Discurs
Wir wissen auch: Die Spitalfinanzierung auf Basis der SwissDRG ist ein Rahmen, der den Handlungsspielraum sehr begrenzt, besonders für kleine Spitäler in Randregionen. Die betriebswirtschaftlichen Anforderungen an eine Geburtenabteilung – ich gehe davon aus, dass das wohl auch ein bisschen der Auslöser der Motionen ist – mit 24/7-Verfügbarkeit, Fachpersonal und Infrastruktur lassen sich, so lesen wir oder haben wir gelesen, im Spital Frutigen kaum mehr erfüllen; dies gerade auch im Wissen um eben diesen Fachkräftemangel. Insofern ist es nachvollziehbar, dass der Regierungsrat den Entscheid der FMI AG respektiert und mitträgt.
Jetzt kommt das Aber, ein grosses Aber, und das ist unser Punkt. Die Bevölkerung im Kandertal und darüber hinaus hat schon auch etwas anderes verdient als einfach einen pragmatischen Schlusspunkt, eine Erklärung, wie es ist. Die Ziff. 1 der Motion verlangt, gemeinsam mit der FMI AG und den Gemeinden aufzuzeigen, welche strukturellen Massnahmen nötig sind, um den Standort Frutigen langfristig zu sichern. Diese Diskussion, wir haben es gehört, scheint ja auch noch nicht abgeschlossen zu sein, und es gibt Ideen: den Ausbau der Notfallversorgung, die Integration einer psychiatrischen Tagesklinik, Kooperationen mit Hausarztpraxen. Das alles steht noch am Anfang, und solange nicht klar ist, wie die Weiterentwicklung konkret aussieht und ob sie tatsächlich den Wegfall der Geburtshilfe und anderer stationärer Leistungen auffangen kann, kann man sehr wohl eine Abschreibung als verfrüht beurteilen.
Die Ziff. 2 verlangt eigentlich auch nichts Unzumutbares, sondern dass der Regierungsrat die Rolle des Spitals Frutigen in der regionalen Gesundheitsversorgung aktiv stärkt. Das ist auch noch nicht ganz erfüllt. Eine Anerkennung der Bedeutung braucht auch hier mehr als einen Satz in der Antwort. Sie braucht politische Handlungskraft, strategischen Einbezug der Region und echte Optionen für eine wohnortsnahe Versorgung, auch abseits der klassischen Spitalstrukturen. Das ist mir wichtig: Es müssen nicht Spitäler sein.
Wir Grünen sagen deshalb: Ja, wir verstehen die Grenzen des Systems, aber wir möchten nicht, dass mit der Abschreibung der Eindruck entsteht, das Thema sei jetzt erledigt. Denn das ist es nicht. Wir brauchen neue Wege. Die klassische Vorstellung von «Spital gleich gute Versorgung» greift zu kurz. Gerade im Bereich der Geburtshilfe sehen wir, wie wichtig es ist, umzudenken. Gesunde Schwangerschaften sind kein Krankheitsfall. Trotzdem werden sie in unserem System als solche behandelt, was zu ökonomisch getriebenen Fehlanreizen führt. Gerade die Geburtshilfe muss wieder als Teil einer umfassenden Grundversorgung verstanden werden, eben nicht nur in einem Spital, sondern zum Beispiel hebammengeleitet, regional vernetzt, menschlich.
Andere Kantone machen es vor. Auch im Ausland gibt es gute Beispiele, und solche Modelle sind machbar, auch bei uns. Sie brauchen aber auch den politischen Willen, und dieser fängt eben auch an mit: nicht abschreiben, sondern hinschauen.
Die grüne Fraktion hört deshalb auch bezüglich der Abschreibung der Ziff. 1 und 2 gut zu – ich hoffe, meine Kolleginnen und Kollegen haben gut zugehört –, und ich gehe davon aus, dass sie helfen wird, nicht abzuschreiben. Wir fordern, dass die Diskussion über eine zukunftsfähige Versorgung auch im Kandertal weitergeführt wird und dass wir als Politik die Verantwortung nicht an Spitalgesellschaften delegieren, sondern gemeinsam Lösungen entwickeln.
Zu Ziff. 3: Ich bin froh, dass da «Geburtshilfe» steht, denn die Geburtenabteilung hat sich ja in dieser Form erledigt, und es sind, wie gesagt, unbedingt neue Modelle und vor allem ein Paradigmenwechsel im Denken nötig.
Zum Thema Geburten werde ich eine überparteiliche Interpellation einreichen (I 128-2025), damit der Regierungsrat die Möglichkeit hat, Antworten zu geben, wie wir im Kanton Bern solche Modelle eben nicht nur mit Spitälern realisieren könnten – so, wie das andere Kantone oder das Ausland machen –, damit Frauen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sicher und menschlich betreut werden.
Gerade weil neue Lösungen nötig sind, gehe ich davon aus, dass die grüne Fraktion eine Wandlung dieser Ziffer, also ein Postulat, auch unterstützen würde, damit man den politischen Willen zum Ausdruck bringt, dass man weiterdenken sollte. Merci.