Dringender Handlungsbedarf aufgrund unhaltbarer Zustände an der Pädagogischen Hochschule FHNW
(24.5355)- RedeBalz Herter(Die Mitte)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Balz Herter (Mitte-EVP): Die Interpellantin ist mit der Antwort nicht zufrieden. Die Interpellation ist erledigt.
- RedeAnouk Feurer(jgb)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Anouk Feurer (GAB): Vielen Dank für die mündliche Beantwortung. Es freut mich sehr herauszuhören, dass uns die Studierenden an der PH sehr wichtig sind und dass es ein Grundsatz ist, dass die PH gestärkt werden muss, auch zu Zeiten des Lehrkräftemangel. Was mich aber doch ein bisschen überrascht ist, dass ausser dem baldigen Austausch, der angetönt wird und dem bald zu erneuernden Leistungsauftrag nicht wirklich viel geplant ist. Es ist nicht von einer Taskforce oder von sonstigen Konzepten die Rede, oder ich habe nichts davon gehört.
Der vierkantonale Regierungsratsausschuss wird sich zeitnah treffen mit der Leitung der PH und der FHNW und sich über die Probleme orientieren lassen. Meine Frage ist, wieso das erst jetzt passiert, denn der offene Brief kam im Juli. Die Ergebnisse sind jetzt auch schon vor ein paar Wochen veröffentlicht worden und nächste Woche fängt die Uni an. Es wäre eigentlich ein sehr gutes Zeichen, dass gerade die technischen Probleme behoben sind, bis jetzt die neuen Studierenden anfangen und topmotiviert ins Semester starten können.
Ausserdem sind ja diese Probleme nicht erst seit Juli in unserem Bewusstsein. Anscheinend gibt es Studierende, die vor acht Jahren abgeschlossen haben und auch schon mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Damit komme ich auch gerade zu meiner nächsten Frage. Es wird geredet von einem kontinuierlichen und konstruktiven Austausch zwischen den Hochschulegremien und der Leitung der FHNW und der PH und auch, dass sich der Austausch bewährt habe. Und ich glaube, dass sich in vielen Aspekten bewährt, dass ein Austausch stattfindet, dass man voneinander lernt. Gleichzeitig ist es ja jetzt trotzdem zu diesen Problemen gekommen, und da ist meine Frage, inwiefern dann der Austausch noch besser stattfinden kann, damit es sich wirklich bewährt, dass es diesen Austausch gibt.
Ich gehe aber auch einig, dass die Debatte in den Medien nicht unbedingt ein Werbeclip ist für die PH. Aber wir müssen auch sagen, dass es die höchste Eskalationsstufe ist, dass die Studierenden der PH sich an die Medien gewendet haben oder auch den Medien Auskunft gegeben haben. Es ist eigentlich ein Armutszeugnis, dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass sie sich an die Medien haben wenden müssen, damit sich etwas bewegt.
Die Umfrageergebnisse sind tatsächlich online einsehbar auf «starke Schule BL». Ich möchte aber wirklich auch anerkennen, es ist vermutlich äusserst schwierig, als 4 Trägerkantone zusammen zu sitzen an einem Tisch, Lösungen zu finden. Aber das muss es uns jetzt auch wirklich einfach wert sein, denn die Lehrkräfte sind unsere Zukunft. Die PH muss gestärkt werden. Wir brauchen junge, gut ausgebildete und motivierte Menschen im Lehrberuf. Und weil ich jetzt finde, dass dem in dieser Antwort nicht wirklich Rechnung getragen worden ist, bin ich mit dieser Antwort nicht zufrieden.
- RedeBalz Herter(Die Mitte)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Balz Herter (Mitte-EVP): Die Interpellantin hat nun Gelegenheit zu erklären, ob sie mit der Antwort zufrieden ist.
- RedeMustafa Atici(Sozialdemokratische Partei)Mitglied des RegierungsratesGrosser Rat
RR Mustafa Atici, Vorsteher ED: Gerne beantworten wir diese Interpellation wie folgt.
