderprogramms Humanmedizin» die Aus- und Weiterbildungskapazitäten in der Humanmedizin nachhaltig zu erhöhen. Dazu soll er eine Sonderfinanzierung von 100 Mio. Franken bereitstellen, um die Anzahl Studienplätze sowie Weiterbildungsstellen im stationären und ambulanten Bereich auszubauen.
- Begründung
Die Schweiz steht vor einem doppelten Versorgungsproblem: Der Bedarf an ärztlicher Versorgung steigt, weil die Bevölkerung älter wird und viele Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Jahren das Pensionsalter erreichen, was den Mangel insbesondere in der Grundversorgung verschärft. Bereits heute ist die Abhängigkeit der Schweiz von ausländisch ausgebildeten Fachkräften gross: 41 Prozent der in der Schweiz berufstätigen Ärztinnen und Ärzte haben ihr Medizinstudium im Ausland absolviert, gegenüber 32 Prozent im Jahr 2015[1]. Diese Abhängigkeit birgt ein erhebliches Versorgungsrisiko: Verschlechtern sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz oder verbessern andere Länder ihre Bedingungen für Fachkräfte, droht ein massiver Engpass.
Die Nachfrage nach Studienplätzen ist hoch, doch es fehlen Studien- und praktische Aus- und Weiterbildungsplätze. Das erste «Sonderprogramm Humanmedizin» (BFI-Botschaft 2017–2020) hat gezeigt, dass Bundesmittel wirken: Mit 100 Mio. Franken konnten die jährlichen Abschlüsse von 900 auf rund 1300 erhöht werden. Eine Neuauflage des Programms mit gleichem Finanzierungsvolumen soll die Aus- und Weiterbildungskapazitäten ausbauen und dem zusätzlichen Bedarf an ärztlicher Versorgung gerecht werden.
Neben dem Ausbau der Kapazitäten braucht es jedoch auch eine neue Mittelverteilung zwischen dem ambulanten und stationären Bereich. Denn immer mehr Eingriffe, die früher stationär durchgeführt wurden, werden ambulant erbracht. Die ärztliche Weiterbildung findet jedoch weiterhin überwiegend in stationären Spitälern statt. Damit die Weiterbildung auch im ambulanten Bereich gefördert werden kann, soll ein Teil der Mittel explizit für bezahlte Weiterbildungsstellen im ambulanten Bereich eingesetzt werden.
[1] https://www.fmh.ch/politik-medien/schweizerische-aerztezeitung/ausgabe-03/ausgabe-03-aerztestatistik.cfm#i213122
Dados: OpenParlData · CC BY 4.0