Maja Brühlmann Zwahlen · SVP
Gran Consiglio (TG)24 mar 2021
Im Namen der SVP-Fraktion bedanke ich mich für die Beantwortung der Interpellation. Im Gesundheitswesen sind verschiedene "Player" involviert, die unterschiedliche Interessen haben, wobei diese zu meist von finanzieller Natur sind. Eine ärztliche Grundversorgung ist mir als Bürgerin wichtig, doch diese bröckelt immer mehr. So hat mein über 70-jähriger Hausarzt Ende des letzten Jahres seine Praxis geschlossen, da sie sein Nachfolger überraschend doch nicht übernommen hat. Ich habe mit Glück einen neuen Hausarzt gefunden, da ich ihm versicherte, nicht allzu oft zum Arzt zu kommen. Gleiches erlebte ich auch, als ich auf der Suche nach einem Kinderarzt war. Ist es derart unattraktiv, im Thurgau als Arzt in der Grundversorgung zu wirken? Die Beantwortung des Regierungsrates gibt diesbezüglich zahlreiche Aufschlüsse. Den Strukturwandel bei den Hausärzten kann man zwischen den Zeilen lesen. Der Hausarzt war früher ein Einzelkämpfer, der rund um die Uhr zur Verfügung stand. Für den heutigen Hausarzt steht eine ausgeglichene "Work-Life-Balance" im Zentrum. Es ist kein Wunder, dass Gemeinschaftspraxen boomen. Die Crux an diesen Praxen ist jedoch, dass die Grundversorgung auf dem Land dadurch nicht mehr gewährleistet ist. Eine grosse "Playerin" in diesem Bereich ist die Firma "Medbase". Für diese Gruppe ist sogar die Gemeinde Sulgen bezüglich Grösse zu unattraktiv. Das bringt einen zum Nachdenken. Die Ansiedlung beziehungsweise die Nachfolgelösung von Hausärzten ist für Gemeinden wichtig. Hausärzte nehmen mit ihrer Tätigkeit eine wichtige Funktion im Dorf wahr. Sie kennen ihre Patienten und damit die persönliche Situation, die für Diagnosen wichtig ist. Sie kennen ihre Patienten und übernehmen oft vielleicht auch eine erste psychologische Grundversorgung. Es ist ein weiterer Vorteil, dass es für den Patienten kurze Wege sind. Zudem schaffen Hausärzte mit ihrer Praxis attraktive Arbeitsplätze. Durch immer mehr Vorschriften und administrative Arbeiten geht die Freude am effektiven Praktizieren jedoch verloren. Ein selbstständiger Hausarzt muss sich zudem überlegen, welche Diagnosegeräte er in seiner Praxis haben will. Besitzt er beispielsweise ein Röntgengerät, muss er dieses jährlich prüfen lassen, was wiederum mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Verzichtet er auf die gängigsten Diagnosegeräte, muss er den Patienten schnell zu einem Spezialisten überweisen, was wieder mit Kosten verbunden ist. Meines Erachtens sind Gemeinschaftspraxen deshalb sicherlich ein Zukunftsmodell, wie es die heutige Situation bereits zeigt. Deshalb ist es wichtig, dass der Kanton keine zusätzliche Bürokratie aufbaut, sondern solche Modelle unterstützt. Die SVP-Fraktion wünscht sich, dass sich der Kanton weiterhin aktiv einbringt und so den einen oder anderen jungen Arzt in den Thurgau zurückholt, der sich dann an der Basis, sprich in der Grundversorgung, engagiert. Wir bedanken uns bei den Interpellanten für die gestellten Fragen und beim Regierungsrat für die Beantwortung. Mir ist bewusst, dass es kein Patentrezept gibt. Es lohnt sich jedoch, an diesem Thema dranzubleiben, da uns eine gute Grundversorgung hilft, die Gesundheitskosten im Blick zu behalten.