Zu Fragen 1 und 2: Der Regierungsrat hat Kenntnis davon, dass eine Studierendengruppe der FHNW einen offenen Brief verfasst hat. Dieser wurde der Vorsteherin und dem Vorsteher der Bildungsdirektion der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft wie auch den Mitgliedern des Landrats und dem Grossen Rat zugestellt. In diesem Brief werden insbesondere technische Probleme bei der Belegung von Studienmodulen sowie das fehlende Gehör seitens der FHNW für studentische Anliegen moniert. Der Regierungsrat bedauert, dass es an der PH FHNW zu Belegungsproblemen gekommen ist. Er bedauert zudem, dass ein Teil der Studierende der PH FHNW offenbar nicht mit ihrer Ausbildung zufrieden ist. Der Regierungsrat erachtet es deshalb als gut, dass die Studierendengruppe auf Empfehlung der Bildungsdirektionen mit dem Direktor der Pädagogischen Hochschule das direkte Gespräch suchte. Der Regierungsrat hat Kenntnis davon, dass dieses Gespräch für beide Seiten konstruktiv verlief. Zur Umfrage und zu den Ergebnissen selber kann der Regierungsrat keine Auskunft geben. Die Ergebnisse kennt er selber aus den Medien. Der vier-kantonale Regierungsausschuss, der für die politische Lenkung der FHNW-Geschäfte zuständig ist, wird sich zeitnah von der Pädagogischen Hochschule und der FHNW-Leitung über die aktuellen Fragestellungen und Probleme orientieren lassen.
Zu Frage 3: Die Trägerkantone steuern die FHNW mittels eines Leistungsauftrags. Der Leistungsauftrag an die FHMW umfasst neben den allgemeinen Zielen, die für die ganze FHNW gelten, auch spezifische Vorgaben an die GA. Diese Vorgaben werden im engen Austausch mit den für die Schulen unter die Hochschulsteuerung zuständigen Gremien im Bildungsraum Nordwestschweiz erstellt. Der neue Leistungsauftrag für die Jahre 2025 bis 2028 steht derzeit in parlamentarischer Beratung. Die PH-Vorgaben umfassen vier inhaltlich ausgerichtete Ziele mit insgesamt elf spezifizierenden Unterzielen. Erste Ziel ist, die Studierenden durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis und einer auf die Praxis orientierten Ausbildung optimal auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Der Regierungsausschuss steht in einem kontinuierlichen Austausch mit der FHNW vor, um die Zielerreichung zu überprüfen und bei Bedarf einzufordern.
Zu Frage 4a: Der Praxisbezug ist ein wichtiges profilbildendes Kriterium von Fachhochschule und Pädagogischer Hochschule. Im Leistungsauftrag an die FHNW für die Jahre 2025 bis 2028 ist festgehalten, dass mindestens 75 Prozent der Dozierenden über ein Minimum von fünf Jahren praktischer Unterricht- beziehungsweise Berufserfahrung verfügen müssen. Zudem wird die FHNW aufgefordert, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Dozierende parallel zu ihrer Tätigkeit an der FHNW auch in der Berufswelt arbeiten können.
Zu Frage 4b: Die FHNW ist eine im Rahmen des Staatsvertrags und des Leistungsauftrags selbst verwaltete Hochschule. Die organisatorischen Abläufe und ihre stetige Verbesserung obliegen der Verantwortung der Hochschulleitung und der Gesamtleitung der FHNW. Sie bilden die operativen Leistungsorgane der FHNW.
Zu Frage 4c: Im Berichtsjahr 2023 verzeichnete die PH FHNW eine Zunahme von Neueintritten von 14,6 Prozent. Diese Entwicklung ist mit Blick auf die grosse Nachfrage an Lehrpersonen erfreulich. Wie erwähnt stehen der Regierungsausschuss des Bildungsraums Nordwestschweiz und die für die PH FHNW zuständigen Schul- und Hochschulgremien in einem kontinuierlichen und konstruktiven Austausch mit der Leitung der PH FHNW. Allfällige Probleme und Verbesserungsbedarf werden regelmässig und gezielt angesprochen. Mit Blick auf die Notwendigkeit eines zufriedenstellenden Studierendenbestands erachtet der Regierungsrat eine in den Medien ausgetragene Debatte über die Pädagogische Hochschule für kontraproduktiv. Sie wird der Qualität und der Seriosität der Hochschule nicht gerecht und wirkt auf potenzielle Studieninteressierte zu Unrecht abschreckend.
Zu Frage 5: Der vier-kantonale Regierungsausschuss trifft sich mehrmals im Jahr. Zudem finden regelmässig Sitzungen mit einer Delegation des Fachhochschulrats unter Beizug der Fachhochschulleitung und ebenfalls mit der Leitung der PH FHNW statt. Nicht zuletzt steht der Regierungsausschuss in regelmässigem Kontakt mit der interparlamentarischen Kommission FHNW. Diese Austauschgefässe haben sich bewährt, um sich über allfällige Probleme und Fragestellungen auszutauschen und sie kompetenzen- und stufengerecht anzugehen.
- RedeBalz Herter(Die Mitte)Mitglied des Grossen RatesGrosser Rat
Balz Herter (Mitte-EVP): Der Regierungsrat wird die Interpellation mündlich beantworten. Die Interpellantin verzichtet auf eine Begründung.
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