Hanspeter Gantenbein · SVP
Gran Consiglio (TG)9 gen 2019
Trotz des Votums von Kantonsrat Hugentobler werde ich versuchen, nun wieder auf das Wesentliche zurückzukommen. Ich danke allen, die verstanden haben, dass sich unsere Interpellation nicht gegen Kitas richtet. Kantonsrat Vonlanthen hat die Probleme in seinem Votum sachlich auf den Punkt gebracht. Es ist unbestritten, dass eine sichere Bindung der Kleinstkinder zu ihren primären Bezugspersonen die wichtigste Voraussetzung für einen Start in der Kinderkrippe, beziehungsweise der Kita darstellt. Im Kleinstkindalter funktioniert die Betreuung durch die Eltern, allenfalls mit Unterstützung der Grosseltern, schlichtweg am besten. Das kann nicht wegdiskutiert werden. Es darf nicht sein, dass wir Politikerinnen und Politiker nur noch die berufliche Karriere der Eltern in den Mittelpunkt stellen. Genauso wenig dürfen wir den gesellschaftlichen Druck laufend einseitig erhöhen und dabei die Bedürfnisse der Kleinkinder unterordnen und vergessen. Es ist Zeit, dass der Grosse Rat sich einen Ruck gibt und dem anforderungsreichen Job des Mutter-, beziehungsweise Vater-Seins den notwendigen Respekt entgegenbringt. Eine Frau, die auf die Frage nach ihrer beruflichen Tätigkeit antwortet, sie sei "nur" Mutter, darf sich für diese Antwort nicht schämen müssen. Die Verweigerung von steuerlichen Abzügen für eine verantwortungsvolle Selbstbetreuung darf im Thurgau nicht weiter vorherrschen. Diese diskriminierende Situation besteht auch bei der Mutterschaftsversicherung. Dort sind Mütter ohne Arbeitsverhältnis ganz klar weniger wert. Ich bin davon überzeugt, dass wir diesbezüglich einmal mehr von einem Wohlstandsproblem reden. Wir wollen alles haben, aber wir wollen nirgends auch nur im Ansatz zurückstecken. Denjenigen Paaren, die irgendwann spät entscheiden, doch noch ein Kind haben zu wollen, aber von Beginn weg finden, dass eine Kleinstkind-Kita oder eine Nanny die Betreuung des Kindes sowieso besser handhaben wird als sie selber, rate ich, sich besser gleich einen Hund anzuschaffen. Es darf nicht sein, dass der Regierungsrat und der Grosse Rat den unumstrittenen Bindungsbedarf der Kleinstkinder zu ihren Bezugspersonen sogar noch aktiv torpedieren. Aktuell ist es nämlich so, dass selbstbetreuende Eltern, die sich dem grossen gesellschaftlichen und finanziellen Druck sowie allen Konsequenzen entgegenstellen, abgestraft und als zweitklassig diskriminiert werden.