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Beatrice Messerli · BastA!

de
Gran Consiglio (BS)16 nov 2022

Mein Vorredner hat gewisse Bedenken, die ich durchaus auch habe, trotzdem sind wir eher der Meinung, dass man diesen Anzug überweisen könnte. Aber die Kritik ist sehr berechtigt, vor allem ist der Anzug nicht sehr durchdacht, und viele Fragen bleiben offen. Aber nach einer Podiumsveranstaltung hier im Grossratssaal müsste diesem Anzug zugestimmt werden, denn die Kritik an der jetzigen Ausbildung an der PH war unüberhörbar. Das Stichwort "Verakademisierung" fiel relativ häufig und die Praxisferne der Ausbildung wurde ebenfalls heftig kritisiert. Aber was ist damit gemeint? Es geht gar nicht so sehr darum, dass die Studierenden zu wenig Praxis erleben, sondern dass die Ausbildung in den verschiedenen Fach- und Sachgebieten zu wenig praxisorientiert sei. Dies gelte vor allem in der allgemeinen Didaktik, aber auch in der mangelnden Verknüpfung von Fachdidaktik und Unterrichtspraxis. Das ist eine Kritik, die seit Jahren immer wieder zu hören ist und seit ebenso vielen Jahren kritisiert wird. Das hängt damit zusammen, dass eine Strukturreform an der PH stattfand und viele Lehrpersonen, die damals mit einem schulischen und praxisbezogenen Hintergrund an der PH unterrichtet haben, nicht mehr weiterbeschäftigt und durch wissenschaftlich ausgebildete Personen ersetzt wurden. Der vorliegende Anzug möchte nun zu einer Ausbildung zurück, wie es sie an verschiedenen Seminaren oder pädagogischen Instituten angeboten wurde und der Zugang zumindest teilweise ohne Matura möglich war. Allerdings gab es damals schon Zugangskriterien, entweder ein qualifiziertes MOS oder DMS-Diplom, was in etwa der heutigen Fachmatura entspricht. Oder aber mindestens ein zehntes Schuljahr für den Eintritt in eine Ausbildung. Einen direkten Einstieg in die Berufsausbildung nach der Sekundarstufe 1 - da sind wir mit den Vorrednern einig - scheint uns zu früh, wenn damit gemeint wäre, bereits als Unterrichtende einzusteigen. Die Jugendlichen wären damit überfordert und die Begleitlehrpersonen ebenfalls. Es müsste mindestens ein zehntes Schuljahr und/oder ein Praktikum in einem pädagogischen Berufsfeld angeräumt werden, und darauf müsste eine allgemeinbildende Berufslehre erfolgen und damit meinen wir Fächer unterrichtet werden, damit diese in der Schule erfolgreich unterrichtet werden können. Das, bevor überhaupt daran zu denken ist, die Lernenden in ein Klassenzimmer zu lassen. Wir meinen, dass es angesichts der Lehrpersonenknappheit durchaus sinnvoll sein könnte, eine alternative oder dritte Möglichkeit neben Regelausbildung und Quereinsteigenden anzubieten. Die Regierung wäre extrem gefordert, ein Modell auszuarbeiten, das die Mängel des vorliegenden Anzugs ausmerzt und eine echte Alternative zur bestehenden Ausbildung wäre. Es müsste überlegt werden, wo und in welcher Form eine solche Ausbildung angeboten werden könnte, um die Einwände, die von meinen Vorrednerinnen und meinem Vorredner gemacht wurden, dahin zu führen, dass ein gutes Konzept ausgearbeitet wird. Denn wie bereits gesagt, angesichts der steigenden Schüler:innenzahlen braucht es dringend mehr ausgebildete Lehrpersonen, damit wir nicht irgendwann auch in Basel mit nicht ausgebildeten Personen Lücken füllen müssen. Und kantonale Ausbildungsangebote, das wissen wir spätestens seit den Weiterbildungsangeboten während der OS-Einführung, können durchaus bestehen und führen dann später doch zu anderen Anstellungen. Ich bin so eine Fachlehrerin. Ich habe nach dem zehnten Schuljahr zwei Jahre eine Berufsausbildung gemacht an der Berufs- und Frauenfachschule, und danach ein Jahr Seminar, und ich stand mit gut 20 Jahren das erste Mal im Klassenzimmer. Zugegeben, es war nicht ganz einfach, aber ich habe es überlebt, die Kinder auch. Es ist möglich, wenn auch nicht einfach.

Trascrizione
bs.recapp.ch
Istituzione
Gran Consiglio

Dati: OpenParlData · CC BY 4.0