Jigme Shitsetsang · FDP
Shitsetsang-Wil: Auf die Vorlage ist einzutreten. Ich lege meine Interessen offen: Ich bin Stadtrat und Bewohner der Stadt Wil.
Heute beraten wir mit WILWEST nicht irgendein Projekt. Es geht um eine strategische Weichenstellung für den Kanton St.Gallen, für den Wirtschaftsstandort Ostschweiz und insbesondere für die Region Wil mit rund 120'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. WILWEST ist ein Leuchtturmprojekt. An einer verkehrstechnisch idealen Lage entsteht eine moderne, vernetzte und nachhaltige Wirtschaftszone – ein echter Mehrwert für die gesamte Ostschweiz. Gerade jetzt, da die Kantone St.Gallen und Thurgau mit hohen Defiziten ringen und mit der Abwanderung eines Schwergewichts wie der Helvetia Versicherungen ein weiterer Warnruf ertönt, braucht es ein klares Signal des wirtschaftlichen Aufbruchs.
WILWEST ist mehr als ein Wirtschaftsprojekt. Es ist ein zentrales Element des Agglomerationsprogramms Wil und damit essenziell für die verkehrliche Entlastung der gesamten Region. Nur mit diesem Projekt können dringend notwendige Verbesserungen realisiert werden wie z.B. neue Bahn- und Bushaltestellen, neue und sichere Fuss- und Veloverbindungen und ein zusätzlicher, vom Bund finanzierter Autobahnanschluss und damit die dringend benötigte Entlastung für die gesamte Region Wil und sämtliche umliegenden Gemeinden.
Heute staut sich der Verkehr vor den Autobahnausfahrten in Wil regelmässig über hunderte von Metern auf dem Pannenstreifen – eine untragbare Gefährdung sämtlicher Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn. Ohne WILWEST bleibt diese Situation bestehen mit allen bekannten negativen Folgen für den öV, für die Pendlerinnen und Pendler und für die regionale Entwicklung. WILWEST ist eine Investition in die Resilienz unseres Kantons und ein Bekenntnis zur kantonalen Solidarität. Diese Solidarität hat unseren Ringkanton stets gestärkt. Sie wurde gelebt bei den Umfahrungsstrassen im Toggenburg, beim Campus Wattwil, bei der Erweiterung der Kantonsschule Sargans oder z.B. auch beim Klanghaus. Immer war es ein Miteinander, das solche Projekte möglich gemacht hat.
Der Kanton St.Gallen hat auch immer wieder in Projekte investiert, die einzelnen Sektoren oder spezifischen Interessen dienten, weil wir als Ganzes davon profitieren. Denken wir z.B. an die Unterstützung für die Landwirtschaft bei der Umsetzung des Meliorationsprogramms, beim Hochwasserschutz, bei Agrarstrukturen oder bei der Finanzierung von Tierwohl und Biodiversitätsbeiträgen – stets mitgetragen von diesem Kantonsrat und von der Stimmbevölkerung, auch aus den städtischen Regionen.
Diese Solidarität war und ist nie selbstverständlich. Sie beruht auf gegenseitigem Vertrauen und auf der Überzeugung, dass der Kanton nur dann stark ist, wenn alle Regionen und alle Sektoren zusammenstehen. Wenn wir nun heute zaudern, verlieren wir Chancen, Arbeitsplätze und Perspektiven, nicht nur für die Region Wil, sondern für den gesamten Kanton. Eine Ablehnung von WILWEST wäre ein fatales Signal und ein Bruch mit der bewährten kantonalen Solidarität. Das Vertrauen zwischen den Regionen würde Schaden nehmen. Künftige Vorhaben, ob im Zentrum oder in der Peripherie des Kantons, würden schwerer mehrheitsfähig werden und St.Gallen verlöre im Standortwettbewerb weiter an Boden gegenüber Kantonen, die mutig investieren und bereit sind, Bundesmittel abzurufen. Wir dürfen hier nicht abseits stehen. Darum bitte ich Sie, nehmen wir als Kantonsräte unsere Verantwortung wahr: Sagen wir Ja zu einem starken Ringkanton, Ja zur kantonalen Solidarität, Ja zu einer zukunftsfähigen Ostschweiz mit funktionierender Mobilität und echten Perspektiven.